Mein idealer Schreibplatz

Mein idealer Schreibplatz

In einem Interview mit dem Blog Mordsbuch wurde ich neulich gefragt, wo ich denn am liebsten schreibe. Ich habe eine ganze Weile über diese Frage nachgedacht und mich dann dafür entschieden, kurz zu antworten, wo ich tatsächlich die meiste Zeit schreibe: In meinem Wohnzimmersessel. Doch eigentlich ist das nich die richtige Antwort.

Ich schreibe im Wohnzimmersessel, weil es der Ort im Haus ist, an dem ich in Anbetracht der Umstände am besten schreiben kann. Ein Idealer Ort der gar mein Lieblingsschreibort ist er nicht.

Meinen Lieblingsschreibort hatte ich vor Jahren in einer anderen Wohnung. Es war ein relativ großer Schreibtisch, der vor einem großen Fenster stand. Ich konnte rausgucken, sah dann ein paar Pflanzen auf dem Balkon, die Baumwipfel des gegenüberliegenden Parks und vor allem den leeren Himmel.

Der Schreibtisch stand in meinem Arbeitszimmer. In ihm befand sich nichts weiter als Bücher in Regalen und eben der besagte Schreibtisch mit einem Computer darauf und ein Schreibtischstuhl.

Wenn ich so recht überlege, dann war ich an diesem Ort am produktivsten. Das lag auch daran, dass ich damals auch andere Lebensumstände hatte, die mir mehr Zeit zum Schreiben ließen. Aber der Schreibort hat auch etwas dazu beigetragen.

Der richtige Schreibort ist die beste Weg, um Aufschieberitis zu bekämpfen und Schreibblockaden zu überwinden.

Warum war dieser Schreibort damals für diese Zwecke idealer als der Wohnzimmersessel heute?

Das Wohnzimmer ist ein zentraler Ort des Alltags. Hier entspannen wir alle gemeinsam, spielen, empfangen Besuch usw. Natürlich steht hier kein Schreibtisch. Ich schreibe mit dem Laptop auf den Knien. Meistens ist das Wohnzimmer nicht so richtig aufgeräumt. Spielzeug liegt herum oder die Spuren des Besuchs vom letzten Abend sind noch überall zu sehen.

Das ist eigentlich kein Ort fürs kreative Arbeiten. Kreatives Arbeiten erfordert es, in den Fluss zu kommen, neudeutsch auch »Flow« genannt.

Wie man sich das genau vorstellen kann, beschreibt Cal Newport in seinem Buch »Konzentriert arbeiten«, das im Original treffender »Deep Work« heißt, sehr anschaulich am Beispiel C.G. Jungs.

Der berühmte und auch durchaus exzentrische Psychologe, aber sehr produktive Jung hatte sich für sein Arbeit sozusagen eine Festung der Einsamkeit bauen lassen: einen Turm mitten in der Natur ohne Strom. Dorthin zog er sich zurück, um an seinen Schriften zu arbeiten.

Das ist natürlich etwas extrem, aber im Prinzip sieht so der ideale Schreibplatz aus: fernab vom Alltag, ohne Ablenkungen.

Nun sind wir alle nicht dazu in der Lage, uns einen Turm in der Natur bauen zu lassen. Ich schaffe es nicht einmal, einen Schreibtisch vor ein Fenster zu stellen. Aber trotzdem kann man mit den Mitteln, die einem verbleiben, Einiges tun, um in den Flow zu kommen.

Generell ist es gut, einen Schreibtisch zu haben, auf dem möglichst nichts anderes ist, als das, was man zum Schreiben benötigt. Und auch hier ist es eine gute Idee, alles Überflüssige wegzulassen. Das ist der Grund dafür, dass ich nicht mit vielen Notizblöcken, Pinnwänden und Zetteln, physischen Karteikarten usw. arbeite.

Ich verwende auch aus diesem Grund nur meinem Laptop und Scrivener. Für mich ist das die Konzentration auf das Wesentliche.

Ich habe über die Jahre gelernt, in den Flow zu kommen, auch unterwegs und an nicht so idealen Orten. Es gelingt mir nicht immer, aber doch meistens. Eine gute Unterstützung sind für mich Apps wie Noizio, die akustisch dafür sorgen, dass ich meine Umwelt aussperren kann. Visuell habe ich ja ohnehin das Computerdisplay vor mir, das mein Sichtfeld ausfüllt.

