Challenge: 31 Tage Autorenwahnsinn, Tag 16 – Mein Notizbuch

Challenge: 31 Tage Autorenwahnsinn, Tag 16 - Mein Notizbuch

Was für eine schwierige Challenge. Notizbücher sind bei mir ein heikles Thema, weil ich mich da wohl ziemlich stark von den allermeisten anderen Autorinnen unterscheide.

Zunächst einmal bin ich da in bisschen von den Beatles geprägt. Damals in den 1960ern kamen ja Tonbänder quasi als Notizbücher für Musiker auf. Als die Beatles im Interview gefragt wurden, welches sie denn benutzen würden, antworteten sie: keines.

Begrüdnung: Wenn eine Idee wirklich gut ist, muss sie nicht festgehalten werden, denn dann setzt sie sich ohnehin im Kopf fest. Die schlechten und mittelmäßigen Ideen verschwinden auf diese Weise, was besser sei.

Ganz so sehe ich das nicht, aber ich denke, da ist was dran. Ich halte in Notizen also keine Grundideen fest, sondern arbeite eher mit Detailanmerkungen oder speichere Rechercheinfos etc.

Ich versuche prinzipiell so minimalistisch wie möglich zu arbeiten. Deswegen ist mein Schreibgerät ja auch ein kleines, leichtes Notebook, auf dem so wenig wie möglich installiert ist. Viele Zettel, Büchlein, mehrere Monitore usw. lenken nur ab und verringern die Arbeitsgeschwindigikeit.

Kurzum: Ich benutze die Notizfunktion von MacOS und iOS, die via iCloud auf allen Geräten (Rechnern, Handys, Tablets) ständig synchron sind. Ich kann dort nicht nur Text, sondern auch Fotos, URLs, Tonaufnhamen etc. ablegen. Via Eingabestift kann ich sogar hangefertigte Skizzen einfügen, was ich aber fast nie mache.

Am Ende kann ich meine Notizen auch noch mit anderen Menschen teilen, sodass wir gemeinsam an ihnen arbeiten können. So kann ich z.B. wunderbar mit meinem Writing Buddy Axel Hollmann zusammenarbeiten oder mit ihm gemeinsam ohne Zeitverlust Folgenideen etc. für die SchreibDilettanten teilen.

Ich wüsste nichts mit Notizbüchern aus Papier anzufangen, die ich verlegen oder verlieren könnte, in denen ich nach bestimmten Einträgen lange suchen müsste und die in ihrer Funktinalität gegenüber einem elektronischen Notizbuch massiv eingeschränkt sind.

Andererseits bin ich kein Fan von Evernote. Ich habe mehrfach versucht, mich mit der App anzufreunden, da ja nun wirklich alle von ihr schwärmen. Ich habe allerdings den Vorteil gegenüber der Notizenfunktion von MacOS bisher nicht erkannt und finde sie ansonsten vor allem komplexer und unübersichtlicher.

Es kann besser sein, nicht das zu schreiben, was du liebst

Es kann besser sein, nicht das zu schreiben, was du liebst»Schreibe, was du kennst« ist einer der häufigsten Ratschläge, die ich in Schreibratgebern gefunden habe. Kein schlechter Ratschlag. Trotzdem bin ich eher ein Anhänger der Variante »Schreibe, was du liebst«. Ein kleiner Unterschied, denn unter Umständen kenne ich ja das, was ich liebe, was mich also brennend interessiert und wofür mein Herz schlägt, nicht unbedingt so gut wie andere Dinge.

Es kann jedoch besser sein, nicht das zu schreiben, was dich elektrisiert.

Eines der berühmtesten Beispiele dafür dürfte Arthur Conan Doyle sein. Beinahe seine ganze Karriere über hat er darunter gelitten, dass Sherlock Holmes seine berühmteste Schöpfung war. Eigentlich hätte er gerne ganz andere Literatur geschrieben.

Dan Wells, einer meiner Lieblingsautoren, sagt von sich, dass er jahrelang erfolglos versucht hat, High Fantasy zu schreiben, weil er diese selbst sehr gerne liest und sich in diesem Genre hervorragend auskennt. Sein Durchbruch – sowohl kreativ als auch kommerziell – gelang ihm mit übernatürlichem Horror.

Ein drittes und vielleicht interessantestes Beispiel ist für mich der Comic-Autor Stan Lee. Er hat solche Figuren wie Spider-Man oder Daredevil und noch viele andere geschaffen, die zur Zeit die Kinoleinwände und TV-Bildschirme dominieren. Mit Fug und recht kann man also behaupten, dass er einer der erfolgreichsten Geschichtenerzähler zur Zeit mit einem enormen (pop-)kulturellen Einfluss ist – wenn er auch eine etwas ungewöhnliche Karriere hinter sich hat.

Dabei war es nicht Stan Lees ursprüngliches Anliegen, Comics zu schreiben oder gar Superheldengeschichten. Wie so viele junge Autoren träumte er in den 1960er-Jahren davon, den großen amerikanischen Roman zu schreiben und in die Literaturgeschichte einzugehen.

