Widerstehe der Versuchung, Kurzgeschichten zu schreiben

Widerstehe der Versuchung, Kurzgeschichten zu schreiben-2
Kurzgeschichten sind scheinbar eine gute Idee. Überall gibt es Wettbewerbe, bei denen man sie einreichen kann. Du kennst sie aus dem Deutschunterricht, wo sie als hochliterarisch gelobt und häufig besprochen werden. Alle großen Schriftsteller scheinen sie geschrieben zu haben – warum also nicht auch du?

Und, hey, sie sind kurz, was soll schon passieren? Mal so eine Kurzgeschichte schreiben, auch nur zu Übung – das kann doch nicht schaden …

Doch. Kann es. Und hier einige Argumente, warum du der Versuchung Kurzgeschichten zu schreiben, widerstehen solltest, wenn du eigentlich doch Romane schreiben möchtest.

1. Kurzgeschichten sind eine Form der Prokrastination

Die Aufschieberitis lauert überall und hat viele Masken, wenn du so ein langwieriges und schwieriges Projekt wie einen Roman in Angriff nimmst. Gerade Tätigkeiten, die so wirken, als würden sie mit deinem Romanprojekt zutun haben, bilden eine besonders heimtückische Zeitfalle.

Kurgeschichten sind doch eine tolle Übung, liest du vielleicht auf Blogs oder in Schreibratgebern. Versuche dich erst einmal mit einem kurzen Text, bevor du einen Roman schreibst, ist ein gut gemeinter Ratschlag, den ich immer wieder lese.

Aber Romane schreiben lernst du vor allem, wenn du Romane schreibst. Ja, natürlich können Kurzgeschichten in gewisser Weise eine gute Vorbereitung für das Romanschreiben sein. Das kann aber das Auswendiglernen des Dudens oder das Verfassen von Gedichten auch sein. Natürlich lernst du beim Schreiben immer etwas dazu, ganz gleich, was du schreibst. Doch wenn du Kurzgeschichten schreibst, lernst du vor allem, Kurzgeschichten zu schreiben, nicht das Schreiben von Romanen.

Kurzgeschichten sind verführerisch, weil sie eben so schön kurz sind und deswegen beherrschbarer als ein Manuskript von 100.000 Wörtern. Sie mögen dir vielleicht leichter fallen. Aber eine gute Vorbereitung oder Übung für das Schreiben von Romanen sind sie nicht. Sie halten dich nur davon ab, das zu tun, was du eigentlich möchtest.

2. Kurzgeschichten haben mit Romanen wenig zu tun

Kurzgeschichten und Romane wirken auf den ersten Blick verwandt. Beide erzählen eine Geschichte, beide verwenden dazu Prosa, haben Dialoge, Beschreibungen, einen Spannungsaufbau und so weiter.

Viel wichtiger aber als die Gemeinsamkeiten sind die Unterschiede. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht danach aussieht: Kurzgeschichten haben viel mehr mit Gedichten gemeinsam als mit Romanen. Kurzgeschichten leben von der Kürze, also der  sprachlichen Verdichtung. Der Roman ist das genaue Gegenteil. Zu ihm greifen die Leserinnen gerade wegen seiner epischen Breite. Eine Kurzgeschichte ist nun einmal Kurz und muss sich deswegen auch sprachlich stark einschränken, wenn sie denn gut sein soll. Sie lebt von Andeutungen und Leerstellen, die der Roman gerade füllt.

Insofern schadet es sogar deinem Stil, wenn du Kurzgeschichten schreibst. Es kann gut sein, dass du dann beim Romanschreiben deinem Publikum exakt die Dinge vorenthältst, die  sie eigentlich gerne lesen wollen.