Eben deswegen ist es für mich auch so wichtig, keine physischen Notizzettel oder Ähnliches zu verwenden. Müsste ich diese suchen, in ihnen blättern usw. wäre ich aus dem Flow wieder raus. Alles, was ich für das Schreiben benötige, muss auf meinem Display stattfinden, sonst erkenne ich die Störungen in der Umwelt. Ich verlasse dann sozusagen meinen Turm.

Dass du keine Zeit zum Schreiben findest, hat andere Gründe, als du glaubst

Dass du keine Zeit zum Schreiben findest, hat andere Gründe haben, als du glaubst

Du glaubst, Kreativität, Talent oder Sprachgefühl seien die wichtigsten Eigenschaften einer Autorin und du hättest nicht genug davon? Weit gefehlt. Vielleicht meinst du aber auch, dass du nie zum Schreiben kommst, läge daran, dass du keine Zeit hast oder dir deine Zeit falsch einteilst? Die Chancen stehen gut, dass auch das ein Irrtum ist.

Um einen Roman zu schreiben ist es vor allem notwendig, sich täglich zu motivieren. Für wie lange und wann, spielt eigentlich nur eine untergeordnete Rolle. Das gelingt nicht mit künstlerischer Begabung und auch nicht mit einem ausgeklügelten Zeitmanagement, sondern vor allem mit Willenskraft.

Allerdings ist das mit der Willenskraft so eine Sache. Du brauchst sie nicht nur zum Schreiben, sondern praktisch vom ersten Moment an, in dem du morgens einen Fuß aus dem Bett setzt. Ab diesem Zeitpunkt gibt es tausend Dinge, die an deiner Willenskraft zehren:

Du musst dich dazu durchringen, morgens früh aufzustehen, zur Arbeit zu gehen, deine Familie zu versorgen, deine Hausarbeit zu verrichten. Und noch viele andere Tätigkeiten verbrauchen deine Willenskraft, die dir auf den ersten Blick vielleicht nicht bewusst sind:

  • Nein sagen zu den leckeren, aber ungesunden Versuchungen beim Bäcker.
  • Nein sagen zu zehnten Tasse Kaffee.
  • Nein sagen zur Zigarette, denn du willst dir ja gerade das Rauchen abgewöhnen.
  • Während der Arbeit geht es darum, stets freundlich und aufmerksam zu bleiben, auch wenn es dir schwerfällt, weil du müde, hungrig oder einfach nur genervt bist.
  • Sport treiben wäre auch noch eine gute Idee, obwohl du lieber die Füße hochlegen möchtest.
  • Als wäre das alles nicht genug, findet später noch der Elternabend statt, zu dem du dich aufraffen musst, obwohl du viel lieber endlich den Feierabend genießen und schreiben würdest.
  • Solltest du nach einem langen Tag doch noch irgendwann Zeit zum Schreiben finde, ertappst du dich dabei, sinnlos vorm Fernseher durch die Kanäle zu zappen. Und falls du dich dann doch dazu aufraffen kannst, deinen Laptop in die Hand zu nehmen, surfst du statt zu schreiben lieber auf YouTube oder Facebook herum oder verdaddelst gleich deine Zeit mit dem Handy.

Ganz klar – du bist nicht willensstark genug. Glaubst du.

Das Gegenteil ist wahrscheinlich der Fall. Die Chancen stehen gut, dass du im Laufe deines Tages sehr, sehr viel Willenskraft aufwendest. Nur halt leider nicht fürs Schreiben. Es bleibt am Ende einfach nicht genug Willenskraft für das übrig, was dir wirklich wichtig ist.

Viele spricht dafür, dass Willenskraft eine Ressource ist. Es hilft, sich Willenskraft wie einen Muskel vorzustellen. Auch Muskeln haben irgendwann einen Punkt erreicht, an dem sie nicht mehr können.

Mit Willenskraft ist es genauso. Aus irgendwelchen Gründen nehmen viele Menschen an, sie würde uns unbegrenzt zur Verfügung stehen und wir müssten nur hart genug, diszipliniert genug oder sonstwas sein, um einfach das durchzuziehen, was wir uns vornehmen.

