Mein idealer Schreibplatz

Mein idealer Schreibplatz

In einem Interview mit dem Blog Mordsbuch wurde ich neulich gefragt, wo ich denn am liebsten schreibe. Ich habe eine ganze Weile über diese Frage nachgedacht und mich dann dafür entschieden, kurz zu antworten, wo ich tatsächlich die meiste Zeit schreibe: In meinem Wohnzimmersessel. Doch eigentlich ist das nich die richtige Antwort.

Ich schreibe im Wohnzimmersessel, weil es der Ort im Haus ist, an dem ich in Anbetracht der Umstände am besten schreiben kann. Ein Idealer Ort der gar mein Lieblingsschreibort ist er nicht.

Meinen Lieblingsschreibort hatte ich vor Jahren in einer anderen Wohnung. Es war ein relativ großer Schreibtisch, der vor einem großen Fenster stand. Ich konnte rausgucken, sah dann ein paar Pflanzen auf dem Balkon, die Baumwipfel des gegenüberliegenden Parks und vor allem den leeren Himmel.

Der Schreibtisch stand in meinem Arbeitszimmer. In ihm befand sich nichts weiter als Bücher in Regalen und eben der besagte Schreibtisch mit einem Computer darauf und ein Schreibtischstuhl.

Wenn ich so recht überlege, dann war ich an diesem Ort am produktivsten. Das lag auch daran, dass ich damals auch andere Lebensumstände hatte, die mir mehr Zeit zum Schreiben ließen. Aber der Schreibort hat auch etwas dazu beigetragen.

Der richtige Schreibort ist die beste Weg, um Aufschieberitis zu bekämpfen und Schreibblockaden zu überwinden.

Warum war dieser Schreibort damals für diese Zwecke idealer als der Wohnzimmersessel heute?

Das Wohnzimmer ist ein zentraler Ort des Alltags. Hier entspannen wir alle gemeinsam, spielen, empfangen Besuch usw. Natürlich steht hier kein Schreibtisch. Ich schreibe mit dem Laptop auf den Knien. Meistens ist das Wohnzimmer nicht so richtig aufgeräumt. Spielzeug liegt herum oder die Spuren des Besuchs vom letzten Abend sind noch überall zu sehen.

Das ist eigentlich kein Ort fürs kreative Arbeiten. Kreatives Arbeiten erfordert es, in den Fluss zu kommen, neudeutsch auch »Flow« genannt.

Wie man sich das genau vorstellen kann, beschreibt Cal Newport in seinem Buch »Konzentriert arbeiten«, das im Original treffender »Deep Work« heißt, sehr anschaulich am Beispiel C.G. Jungs.

Der berühmte und auch durchaus exzentrische Psychologe, aber sehr produktive Jung hatte sich für sein Arbeit sozusagen eine Festung der Einsamkeit bauen lassen: einen Turm mitten in der Natur ohne Strom. Dorthin zog er sich zurück, um an seinen Schriften zu arbeiten.

Das ist natürlich etwas extrem, aber im Prinzip sieht so der ideale Schreibplatz aus: fernab vom Alltag, ohne Ablenkungen.

Nun sind wir alle nicht dazu in der Lage, uns einen Turm in der Natur bauen zu lassen. Ich schaffe es nicht einmal, einen Schreibtisch vor ein Fenster zu stellen. Aber trotzdem kann man mit den Mitteln, die einem verbleiben, Einiges tun, um in den Flow zu kommen.

Generell ist es gut, einen Schreibtisch zu haben, auf dem möglichst nichts anderes ist, als das, was man zum Schreiben benötigt. Und auch hier ist es eine gute Idee, alles Überflüssige wegzulassen. Das ist der Grund dafür, dass ich nicht mit vielen Notizblöcken, Pinnwänden und Zetteln, physischen Karteikarten usw. arbeite.

Ich verwende auch aus diesem Grund nur meinem Laptop und Scrivener. Für mich ist das die Konzentration auf das Wesentliche.