3. Kurzgeschichten haben eine stark eingeschränkte Zielgruppe

Das Genre der Kurzgeschichten ist bei Germanisten, Literaturkritikern in Schreibseminaren oder bei Literaturwettbewerben sehr beliebt. Diese stellen aber eine Literatenblase dar, die nicht viel mit dem breiten Publikum für Romane zutun hat. Wenn du dich damit zufrieden geben willst, für eine Elite und für Wettbewerbe zu schreiben, dann sind Kurzgeschichten eine gute Idee.

In der Regel möchtest du aber als Romanautorin ja viele Leserinnen erreichen.

Auf den ersten Blick scheinen Kurzgeschichten durchaus erfolgreich zu sein. Immerhin gibt es viele Kurzgeschichtensammlungen auf dem Markt. Immer wieder erscheinen Anthologien, die auch beworben und gelobt werden.

Aber wirf einen Blick in die Amazon-Charts, auf die Spiegel-Bestsellerliste oder auf beliebige andere Verkaufsränge. Hier tauchen so gut wie nie Kurzgeschichtensammlungen auf. Sie fehlen hier nicht nur in den Top 10, sondern auch in den Top 20, 40, 50 …

4. Mit Kurzgeschichten verbrennst du deinen Namen

Kurzgeschichten sind auch deswegen verführerisch, weil du sie vielleicht in der Regionalzeitung in Form eines Kurzkrimis oder bei einer ähnlichen Publikationsform leicht unterbringen kannst. Leichter jedenfalls als ein Romanmanuskript bei einem großen Publikumsverlag. Das kann kleines, aber schnelles Geld bedeuten und dir eine Plattform liefern, die immerhin ein paar hundert, wenn nicht ein paar tausend Leute lesen. Das klingt doch gut, oder?

Diese Veröffentlichungsform ist meiner Ansicht nach eine Sackgasse. Es ist eine Illusion zu glauben, dass die Leute, weil sie eine tolle Kurzgeschichte von dir lesen, sich Monate oder Jahre später auch an deinen Namen erinnern und dann zu deinem Roman greifen. Für eine Handvoll Leute mag das stimmen. Für die Masse eher nicht.

Vor allem funktioniert das meiner Erfahrung nach nicht bei Lektoren oder Agenten. Denen ist in der Regel ziemlich gleichgültig, ob du Kurzgeschichten irgendwo erfolgreich veröffentlich hast, wenn es darum geht, dein Romanmanuskript zu beurteilen.

Nur, weil der umgekehrte Fall funktioniert, tappen viele in diese Wahrnehmungsfalle. Ja, wenn ein bereits etablierter Autor mit einem Massenpublikum, wie z.B. Stephen King, Kurzgeschichten irgendwo veröffentlicht, die begeistert gelesen werden und sich im Anschluss dann seine Romane super verkaufen, heißt das nicht, dass das bei dir auch klappt.

Wenn du Pech hast, setzt ein gegenteiliger Effekt ein: Die Menschen verbinden mit deinem Namen die netten Kurzkrimis und trauen dir nicht zu, auch einen komplexeren Roman schreiben zu können.

Die Top 10 Folgen der SchreibDilettanten

Wöchentlich veröffentlichen Axel Hollmann und ich eine neue Folge unseres Vlogs für Autorinnen Die SchreibDilettanten auf YouTube.

Neulich erreichte mich die Frage, welche 10 der inzwischen über 150 Videos ich denn für den Einstieg empfehlen würde. Natürlich beantworte ich die Frage sehr gerne:

 

Die wichtigste Schreibregel: Konflikt! Konflikt! Konflikt!

Eine ganz grundlegende Folge, in der wir uns mit James N. Freys oberster Schreibregel auseinandersetzen. Viel zu häufig vergessen wir sie selbst, deswegen tut es gut, an sie zu erinnern.

 

Von der Grundidee zum fertigen Buch

Wie funktioniert das eigentlich mit dem eigenen Buch – vom Tippen des ersten Buchstabens bis hin zum Erscheinen im Buchhandel. Hier teilen wir unsere Erfahrungen.

