Lass sie dir nicht entgehen: Die neue Ausgabe des Selfpublishers

Ich weiß, ich weiß … Ich schreibe das jedesmal, wenn eine neue Ausgabe des Selfpublishers in meinen Briefkasten flattert. Und ich bin auch nicht der neutralste Leser, das gebe ich zu. Aber die aktuelle Ausgabe mit dem Schwerpunkt auf Apps und Gadgets für Selfpublisher ist wirklich der Hammer. Was kann ich dafür, wenn sich die Redakteure jedesmal selbst übertreffen?

Los geht es mit einem Artikel zum NaNoWriMo, der erfreulich differenziert und ausführlich ist. Jenny Karpe lässt hier keine Fragen offen. Sie präsentiert erfreulich viel Drumherum, das auch für NaNoWriMo-Vetrereanen noch interessant sein dürfte.

Susann Pavlovic stellt sehr amüsant »Write or Die« vor. Eine App, die gegen Schreibblockaden helfen soll. Ihren Text muss man gelesen haben. Ob man auch die App braucht, weiß ich nicht … Aber ich habe die Review sehr genossen.

Eine Auswahl an Cloud-Programmen stellt Horst-Dieter Radke vor. Ein Basis-Artikel für alle, die nichts oder nur wenig darüber wissen, welche Vorteile und Fallstricke Cloud-Anwendungen für Autorinnen bereithalten. Obwohl das Thema für mich nicht neu ist, habe ich hier und da doch Überraschendes erfahren und fand es gut, noch einmal einen Überblick zu erhalten. Jedenfalls hat Horst-Dieter Radke mich dazu angespornt, zukünftig mehr in der Cloud zu arbeiten.

Als echten Knaller empfand ich Nina MacKays Vorstellung von Communitys.  Manche kenne und nutzte ich, andere wiederum waren mir neu, da habe ich bestenfalls den Namen schon mal gehört. Ich vermute, es geht vielen Leserinnen meines Blogs ähnlich. Für Selfpublisher auf jeden Fall Gold wert.

Stefan Stern verspricht, dass man mit seinen zehn Tipps zum guten E-Book gelangt. Sein Beitrag ist einerseits sehr basal, andererseits aber auch detailliert genug, um auch erfahreneren Selfpublishern vielleicht noch den einen oder anderen Hinweis mitzugeben. Hat mir sehr gut gefallen. Wie so häufig einer der Texte, für den es sich so richtig lohnt, das Heft zum Nachschlagen zu archivieren.

Entfesselter Tod

 

Rund um den Buchsatz und die entsprechende Software, die man dazu benötigt, informiert Corinna Rindlisbacher. Wiederum liefert Rindlisbacher wie die anderen Autorinnen der Ausgabe einen sehr gelungenen Überblick. Allerdings hätte ich mir hier und da mehr Details gewünscht. Andererseits soll der Beitrag ja kein Handbuch ersetzen.

In ihrem Beitrag »Vom Verlag zum Selfpublishing« berichtet Sandra Henke, wie es ihr dabei ergeht, als Verlagsautorin sich als Selfpublisher zu beweisen. Ein Text, der zum Nachdenken anregt.

In seiner Artikelserie »Recht für Selfpublisher« informiert Rainer Dresen diesmal über Persönlichkeitsrechtsverletzungen. Wiederum wichtig. Bestimmt nicht einer der prickelndsten Texte der Ausgabe (wie das nun einmal mit rechtlichen Geschichten so ist), deswegen aber nicht weniger wichtig und interessant.

Das Interview mit Julia Jenner, das Ingrid Haag führte, fand ich persönlich sehr aufschlussreich. Jenner ist nicht nur Selfpublisher, sondern auch Drehbuchautorin. Es dürfte für Leserinnen meines Blogs ja kein Geheimnis sein, dass ich der Ansicht bin, dass Drehbuchschreiben für Romanautorinnen durchaus interessant ist.

Wie es gelingen kann, als Selfpublisher das eigene Buch im Ausland zu veröffentlichen, erläutert Susanne Mühlhaus. Ein Thema, das bei mir zwar noch lange nicht ansteht, aber über das man als Selfpublisher durchaus nachdenken sollte, selbst wenn man keine konkreten Pläne hat.

Abgeschlossen wird diese Ausgabe mit einem neuen Beitrag der Kolumne »Coverwerkstatt« von Andrea Barth und Markus Weber. Sehr wichtig für alle Selfpublisher, die ihre Cover selbst gestalten wollen oder beurteilen wollen, ob ihre Freelancer gute Arbeit abliefern.