Ich habe über die Jahre gelernt, in den Flow zu kommen, auch unterwegs und an nicht so idealen Orten. Es gelingt mir nicht immer, aber doch meistens. Eine gute Unterstützung sind für mich Apps wie Noizio, die akustisch dafür sorgen, dass ich meine Umwelt aussperren kann. Visuell habe ich ja ohnehin das Computerdisplay vor mir, das mein Sichtfeld ausfüllt.

Eben deswegen ist es für mich auch so wichtig, keine physischen Notizzettel oder Ähnliches zu verwenden. Müsste ich diese suchen, in ihnen blättern usw. wäre ich aus dem Flow wieder raus. Alles, was ich für das Schreiben benötige, muss auf meinem Display stattfinden, sonst erkenne ich die Störungen in der Umwelt. Ich verlasse dann sozusagen meinen Turm.

Wie du deine unverwechselbare Autorinnenstimme findest

Wie du deine unverwechselbare Autorinnenstimme findest

Die eigene unverwechselbare Stimme zu finden ist eine schwierige Übung – gerade für beginnende Autorinnen. Die unverwechselbare Stimme ist ein Alleinstellungsmerkmal, das durchaus darüber entscheiden kann, ob dein Buch Leserinnen findet oder nicht.

Was ist deine unverwechselbare Autorinnenstimme?

Die unverwechselbare Autorinnenstimme ist nicht mit dem Stil zu verwechseln. Dein Stil ist die Art und Weise, wie du schreibst. Ausschweifend oder knapp, satirisch oder ernsthaft, romantisch oder nüchtern. Stil und Autorinnenstimme haben viel miteinander zu tun, sind aber nicht genau das Gleiche.

Ebenfalls solltest du nicht deine unverwechselbare Autorenstimme mit der Perspektive verwechseln. Perspektive entsteht, wenn du die Welt deiner Romanhandlung aus dem Blickwinkel einer Romanfigur beschreibst – entweder in der Ich-Perspektive oder in einer personalen Perspektive. Je nach Perspektivfigur kann der Stil einer Geschichte sich verändern – deine unverwechselbare Autorenstimme wird jedoch trotzdem erkennbar bleiben.

Die unverwechselbare Autorenstimme ist eine Kombination aus deinem Stil, der Perspektive und deiner Persönlichkeit.

Deine Autorenstimme entscheidet darüber, was du in deinen Romanen zeigst und was du weglässt. Sie ist etwas sehr Subtiles, schwer Greifbares. Sie ist sozusagen ein Teil deiner Persönlichkeit, der in deinen Roman einfließt, weil nur du ein Thema auf eine ganz bestimmte Weise mit einer ganz bestimmten Sprache behandeln kannst.

Hier eine Handvoll Tipps, wie du entspannt und gleichzeitig effektiv deine unverwechselbare Autorinnenstimme finden kannst:

1. Denke beim ersten Projekt nicht über deine Stimme nach

Das Schreiben eins Romans ist eine so große und fordernde Aufgabe, die auf so vielen Ebenen Anstrengungen erfordert, dass deine Autorinnenstimme etwas ist, dass du am Anfang vernachlässigen kannst.

Plot, Figuren, Spannung … Das sind zunächst einmal für einen Unterhaltungsroman wesentlich wichtigere Elemente, an denen Erstautoren arbeiten müssen.

Überhaupt lesbar zu schreiben, ist zunächst eine Herausforderung.

Deine Autorinnenstimme sollte nur bedingt etwas sein, worüber du bewusst nachdenkst. Es wird einfach viel Übung erfordern und einige Romane dauern, bis du sie gefunden hast.

2. Schreibe von deinen Vorbildern ab

In der bildenden Kunst ist es üblich, dass Studenten erst einmal abmalen, bevor man mit eigenen Bildern beginnen.

Bands covern häufig erst ihre Lieblingssong, bevor sie eigene schreiben.

Nur in der Literatur ist es aus unerfindlichen Gründe verpönt, von Vorbildern abzuschreiben, bevor man eigene Romane schreibt. Dabei ist es eigentlich eine gute Idee.

Lies ein Kapitel oder eine Szene eines Romans deiner Lieblingsautorin. Lies den Text intensiv, wenn es sein muss mehrmals.

