Die Wahrheit darüber, wieso ich so gerne ein Outliner bin

Die Wahrheit darüber, wieso ich so gerne ein Outliner bin

Neulich wurde mir bei der Planung meines nächsten Thrillers »Die Liste der vergangenen Sünden« bewusst, warum ich eigentlich so gerne ein Outliner bin.

Es gab ein Problem in meinem Plot. Eine liebgewonnene Figur passte nicht. Sie verkomplizierte den Plot und verwässerte das Genre.

Viele Wochen habe ich damit zugebracht, meine Outline hin und her zu biegen, damit die Figur drin bleiben kann. Aber mein Writing Buddy Axel Hollmann bestätigte mir dann, was ich schon lange geahnt hatte. Die Figur musste raus. Ganz egal, wie sehr ich sie inzwischen mochte.

Ein klassischer Fall von »Kill Your Darlings«. Eigentlich keine große Sache, sollte man meinen.

Wenn doch nur alles so einfach wäre … Weiterlesen „Die Wahrheit darüber, wieso ich so gerne ein Outliner bin“

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Triff mich auf der online Autorenmesse vom 05. bis zum 12. November 2017

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https://online-autorenmesse.de

Vom 05. bis zum 12. November 2017 findet die erste online Autorenmesse statt. Jurenka Jurk hat ein tolles Programm zusammengestellt und haufenweise tolle Menschen für ihr Projekt gewonnen – und Axel Hollmann und ich sind als Die SchreibDilettanten dabei!

Auf der Messe kannst du in über 30 verschiedenen Videos von Profis lernen willst, wie du erfolgreiche Romane schreibst und neue Impulse für dein Schreiben bekommen.  Die Messe ist kostenlos und du kannst bequem von Zuhause aus an ihr teilnehmen. Du benötigst nur einen Computer oder ein Handy mit Internetzugang und Videoplayer.

Für eine Teilnahme musst du dich auf der Website der Online Autorenmesse anmelden. Anschließend bekommst du eine eMail mit weiteren Informationen, wie und wann du die Videos sehen kannst. Du erhältst auch einen Messe-Zeitplan und während der Messe erinnert dich Jurenka täglich an die bevorstehenden Experteninterviews, sodass du keines verpasst. Jedes Video kannst du dann 24 Stunden lang kostenfrei anschauen.

Wenn du noch Fragen hast, findest du auf der FAQ-Seite der online Autorenmesse ganz viele Antworten.

Figuren-Cheatsheet: So erschaffst du packende Figuren

Figuren Cheatsheet So erschaffst du packende Figuren

 

Sei nicht die Hauptfigur deines Romans!

  • Lass sie durch die Hölle gehen
  • Wechsle das Geschlecht
  • Wähle eine fremde Leidenschaft

Steckbrief

  • Besonderheiten
  • Ziele
  • Macken
  • Makel
  • Unterstützung
  • Feinde

Emotionale Bindung

  • Gemeinsamkeiten mit dem Zielpublikum
  • Problem(e)
  • Konsistenz
  • Tiefe
  • Entwicklung
  • Ziele
  • Vorbildlichkeit
  • Expertentum
  • Aktivität

Echtes Leben

  • Verändere ihre Rolle
  • Erschüttere ihren Glauben
  • Enthülle ihre Geheimnisse
  • Lass sie um Kontrolle kämpfen
  • Lass sie Verlust und/oder Tod erleben

Entfesselter Tod

Entfesselter Tod: Making-of

Entfesselter Tod als Kindle-E-Book und als Taschenbuch: http://amzn.to/2iy5Db4

Warum Antihelden immer beliebter werden

Warum Antihelden immer beliebter werden

Erneut freue ich mich über einen Gastbeitrag des Horror-Experten John Paxing. Ich bin heilfroh, dass mir dieses Thema von einem Gastautor abgenommen wird, da ich bisher geglaubt habe, mit Anti-Helden nichts anfangen zu können. Diese aufschlussreiche Beitrag bringt mich allerdings zum Nachdenken. Vielen Dank dafür.

In klassischen Geschichten sind Helden normalerweise die Guten, und Bösewichte.. Nun ja, die Bösen. Dabei ist der Archetyp des »guten Helden« natürlich eine Illusion. Niemand ist einfach nur »gut«.

Ich meine, ich kenne richtig gute Menschen – absolut selbstlose, nette, hilfsbereite, gute Leute – aber selbst die haben irgend etwas an sich, das ich nicht gut heiße. Scheinbar funktioniert das Leben nicht ohne schlechte Eigenschaften. Und ich will auch beim Lesen, Fernsehen oder Computerspielen längst keinen Protagonisten mehr zuschauen, die einfach nur »gut« sind.

Die Entwicklungen in Fernsehen und Kino zeigen am deutlichsten, dass wir uns immer mehr Antihelden wünschen. Mit »Antihelden« meine ich Protagonisten, deren negative Eigenschaften absichtlich ausgearbeitet werden. Dr. House, Batman (der in »The Dark Knight«) und Max Payne sind solche Helden. Sie lassen Charakterzüge geradezu heraushängen, die eigentlich als unsympathisch gelten.

