Dass du keine Zeit zum Schreiben findest, hat andere Gründe, als du glaubst

Dass du keine Zeit zum Schreiben findest, hat andere Gründe haben, als du glaubst

Du glaubst, Kreativität, Talent oder Sprachgefühl seien die wichtigsten Eigenschaften einer Autorin und du hättest nicht genug davon? Weit gefehlt. Vielleicht meinst du aber auch, dass du nie zum Schreiben kommst, läge daran, dass du keine Zeit hast oder dir deine Zeit falsch einteilst? Die Chancen stehen gut, dass auch das ein Irrtum ist.

Um einen Roman zu schreiben ist es vor allem notwendig, sich täglich zu motivieren. Für wie lange und wann, spielt eigentlich nur eine untergeordnete Rolle. Das gelingt nicht mit künstlerischer Begabung und auch nicht mit einem ausgeklügelten Zeitmanagement, sondern vor allem mit Willenskraft.

Allerdings ist das mit der Willenskraft so eine Sache. Du brauchst sie nicht nur zum Schreiben, sondern praktisch vom ersten Moment an, in dem du morgens einen Fuß aus dem Bett setzt. Ab diesem Zeitpunkt gibt es tausend Dinge, die an deiner Willenskraft zehren:

Du musst dich dazu durchringen, morgens früh aufzustehen, zur Arbeit zu gehen, deine Familie zu versorgen, deine Hausarbeit zu verrichten. Und noch viele andere Tätigkeiten verbrauchen deine Willenskraft, die dir auf den ersten Blick vielleicht nicht bewusst sind:

  • Nein sagen zu den leckeren, aber ungesunden Versuchungen beim Bäcker.
  • Nein sagen zu zehnten Tasse Kaffee.
  • Nein sagen zur Zigarette, denn du willst dir ja gerade das Rauchen abgewöhnen.
  • Während der Arbeit geht es darum, stets freundlich und aufmerksam zu bleiben, auch wenn es dir schwerfällt, weil du müde, hungrig oder einfach nur genervt bist.
  • Sport treiben wäre auch noch eine gute Idee, obwohl du lieber die Füße hochlegen möchtest.
  • Als wäre das alles nicht genug, findet später noch der Elternabend statt, zu dem du dich aufraffen musst, obwohl du viel lieber endlich den Feierabend genießen und schreiben würdest.
  • Solltest du nach einem langen Tag doch noch irgendwann Zeit zum Schreiben finde, ertappst du dich dabei, sinnlos vorm Fernseher durch die Kanäle zu zappen. Und falls du dich dann doch dazu aufraffen kannst, deinen Laptop in die Hand zu nehmen, surfst du statt zu schreiben lieber auf YouTube oder Facebook herum oder verdaddelst gleich deine Zeit mit dem Handy.

Ganz klar – du bist nicht willensstark genug. Glaubst du.

Das Gegenteil ist wahrscheinlich der Fall. Die Chancen stehen gut, dass du im Laufe deines Tages sehr, sehr viel Willenskraft aufwendest. Nur halt leider nicht fürs Schreiben. Es bleibt am Ende einfach nicht genug Willenskraft für das übrig, was dir wirklich wichtig ist.

Viele spricht dafür, dass Willenskraft eine Ressource ist. Es hilft, sich Willenskraft wie einen Muskel vorzustellen. Auch Muskeln haben irgendwann einen Punkt erreicht, an dem sie nicht mehr können.

Mit Willenskraft ist es genauso. Aus irgendwelchen Gründen nehmen viele Menschen an, sie würde uns unbegrenzt zur Verfügung stehen und wir müssten nur hart genug, diszipliniert genug oder sonstwas sein, um einfach das durchzuziehen, was wir uns vornehmen.

Die Kunst erfolgreicher Autorinnen, die ihre Manuskripte beenden und veröffentlichen, besteht also weniger in magischen literarischen Talenten oder im überlegenen Zeitmanagement, sondern darin, dass sie sich ihre Willenskraft so eingeteilt haben, dass sie am Ende des Tages noch zum Schreiben reicht.

Aber das lässt sich unter Umständen ändern. Musst du tatsächlich zu jedem freundlich sein – oder ist es vielleicht sogar besser, authentisch zu reagieren?

Außerdem ist die Willenskraft morgens größer als abends. Wer also  gleich nach dem Aufstehen schreibt, hat auf jeden Fall noch genug Willenskraft, um sich ans Manuskript zu setzen.

Die andere gute Nachricht, die mit der Metapher einhergeht, Willenskraft als einen Muskel zu betrachten: Sie kann regeneriert und trainiert werden.

Nachweisbar schlecht für die Willenskraft sind scheinbar entspannende Aktivitäten, die uns aber tatsächlich eher ermüden, z.B.

  • Binge-Watching,
  • Übermäßiges körperliches Training,
  • zu viel Essen, Rauchen, Alkoholkonsum oder
  • Surfen in den sozialen Medien.

Nachweisbar gut für die Willenskraft sind beispielsweise

  • Meditation,
  • Spaziergänge (oder andere körperliche Aktivitäten mit einem mittleren Anstrengungsniveau),
  • mindestens sechs, besser sieben oder acht Stunden Schlaf pro Nacht oder
  • das Ausüben einer kreativen Tätigkeit.