Die Kunst erfolgreicher Autorinnen, die ihre Manuskripte beenden und veröffentlichen, besteht also weniger in magischen literarischen Talenten oder im überlegenen Zeitmanagement, sondern darin, dass sie sich ihre Willenskraft so eingeteilt haben, dass sie am Ende des Tages noch zum Schreiben reicht.

Aber das lässt sich unter Umständen ändern. Musst du tatsächlich zu jedem freundlich sein – oder ist es vielleicht sogar besser, authentisch zu reagieren?

Außerdem ist die Willenskraft morgens größer als abends. Wer also  gleich nach dem Aufstehen schreibt, hat auf jeden Fall noch genug Willenskraft, um sich ans Manuskript zu setzen.

Die andere gute Nachricht, die mit der Metapher einhergeht, Willenskraft als einen Muskel zu betrachten: Sie kann regeneriert und trainiert werden.

Nachweisbar schlecht für die Willenskraft sind scheinbar entspannende Aktivitäten, die uns aber tatsächlich eher ermüden, z.B.

  • Binge-Watching,
  • Übermäßiges körperliches Training,
  • zu viel Essen, Rauchen, Alkoholkonsum oder
  • Surfen in den sozialen Medien.

Nachweisbar gut für die Willenskraft sind beispielsweise

  • Meditation,
  • Spaziergänge (oder andere körperliche Aktivitäten mit einem mittleren Anstrengungsniveau),
  • mindestens sechs, besser sieben oder acht Stunden Schlaf pro Nacht oder
  • das Ausüben einer kreativen Tätigkeit.

Gerade Letzteres ist eine gute Nachricht für dich als Autorin: Durch das Schreiben wird dein Willenskraft-Muskel sogar noch trainiert und regeneriert. Wer mehr schreibt, tankt damit mehr Willenskraft für den Alltag.

Mit anderen Worten: Je besser es dir gelingt, dir deine Willenskraft so einzuteilen, dass du zum Schreiben kommst, desto mehr werden auch alle anderen Bereiche deines Lebens profitieren.

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Wer mehr über das Thema erfahren will und Interesse an den biopsychologischen Zusammenhängen des Phänomens Willenskraft hat, dem empfehle ich das wunderbare Sachbuch »Bergauf mit Rückenwind« von Kelly McGonigal.

Wie du 2017 endlich dein Buch schreibst

Wie du 2017 endlich dein Buch schreibstIm Prokrastrinieren bin ich sehr erfahren. Fast zwei Jahrzehnte war es einer meiner guten Vorsätze, in jedem neuen Jahr endlich einen Roman zu schreiben. Viele vielversprechende Ansätze habe ich dann am ersten Januar begonnen, die dann bestenfalls bis zum Sommer getragen haben. Wirklich beendet habe ich ein Romanprojekt erst, nachdem ich folgende Strategien umgesetzt habe:

Perfektionismus aufgeben
Von allen Dingen, die mich am meisten vom Beenden eines Manuskripts abgehalten haben, ist Perfektionismus wohl jenes, das mich am alleremeisten beschäftigte und auch heute noch immer wieder mal ausbremst.

Das Fatale am Perfektionsimus ist die Schwierigkeit, die richtige Balance zu finden zwischen »gut genug« und »perfekt«. Denn natürlich muss so ein Manuskript am Ende wirklich gut sein, was viel Arbeit und halt eben auch Gründlichkeit erfordert. Nur kann es einfach nicht perfekt sein, denn Perfektionismus ist am Ende immer eine Illusion, ein unerfüllbares Ideal, das nie erreicht werden kann und deswegen dazu geführt hat, dass ich immer wieder frustriert aufgegeben habe.

K.I.S.S.-Prinzip
K.I.S.S. steht für »Keep it short and simple«. Ein Prinzip, das mich nicht nur beim Schreiben leitet, sondern das ich als Lebensmotto verinnerlicht habe. Der einfache Weg ist vielleicht nicht immer der beste, aber dafür hat er viele Vorteile, die das Manko aufwiegen, am Ende kein Optimimum erreicht zu haben.

Zunächst einmal hilft das Prinzip, Perfektionismus zu vermeiden (s.o.). Darüber hinaus leitet es mich bei vielen Entscheidung. An nahezu jedem beliebigen Punkt – ob beim Planen, Plotten oder Schreiben eines Romans – lassen sich stets viele mögliche Alternativen wählen. Oft blähe ich dadurch, dass ich mich für zu viele Alternativen entscheide, einen Roman auf und verkompliziere ihn. Es hilft mir, das K.I.S.S.-Prinzip immer wieder ins Bewusstsein zu rufen, um überflüssigen Ballast abzuwerfen. Unnötige Details führen nur dazu, dass ich mich verzettle und damit das Ende eines Projekts aus dem Fokus verliere.

