Mein erstes Regionaltreffen des Selfpublisher-Verbandes

Berliner Regionaltreffen des Selfpublisher-Verbandes

Letzten Mittwoch, den 24.05.2017, war ich im Kreuzberger Kulturhaus Lettrétage zum Berliner Regionaltreffen des Selfpublisher-Verbandes eingeladen. Eine Einladung, die ich natürlich nicht ausschlagen konnte, zumal mit Anja Saskia Beyer und Babsy Tom zwei prominente Selfpubslisherinnen die Ehrengäste waren, deren Auftritt ich nicht verpassen wollte.

Präsentiert wurde der Abend von Ruprecht Frieling, der schon alleine einen Abend wert ist und ebenso souverän wie witzig eine gleichermaßen anregende und entspannte Atmosphäre erzeugte.

So kam es nicht nur zu Lesungen der beiden Autorinnen, einer Vorstellung ihrer Biografien, einiger ihrer Romane und ihres Genres, sondern auch zu einem sehr regen und lebhaften Austausch mit dem Publikum.

Das lag auch an dessen kompetenter Besetzung, da sich dort unter anderem die ebenfalls prominenten Selfpublisherinnen Tanja Neise und Nika Lubitsch tummelten.

Nun muss ich gestehen, dass der thematische Schwerpunkt des Abends – Liebesromane – nicht unbedingt mein Vorgarten ist. Trotzdem fand ich es aber durchaus spannend, mehr über das Genre zu erfahren. Es schadet ja nicht, über den eigenen Tellerrand hinaus zu sehen. Hinzu kommt, dass es am Rande durchaus auch um eher allgemeinere Fragen des Selfpublishings ging.

Ruprecht Frielings humorvolle, aber nie herablassende Art, dem Thema zu begegnen, war ein Erlebnis. Man konnte merken, dass er persönlich recht wenig mit Liebesromanen anfangen kann, aber durchaus bereit gewesen ist, ihm professionell und wertschätzend zu begegnen.

Der Abend klang in einem inoffiziellen Rahmen aus. Ich bekam die Gelegenheit, ein paar Worte mit Nika Lubitsch zu wechseln, den Ehrengästen, die ich bisher nur von Facebook her kannte, die Hand zu schütteln und kleinere Einblicke in ihre Arbeitsweise zu bekommen, was ich sehr interessant fand.

Dies war mein erster Besuch eines Regionaltreffens des Selfpublisherverbandes, aber ganz sicher nicht mein letzter. Viele interessante Menschen tummeln sich dort, die Atmosphäre ist ausgesprochen anregend und es lassen sich neue Kontakte knüpfen.

Sehr positiv möchte ich hervorheben, dass es eben keine kaffeefahrtähnlich Werbeveranstaltung des Verbands ist. Natürlich kann man an solchen Abenden dem Verband beitreten – muss es aber auf keinen Fall. In dieser Richtung wird von den Veranstaltern keinerlei Druck aufgebaut, sodass das ganze Event eher den Rahmen eines gemütliche, aber informativen Beisammenseins hat.

Ich zumindest bin noch kein Mitglied des Selfpublisher-Verbandes, werde das aber in der nächsten Zukunft auf jeden Fall ändern.

Wer Näheres zum Selfpublihser-Verband erfahren möchte und/oder einfach nur einmal nachsehen will, ob, wann und wo in seiner Nähe ein Regionaltreffen stattfindet, kann dies natürlich auf der Website des Verbandes tun:

http://www.selfpublisher-verband.de

Wieso das, was du nicht schreibst, genauso wichtig ist, wie das, was du schreibst

Wieso das, was du nicht schreibst, genauso wichtig ist, wie das, was du schreibst

Bücher, die aus Bleiwüsten bestehen, lese ich nicht. Autorinnen solcher Bücher sind das Äquivalent zu einer Gesprächspartnerin, die mich nicht zu Wort kommen lässt. Tatsächlich finde ich, dass der Leerraum eines Textes mindestens genauso wichtig ist, wie der Text. Und das liegt nicht nur daran, dass viele Absätze, ein großzügiger Zeilenabstand, große Buchstaben und ein breiter Rand angenehm fürs Auge sind.

Ja, manchmal sind nicht Autorinnen, sondern Verlage dafür verantwortlich, dass ein Buch zu einer Bleiwüste wird. Auch manche Selfpublisher haben das Problem, dass sie Druckkosten sparen müssen und sich dann entscheiden, kleine Buchstaben mit einem geringen Zeilenabstand und schmalen Rand zu wählen, damit sie einen akzeptablen Verkaufspreis für ein Buch wählen können.

Aber das meine ich nicht. Selbst ein eng bedrucktes Buch kann viel Weiß lassen. Nämlich durch kurze Sätze und viele Absätze.

Kurze Sätze und viele Absätze verraten mir in der Regel über einen Text – ohne dass ich den Inhalt kennen muss -, dass dessen Autorin an die Leserinnen denkt. Autorinnen, die ihre Texte auf diese Weise verfassen, wissen, dass Texte ihre Wirkung nicht dadurch entfalten, dass sie möglichst viel auf möglichst engem Raum mitteilen.

Ein wirklich guter Text kann mit wenig Worten einen Gedanken, ein Gefühl oder ein inneres Bild bei der Leserin auslösen, weil es genau die richtigen Worte sind, die die Fantasie befeuern.

Herausragende Autorinnen vertrauen auf ihre Leserinnen, dass sie mitdenken und mitfühlen und mit ihrer Fantasie ergänzen, was weggelassen wird. Die besten Texte stehen nicht auf dem Papier, sondern entstehen im Kopf der Leserinnen.

Je besser die Autorin, desto weniger Worte benötigt sie, um eine große Wirkung zu erzielen.

Eine der berührendsten Geschichten ist für mich Ernest Hemingways Kürzestgeschichte:

»Zu verkaufen:

Babyschuhe. Nie getragen.«

Das ist nicht etwa der Titel der Geschichte.

Es ist die Geschichte.

Sie entfaltet ihre Wirkung nicht dadurch, dass Leserinnen möglichst viel Informationen erhalten, sondern nur die allernotwendigsten. Eigentlich besteht sie nur aus Stichworten und einem Absatz. Die Geschichte dahinter entsteht in der Fantasie der Leserinnen.

Hemingway hat es nicht nötig, Leserinnen zu zeigen, wie genial er Sätze verschachteln, Metaphern erfinden oder eindeutig beschreiben kann. Er vertraut seinem Publikum. Es kann die Geschichte hinter den wenigen, sehr geschickt und bewusst gesetzten Worten selbst ergänzen.

Eine wirklich gute Autorin schreibt für meine Begriffe ihre Texte nicht, damit die Leserin darüber staunen kann, wie genial sie ist, sondern, damit die Leserin beim Lesen merkt, wie genial sie eigentlich selbst ist.

Eine wirklich gute Autorin lässt alles weg, was nur dazu dient, das eigene Können zu beweisen und damit aber die Fantasie ihrer Leserin einengt.

Eine wirklich gute Autorin vertraut darauf, dass sich ihre Leserin das Meiste selbst ausmalen und vorstellen kann. Sie will nicht ihre Geschichte an die Leserin bringen – sie will, dass ihre Geschichte die Geschichte der Leserin wird.

Deswegen ist der Leerraum in einem Buch mindestens genauso wichtig wie der Text. Er ermöglicht es der Leserin, Pausen einzulegen und so der eigenen Muse Zeit zu geben, das Gelesene auch zu verarbeiten.