Entfesselter Tod Preview Klappentext

 

 

»Ausgeklügelte Handlungsstränge für Freunde trickreicher Krimis, genug Action sodass auch bei Hardboiled-Fans keine Langeweile aufkommen dürfte und Charaktere mit denen man mitfiebert, lassen die Seiten nur so vorüberfliegen.«

Jan Butte

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Roman-Cheatsheet: So behältst du die Arbeit an deinem Roman im Blick

Roman Cheat sheet so behältst du die Arbeit an deinem Roman im Blick

Folgende Übersicht ist dazu gedacht, dir dabei zu helfen, die einzelnen Phasen der Arbeit an deinem Romanmanuskript zu strukturieren. Ich arbeite so. Das heißt nicht, dass du ganz genauso arbeiten sollst oder musst. Auf der Grundlage dieser Übersicht kannst du dir aber vielleicht deine eigenes Cheatsheet erarbeiten, wozu ich dir dringend rate.

  1. Ideenfindung (maximal zwei Wochen)
    • Brainstorming/Clustering
    • Recherche
    • Mindmapping
  2. Figuren (maximal zwei Wochen)
    • Brainstorming/Clustering
    • Schreiben der Biografien
  3. Plot hinter dem Plot (maximal zwei Wochen)
    • Was ist vor der Romanhandlung alles passiert?
    • Welche Ereignisse geschehen während der Romanhandlung, die das Publikum aber nicht oder nur indirekt erfährt?
    • Falls nötig: Überarbeitung und Änderungen der Biografien der Figuren
    • Erstellen einer Zeitleiste des Plots hinter dem Plot
  4. Prämisse (maximal zwei Tage)
    • Hauptfigur + Konflikt = Lösung
    • Innerer Konflikt: Zentrale Frage auf der Figurenebene?
    • Äußerer Konflikt: Zentrale Frage auf der Handlungsebene?
  5. 7-Punkte-Plot (maximal zwei Tage)
    • 1. Aufhänger (Gegenteil von der Auflösung)
    • 2. Erste Wendung (Stellt den Konflikt vor, die Welt der Hauptfigur verändert sich, sie lernt Neues.)
    • 3. Erster Kniff (Etwas geht schief.)
    • 4. Mittelpunkt (Übergang von der Reaktion zur Aktion)
    • 5. Zweiter Kniff (Erhöht den Druck, bis die Situation hoffnungslos erscheint)
    • 6. Zweite Wendung (Die Hauptfigur erhält die letzte fehlende Sache, um zu gewinnen)
    • 7. Auflösung (Gegenteil vom Aufhänger, der Haupfkonflikt wird gelöst)
  6. Pitch (maximal zwei Tage)
    • Name der Hauptfigur + Beschreibung der Hauptfigur + Setting + Ziel der Hauptfigur + Name des Schurken + Beschreibung des Schurken + Ziel des Schurken
    • Kürzen, kürzen, kürzen …
  7. Exposé (maximal eine Woche)
  8. Treatment (maximal sechs Wochen)
    • Karteikarten einzelner Szenen: Datum und Uhrzeit, Handlung in einem Satz, Konflikt, emotionale Veränderung der Perspektivfigur
    • Ausformulieren der einzelnen Szenen in ca. ein bis zehn Sätzen
  9. Erster Entwurf (maximal acht Wochen)
    • Schnell schreiben! Maximal zwei Monate Zeit!
    • Danach: Mindestens vier Wochen ruhen lassen
  10. Zweiter Entwurf (maximal vier Wochen)
    • Überarbeitung des ersten Entwurfs auf inhaltlicher Ebene
  11. Alpha-Leserinnen (nicht beeinflussbar)
    • Bibber …
  12. Dritter Entwurf (maximal vier Wochen)
    • Einarbeiten des Feedbacks der Alpha-Leserinnen
  13. Beta-Leserinnen (nicht beeinflussbar)
    • Bibber, bibber …
  14. Vierter Entwurf (maximal vier Wochen)
    • Einarbeiten des Feedback der Alpha-Leserinnen
  15. Lektorat (nicht beeinflussbar)
    • Seufz …
  16. Fünfter Entwurf (maximal vier Wochen)
    • Fast noch mal neu schreiben … Nein, nur Spaß … Oder doch nicht?
  17. Korrektorat (nicht beeinflussbar)
  18. Sechster Entwurf (maximal zwei Wochen)
    • Feintuning der Sprache, auch auf stilistischer Ebene
  19. Veröffentlichung
    • Erstellen des Klappentextes (Exposé und Pitch helfen)

Das wirkt wie ein sehr linearer Arbeitsprozess. Das ist auch das Ideal. Am Ende ist diese Linearität aber selten der Fall. Häufig muss ich zwischen einzelnen Phasen vor- und zurückspringen.

