Der #NaNoWriMo hilft uns, die nihilistischen Triebe zu bekämpfen, die uns zu überwältigen drohen

Der #NaNoWriMo hilft uns, die nihilistischen Triebe zu bekämpfen, die uns zu überwältigen drohenDer Titel dieses Beitrags entspringt einem Zitat John Greens. Eigentlich lautet es frei übersetzt: »Geschichten helfen uns, die nihilistische Trieben zu bekämpfen, die uns zu überwältigen drohen.« Es stammt aus einem Pep Talk, den er 2010 für den NaNoWriMo verfasst hat.

Eine meiner Lieblingsanekdoten über das Schreiben stammt von Neil Gaiman. Angeblich ruft er bei jedem Roman kurz vor dessen Vollendung bei seiner Agentin an und jammert darüber, dass sein Text nichts taugt, er ihn nicht deswegen beenden wird, dass er überhaupt zum Schreiben gar nicht talentiert genug sei usw.

Neil Gaiman!

Der Autor, der mit Sandman einfach mal den gesamten Comicmarkt umgekrempelt hat, dessen Bücher nahezu alle verfilmte Bestseller sind. Einer der weltweit erfolgreichsten Autoren unserer Zeit.

Eine andere meiner Lieblingsanekdoten stammt von Stephen King. 1999 wurde er bei einem Spaziergang über den Haufen gefahren. Er wurde nicht nur angefahren oder schwer verletzt. Er war so richtig im Eimer. Seine Lunge war kollabiert, die Hüfte gebrochen und das rechte Bein wies mehrere Frakturen auf.

Noch im Krankenhaus auf dem Krankenbett schnappte sich King einen Stift und schrieb den Roman »Duddits«. Er schrieb ausnahmsweise mit der Hand, was er nicht gerne tut. Aber er musste, weil er an keinem Schreibtisch sitzen und deswegen nicht am Computer schreiben konnte.

Offensichtlich besaß King damals noch keinen Laptop, aber das ist hier nicht das Thema.

Beide Anekdoten zeigen, wie der von Green angesprochene Nihilismus – man könnte auch sagen Entropie, Pech, Selbstzweifel, innere Kritiker, was auch immer – sich immer wieder in unsere Leben schleicht (oder uns mit einem Knall erwischt) und uns zu überwältigen droht, uns von dem abbringen will, was wir erreichen oder wie wir sein wollen.

Schaffe ich die Prüfung? Besser erst gar nicht versuchen, dann bleibt mir eine Menge Anstrengung und Demütigung erspart.

Wozu Sport treiben? Die Couch ist viel bequemer und sterben müssen wir alle ohnehin irgendwann.

Ich würde ja gerne schreiben, aber ich bin zu untalentiert, habe keine Erfahrung, es gibt so viele Bücher, wozu noch eins, das kostet so viel Zeit und bringt ja doch nichts, alle machen sich über mich lustig …

Schreiben und die Geschichten, die beim Schreiben entstehen, motivieren uns, diese Form der Selbstzerstörung im Zaum zu halten oder gar zu überwinden.

Eben dafür ist in meinen Augen der NaNoWriMo da. Es geht um Geschichten, die erzählt werden wollen. Es geht um deine Geschichte, die erzählt werden will. Und es geht darum, dass du sie jetzt, hier und heute aufschreibst. Nicht morgen, nicht später. Dass du es versuchst, obwohl es natürlich unbequem ist, vielleicht sogar lächerlich oder unmöglich erscheint.

Und, ja, die Chancen, dass du in einem Monat einen ganzen Roman schreibst, sind gering. Aber der erste Entwurf für einen halben Roman ist der erste Schritt. Die andere Hälfte schaffst du im Dezember. Überarbeiten kannst du dann im Januar und Februar …

Und, ja, die Wahrscheinlichkeit, dass dein Roman von einer Agentur oder einem Verlag angenommen, veröffentlicht und zum Weltbestseller wird, wie die Romane von John Green, Neil Gaiman oder Stephen King, ist gering.

Sehr, sehr gering.

Aber was soll’s? Handeln denn Geschichten nicht von Menschen, die Dinge tun, deren Erfolgsaussichten sehr gering sind? Handeln sie nicht davon, wie Nihilismus, Entropie, Selbstzweifel, Krankheit, Elend, Leid und der Tod – all die zerstörerischen Dinge, die im Leben nun einmal so auf uns lauern -, von den Figuren überwunden werden?