Alle drei Autoren haben gemeinsam, dass sie, wie man heute so schön sagt, ihre Komfortzone dessen, was sie lieben, verlassen haben, um ihre größten Erfolge zu feiern. Sie haben eben nicht geschrieben, was sie lieben, sondern eher Dinge, die sie aus verschiedenen Gründen für notwendig erachteten.

Ich lese und höre das häufig: Autorinnen bekunden, dass sie „ihr Ding“ machen müssen, „genau das, was sie gerne wollen“ oder „ihrer Leidenschaft folgen müssen“ und ähnliches. Neil Gaiman ist eines der Gegenbeispiele, die mir einfallen. Ein Autor, der ziemlich kompromisslos das schreibt, wozu er sich berufen fühlt, auf eine sehr persönliche und individuelle Weise – und der damit eine glänzende Karriere gestaltet.

Es ist also nichts Falsches daran, das zu schreiben, was du liebst. Es kann aber auch genauso richtig sein, das zu schreiben, das dich dazu zwing, deine Komfortzone zu verlassen.

Stan Lee hat – ohne es wahrscheinlich bewusst zu wollen – das Superheldengenre dank seines speziellen Hintergrunds als Autor um viele Facetten bereichert. Vor ihm waren die Menschen hinter den Masken in den Comics Abziehbilder, die sich bestenfalls durch ihre Haarfarbe voneinander unterschieden (und häufig nicht einmal das). Beispielsweise mit Spider-Man erschuf er eine komplexe Figur mit einer komplexen Geschichte, deren Leben mit und ohne Maske spannend und ergreifend ist, die sich mit alltäglichen Problemen herumschlagen und mit den Konsequenzen ihres Handelns als Superheld auf einer persönlichen Ebene auseinandersetzen muss. Lauter Aspekte, die das Genre immens bereichert haben und die es zuvor einfach nicht gab.

Arthur Conan Doyle hat dank seines Hintergrunds als Arzt das Krimi-Genre mit seinen forensischen Aspekten und dem rationalen Denken praktisch erfunden. Und Dan Wells hat zumindest seine Nische gefunden, in der er Leser begeistern kann.

Das heißt nicht, dass du nicht schreiben solltest, was du kennst oder liebst. Es bedeutet nur, dass du dir durchaus Gedanken darüber machen solltest, ob es vielleicht andere Genres, andere Herangehensweisen ans Schreiben oder andere Themen geben könnte, die dich dazu zwingen, eine neue Perspektive, ein andere Haltung oder neue Potenziale zu entdecken, die du bisher nicht ausschöpfst.

Grundideen müssen einen emotionalen Eindruck bei dir hinterlassen, damit sie zu spannenden Romanen werden können

Grundideen müssen einen emotionalen Eindruck bei dir hinterlassen, damit sie zu spannenden Romanen werden könnenHäufig wird in Schreibratgebern der Tipp gegeben, über das zu schreiben, was du kennst. Oft ist es aber so, dass gerade die Dinge, die uns neugierig machen und die wir erforschen wollen, mit starken Emotionen verknüpft sind und weniger die Themen, die wir bereits gut kennen. Im Zweifelsfall ist es also besser, über etwas zu schreiben, womit du selbst starke Gefühle verbindest, als über etwas, das du kennst.Weiterlesen »

Schreiben im Café ist produktiver als zu Hause

SchreibenimCafist-2Während die einen finden, Schreiben in absoluter Stille sei das Größte, schwören die anderen darauf, nur im Café und/oder mit Musik auf den Ohren kreativ sein zu können. Wissenschaftlich erwiesen ist inzwischen, dass beide ein bisschen recht haben.Weiterlesen »

Tödliche Gedanken: Patricia Bloch – Die Entstehung einer Hauptfigur

Entstehung einer Hauptfigur

Anhand meines demnächst erscheinenden paranormalen Thrillers Tödliche Gedanken lässt sich am konkreten Beispiel einmal erläutern, wie vielschichtig und langwierig das Entwickeln einer Hauptfigur eines Romans ist. Am Anfang steht nur eine Grundidee. Es gibt auf dem Weg dahin viele Abzweige und Richtungswechsel. Und es gibt auch eine Menge Überraschungen.Weiterlesen »

4 Gründe, warum es wichtig ist, einfach weiterzuschreiben

4Grndewarumes

Als Outliner bin ich beim Schreiben an einem Roman oft an einem Punkt, an dem neue Ideen in meinem Kopf auftauchen, die sich viel, viel besser anfühlen als alles, was ich mir im Vorfeld ausgedacht habe. Die Versuchung ist dann stets groß, diesen neuen Eingebungen zu folgen, statt mich an meine Outline zu halten.Weiterlesen »

Figuren entwickeln mit dem Drehbuch-Tool Enneagramm 2.0 von Jens Becker

Figurenentwickelnmitdem

Ich freue mich sehr darüber, mit diesem aufschlussreichen Artikel über das Erschaffen von Figuren auf meinem Blog einen weiteren Gastbeitrag von Alexander Kuprijanow präsentieren zu dürfen.

Wenn er sich nicht gerade mit Spieldesign, Comics, Filmen und Drehbüchern beschäftigt, wirkt Alexander Kuprijanow an dem Horrorspiel U55-END OF THE LINE mit, das dem geistigen Erbe Lovecrafts folgt und in der Berliner U-Bahn spielt.Weiterlesen »