 

10 Dinge, die einen Autor als Anfänger entlarven

Kinderkrankheiten, die alle durchmachen, die man aber ablegen sollte, bevor man sich bewirbt oder veröffentlicht.

 

Brainstorming Krimi

Stellvertretend für alle unsere Folgen, in denen wir Romane plotten. Hier kann man am praktischen Beispiel erleben, wie wir unsere Ideen entwickeln.

 

Die Maximalkapazität des Helden

Neben Konflikt! Konflikt! Konflikt! eine der wichtigsten Grundlagenfolgen unseres Vlogs. Häufig lassen wir die Hauptifugren nicht auf ihrer Maximalkapazität handeln – was nicht gut ist. Hier überlegen wir, was wir dagegen tun können.

 

Das 7-Punkte-System in der Praxis

Axel und ich sind große Fans des 7-Punkte-Systems als Hilfsmittel, um Plots zu entwickeln. Hier zeigen wir an einem praktischen Beispiel, wie wir damit arbeiten.

 

Noch einmal – Überarbeitung

Einst gab es die SchreibDilettanten nur als Podcast. Deswegen legen wir von Zeit zu Zeit alte „Audio-Only-Folgen“ als Video neu auf. Überarbeitung ist eines der wichtigsten Themen, mit dem wir immer wieder zu kämpfen haben.

 

Der ideale Leser

Für wen schreiben wir eigentlich und was bedeutet das für unsere Texte? Der ideale Leser ist ein wichtiges Hilfsmittel für die Überarbeitung unserer Romane.

 

Perspektive Reloaded

Eine weitere Neuauflage eines Klassikers. Welche Perspektiven gibt es? Für welche entscheiden wir uns aus welchen Gründen?

 

Warum ist mir in der Mitte immer so langweilig?

Eine meiner Lieblingsfolgen: Die Mitte des Romans kann man schnell unterschätzen, dabei spielen sich dort wichtige Dinge ab. Hier diskutieren Axel und ich darüber, was einen Roman in der Mitte so richtig spanend macht.

Wie lange dauert es, ein Buch zu schreiben?

Wie lange dauert es, ein Buch zu schreiben?Ich stoße immer wieder auf die Frage, wie lange es dauert, ein Buch zu schreiben. Obwohl eine pauschale Antwort schwerfällt, kann es hilfreich sein, anderen Autorinnen mal über die Schulter zu gucken und deren Arbeitsweise mit der eigenen zu vergleichen.

Es gibt erhebliche Unterschiede in der Arbeitsweise und damit auch im Arbeitstempo von Autorinnen.

Mickey Spillane beispielsweise hat nach eigener Aussage seinen Bestseller und Krimi-Klassiker des Hard-Boiled-Genres »Ich, der Richter« an einem Wochenende geschrieben. Immerhin ein 180-Seiten-Roman. Michael Moorcock rühmt sich damit, seine meisten Romane in drei Tagen zu schreiben und hat dazu sogar ein spezielles System entwickelt.

Dem steht das berüchtigte Beispiel von George R.R. Martin gegenüber, dessen Arbeitszeit an seiner »A Game of Thrones«-Serie inzwischen zu einem Running Gag geworden ist und sogar schon besungen wird.

Der Thriller-Autor J.A. Konrath erwähnt auf seinem Blog, dass er in der Regel um die drei Monate für einen Roman von einer Länge von ca. 300-400 Seiten benötigt. Einen Zeitraum, den ich für einen routinierten Vollzeit-Autor für realistisch halte.

Hier zum Vergleich ein etwas detaillierterer Einblick in meine Arbeitsweise und die Zeit, die ich mir nehme, um einen Roman fertigzustellen. Dabei muss beachtet werden, dass ich in der Regel eine, maximal zwei Stunden am Tag zum Schreiben habe, sehr selten mehr.