Die Zeitangaben hinter den einzelnen Punkten sind durchaus strikt gemeint. Es ist wichtig, dass du dir selbst Deadlines setzt – denn außer dir tut es sonst keiner. Anders als Verlagsautorinnen haben Selfpublisher halt niemanden, der sie zur Abgabe zwingt. Und da Arbeit sich meisten in einem Maße ausdehnt, wie Zeit zur Verfügung steht, kann es durchaus passieren, dass du schon in einer frühen Phase festhängst und mit deinem Projekt nicht mehr weiterkommst.

Strikte Deadlines helfen auch dabei, deinen Perfektionismus und deinen inneren Kritiker zu überwinden.

Wenn du dir die Mühe machst, die Zeiten zu addieren, wirst du feststellen, dass ich ungefähr 40 Wochen für ein Romanprojekt benötige. Plus die nicht kalkulierbaren Phasen, in denen ich auf das Feedback von Testleserinnen, Lektorinnen und Korrektorinnen warte, braucht so ein Roman also rund ein Jahr, bis er veröffentlichungsreif ist.

Das ist wohlgemerkt die Zeit, die ich als nebenberuflicher Selfpublisher benötige, der nicht mehr als zwei Stunden pro Tag zum Schreiben Zeit hat. Hauptberufliche Selfpublisher müssten also ungefähr in einem Viertel der Zeit zum Ziel kommen, in rund drei Monaten.

Entfesselter Tod Preview Klappentext

»Ausgeklügelte Handlungsstränge für Freunde trickreicher Krimis, genug Action sodass auch bei Hardboiled-Fans keine Langeweile aufkommen dürfte und Charaktere mit denen man mitfiebert, lassen die Seiten nur so vorüberfliegen.«

Jan Butte

Warum ich Selfpublisher geworden bin

warum ich selfpublisher geworden bin

Vor ziemlich genau fünf Jahren habe ich an dieser Stelle einen Beitrag darüber verfasst, warum ich mich (noch) gegen den Selbstverlag entscheide. Inzwischen ist von mir nicht nur die Novelle »Lelana« im Selfpublishing erschienen, sondern auch mein neuer Roman »Entfesselter Tod«. Ich bin sogar dem deutschen Selfpublisherverband beigetreten. Was hat mich dazu bewogen, meine Meinung zu ändern?

Zunächst einmal muss ich gestehen, dass meine Vorurteile gegenüber dem Selfpublishing ganz typisch entstanden sind: Ich habe etwas abgelehnt, ohne es selbst zuvor gemacht zu haben.

Deswegen war »Lelana« für mich ein wichtiger Schritt, den ich auch ganz bewusst gegangen bin. »Lelana« ist ja eine Novelle. Das Risiko und der Zeitaufwand waren also überschaubarer als bei einem Romanprojekt. Und das Experiment hatte mir gezeigt: Ja, Selfpublishing hat seine Nachteile – aber eben auch Vorteile. Genauso, wie die Veröffentlichung in Zusammenarbeit mit einem Verlag.

Seit »Lelana« hat es mich schließlich gereizt, den Schritt zu wagen, auch eine größeres Projekt im Selfpublishing zu verwirklichen. Das Manuskript von »Entfesselter Tod« kam mir da sehr gelegen.

Als frühes Fazit kann ich folgende Punkte festhalten, die mich vom Selfpublishing überzeugt haben:

1. Selfpublishing gehört die Zukunft

Ich bin der festen Überzeugung, dass sich Selfpublishing in einem noch größeren Maße verbreiten wird, als es bereits der Fall ist. Der Weg zum Selfpublishing wird immer einfacher. Die Angebote für Selfpublisher werden immer besser und günstiger.

Verlage erfüllen viele wichtige Funktionen auf dem Buchmarkt und werden das auch in Zukunft noch weiter tun. Ich denke allerdings, dass sie auf lange Sicht eine entscheidende verlieren werden – und zwar die des Gatekeepers.