Schlag danach das Buch zu und versuche den Text so getreu wie möglich aufzuschreiben.

Der Text, den du auf diese Weise produzierst, wird in gewisser Weise deine Version des ursprünglichen Textes  sein, in dem schon eine Menge von deiner eigenen Stimme steckt. Nur fängst du eben auf diese Weise nicht bei null an.

Wiederhole diese Übung viele Male mit unterschiedlichen Texten verschiedener Autorinnen, die dich aber gleichermaßen faszinieren. Auf diese Weise wird deine Autorinnenstimme geschult.

Um es noch einmal zu betonen: Dieser Tipp soll dich dazu anregen zu üben – nicht Romane abzuschreiben, um sie hinterher zu veröffentlichen.

3. Schreibe frei

Wenn du genug abgeschrieben hast, schreibe einfach drauflos. Irgendwas. Denke nicht über Plot oder Figuren nach. Versuche in einen Fluss zu kommen. Auch dieser Text ist nicht dazu da, damit daraus ein veröffentlichungsreifer Roman entsteht.

Stattdessen solltest du ihn dir nach einer gewissen Pause aufmerksam lesen. Was gefällt dir? Was missfällt dir? Versuche Muster zu erkennen und arbeite an ihnen.

Wenn du Tagebuch schreibst, dann nimm dir das vor. Versuche deinen eigenen Text zu analysieren. Welche Passagen gefallen dir, welche vielleicht nicht?

4. Beschäftige dich mit Grammatik

Deine unverwechselbare Autorinnenstimme hat auch damit zu tun, dass du grammatikalische Regeln brichst oder zumindest dehnst. Bevor du gegen Grammatik verstößt, solltest du auch genau wissen, was du da eigentlich treibst.

Wenn du dich mit Grammatik auskennst, kannst du auch manche Phänomene, die dir gefallen, genauer benennen, analysieren und auch verfeinern.

5. Beschäftige dich mit Moral

Da deine Autorinnenstimme sozusagen deine Persönlichkeit ist, die in deine Texte einfließt, kann es helfen, deine eigene Weltsicht genauer zu reflektieren:

Was ist für dich das Wichtigste im Leben? Was sind die Dinge, die dich aufregen und bewegen? Was erwartest du von einer guten Geschichte? Soll sie das Leben abbilden, wie es ist oder wie es sein sollte?

Was macht eigentlich eine Literaturagentur und brauchst du eine?

Was macht eigentlich eine Literaturagentur und brauchst du eine?

Vielleicht stellst du dir vor, dein Manuskript einem Verlag zu schicken, wenn es fertig ist. Das ist jedoch inzwischen ein höchst unwahrscheinlicher Weg, veröffentlicht zu werden. Verlage nehmen in der Regel keine unverlangten Manuskripte an – sie verlassen sich meistens auf jene, die ihnen Literaturagenturen vermitteln.

Agenturen haben in den letzten Jahrzehnten die Rolle übernommen, die früher noch Verlagslektorinnen hatten: Das Sichten von Manuskripten neuer Autorinnen.

Die meisten Agenturen prüfen unverlangt eingesandte Manuskripte und melden sich bei dir, wenn ihnen dein Manuskript gefällt und nehmen dich dann unter Vertrag.

Das bedeutet, sie nehmen die Rolle eines Vermittlers zwischen dir und Verlagen ein und vertreten dich in allen wichtigen Bereichen. Sie holen Angebote rein, prüfen Verträge und versuchen das Bestmögliche für dich herauszuholen.

In der Regel gilt, dass eine Agentur wesentlich bessere Konditionen verhandeln kann, als du selbst. Erfahren Literaturagenten kennen alle Fallstricke des Vertragsrechts. Sie wissen, worauf zu achten ist, wenn es um das Verhandeln von Hörbuch-, Lizenz- und Filmrechten für einen Roman geht, und haben auch eine Idee, bei welchen Verlagen ein Manuskript auf welche Weise am chancenreichsten angeboten werden kann.