  1. Phase: Brainstorming und Recherche

Ich erarbeite mir das Grundgerüst eines Romans (Worum soll es gehen? Wer ist die Hauptfigur?) manchmal aufgrund eines spontanen Einfalls. Manchmal starte ich auch ohne eine Idee und brainstorme so lange, bis mir was einfällt. So oder so – anschließend recherchiere ich eine Weile, brainstorme weiter, recherchiere, brainstorme usw. Für diese Phase setze ich mir ein Maximum von vier Wochen. Danach ist Schluss. Ganz gleich, welche Fragen noch alle offen sind. Die Erfahrung zeigt: Setze ich mir hier keine Deadline und halte ich sie nicht strickt ein, dann zieht sich diese Arbeitsphase bis in alle Ewigkeit und ich fange nie mit dem Schreiben an.

  1. Phase: Figuren erschaffen und Plotten

Beides geht Hand in Hand. Mal starte ich mit dem Plot, manchmal halte ich mich länger mit den Figuren auf. Aber es ist ein Puzzlespiel, denn Plot und Figuren beeinflussen sich gegenseitig. Im Schnitt brauche ich einen Tag, um ein Kapitel zu plotten. Ein Roman von mir hat zwischen 30-60 Kapitel. Pie mal Daumen dauert diese Phase also ein bis zwei Monate.

  1. Phase: Schreiben des ersten Entwurfs

Der erste Entwurf eines Romans hat bei mir meistens so um die 100.000 Wörter. Dank des NaNoWriMos bin ich darauf trainiert, 50.000 Wörter in einem Monat zu schaffen. Auch diese Phase dauert also in etwa zwei Monate.

  1. Phase: Erste Überarbeitung

Meisten schaffe ich es, ein Manuskript erst einmal eine Weile liegen zu lassen. In der Zeit kümmere ich mich dann um neue Projekte (Grundideen finden, Brainstorming, Recherchieren …). Dann wird es überarbeitet. Auch das dauert meisten rund ein bis zwei Monate. Das Geschreibsel eines ersten Entwurfs ist häufig so schlecht, was Details der Logik und Dramaturgie angeht, dass ich noch viel Arbeit in den zweiten Entwurf investieren muss. Häufig lösche ich hier ganze Kapitel, schreibe sie grundlegend um und/oder ersetze sie durch neue Texte. Das Manuskript, was aus dieser Phase hervorgeht, nenne ich Alpha-Entwurf.

  1. Phase: Zweite Überarbeitung

Der Alpha-Entwurf geht zu meinen Alpha-Testleserinnen. Jetzt habe ich häufig ein paar Wochen Pause von dem Text, die ich meisten ebenfalls dafür nutze, um neue Projekte zu entwickeln oder zu schreiben. Habe ich die Manuskripte zurück, ist meistens wiederum viel Überarbeitung notwendig. Ich schätze, dass ich nochmal rund ein bis zwei Monate den Alpha-Entwurf überarbeite.

  1. Phase: Dritte Überarbeitung

Nach der 6. Phase halte ich den Beta-Entwurf in den Händen, der dann zu meinen Beta-Testleserinnen geht. Auch hier habe ich wiederum eine Weile Sendepause, in denen ich am nächsten Projekt arbeite. Da die Beta-Entwürfe schon recht nahe an veröffentlichungsreifen Texten sind, ist meistens nicht mehr so viel an ihnen zu überarbeiten, nachdem ich sie zurückbekomme. In der Regel brauche ich also so um die vier Wochen, um das Manuskript dann fertigzustellen.

Fazit:

Insgesamt würde ich also schätzen, dass die reine Arbeitszeit an einem Roman zehn bis zwölf Monate beträgt, den Leerlauf, den ich habe, während ich auf das Feedback von Testleserinnen warte, nicht mitgerechnet. Wie gesagt, das bezieht sich auf eine durchschnittliche tägliche Arbeitszeit von einer Stunde. Würde ich hauptberuflich Romane schreiben, ginge es wahrscheinlich in der Hälfte der Zeit.