Schreiben und Lesen helfen uns durchzuhalten. Die schlimmen Tage im Leben zu überstehen und darauf zu hoffen, dass bessere kommen.

Der NaNoWriMo hilft uns, Geschichten zu schreiben, auch wenn Nihilismus uns zu überwältigen droht, weil wir in ihm erfahren können, dass es nicht nur Green, Gaiman oder King so ergeht, sondern mehr oder weniger einfach jedem Autor, der an ihm teilnimmt. Zur gleichen Zeit. Weltweit.

Ich finde das beruhigend.

 

Die 6:1-Regel motiviert, beim Schreiben am Ball zu bleiben

Die 6:1-egel motiviert, beim Schreiben am Ball zu bleiben

Ich schreibe täglich, aber nicht besonders lange jeden Tag. Wie für die meisten ist Schreiben für mich eine Nebentätigkeit. Somit kann ich maximal eine, wenn ich Glück habe zwei Stunden am Tag dafür erübrigen. Häufig sogar weniger.

Die Tatsache, kein hauptberuflicher Autor zu sein, zwingt mich dazu, täglich zu schreiben. So komme ich wenigstens auf im Schnitt sieben Stunden in der Woche. Damit bekomme ich rund 10.000 Wörter wöchentlich hin. Das läppert sich. In zwei bis drei Monaten entsteht dabei ein Romanmanuskript.

Mein Schreibmanagement funktioniert jedoch nur, weil ich mich wirklich jeden Morgen gleich nach dem Aufstehen an meinen Laptop setze und meine rund 1.500 Wörter runterreiße (oder halt eben Manuskripte mit einem ähnlichen Tempo überarbeite).

Was für mich nicht funktioniert: Mich nur dann an den Laptop zu setzen, wenn mich die Muse küsst.

Ich schreibe einfach immer, auch wenn mir nicht danach ist, wenn ich eigentlich lieber weiterschlafen, durch das Netz surfen oder mit der dampfenden Kaffeetasse in der Hand den Sonnenaufgang genießen würde.

Es gibt Tage, an denen ich aus dem Bett hüpfe und es gar nicht erwarten kann, mich an den Laptop zu setzen. An denen ich vor Ideen und Tatendrang nur so übersprudele und die Worte nur so aus mir herausfließen.

Halleluja! Diese Tage sind großartig. Gäbe es sie nicht, würde ich wohl nicht mehr schreiben.

Aber sie sind in der Minderheit. Die meisten Tage sind eher anstrengend. Und ich verlasse die Tastatur mit dem Gefühl, bestenfalls Durchschnittliches geschrieben zu haben, das noch vieler Überarbeitungsschritte bedarf, bis es lesenswert ist.

Es sind halt Pi mal Daumen sechs von sieben Tagen in der Woche, in denen Schreiben nicht unbedingt ein Vergnügen ist. 6:1.

Warum schreibe ich an den sechs Tagen, obwohl mir nicht danach ist? Warum lasse ich es nicht bei dem einen guten Tag?

Weil ich ersten im Voraus nie so genau weiß, wann denn diese Sternstunde meines Autorenalltags wirklich eintritt. Nur weil ich mich gut fühle, heißt das nicht, dass ich auch gut schreibe und umgekehrt.

Es gibt Tage, an denen ich mich an den Laptop quäle und dann doch einen entscheidenden Durchbruch schaffe. Und es gibt Tage, an denen ich vor Energie nur so strotze und trotzdem nichts Gescheites produziere. Weiß der Geier, warum das so ist.

Zweitens habe ich festgestellt, dass ich die sechs miesen Tage für den einen guten Tag brauche wie Sportlerinnen ihrTraining für den Wettkampf.

Natürlich ist auch die 6:1-»Regel« nur eine Verallgemeinerung, eine Art Durchschnittswert. Es gibt durchaus Wochen, in denen ich zwei oder drei gute Tage habe. Dafür gibt es allerdings auch Wochen, in denen ich sieben Tage lang mit meinen Texten oder Überarbeitungen nicht zufrieden bin.

Wieso ist es wichtig, dass ich mir diese 6:1-Regel immer wieder bewusst mache?

Sie motiviert mich, bzw. hilft mir, kreative Durststrecken zu akzeptieren. Sie bringt meinen inneren Kritiker zum Schweigen, hilft mir, Aufschieberitis zu bekämpfen und Schreibblockaden zu überwinden.