Darüber hinaus betreuen dich viele Agenturen intensiv. Sie vermitteln deine Manuskripte nicht nur, sie helfen auch dabei, sie so zu überarbeiten, dass sie auf dem Markt die besten Chancen haben.

Kurzum: Agenturen helfen dir, das für dich beste Angebot zu finden, professioneller aufzutreten und deine Interessen zu vertreten. Dafür wollen sie einen gewissen Prozentsatz des Autorenhonorars (meistens etwas zwischen zehn und zwanzig Prozent), wenn es gezahlt wird. Seriöse Agenturen wollen keine Vorschüsse.

Klingt gut? Ist es auch. Eine gute Agentur hilft dir, dich in allen Bereichen zu entwickeln und will dafür eigentlich relativ wenig.

Warum verzichten dann manche Autorinnen trotzdem auf eine Agentur?

Das kann viele Gründe haben. Manche wollen tatsächlich das Geld sparen, das eine Agentur kostet. Andere wiederum haben das Glück, andere Verbindungen zu Verlagen zu haben oder kennen sich selbst so gut in dem Milieu aus, dass sie keine Literaturagentin brauchen. Wieder andere wollen von vornherein im Selfpublishing verlegen – und dann können Agenturen relativ wenig für einen tun.

Es ist allerdings durchaus interessant, dass selbst manche Autorinnen, die bereits viel veröffentlicht haben – auf eigene Faust bei Verlagen oder als Selfpublisher – frühe oder später dann doch eine Agentur beauftragen, sie zu vertreten. Selbst nachdem ein Manuskript schon von einem Verlag akzeptiert worden ist, engagieren manche Agenturen, um für sie dann die Details des  Vertrags auszuhandeln.

Ob du also eine Agentur brauchst oder nicht, hängt davon ab, wie viel von der Arbeit, die sie erledigt, du dir selbst zutraust.

Bleibt noch die Frage offen, wie du an eine Agentur gelangst. Auch das ist ein sehr individueller Weg. Manche Autorinnen habe auch hier bereits Verbindungen, die sie nutzen können, andere müssen sich bewerben, ganz so, wie man es früher bei Verlagen getan hat, indem man unverlangt ein Anschreiben mit Exposé und Leseprobe versendet.

Literaturagenturen findest du, indem du sie einfach im Netz suchst. Jede Agentur hat auch eine Website, über die du Kontakt aufnehmen kannst. Ob eine Agentur für dich geeignet ist, erfährst du schon, wenn du dir ihren Internetauftritt genau ansiehst. Meistens wird hier auch schon gesagt, welche Genres die Agentur vertritt.

Wie lange dauert es, ein Buch zu schreiben?

Wie lange dauert es, ein Buch zu schreiben?Ich stoße immer wieder auf die Frage, wie lange es dauert, ein Buch zu schreiben. Obwohl eine pauschale Antwort schwerfällt, kann es hilfreich sein, anderen Autorinnen mal über die Schulter zu gucken und deren Arbeitsweise mit der eigenen zu vergleichen.

Es gibt erhebliche Unterschiede in der Arbeitsweise und damit auch im Arbeitstempo von Autorinnen.

Mickey Spillane beispielsweise hat nach eigener Aussage seinen Bestseller und Krimi-Klassiker des Hard-Boiled-Genres »Ich, der Richter« an einem Wochenende geschrieben. Immerhin ein 180-Seiten-Roman. Michael Moorcock rühmt sich damit, seine meisten Romane in drei Tagen zu schreiben und hat dazu sogar ein spezielles System entwickelt.

Dem steht das berüchtigte Beispiel von George R.R. Martin gegenüber, dessen Arbeitszeit an seiner »A Game of Thrones«-Serie inzwischen zu einem Running Gag geworden ist und sogar schon besungen wird.

Der Thriller-Autor J.A. Konrath erwähnt auf seinem Blog, dass er in der Regel um die drei Monate für einen Roman von einer Länge von ca. 300-400 Seiten benötigt. Einen Zeitraum, den ich für einen routinierten Vollzeit-Autor für realistisch halte.