Jede Geschichte wird besser mit einer Liebesgeschichte

Jede Geschichte wird besser mit einer Liebesgeschichte

Liebesgeschichten gehören nicht nur in den Liebesroman. Ich finde, jeder Roman wird besser durch eine Liebesgeschichte. Auch und gerade Thriller. Ich stehe da ganz in der Tradition Alfred Hitchcocks, der einmal gesagt hat, dass seine Filme im Kern Romanzen sind.

Liebesgeschichten sind als Subplot eine ideale Zutat für jeden Roman, weil berühren uns auf einer ganz grundlegenden  emotionalen Ebene berühren. Jeder sehnt sich nach Liebe und Partnerschaft. Deswegen wecken Liebesgeschichten automatisch das Interesse der Leserinnen und lassen sie mitfiebern.

Außerdem ist eine Hauptfigur ohne Liebesleben eine unvollständige Hauptfigur. Eine Liebesgeschichte rundet sozusagen jede Figur ab und macht sie dreidimensional.

Je nach Stimmung und Genre muss das nicht immer eine einfache Boy-Meets-Girl- und/oder Boy-Gets-Girl-Substory sein. Zu einem grimmigen Thriller könnte beispielsweise das Misslingen einer Partnerschaft dazugehören – oder deren plötzlicher Abbruch durch den Tod des Partners oder der Partnerin (womöglich durch die Hand des Schurken).

Realistische, sozialkritische Romane können auch zeigen, wie schwierig es ist, eine Beziehung aufrecht zu erhalten, während man gleichzeitig versucht, Serienkiller zu jagen.

Auch Dreiecksbeziehungen eigenen sich hervorragend als Unterthema für Thriller, die im Polizeimilieu spielen. Die Arbeitstage sind lang, die Nächte werden durchgemacht – dann ist es nicht weiter verwunderlich, wenn der Kollege attraktiver wird als der Ehepartner.

Dienen Liebesgeschichten als Subplot für andere Genres, wie zum Beispiel dem Thriller oder dem Krimi, ist vor allem auf zwei Dinge zu achten:

  1. Der Sublot darf nicht den Hauptplot überdecken.
  2. Die Liebesgeschichte muss (mindestens) eine originelle Wendung nehmen.

Ersteres stellt einen schwierigen Balanceakt dar. Im Thriller oder Krimi bilden der Kampf gegen den Schurken und/oder die Ermittlungsarbeit, die notwendig ist, um ihn zu stellen, den Hauptplot. Einerseits darf also die Liebesgeschichte sich nicht zu sehr in den Vordergrund rücken, andererseits sollte auch die Liebesgeschichte nicht als unabhängiger Handlungsfaden existieren, sondern mit dem Hauptplot verbunden sein.

Ein spannendes Beispiel ist Thomas Harris‘ »Schweigen der Lämmer«. Hier entspinnt sich eine eher abartige unterschwellige Erotik zwischen Hannibal Lecter und der Hauptfigur Agent Starling. Faszinierend und gruselig zugleich. Harris zeigt, wie weit man sozusagen mit der Liebesgeschichte im Thriller gehen kann und wie wichtig sie für die emotionale Intensität eines Romans ist.

Harris‘ Roman ist auch ein gutes Beispiel für eine originelle Wendung, die eine Liebesgeschichte nehmen kann. Sie entsteht an einer Stelle und auf eine Weise, wie Leserinnen sie nicht vermuten würden – und erzeugt dadurch auch Gefühle, die normalerweise nicht mit einer Liebesgeschichte verbunden werden.

Robert Blochs Psychothriller »Psycho« wagt eine andere Gratwanderung. Da hier der Haupteffekt des Romans mit der überraschenden Wendung in der Mitte zusammenhängt, mutet er seinen Leserinnen zu, einen krassen emotionalen Bruch durchzumachen.