Im Prinzip sagt sie aus, dass es ganz normal ist, eine Menge Text zu produzieren, mit dem ich nicht zufrieden bin. Unter Sportlerinnen ist diese Einstellung ganz normal. Kaum eine Sportlerin erwartet in jedem Training eine Wettkampfleistung. Trotzdem sind auch die nicht so tollen Trainingstage ein wichtiger Baustein für die Fitness und das Erreichen der Ziele.

Ein naiver Teil in mir erwartet jedoch, dass ich jedesmal, wenn ich schreibe, unbedingt Höchstleistungen abliefern muss.

Die 6:1-Regel bringt mich dann wieder auf den Boden der Tatsachen.

Gewohnheiten und Routine sind nichts Schlechtes für Autoren

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Ich war sehr erstaunt darüber, als ich in einer Diskussion vor nicht allzu langer Zeit lernte, dass die meisten Menschen Routine und Gewohnheiten negativ beurteilen. Für sie ist beides gleichbedeutend mit Langeweile und Stagnation. Ich sehe das ganz anders. Routinen und Gewohnheiten sind für mich als Autor der Schlüssel dazu, große Projekte überhaupt bewältigen zu können.Weiterlesen »

Innere Metaphern helfen Autoren produktiver zu sein

InnereMetaphernhelfenAutoreIch beobachte zu meiner großen Freude, dass sich die Zugriffszahlen auf meinen Blog zu Beginn des neuen Jahres deutlich erhöhen. Vermutlich liegt es daran, dass einige Menschen sich den Vorsatz genommen haben, 2016 endlich Autor zu werden und ihren Roman zu schreiben. Für all jene: Herzlichen Glückwunsch!

Natürlich freue ich mich auch über jeden, der (nicht nur) deswegen seinen Weg zu mir gefunden hat. Vielen Dank für das Interesse.

Damit es nicht nur bei einem guten Vorsatz bleibt und die Motivation auch (mindestens) über das ganze Jahr anhält, musst du Einiges tun.Weiterlesen »

NaNoWriMo Sommercamp 2014 – So hältst du durch

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Bald ist der 1. Juli und das bedeutet für mich den Startschuss für mein nächstes Manuskript. Denn im Juli findet das NaNoWriMo Sommercamp statt.

Seit 2011 nehme ich jedes Jahr am NaNoWriMo teil. Und da ich bislang jedes Jahr erfolgreich war, bin ich eigentlich ziemlich zuversichtlich, es auch im Camp zu schaffen.

Wobei ich weiß, dass es nicht immer leicht ist, die 50.000 Wörter in einem Monat zu bewältigen. Obwohl es mir bisher immer gelungen ist, heißt das nicht, dass das stets leicht war (oder dass ich diesmal nicht scheitern könnte).

Hier die meiner Meinung nach gröbsten Hindernisse, das Ziel im Juli zu erreichen, und was ich dagegen tue:Weiterlesen »

Die SchreibDilettanten – Folge 99: Krisenmanagement für Autoren

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Häufig geben mein bester Freund und Writing Buddy Axel Holmann und ich in unserem Podcast für Autoren Tipps, wie man den Schwierigkeiten des Schreibprozesses begegnen kann, bzw. berichten, wie wir diesen Schwierigkeiten begegnen. Allzu häufig ist unser Ratschlag: Hole dir Hilfe! Frage einen Kumpel oder eine Freundin, die auch schreibt, suche dir eine Schreibgruppe, Testleser usw.

Aber was tun, wenn gerade niemand da ist, den man um Rat fragen kann, wenn der innere Kritiker zuschlägt, die Motivation am Boden ist und sich die Schreibblockade einfach nicht überwinden lässt? In dieser Folge sammeln wir Ideen und berichten über unsere Erfahrungen mit Allererster Hilfe für Autoren und Hilfe zur Selbsthilfe.

Wie du dein inneres Schreibteam optimal leitest

Früher gab es für mich vor allem meinen inneren Kritiker, von manchen auch innerer Lektor genannt. Der innere Kritiker ist die bohrende Stimme im Kopf, die einem beständig einredet, für das, was man gerade tut, nicht gut genug zu sein. Inzwischen habe ich festgestellt, dass es weit mehr Stimmen im Kopf gibt, die einem beim Schreiben begleiten. Es gibt ein ganzes inneres Schreibteam. Das kann manchmal ganz schön verwirren.  Wenn man es aber richtig leitet, ist es hingegen sogar ziemlich nützlich.Weiterlesen »