Hier zum Vergleich ein etwas detaillierterer Einblick in meine Arbeitsweise und die Zeit, die ich mir nehme, um einen Roman fertigzustellen. Dabei muss beachtet werden, dass ich in der Regel eine, maximal zwei Stunden am Tag zum Schreiben habe, sehr selten mehr.

  1. Phase: Brainstorming und Recherche

Ich erarbeite mir das Grundgerüst eines Romans (Worum soll es gehen? Wer ist die Hauptfigur?) manchmal aufgrund eines spontanen Einfalls. Manchmal starte ich auch ohne eine Idee und brainstorme so lange, bis mir was einfällt. So oder so – anschließend recherchiere ich eine Weile, brainstorme weiter, recherchiere, brainstorme usw. Für diese Phase setze ich mir ein Maximum von vier Wochen. Danach ist Schluss. Ganz gleich, welche Fragen noch alle offen sind. Die Erfahrung zeigt: Setze ich mir hier keine Deadline und halte ich sie nicht strickt ein, dann zieht sich diese Arbeitsphase bis in alle Ewigkeit und ich fange nie mit dem Schreiben an.

  1. Phase: Figuren erschaffen und Plotten

Beides geht Hand in Hand. Mal starte ich mit dem Plot, manchmal halte ich mich länger mit den Figuren auf. Aber es ist ein Puzzlespiel, denn Plot und Figuren beeinflussen sich gegenseitig. Im Schnitt brauche ich einen Tag, um ein Kapitel zu plotten. Ein Roman von mir hat zwischen 30-60 Kapitel. Pie mal Daumen dauert diese Phase also ein bis zwei Monate.

  1. Phase: Schreiben des ersten Entwurfs

Der erste Entwurf eines Romans hat bei mir meistens so um die 100.000 Wörter. Dank des NaNoWriMos bin ich darauf trainiert, 50.000 Wörter in einem Monat zu schaffen. Auch diese Phase dauert also in etwa zwei Monate.

  1. Phase: Erste Überarbeitung

Meisten schaffe ich es, ein Manuskript erst einmal eine Weile liegen zu lassen. In der Zeit kümmere ich mich dann um neue Projekte (Grundideen finden, Brainstorming, Recherchieren …). Dann wird es überarbeitet. Auch das dauert meisten rund ein bis zwei Monate. Das Geschreibsel eines ersten Entwurfs ist häufig so schlecht, was Details der Logik und Dramaturgie angeht, dass ich noch viel Arbeit in den zweiten Entwurf investieren muss. Häufig lösche ich hier ganze Kapitel, schreibe sie grundlegend um und/oder ersetze sie durch neue Texte. Das Manuskript, was aus dieser Phase hervorgeht, nenne ich Alpha-Entwurf.

  1. Phase: Zweite Überarbeitung

Der Alpha-Entwurf geht zu meinen Alpha-Testleserinnen. Jetzt habe ich häufig ein paar Wochen Pause von dem Text, die ich meisten ebenfalls dafür nutze, um neue Projekte zu entwickeln oder zu schreiben. Habe ich die Manuskripte zurück, ist meistens wiederum viel Überarbeitung notwendig. Ich schätze, dass ich nochmal rund ein bis zwei Monate den Alpha-Entwurf überarbeite.

  1. Phase: Dritte Überarbeitung

Nach der 6. Phase halte ich den Beta-Entwurf in den Händen, der dann zu meinen Beta-Testleserinnen geht. Auch hier habe ich wiederum eine Weile Sendepause, in denen ich am nächsten Projekt arbeite. Da die Beta-Entwürfe schon recht nahe an veröffentlichungsreifen Texten sind, ist meistens nicht mehr so viel an ihnen zu überarbeiten, nachdem ich sie zurückbekomme. In der Regel brauche ich also so um die vier Wochen, um das Manuskript dann fertigzustellen.

Fazit:

Insgesamt würde ich also schätzen, dass die reine Arbeitszeit an einem Roman zehn bis zwölf Monate beträgt, den Leerlauf, den ich habe, während ich auf das Feedback von Testleserinnen warte, nicht mitgerechnet. Wie gesagt, das bezieht sich auf eine durchschnittliche tägliche Arbeitszeit von einer Stunde. Würde ich hauptberuflich Romane schreiben, ginge es wahrscheinlich in der Hälfte der Zeit.