Dazu zählen Narzissmus (Selbstverliebtheit), Psychopathie (manipulatives, kaltblütiges Verhalten) und Machiavellismus (das eigene Ziel ohne jede Rücksicht und Moral verfolgen, über Leichen gehen). In der Evolutionspsychologie werden diese drei Persönlichkeitstypen als die »Dunkle Triade«* zusammengefasst, und sie gehören zu den unbeliebtesten Charakterzügen überhaupt.

Der bekannteste Antiheld ist vielleicht James Bond. Er bricht regelmäßig das Gesetz, er hat sogar die »Lizenz zum Töten«. Das macht ihn zu einer Ausnahme, zu einem, der über dem Rest der Gesellschaft steht. Er lebt jenseits des »Guten« und »Schlechten«, an dem die anderen sich orientieren sollen. Nur durch seine knallharte, manipulative Art schafft er jede Mission. Ganz klar ist er kein Held mit positiven Qualitäten wie Nächstenliebe, Fairness und Achtung vor anderen. Man kann ihn getrost psychopathisch nennen – wie sonst sollte er nachts ruhig schlafen können? So ähnlich ergeht es dem Punisher, Wolverine und Dexter.

Die Wissenschaft wundert sich, dass wir heute so auf Antihelden stehen, die Eigenschaften der »Dunklen Triade« verkörpern. Denn »schlechte« Menschen – also solche, die gegen bestimmte Regeln verstoßen – werden normalerweise aus der Gesellschaft ausgestoßen. Sie verhalten sich nicht kooperativ. Sie sind egoistisch und richten Schaden an, und deshalb mag sie auch keiner – aus Selbstschutz.

Um in einer Gruppe miteinander klar zu kommen, haben sich bei uns starke Sympathien und Antipathien für bestimmte Verhaltensweisen über den Lauf der Evolution verinnerlicht. Wir haben die Kategorien »Gut« und »Böse« entwickelt, an deren Vorbild sich Gesetze, Moral und Erziehung orientieren. Das Resultat: Jeder gesunde Mensch reagiert emotional ziemlich stark auf Menschen, die sich »asozial« verhalten.

Warum also wünschen wir uns Helden, die ihre schlechten Eigenschaften so offen zeigen? Warum fühlen wir uns mit Antihelden mehr verbunden als mit archetypischen, guten Helden?

Ein Teil der Antwort ist einfach: Natürlich steckt in jedem von uns eine dunkle Seite. Ich bin regelmäßig egoistisch, ich fluche verdammt viel und bin impulsiv, und sicher habe ich auch mal gegen das Gesetz verstoßen. Protagonisten, die keine Spur solcher negativen Eigenschaften besitzen, sind einfach nicht lebensecht und mit ihnen kann man sich schlechter identifizieren. Aber vor Allem werde ich mit ihnen nicht warm, weil sie keine ehrliche Verbindung zu sich zulassen:

Jemandem verbunden zu sein, eine Beziehung zu haben, bedeutet letztlich, sich verletzlich zu machen. Zu perfekte, fehlerfreie Menschen machen mich skeptisch. Irgendetwas scheinen sie zu verbergen, und ich kann sie nie richtig einschätzen. Zeigt mir jemand nicht sein wahres Gesicht, dann bleibt als Konsequenz auch die Beziehung oberflächlich.

Wenn ich aber jemandem mehr von mir preisgebe, inklusive meiner schlechten Eigenschaften und Unzulänglichkeiten, zeige ich damit Vertrauen: Ich vertraue darauf, dass der andere mich nicht verstößt, obwohl ich fehlerhaft bin. Und dass ich dieses Risiko eingehe beweist, dass ich eine echte Beziehung mit ihm möchte.

Deshalb sind Antihelden, die ihre negativen Eigenschaften zeigen, und sich damit verletzbarer, nahbarer und ehrlicher machen, sympathischer als Helden, die einfach nur gut und perfekt sind. Man kann mit ihnen potentiell echte, menschliche Beziehungen eingehen – eines der wichtigsten Dinge, auf denen unser Leben beruht.

Als Schlusswort möchte ich hierzu einen Gedanken zusammenfassen, den ich kürzlich in einer sehr interessanten Dokumentation (»Indie Game: the Movie«) gehört habe:

»Auf Hochglanz polierte, idealisierte Nachahmungen, ohne Macken und Kanten, sind unpersönlich. Wenn etwas dich berühren soll, persönlich werden soll, dann braucht es Macken, Fehler und eine gewisse Verletzlichkeit. Wenn du jemanden betrachtest und keine Verletzlichkeit in ihm entdeckst, dann ist deine Beziehung zu dieser Person wahrscheinlich nicht besonders tiefgründig.«

Als weiterführende Lektüre zum Thema »Evolution von gutem und bösem Verhalten« und »Antihelden in Geschichten« kann ich diesen Artikel empfehlen:

*»The Antihero in Popular Culture: Life History Theory and the Dark Triad Personality Traits« von Peter K. Jonason et al., University of Western Sydney, Australien. Review of General Psychology © 2012 American Psychological Association (2012), 16:2, 192–199. DOI: 10.1037/a0027914