Bisher ist bzw. war es so, dass die Verlagslektoren darüber entschieden habe, welche Projekte ins Programm übernommen werden und welche nicht. Das bedeutet, dass sie nach ihren Maßstäben entscheiden mussten, welches Manuskript Potenzial hat und welche Autorin gut genug ist, um veröffentlich zu werden.

Inzwischen ist immer häufiger zu beobachten, dass Verlage erfolgreiche Selfpublisher unter Vertrag nehmen. Eine logische Entwicklung. Statt risikoreich selbst Autorinnen aufzubauen, können Verlage dank Selfpublishing in der Praxis sehen, was funktioniert, um dann die vielversprechendsten Kandidatinnen ins Programm zu nehmen.

Anstatt eine zentrale Person darüber entscheiden zu lassen, wer veröffentlichenswert ist und wer nicht, wird dieser Prozess auf absehbare Zeit sozusagen demokratisiert. Das passt in eine liberale Gesellschaft, die aus selbstbestimmten Menschen bestehen, die für sich entscheiden können, was sie gerne lesen. Ich bin ein großer Fan der liberalen Gesellschaft und selbstbestimmter Menschen.

2. Sooooooo schwierig und zeitaufwändig ist Selfpublishing nun auch wieder nicht – und es lohnt sich

Ja, es kostet Ressourcen, sich mit Selfpublishing zu beschäftigen, die für das Schreiben verlorengehen. Das lässt sich nicht beschönigen. Die Frage ist allerdings, was man dafür im Gegenzug erhält.

Rückblickend bereue ich es nicht, mich mit Selfpublishing beschäftigt zu haben. Im Gegenteil. Es hat mir großen Spaß gemacht und ich habe eine Menge gelernt.

Am Ende ist Selfpublishing ein wichtiger Teil der Digitalisierung. Sich mit dieser nicht auseinanderzusetzen, halte ich für einen großen Fehler. Denn ich bin überzeugt, dass sie unser aller Leben noch viel, viel massiver beeinflussen wird, als wir das jetzt noch für möglich halten.

Mit dem Federkiel im stillen Kämmerlein seine Manuskript auf Pergament zu kritzeln mag aus verschiedenen Gründen seinen Reiz haben – aber auf diese Weise läuft man Gefahr, die wichtigsten Entwicklungen auf dem Buchmarkt zu verpassen.

Als Selfpublisher erwirbt man Fähigkeiten und Know How, das auch jenseits der Autorinnentätigkeit wertvoll ist. Das ist mir auf jeden Fall die Zeit wert.

Abgesehen davon sind all die Tätigkeiten, die man als Selfpublisher neben dem Schreiben ausüben muss, auch keine Hexerei. Es gibt viele Angebote und viel nutzerfreundliche Software, die einem das Leben da sehr leicht machen können.

3. Alle Autorinnen werden zunehmend auch Selfpublisher sein

Niemand wird auf Dauer von dieser Entwicklung verschont bleiben. Die Verlagsautorin, die nur noch schreibt und sich darauf verlässt, dass der Verlag Lektorat, Korrektorat, Coverdesign, Marketing, Vertriebswege usw. schon in seinem Sinne erledigt, ist ein Auslaufmodell wie der VW Diesel.

Ja, es gibt sie noch. Aber diese Autorinnen werden zunehmend aus der Welt der Bücher verschwinden.

Als Nachwuchsautorin wird auch schon heute von Verlagsseite erwartet, in all diesen Bereichen kräftig mitzumischen. Und je mehr Ahnung man von Verlagsdingen hat, desto besser.

Verlage werden sich in Zukunft immer mehr darauf verlassen, dass ihre Autorinnen zum Beispiel auch kompetent darin sind, sich in den sozialen Medien zu bewegen. Der Unterschied zwischen Selfpublishern und Verlagsautorinnen, aber auch klassischen Verlagen, E-Book-Verlagen, digitalen Imprints und Print on Demand wird immer weiter verschwimmen.

Autorinnen werden in Zukunft vermehrt Hybridautorinnen sein, die sowohl selbst ihre Bücher verlegen, als auch mit Verlagen zusammenarbeiten.

Dieser Themenkomplex bildet das Umfeld, in dem sich Autorinnen eigentlich auch schon heute bewegen müssen. Deswegen sollte man sich damit auch auskennen und wissen, was man tut.

Entfesselter Tod Preview Klappentext