Gerade Letzteres ist eine gute Nachricht für dich als Autorin: Durch das Schreiben wird dein Willenskraft-Muskel sogar noch trainiert und regeneriert. Wer mehr schreibt, tankt damit mehr Willenskraft für den Alltag.

Mit anderen Worten: Je besser es dir gelingt, dir deine Willenskraft so einzuteilen, dass du zum Schreiben kommst, desto mehr werden auch alle anderen Bereiche deines Lebens profitieren.

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Wer mehr über das Thema erfahren will und Interesse an den biopsychologischen Zusammenhängen des Phänomens Willenskraft hat, dem empfehle ich das wunderbare Sachbuch »Bergauf mit Rückenwind« von Kelly McGonigal.

Challenge: 31 Tage Autorenwahnsinn, Tag 9 – Autoren, die ich bewundere

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Okay, ich schummele jetzt einfach mal. Eigentlich heißt die heutige Challenge »Ein Autor, den du bewunderst.« Geht man nach meinem gestrigen Beitrag, müsste das konsequenter Weise Stephen King sein.

Ich bin allerdings nicht unbedingt der größte Stephen-King-Fan unter der Sonne, obwohl ich ihn aus verschiedenen Gründen sehr schätze – bewundern ist vielleicht aber zu viel gesagt.

Deswegen würde meine Antwort auf die Frage nach Autorinnen, die ich bewundere, eindeutig lauten: Das Quartett des Writing-Excuses-Podcasts, also Mary Robinette-Kowal, Brandon Sanderson, Howard Tayler und Dan Wells.

Nun sind die vier nicht unbedingt in meinem Genre – Thriller – unterwegs. Aber erstens lese ich ohnehin relativ breit und zweitens bewundere ich sie nicht unbedingt dafür, dass sie tolle Autorinnen sind. Sie sind es, keine Frage, aber das ist nicht der Grund meiner Bewunderung und vor allem meines Respekts, den ich für diese Autorinnen empfinde.

Ich bewundere sie für ihr Engagement und für die Großzügigkeit, die sie beweisen, indem sie wöchentlich neue Podcast-Folgen veröffentlichen und in ihrer Show immer wieder Leute vors Mikrofon zerren, die mehr als interessant und lehrreich sind. Mal abgesehen davon, dass die vier für sich gesehen schon unglaublich viel unglaublich gut über das Schreiben zu sagen haben und einfach tolle Typen sind, denen ich gerne zuhöre.

Ich habe Writing Excuses praktisch alles zu verdanken, was das Schreiben angeht, und vielleicht auch übers Schreiben hinaus so ein paar Dinge. Seit zehn Jahren ist der Podcast quasi mein regelmäßiger Begleiter.

Wie du 2017 endlich dein Buch schreibst

Wie du 2017 endlich dein Buch schreibstIm Prokrastrinieren bin ich sehr erfahren. Fast zwei Jahrzehnte war es einer meiner guten Vorsätze, in jedem neuen Jahr endlich einen Roman zu schreiben. Viele vielversprechende Ansätze habe ich dann am ersten Januar begonnen, die dann bestenfalls bis zum Sommer getragen haben. Wirklich beendet habe ich ein Romanprojekt erst, nachdem ich folgende Strategien umgesetzt habe:

Perfektionismus aufgeben
Von allen Dingen, die mich am meisten vom Beenden eines Manuskripts abgehalten haben, ist Perfektionismus wohl jenes, das mich am alleremeisten beschäftigte und auch heute noch immer wieder mal ausbremst.

Das Fatale am Perfektionsimus ist die Schwierigkeit, die richtige Balance zu finden zwischen »gut genug« und »perfekt«. Denn natürlich muss so ein Manuskript am Ende wirklich gut sein, was viel Arbeit und halt eben auch Gründlichkeit erfordert. Nur kann es einfach nicht perfekt sein, denn Perfektionismus ist am Ende immer eine Illusion, ein unerfüllbares Ideal, das nie erreicht werden kann und deswegen dazu geführt hat, dass ich immer wieder frustriert aufgegeben habe.

K.I.S.S.-Prinzip
K.I.S.S. steht für »Keep it short and simple«. Ein Prinzip, das mich nicht nur beim Schreiben leitet, sondern das ich als Lebensmotto verinnerlicht habe. Der einfache Weg ist vielleicht nicht immer der beste, aber dafür hat er viele Vorteile, die das Manko aufwiegen, am Ende kein Optimimum erreicht zu haben.

Zunächst einmal hilft das Prinzip, Perfektionismus zu vermeiden (s.o.). Darüber hinaus leitet es mich bei vielen Entscheidung. An nahezu jedem beliebigen Punkt – ob beim Planen, Plotten oder Schreiben eines Romans – lassen sich stets viele mögliche Alternativen wählen. Oft blähe ich dadurch, dass ich mich für zu viele Alternativen entscheide, einen Roman auf und verkompliziere ihn. Es hilft mir, das K.I.S.S.-Prinzip immer wieder ins Bewusstsein zu rufen, um überflüssigen Ballast abzuwerfen. Unnötige Details führen nur dazu, dass ich mich verzettle und damit das Ende eines Projekts aus dem Fokus verliere.