ACHTUNG SPOILER:

Die Figur, die uns zu Beginn des Romans als Hauptfigur präsentiert wird, Mary Crane, wird uns vor allem durch ihre Liebesgeschichte nährgebracht. Das, was sie tut, ist zwar böse, aber sie tut es aus Liebe. Das erzeugt in den Leserinnen ein ambivalentes Verhältnis und gleichzeitig eine Verbindung mit ihr. Somit ist ihr gewaltsame Tod in der Mitte des Romans einerseits erschütternd, andererseits empfinden wir ihn aber auch als eine Form von Gerechtigkeit.

Dieser Zwiespalt wird im zweiten Teil der Handlung aufgelöst, wenn Marys Schwester Lila nach ihrer Schwester forscht und quasi stellvertretend für sie den Schurken stellt. Marys Liebesgeschichte mit ihrem Verlobten Sam wird indirekt fortgesetzt, wenn sich Lila und Sam als Paar ausgeben, um »verdeckt« ermitteln zu können. Von untergründiger erotischer Spannung, die gleichermaßen auch ein Tabu darstellt, ganz zu schweigen.

Sehr viel komplexer und enger verwoben mit der Haupthandlung kann eine Liebesgeschichte im Thriller eigentlich nicht sein.

Beide Beispiele zeigen, wie hervorragend Liebesgeschichten zur emotionalen Dichte eines Romans beitragen können und gleichermaßen ins Genre passen und originell sein können.

Challenge: 31 Tage Autorenwahnsinn, Tag 14 – Das letzte Buch, das ich gelesen habe

Challenge: 31 Tage Autorenwahnsinn, Tag 14 –  Das letzte Buch, das ich gelesen habeMein letztes Buch war zufällig tatsächlich auch der letzte Sebastian Fitzek »Das Paket«. Ein Psychothriller mit einem kleinem Figurenensemble, der nur an einer Handvoll Orten spielt, viele überraschende Wendungen  – so mag ich sie am liebsten. Spitze!

Challenge: 31 Tage Autorenwahnsinn, Tag 12 – Ein Zitat aus meinem letzten Manuskript

»Nein, nein«, keuchte Mara, »das dauert zu lange. Ich halt’s nicht mehr aus. Ich habe einen Zweitschlüssel.«
Er nickte. Sein Kopf fühlte sich schwer an. »Und wo?«
»In meiner Tasche.«
Er sah sich erneut um.
»Nein, nicht in meiner Handtasche. In meiner Hosentasche.«
Er starrte wieder auf ihre schwarze Leggings. Sie klebte wie eine zweite Haut auf ihren schlanken, langen Beinen. »Das Ding hat Taschen?«
»Eine Innentasche.«
»Wie praktisch.«
»Ich komme nicht ran.«
»Das macht die Sache ja so praktisch.«
»Wenn du damit fertig bist, dich über mich zu amüsieren, kannst du mich dann bitte losketten? Falls ich es noch nicht genug betont habe: Das hier tut wirklich weh.«
Er humpelte zu ihr, streckte das linke, steife Bein von sich, kniete sich mit dem rechten hin und stöhnte dabei. Er tastete ihre Hüfte ab.
»Nein, auf der anderen Seite.«
»Oh.«
Er fuhr auf der linken Seite ihre Hüfte entlang.
»In der Hose«, sagte Mara nach einer Weile. »Nicht außen. Das ist bei Innentaschen so. Du musst sie ein Stück runterziehen und reingreifen.»
»Äh.«

Was nach dem NaNoWriMo kommt

Was nach dem NaNoWriMo kommtDer NaNoWriMo ist auf der Zielgeraden noch drei Tage und es liegen noch 3.500 Wörter vor mir. Deswegen muss ich mich ranhalten und mir fehlt leider die Zeit, einen neuen Artikel zu schreiben. Aus diesem Grund gibt es heute einen überarbeiteten und aktualisierten Klassiker.

Euch viel Spaß und weiterhin viel Erfolg beim NaNoWriMo!