Fokussieren
Apropos Fokus. So wie ein Romanprojekt Ballast entwickeln kann, der das Schreiben immer schwerer macht, kann auch das Leben um das Schreiben herum sich verkomplizieren. Mir hat es sehr geholfen, bewusst die Entscheidung zu treffen, mich auf das Schreiben zu fokussieren und so weit wie nur irgendwie möglich den Rest meines Lebens auf dieses Ziel hin auszurichten. Ich prüfe praktisch täglich, welche Aufgaben, Ereignisse, Verabredungen usw. anstehen und sortiere knallhart alles aus, das nicht unbedingt notwendig ist und mich vom Schreiben abhält.

Mir hilft es, gleich nach dem Aufstehen morgens eine Stunde zu schreiben. Damit habe ich das, was mir wichtig ist – also das Schreiben -, automatisch im Fokus. Ganz gleich, was mich am Tag noch so alles beschäftigt – das Schreiben habe ich bereits erledigt.

Motivation managen
Lange Zeit habe ich geglaubt, Motivation käme von allein oder würde entstehen, wenn ich mich nur ausreichend diszipliniere oder was auch immer. Bis ich von dem Konzept las, Motivation als eine Ressource zu betrachten, so wie zum Beispiel Geld. Motivation ist nicht unbegrenzt verfügbar, sondern sie wird aufgebraucht, sobald man sie benutzt – es ist immer nur die Frage, wovon und in welcher Intensität.

Einer der Gründe, wieso ich Perfektionismus abgeschworen, das K.I.S.S.-Prinzip verinnerlicht habe und mich ständig hinterfrage, ob ich noch den richtigen Fokus habe, ist die Tatsache, dass ich akzeptiert habe, dass ich mich nicht unbegrenzt zu allem in meinem Leben motivieren kann. Dies hilft mir, meine Motivation für das Schreiben aufzusparen und nicht auf andere Projekte oder Tätigkeiten zu verwenden.

Warum es wichtig ist, sich nicht zu weit aus seiner Komfortzone zu bewegen

Warum es wichtig ist, sich nicht zu weit aus seiner Komfortzone zu bewegenDie Komfortzone ist ein Begriff aus der Erlebnispädagogik. Inzwischen ist er in aller Munde, denn irgendwie hat so ziemlich jeder einmal aufgeschnappt, dass es gut sein soll, seine Komfortzone zu verlassen. Doch was genau heißt das für dich als Autor?

Ich halte es ja persönlich mit meiner Komfortzone ein bisschen wie Sheldon Cooper aus The Big Bang Theory: »Es hat einen guten Grund, dass die Komfortzone so genannt wird.« Die Komfortzone besteht aus Alltäglichem, aus Routine, dem Gewohnten, der direkten Umwelt, wie ich sie mir geschaffen habe, damit ich die Welt ein wenig aussperren kann, um mich zu erholen und neue Kraft zu schöpfen. Sie ist warm und gemütlich, hier fühle ich mich sicher, geborgen und entspannt. Ich finde, das muss man zu schätzen wissen. Mir persönlich wird ein bisschen zu viel über die Komfortzone gemeckert. Sie ist besser als ihr Ruf.

Denn hinter der Komfortzone lauert die – weniger bekannte und oft verschwiegene – Panikzone. Dort lauern die Verunsicherungen, Gefahren und Unfälle. Also genau der Ort, vor dem ich mich ja so gerne in meine Komfortzone zurückziehe.

Dazwischen gibt es jedoch die sogenannte Lernzone. Und die ist wirklich erstrebenswert. Hier warten zwar Probleme und Ungewissheit auf dich. Aber bei deren Bewältigung lernst du wichtige Dinge: Du musst improvisieren, um in der Lernzone bestehen zu können. Das ist anstrengend, allerdings nicht so vernichtend wie in der Panikzone. Aber du brauchst dieses Maß an Verunsicherung, um wachsen zu können.