Warum wir Monster lieben – Ein Gastartikel von John Paxing

Warum wir Monster lieben

Ich freue mich sehr darüber, einmal wieder einen Gastbeitrag präsentieren zu dürfen: Viel Spaß bei einem aufschlussreichen Artikel des Horror-Autors John Paxing. Mehr über John auf seinem lesenswerten Blog Jpaxing.wordpress.com.

Warum ist der Boogey-Mann für viele Menschen gruseliger als der gewöhnliche Mörder? Warum lauert unter dem Bett ein undefinierbares Wesen mit langen Klauenfingern und einem verzerrten Gesicht anstelle eines Wolfs? Aus demselben Grund, aus dem viele Menschen überhaupt Horror mögen: Monster machen uns nicht nur Angst, sondern auch neugierig.

So seltsam das auch klingt: Wir haben nicht nur Angst, wenn wir ein Untier am Waldrand stehen sehen, sondern wir sind auf einer gewissen Ebene auch an ihm interessiert. Ein Teil von uns kann den Blick nicht von der Kreatur abwenden, will sie beobachten und mehr über sie erfahren. Was die Gefahr durch Tiere angeht, hat die Evolution uns nämlich mit einem Mix aus Angst und Interesse ausgestattet. Die Angst dient der schnellen Reaktion, das Interesse der gesteigerten Aufmerksamkeit. Wenn wir an Dingen interessiert sind, sind wir aufmerksamer und lernen schneller Neues über sie dazu. Evolutiv gesehen macht das Sinn, denn es ist vorteilhaft, die Gefahren in der eigenen Umwelt besser einschätzen zu können. So können wir die groben Schablonen, die uns unser Alarmsystem vom Feind mitgibt, mit überlebenswichtigen Informationen füllen, wie zum Beispiel: Braunbären sind am aggressivsten, wenn sie Junge haben; Jaguare sind im Wald extrem gut getarnt; Krokodile sind an Land sehr viel schneller, als man denkt.

Wenn das Wesen ein paar fiktive Eigenschaften hat, die es uns erschweren, es sofort einschätzen zu können, steigern wir im Betrachter die Neugier. Vor einem normalen Wolf läuft man einfach davon. Aber ein Wolf, der (wie die „ Scrunts “ in Lady in the Water) moosgrünes, drahtiges Fell hat anstelle von Haaren und blutrote Augen, gewinnt unsere volle Aufmerksamkeit, denn er gibt uns gleichzeitig zum Fluchtreflex noch Rätsel auf. Ein halb-realistischer Feind versetzt uns in die Lage des Kindes zurück, das einer Gefahr zum ersten Mal im Leben begegnet. Der daraus entstehende Zustand aus Angst und Neugierde macht das halb-realistische Monster zu einem absoluten Hingucker.

Wie immer gilt natürlich, dass keine Regel aus Gold besteht. Natürlich verfehlt eine gute Story auch mit einem normalen Mörder, einem alten Bären oder einer tödlichen Giftspinne nicht ihre Wirkung, nur weil kein fiktionales Element eingebaut wurde. Das ist letztlich auch Geschmackssache des Lesers und des Autors. Es gibt aber einen Grund dafür, dass die Monster in unseren Geschichten über alle Kulturen und Zeiten hinweg oft Mischwesen sind, und dass selbst Aliens all zu oft den Grundbau des Menschen haben: Wir haben alle Angst vor ähnlichen Feinden, und wir sind alle neugierig und leicht zu faszinieren, wenn wir es mit etwas zu tun haben, das nicht so ganz in eine bekannte Schublade passen will.

Jede Geschichte wird besser mit einer Liebesgeschichte

Jede Geschichte wird besser mit einer Liebesgeschichte

Liebesgeschichten gehören nicht nur in den Liebesroman. Ich finde, jeder Roman wird besser durch eine Liebesgeschichte. Auch und gerade Thriller. Ich stehe da ganz in der Tradition Alfred Hitchcocks, der einmal gesagt hat, dass seine Filme im Kern Romanzen sind.

