Dürfen Dialoge grammatikalische Fehler enthalten?

 

Dürfen Dialoge grammatikalische Fehler enthalten?

Wir sprechen anders als wir schreiben. Das merken wir im Alltag in der Regel nicht einmal und es ist eigentlich auch nicht weiter tragisch. Das sprachliche Gestammel aus verkürzten und/oder unvollständigen Sätzen und falschem Deutsch verstehen wir trotzdem dank Mimik und Gestik unserer Mitmenschen ziemlich gut. Doch wie schreibst du Dialoge, damit sie gleichzeitig realistisch klingen aber trotzdem noch lesbar sind?

Die wenigsten Menschen sprechen grammatikalisch korrekt. Lauschst du nicht gerade der Vorlesung eines Linguistikprofessors, wirst du als aufmerksamer Zuhörer schnell merken, dass sich wenigstens kleinere Schludrigkeiten bei den meisten Sprechern einschleichen. Eines meiner Lieblingsbeispiele ist der falsche Satzbau nach weil:

»Ich konnte nicht früher kommen, weil da war ein Unfall auf der Autobahn.«

Standardsprachlich muss der Satz lauten: »Ich konnte nicht früher kommen, weil ein Unfall auf der Autobahn war.« Noch besser wäre natürlich: »Ich konnte nicht früher eintreffen, weil sich auf der Autobahn ein Unfall ereignete.« Aber so redet nun wirklich so gut wie niemand.

»Weil« ist eine Konjunktion und leitet den Nebensatz ein. Und im Nebensatz steht das finite Verb (also im ersten Beispiel »war«) immer am Ende.

Der Grund für diesen Fehler ist wahrscheinlich folgender: Während wir in der Schriftsprache unsere Sätze häufig planen und überarbeiten können, können wir das beim Sprechen nicht. Häufig wissen wir gar nicht so genau, wie der Satz enden wird, wenn wir ihn begonnen haben. Wenn wir zum Beispiel nach Ausreden suchen, kann das der Fall sein:

»Warum bist du denn schon wieder zu spät?«

»Na, weil … äh, da war ein Unfall.«

Damit klärt sich auch schon die Frage, ob und wann ich in Dialogen diese falsche Grammatik benutzen kann oder sollte und wann nicht. Spielt sie wirklich eine Rolle, weil eben beispielsweise der Sprecher nach einer Ausrede sucht oder gerade irritiert oder abgelenkt ist usw., dann kann es durchaus sinnvoll sein, falsches Deutsch im Dialog zu benutzen. Natürlich kannst du auch versuchen auf diese Weise einen Menschen zu charakterisieren, der aus irgendwelchen Gründen nicht mit der deutschen Sprache ausreichend vertraut ist (einen Engländer zum Beispiel, der gerade Deutsch lernt usw.).

Umgekehrt solltest du auf solche Mittel natürlich lieber nicht zurückgreifen, wenn du beispielsweise einen Richter während seiner Amtsausübung sprechen lässt oder anderes hochgebildetes Personal auftreten lässt. Dann würde es seltsam aussehen, dass diese Menschen sich nicht auch gewählt ausdrücken können.

Das gilt auch für andere sprachliche Fehler, die wir im Alltag gerne machen, in literarischen Dialogen aber eher selten und nur sehr gezielt verwenden sollten.

So verwechseln beispielsweise viele gerne »wie« und »als«: »Ich bin viel schlauer wie du.«

Standardsprachlich muss es natürlich »Ich bin viel schlauer als du.« heißen. Beim Vergleich (»Ich bin genauso schlau wie du.«) verwendet man »wie«, bei der Steigerung »als«.

Anderes Beispiel:

»Wollen wir wetten?«

»Um was?«

Hier ist standardsprachlich als Gegenfrage: »Worum?« angebrachter. Genauso sollte es lieber nicht »In was für einem Land wollen wir denn eigentlich leben?« heißen, sondern »In welchem Land wollen wir leben?«

Nicht: »Wem sein Stift ist das hier?«, sondern: »Wessen Stift?«

Und so weiter. In dieser Richtung gibt es zahlreiche Beispiele von Fehlern oder Schludrigkeiten, die uns mehr oder weniger häufig passieren.

Ein anderes, nicht weniger häufiges Phänomen sind Anglizismen.

So solltest du dir beispielsweise den Einsatz des Wortes »Wirklich« wirklich gut überlegen. Häufig entspricht der Gebrauch eher dem englischen »Really«, wenn wir im Deutschen eigentlich einfacher »sehr« sagen würden.

Das gilt auch für zahlreiche Redewendungen, wie »am Ende des Tages«, die gerade von Politikern oder Journalisten häufig benutzt werden, die es eigentlich besser wissen sollten. Auch hier bietet sich dann eine Möglichkeit, bestimmte Menschen durch den Gebrauch von falschem Deutsch in Dialogen zu charakterisieren.

Ich halte mich gerne an die Faustregel: Im Zweifelsfalls benutzte ich korrektes Deutsch. Zu schnell kann ein absichtlicher »Fehler« doch unbeabsichtigt wirken und somit aufmerksamen Leserinnen das Vergnügen am Text rauben.

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