Der springende Punkt bei der ganzen Angelegenheit besteht nun darin, zwischen Komfortzone und Lernzone in Intervallen zu wechseln, die auf der einen Seite einen Lerneffekt bewirken, auf der anderen Seite aber weder zur Stagnation führen, weil du doch zu häufig in der Komfortzone verweilst, noch dich so stark verunsichern und verängstigen, dass du schon in die Panikzone gerätst.

Und das ist gar nicht so einfach, denn die genauen Grenzen zwischen den einzelnen Zonen sind ja bei jedem Menschen vollkommen unterschiedlich. Deswegen ist es kritisch, irgendwelche pauschalen Ratschläge zu erteilen (»Du musst unbedingt Paragliding ausprobieren. Das ist der Kick.«), um jemanden aus seiner Komfortzone zu locken. Am Ende kannst du eigentlich selbst nur entscheiden, wo deine Komfortzone genau endet, deine Lernzone beginnt und die Panikzone dich zu verschlingen droht.

Schön und gut – aber was genau bedeutet dies alles nun für dich als Autorin?

Es bedeutet, dass es gut sein kann, nicht das zu schreiben, womit du dich am wohlsten fühlst. Es kann beispielsweise heißen, nicht in dem Genre zu verharren, dass dir am nächsten liegt.

Ich bin beispielsweise mit Science Fiction groß geworden. Nach wie vor hege ich eine Schwäche für dieses Genre. Lange Zeit war ich deswegen überzeugt davon, SF schreiben zu müssen. Allerdings habe ich Jahre damit verbracht, Roman um Roman zu beginnen, ohne je mit meinen eigenen Stoffen richtig warm zu werden. Jedes Projekt verlief im Sande, weil mir zwischendurch die Motivation ausging.

Jahre habe ich mit der Selbstanalyse verbracht, ohne meine Schreibblockaden überwinden zu können, bis ich mich dazu durchrang, einfach ins Thriller-Genre zu wechseln. Nun bin ich nicht unbedingt unbeleckt, was Thriller angeht. Ich bin auch durchaus ein Freund des Genres. Aber meine Komfortzone ist nun einmal SF. Nur war es – rückblickend – für mich nicht gut, in meiner Komfortzone auch zu schreiben.

Auf der anderen Seite habe ich mich mit dem Genre Thriller auch nicht in die »Panikzone« begeben. Ich hätte ja auch, zum Beispiel, Liebesromane schreiben können. Ein Genre, von dem ich so gar keine Ahnung habe und vor dem ich  deswegen allerhöchsten Respekt habe. Hier schreiben zu müssen, würde mich tatsächlich mit Panik erfüllen und wiederum dazu führen, dass ich unter Schreibblockaden leide.

Es kann besser sein, nicht das zu schreiben, was du liebst

Es kann besser sein, nicht das zu schreiben, was du liebst»Schreibe, was du kennst« ist einer der häufigsten Ratschläge, die ich in Schreibratgebern gefunden habe. Kein schlechter Ratschlag. Trotzdem bin ich eher ein Anhänger der Variante »Schreibe, was du liebst«. Ein kleiner Unterschied, denn unter Umständen kenne ich ja das, was ich liebe, was mich also brennend interessiert und wofür mein Herz schlägt, nicht unbedingt so gut wie andere Dinge.

Es kann jedoch besser sein, nicht das zu schreiben, was dich elektrisiert.

Eines der berühmtesten Beispiele dafür dürfte Arthur Conan Doyle sein. Beinahe seine ganze Karriere über hat er darunter gelitten, dass Sherlock Holmes seine berühmteste Schöpfung war. Eigentlich hätte er gerne ganz andere Literatur geschrieben.

Dan Wells, einer meiner Lieblingsautoren, sagt von sich, dass er jahrelang erfolglos versucht hat, High Fantasy zu schreiben, weil er diese selbst sehr gerne liest und sich in diesem Genre hervorragend auskennt. Sein Durchbruch – sowohl kreativ als auch kommerziell – gelang ihm mit übernatürlichem Horror.

Ein drittes und vielleicht interessantestes Beispiel ist für mich der Comic-Autor Stan Lee. Er hat solche Figuren wie Spider-Man oder Daredevil und noch viele andere geschaffen, die zur Zeit die Kinoleinwände und TV-Bildschirme dominieren. Mit Fug und recht kann man also behaupten, dass er einer der erfolgreichsten Geschichtenerzähler zur Zeit mit einem enormen (pop-)kulturellen Einfluss ist – wenn er auch eine etwas ungewöhnliche Karriere hinter sich hat.