Liebesgeschichten sind als Subplot eine ideale Zutat für jeden Roman, weil berühren uns auf einer ganz grundlegenden  emotionalen Ebene berühren. Jeder sehnt sich nach Liebe und Partnerschaft. Deswegen wecken Liebesgeschichten automatisch das Interesse der Leserinnen und lassen sie mitfiebern.

Außerdem ist eine Hauptfigur ohne Liebesleben eine unvollständige Hauptfigur. Eine Liebesgeschichte rundet sozusagen jede Figur ab und macht sie dreidimensional.

Je nach Stimmung und Genre muss das nicht immer eine einfache Boy-Meets-Girl- und/oder Boy-Gets-Girl-Substory sein. Zu einem grimmigen Thriller könnte beispielsweise das Misslingen einer Partnerschaft dazugehören – oder deren plötzlicher Abbruch durch den Tod des Partners oder der Partnerin (womöglich durch die Hand des Schurken).

Realistische, sozialkritische Romane können auch zeigen, wie schwierig es ist, eine Beziehung aufrecht zu erhalten, während man gleichzeitig versucht, Serienkiller zu jagen.

Auch Dreiecksbeziehungen eigenen sich hervorragend als Unterthema für Thriller, die im Polizeimilieu spielen. Die Arbeitstage sind lang, die Nächte werden durchgemacht – dann ist es nicht weiter verwunderlich, wenn der Kollege attraktiver wird als der Ehepartner.

Dienen Liebesgeschichten als Subplot für andere Genres, wie zum Beispiel dem Thriller oder dem Krimi, ist vor allem auf zwei Dinge zu achten:

  1. Der Sublot darf nicht den Hauptplot überdecken.
  2. Die Liebesgeschichte muss (mindestens) eine originelle Wendung nehmen.

Ersteres stellt einen schwierigen Balanceakt dar. Im Thriller oder Krimi bilden der Kampf gegen den Schurken und/oder die Ermittlungsarbeit, die notwendig ist, um ihn zu stellen, den Hauptplot. Einerseits darf also die Liebesgeschichte sich nicht zu sehr in den Vordergrund rücken, andererseits sollte auch die Liebesgeschichte nicht als unabhängiger Handlungsfaden existieren, sondern mit dem Hauptplot verbunden sein.

Ein spannendes Beispiel ist Thomas Harris‘ »Schweigen der Lämmer«. Hier entspinnt sich eine eher abartige unterschwellige Erotik zwischen Hannibal Lecter und der Hauptfigur Agent Starling. Faszinierend und gruselig zugleich. Harris zeigt, wie weit man sozusagen mit der Liebesgeschichte im Thriller gehen kann und wie wichtig sie für die emotionale Intensität eines Romans ist.

Harris‘ Roman ist auch ein gutes Beispiel für eine originelle Wendung, die eine Liebesgeschichte nehmen kann. Sie entsteht an einer Stelle und auf eine Weise, wie Leserinnen sie nicht vermuten würden – und erzeugt dadurch auch Gefühle, die normalerweise nicht mit einer Liebesgeschichte verbunden werden.

Robert Blochs Psychothriller »Psycho« wagt eine andere Gratwanderung. Da hier der Haupteffekt des Romans mit der überraschenden Wendung in der Mitte zusammenhängt, mutet er seinen Leserinnen zu, einen krassen emotionalen Bruch durchzumachen.

ACHTUNG SPOILER:

Die Figur, die uns zu Beginn des Romans als Hauptfigur präsentiert wird, Mary Crane, wird uns vor allem durch ihre Liebesgeschichte nährgebracht. Das, was sie tut, ist zwar böse, aber sie tut es aus Liebe. Das erzeugt in den Leserinnen ein ambivalentes Verhältnis und gleichzeitig eine Verbindung mit ihr. Somit ist ihr gewaltsame Tod in der Mitte des Romans einerseits erschütternd, andererseits empfinden wir ihn aber auch als eine Form von Gerechtigkeit.