Fokussieren
Apropos Fokus. So wie ein Romanprojekt Ballast entwickeln kann, der das Schreiben immer schwerer macht, kann auch das Leben um das Schreiben herum sich verkomplizieren. Mir hat es sehr geholfen, bewusst die Entscheidung zu treffen, mich auf das Schreiben zu fokussieren und so weit wie nur irgendwie möglich den Rest meines Lebens auf dieses Ziel hin auszurichten. Ich prüfe praktisch täglich, welche Aufgaben, Ereignisse, Verabredungen usw. anstehen und sortiere knallhart alles aus, das nicht unbedingt notwendig ist und mich vom Schreiben abhält.

Mir hilft es, gleich nach dem Aufstehen morgens eine Stunde zu schreiben. Damit habe ich das, was mir wichtig ist – also das Schreiben -, automatisch im Fokus. Ganz gleich, was mich am Tag noch so alles beschäftigt – das Schreiben habe ich bereits erledigt.

Motivation managen
Lange Zeit habe ich geglaubt, Motivation käme von allein oder würde entstehen, wenn ich mich nur ausreichend diszipliniere oder was auch immer. Bis ich von dem Konzept las, Motivation als eine Ressource zu betrachten, so wie zum Beispiel Geld. Motivation ist nicht unbegrenzt verfügbar, sondern sie wird aufgebraucht, sobald man sie benutzt – es ist immer nur die Frage, wovon und in welcher Intensität.

Einer der Gründe, wieso ich Perfektionismus abgeschworen, das K.I.S.S.-Prinzip verinnerlicht habe und mich ständig hinterfrage, ob ich noch den richtigen Fokus habe, ist die Tatsache, dass ich akzeptiert habe, dass ich mich nicht unbegrenzt zu allem in meinem Leben motivieren kann. Dies hilft mir, meine Motivation für das Schreiben aufzusparen und nicht auf andere Projekte oder Tätigkeiten zu verwenden.

(Nicht nur) tolle Dinge geschehen, wenn du ernsthaft mit dem Schreiben beginnst

Nicht nur tolle Dinge geschehen, wenn du ernsthaft mit dem Schreiben beginnstSchreiben ist für uns Autoren eine Leidenschaft. Und wie das mit Leidenschsft so ist – sie dient bestenfalls bedingt dazu, die Rechnungen zu zahlen.

Wenn es schon immer dein Bedürfnis war, zu schreiben und du dich ernsthaft dazu entschließt mit den Roman, der schon immer in dir schlummerte, auch zu beginnen, wird dein Leben sich in vielen Beziehungen zum besseren verändern.

Aber nicht nur.

Beides, eine Fokussierung auf die negativen Seiten der Autorentätigkeit, wie auch eine Glorifizierung, können dazu führen, dass diese auch schnell wieder endet.Weiterlesen »

Schnelligkeit wird beim Schreiben völlig unterschätzt

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Jahr um Jahr werden anlässlich des NaNoWriMos die gleichen Argumente ausgetauscht. Während die einen, wie ich, begeistert davon sind, in vier Wochen ein Romanmanuskript zu beenden, schütteln andere nur verständnislos den Kopf darüber, wie man sich denn dazu zwingen kann so viel wie möglich in so kurzer Zeit zu schreiben. Fast immer kommt von den NaNo-Kritikern das Argument, schreiben sei doch eine qualitative Sache, die nichts mit Tempo oder einem Haufen Wörter zutun habe.

Meiner Ansicht nach eine grobe Fehleinschätzung. Weiterlesen »

Gewohnheiten und Routine sind nichts Schlechtes für Autoren

GewohnheitenundRoutinesind

Ich war sehr erstaunt darüber, als ich in einer Diskussion vor nicht allzu langer Zeit lernte, dass die meisten Menschen Routine und Gewohnheiten negativ beurteilen. Für sie ist beides gleichbedeutend mit Langeweile und Stagnation. Ich sehe das ganz anders. Routinen und Gewohnheiten sind für mich als Autor der Schlüssel dazu, große Projekte überhaupt bewältigen zu können.Weiterlesen »

Innere Metaphern helfen Autoren produktiver zu sein

InnereMetaphernhelfenAutoreIch beobachte zu meiner großen Freude, dass sich die Zugriffszahlen auf meinen Blog zu Beginn des neuen Jahres deutlich erhöhen. Vermutlich liegt es daran, dass einige Menschen sich den Vorsatz genommen haben, 2016 endlich Autor zu werden und ihren Roman zu schreiben. Für all jene: Herzlichen Glückwunsch!

Natürlich freue ich mich auch über jeden, der (nicht nur) deswegen seinen Weg zu mir gefunden hat. Vielen Dank für das Interesse.

Damit es nicht nur bei einem guten Vorsatz bleibt und die Motivation auch (mindestens) über das ganze Jahr anhält, musst du Einiges tun.Weiterlesen »