Dabei war es nicht Stan Lees ursprüngliches Anliegen, Comics zu schreiben oder gar Superheldengeschichten. Wie so viele junge Autoren träumte er in den 1960er-Jahren davon, den großen amerikanischen Roman zu schreiben und in die Literaturgeschichte einzugehen.

Alle drei Autoren haben gemeinsam, dass sie, wie man heute so schön sagt, ihre Komfortzone dessen, was sie lieben, verlassen haben, um ihre größten Erfolge zu feiern. Sie haben eben nicht geschrieben, was sie lieben, sondern eher Dinge, die sie aus verschiedenen Gründen für notwendig erachteten.

Ich lese und höre das häufig: Autorinnen bekunden, dass sie „ihr Ding“ machen müssen, „genau das, was sie gerne wollen“ oder „ihrer Leidenschaft folgen müssen“ und ähnliches. Neil Gaiman ist eines der Gegenbeispiele, die mir einfallen. Ein Autor, der ziemlich kompromisslos das schreibt, wozu er sich berufen fühlt, auf eine sehr persönliche und individuelle Weise – und der damit eine glänzende Karriere gestaltet.

Es ist also nichts Falsches daran, das zu schreiben, was du liebst. Es kann aber auch genauso richtig sein, das zu schreiben, das dich dazu zwing, deine Komfortzone zu verlassen.

Stan Lee hat – ohne es wahrscheinlich bewusst zu wollen – das Superheldengenre dank seines speziellen Hintergrunds als Autor um viele Facetten bereichert. Vor ihm waren die Menschen hinter den Masken in den Comics Abziehbilder, die sich bestenfalls durch ihre Haarfarbe voneinander unterschieden (und häufig nicht einmal das). Beispielsweise mit Spider-Man erschuf er eine komplexe Figur mit einer komplexen Geschichte, deren Leben mit und ohne Maske spannend und ergreifend ist, die sich mit alltäglichen Problemen herumschlagen und mit den Konsequenzen ihres Handelns als Superheld auf einer persönlichen Ebene auseinandersetzen muss. Lauter Aspekte, die das Genre immens bereichert haben und die es zuvor einfach nicht gab.

Arthur Conan Doyle hat dank seines Hintergrunds als Arzt das Krimi-Genre mit seinen forensischen Aspekten und dem rationalen Denken praktisch erfunden. Und Dan Wells hat zumindest seine Nische gefunden, in der er Leser begeistern kann.

Das heißt nicht, dass du nicht schreiben solltest, was du kennst oder liebst. Es bedeutet nur, dass du dir durchaus Gedanken darüber machen solltest, ob es vielleicht andere Genres, andere Herangehensweisen ans Schreiben oder andere Themen geben könnte, die dich dazu zwingen, eine neue Perspektive, ein andere Haltung oder neue Potenziale zu entdecken, die du bisher nicht ausschöpfst.

Die 6:1-Regel motiviert, beim Schreiben am Ball zu bleiben

Die 6:1-egel motiviert, beim Schreiben am Ball zu bleiben

Ich schreibe täglich, aber nicht besonders lange jeden Tag. Wie für die meisten ist Schreiben für mich eine Nebentätigkeit. Somit kann ich maximal eine, wenn ich Glück habe zwei Stunden am Tag dafür erübrigen. Häufig sogar weniger.

Die Tatsache, kein hauptberuflicher Autor zu sein, zwingt mich dazu, täglich zu schreiben. So komme ich wenigstens auf im Schnitt sieben Stunden in der Woche. Damit bekomme ich rund 10.000 Wörter wöchentlich hin. Das läppert sich. In zwei bis drei Monaten entsteht dabei ein Romanmanuskript.

Mein Schreibmanagement funktioniert jedoch nur, weil ich mich wirklich jeden Morgen gleich nach dem Aufstehen an meinen Laptop setze und meine rund 1.500 Wörter runterreiße (oder halt eben Manuskripte mit einem ähnlichen Tempo überarbeite).

Was für mich nicht funktioniert: Mich nur dann an den Laptop zu setzen, wenn mich die Muse küsst.