Dieser Zwiespalt wird im zweiten Teil der Handlung aufgelöst, wenn Marys Schwester Lila nach ihrer Schwester forscht und quasi stellvertretend für sie den Schurken stellt. Marys Liebesgeschichte mit ihrem Verlobten Sam wird indirekt fortgesetzt, wenn sich Lila und Sam als Paar ausgeben, um »verdeckt« ermitteln zu können. Von untergründiger erotischer Spannung, die gleichermaßen auch ein Tabu darstellt, ganz zu schweigen.

Sehr viel komplexer und enger verwoben mit der Haupthandlung kann eine Liebesgeschichte im Thriller eigentlich nicht sein.

Beide Beispiele zeigen, wie hervorragend Liebesgeschichten zur emotionalen Dichte eines Romans beitragen können und gleichermaßen ins Genre passen und originell sein können.

Challenge: 31 Tage Autorenwahnsinn, Tag 21 – Meine Schreibmusik

Challenge: 31 Tage Autorenwahnsinn, Tag 21 - Meine Schreibmusik

Schreibmusik handhabe ich sehr unterschiedlich. Manchmal will ich sie, manchmal auch nicht. Ab und zu brauche ich auch die Stille zum Schreiben. Ein Muster dahinter habe ich noch nicht gefunden.

Fest steht: Es geht nix mit Text. Bei Schreiben höre ich also keine Popmusik oder Ähnliches. Klassik ist mir ebenfalls zu anstrengend, um sie nebenbei zu hören. Die fordert zu viel Aufmerksamkeit.

Manchmal geht Jazz, aber auch eher selten und nur bestimmte Stilrichtungen. Free Jazz und ähnliches ist einfach wieder zu fordernd – und ohnehin nicht so mein Ding. Aber so in Richtung Oscar Peterson etc. klappt gut. Das hat dann so ein bisschen Café-Atmosphäre.

Apropos Café: Ich bin nicht der Schreiben-im-Café-Typ. Ich hasse es, wenn mir Leute beim Schreiben über die Schulter gucken oder mich in Gespräche verwickeln a la: »Ach, Sie Schreiben, das ist ja spannend. Ich habe auch mal ein Buch angefangen, da muss ich Ihnen von erzählen …«

Ich unterhalte mich gerne auch mit unbekannten Menschen, vor allem übers Schreiben natürlich, aber nicht, wenn ich selbst gerade schreiben will. Dazu ist mir meine Schreibzeit einfach zu kostbar. Und irgendwie ist mir das bisher jedes Mal passiert, wenn ich versucht habe, im Café zu schreiben.

Aber zum Glück gibt es ja in der wunderbaren neuen virtuellen Welt Abhilfe: Häufiger als Musik oder absolute Stille benutze ich Noizio. Eine App, die Cafégeräusche (oder auch andere) simuliert. Denn: Nachweislich ist das Schreiben im Café, genauer: mit der Geräuschkulisse eines Cafés produktiver als das Schreiben in absoluter Stille.

Wenn ich doch zu Musik greife, dann am liebsten zu Film- und Serien-Soundtracks. Bei längeren Projekten mache ich mir extra Playlists mit Soundtracks, die einen Bezug zum Thema haben. Soundtracks haben den Vorteil, dass sie genau für den Zweck komponiert wurden, für den ich sie beim Schreiben ja auch benötige: Sie sollen im Hintergrund laufen, ohne die Aufmerksamkeit zu beanspruchen, wecken aber Gleichzeitig Emotionen. Das ist beim Schreibprozess an vielen Stellen hilfreich.

Besonders eignen sich hier die Soundtracks von Erdenstern, die ich immer wieder gerne empfehle. Denn die Hamburger Musiker machen Soundtracks für Filme, die gar nicht existieren. Das ist natürlich noch praktischer, weil ich dann nicht in die Falle tappe, plötzlich in Erinnerungen an tolle Filmszenen zu schwelgen, die ich mit dem Soundtrack verbinde – was manchmal aber auch gewollt ist.

Puh. Ziemlich komplex, das Thema. Aber tatsächlich ist das für mich ein durchaus wichtiger Punkt.