Der NaNoWriMo ist bald vorbei. Vielleicht hast du ja das Bedürfnis, nach dem 30.11. eine kleine Pause vom Schreiben einzulegen. Nach der großen Anstrengung im November kann es auch mal Zeit sein, ein paar Tage die Füße hochzulegen und sich selbst auf die Schulter zu klopfen – obwohl ich dir das nicht empfehlen würde.

Ein besseres Zeichen wäre es, wenn du heiß darauf bist, weiter in die Hände zu spucken und dafür zu sorgen, dass die ganze Arbeit nicht für die Schublade war.

Im NaNoWriMo geht es darum 50.000 Wörter zu schreiben. 50.000 Wörter sind allerdings noch kein Roman, sonder eher eine Novelle. Bist du ein Selfpublisher, dann ist das okay. Als E-Book lassen sich Novellen ganz gut selbst publizieren. An eine Agentur oder einen Verlag im Printbereich wirst du ein 50.000-Wörter-Manuskript aber mit großer Wahrscheinlichkeit nicht los. Nun gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Vielleicht ist dein Manuskript nach 50.000 Wörtern noch nicht fertig. Dann schreibst du einfach fleißig weiter. Das ist in der Regel bei mir der Fall. Es werden meisten in den Wochen nach dem NaNoWriMo noch so insgesamt 80.000-100.000 Wörter oder noch ein wenig mehr. Damit hat man – allein das Volumen betrachtet – ein ansehnliches Manuskript, das auch zur Veröffentlichung als Roman taugt.
  2. Solltest du mit den 50.000 Wörtern tatsächlich am Ende sein und du willst keine Novelle als Self-Publisher auf eine E-Book-Plattform stellen, kannst du damit auf verschiedene Weisen umgehen:
  • Betrachte dieses Manuskript als Übung und beginne dein nächstes Projekt. Du weißt jetzt, wie lange und wie viel du schreiben kannst. Noch wichtiger: Du hast das Gefühl erlebt, ein Manuskript fertigzustellen. Plane beim nächsten Mal einfach einen etwas größeren und komplexeren Plot.Es ist nichts verkehrt daran, Texte nur zur Übung zu schreiben. Es gibt die Faustregel, dass die ersten fünf bis acht Romanmanuskripte ohnehin eher für einen selbst sind und sozusagen als Gesellenstücke gelten, bevor man den ersten „richtigen“ Roman hinbekommt. Dann ist es vielleicht besser, eher kürzere Entwürfe zu schreiben, die man in der Schublade verschwinden lässt, als noch viel Zeit zu investieren. Es wäre allerdings nicht mein Weg, denn ich denke, dass es über den ersten Entwurf hinaus noch viel zu lernen gibt. Ich überarbeite also auf jeden Fall ein NaNoWriMo-Projekt. Und das kann auch heißen, dass es erweitert werden muss.
  • Dazu kannst du z.B. überlegen, ob es noch Platz für interessante (!) Nebenhandlungen gibt. Können deine Figuren dem Leser noch nährgebracht werden? Wenn es dafür Möglichkeiten gibt, dann lässt sich dein Manuskript vielleicht noch sinnvoll erweitern. Allerdings darfst du nicht einfach Wörter schinden. Das merken Leser – und vor allem Lektoren – sehr schnell.
  • Überdenke dein Projekt sehr gründlich. 50.000 Wörter sind so ca. die Hälfte eines Romans. Ist dein spannender Schluss vielleicht eher ein dramatischer Wendepunkt? Lässt sich von hier an vielleicht noch die Geschichte aus einer anderen Perspektive weitererzählen? Gibt es lose Enden, die aufgegriffen werden sollten?
  • Hast du im ersten Entwurf deinem Schurken genug Raum gegeben? Manchmal ist es sehr interessant, das Geschehen auch aus seinen Augen zu betrachten. Dann ergibt sich vielleicht die Möglichkeit, noch einige Kapitel aus seiner Perspektive einzufügen.
  • Durchforste gründliche deinen Plot hinter dem Plot. Gibt es vielleicht doch Dinge, die der Leser sehen sollte?