Ich schreibe einfach immer, auch wenn mir nicht danach ist, wenn ich eigentlich lieber weiterschlafen, durch das Netz surfen oder mit der dampfenden Kaffeetasse in der Hand den Sonnenaufgang genießen würde.

Es gibt Tage, an denen ich aus dem Bett hüpfe und es gar nicht erwarten kann, mich an den Laptop zu setzen. An denen ich vor Ideen und Tatendrang nur so übersprudele und die Worte nur so aus mir herausfließen.

Halleluja! Diese Tage sind großartig. Gäbe es sie nicht, würde ich wohl nicht mehr schreiben.

Aber sie sind in der Minderheit. Die meisten Tage sind eher anstrengend. Und ich verlasse die Tastatur mit dem Gefühl, bestenfalls Durchschnittliches geschrieben zu haben, das noch vieler Überarbeitungsschritte bedarf, bis es lesenswert ist.

Es sind halt Pi mal Daumen sechs von sieben Tagen in der Woche, in denen Schreiben nicht unbedingt ein Vergnügen ist. 6:1.

Warum schreibe ich an den sechs Tagen, obwohl mir nicht danach ist? Warum lasse ich es nicht bei dem einen guten Tag?

Weil ich ersten im Voraus nie so genau weiß, wann denn diese Sternstunde meines Autorenalltags wirklich eintritt. Nur weil ich mich gut fühle, heißt das nicht, dass ich auch gut schreibe und umgekehrt.

Es gibt Tage, an denen ich mich an den Laptop quäle und dann doch einen entscheidenden Durchbruch schaffe. Und es gibt Tage, an denen ich vor Energie nur so strotze und trotzdem nichts Gescheites produziere. Weiß der Geier, warum das so ist.

Zweitens habe ich festgestellt, dass ich die sechs miesen Tage für den einen guten Tag brauche wie Sportlerinnen ihrTraining für den Wettkampf.

Natürlich ist auch die 6:1-»Regel« nur eine Verallgemeinerung, eine Art Durchschnittswert. Es gibt durchaus Wochen, in denen ich zwei oder drei gute Tage habe. Dafür gibt es allerdings auch Wochen, in denen ich sieben Tage lang mit meinen Texten oder Überarbeitungen nicht zufrieden bin.

Wieso ist es wichtig, dass ich mir diese 6:1-Regel immer wieder bewusst mache?

Sie motiviert mich, bzw. hilft mir, kreative Durststrecken zu akzeptieren. Sie bringt meinen inneren Kritiker zum Schweigen, hilft mir, Aufschieberitis zu bekämpfen und Schreibblockaden zu überwinden.

Im Prinzip sagt sie aus, dass es ganz normal ist, eine Menge Text zu produzieren, mit dem ich nicht zufrieden bin. Unter Sportlerinnen ist diese Einstellung ganz normal. Kaum eine Sportlerin erwartet in jedem Training eine Wettkampfleistung. Trotzdem sind auch die nicht so tollen Trainingstage ein wichtiger Baustein für die Fitness und das Erreichen der Ziele.

Ein naiver Teil in mir erwartet jedoch, dass ich jedesmal, wenn ich schreibe, unbedingt Höchstleistungen abliefern muss.

Die 6:1-Regel bringt mich dann wieder auf den Boden der Tatsachen.

Jede einzelne Stimme deines inneren Schreibteams hat seine Zeit (Sonntagsperlen 4)

Jede einzelne Stimme deines inneren Schreibteams hat seine Zeit

Früher gab es für mich vor allem meinen inneren Kritiker, von manchen auch innerer Lektor genannt. Der innere Kritiker ist die bohrende Stimme in deinem Kopf, die dir einredet, für das, was du gerade tust, nicht gut genug zu sein. Inzwischen habe ich festgestellt, dass es weit mehr Stimmen gibt, die mich beim Schreiben begleiten.

Ja, in mir steckt ein komplettes inneres Schreibteam. Das kann manchmal ganz schön verwirren.

1. Der Visionär

Jede neue Grundidee ist für ihn der große Wurf. Alles andere, was ich bisher geschrieben hast, ist Mist. Deswegen drängelt sich der Visionär am liebsten auch bei laufenden Projekten in den Vordergrund und versucht die Aufmerksamkeit ständig auf was Neues zu leiten, statt beim Aktuellen zu bleiben.

Der Visionär ist super, wenn es darum geht, eine neue Idee zu finden. Aber dann muss er ganz, ganz schnell auf die Ersatzbank verbannt werden, wo er mit den Füßen scharrend unruhig hin und her rutscht, weil er seinen nächsten Einsatz gar nicht erwarten kann.

2. Der Zen-Mönch

Er ermahnt mich dazu, nicht sofort loszulegen, wenn ich eine neue Idee oder ein Problem habe, sondern erst einmal durchzuatmen und nachzudenken. Der Zen-Mönch hilft mir dabei, ohne schon ein konkretes Ziel vor Augen zu haben, die Idee erst einmal reifen zu lassen oder bei einem Problem nach den tieferen Ursachen zu forschen.

Außerdem ermahnt er mich, nicht zu früh zu urteilen oder Ideen zu rasch zu verwerfen, sondern alles erst einmal gleichberechtigt stehen zu lassen, damit ein Projekt auch sein volles Potenzial entfalten kann.

3. Der Personal Trainer

Diese Stimme ist der muskelbepackte Typ, der am Beckenrand steht und mich anschreit: »Schneller! Mehr! Weiter! Mach schon!«.

Der personal Trainer und der Zen-Mönch liegen in einem ewigen Clinch.

Während der Personal Trainer mich zu mehr Härte, Disziplin und Ausdauer antreibt, mahnt mich der Zen-Mönch dazu, eine Pause einzulegen, einen Schritt von der Arbeit zurückzutreten und abzuwarten, was sich so ergibt.

Ich mag den Zen-Mönch irgendwie lieber, aber ich weiß, dass ich auf den Personal Trainer auch nicht ganz verzichten kann.

4. Der Pessimist

Der Pessimist kommt meinem inneren Kritiker noch am nächsten. Er macht nun wirklich alles madig, was ich schreibe, macht sich über jede Ambition lustig und will ständig den ganzen Kram hinschmeißen. Jedes Wort legt er auf die Goldwaage, jedes Plotelement wird überkritisch hinterfragt, jede Figur für nicht gut genug erklärt. Und überhaupt taugt doch alles nichts.

Von allen Mitgliedern meines inneren Teams hasse ich meinen Pessimisten am meisten. Aber auch er hat seine Berechtigung, wenn ich ihm ab und zu mal ein Date mit meinem Personal Trainer spendiere. Denn nur, wenn es mir gelingt, die negativen Gedanken des Pessimisten umzuleiten, um mir einen Ansporn zu liefern, besser zu werden, frage ich ihn um Rat.

An Tagen, an denen ich fürchte, dass der Pessimist die Oberhand gewinnen könnte, lasse ich ihn lieber links liegen und unterhalte mich gleich mit meinem Zen-Mönch. Der ist viel cooler drauf.

5. Der Erbsenzähler

Der Typ ist der beste Freund vom Pessimisten und ich vermute, er steckt auch irgendwie mit dem Personal Trainer unter einer Decke. Er mahnt mich ständig zur besseren Recherche, achtet auf jedes Komma, fragt sich bei jedem Wort, ob es da nicht noch ein besseres gibt und bringt mich dazu, jeden Text zehnmal zu Überarbeiten, um noch ein kleines bisschen mehr Qualität herauszuholen.

Den Erbsenzähler lasse ich am liebsten erst ganz zum Schluss an ein Projekt, sonst hält der sich bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag an einem Satz auf und ich werde nie mit einem Text fertig.

Teamsitzungen

Es gibt Situationen, in denen setze ich mich mit meinem Team an einen Tisch, lehne mich zurück und lasse die einfach mal machen. Dann schaue ich dem lustigen Treiben eine Weile zu und warte ab, was herauskommt. Meistens ist das mehr oder weniger zu Beginn eines Projekts oder wenn ich einen Hänger habe.

In anderen Situationen frage ich gezielt ein oder zwei Teammitglieder um Rat. Im Zweifelsfall höre ich auf meinen Zen-Mönch.

So genutzt, bringt das Team mich weiter. Kritisch wird es, wenn sich unbewusst eines der Mitglieder in den Vordergrund drängt und die Regie übernimmt, ohne dass ich das merke. Denn keines von ihnen ist gut genug, um alleine ein Projekt zu bewältigen und es kommt zu Schreibblockaden. Bewusst eingesetzt hilft mein Schreibteam mir, diese zu überwinden.