Mein idealer Schreibplatz

Mein idealer Schreibplatz

In einem Interview mit dem Blog Mordsbuch wurde ich neulich gefragt, wo ich denn am liebsten schreibe. Ich habe eine ganze Weile über diese Frage nachgedacht und mich dann dafür entschieden, kurz zu antworten, wo ich tatsächlich die meiste Zeit schreibe: In meinem Wohnzimmersessel. Doch eigentlich ist das nich die richtige Antwort.

Ich schreibe im Wohnzimmersessel, weil es der Ort im Haus ist, an dem ich in Anbetracht der Umstände am besten schreiben kann. Ein Idealer Ort der gar mein Lieblingsschreibort ist er nicht.

Meinen Lieblingsschreibort hatte ich vor Jahren in einer anderen Wohnung. Es war ein relativ großer Schreibtisch, der vor einem großen Fenster stand. Ich konnte rausgucken, sah dann ein paar Pflanzen auf dem Balkon, die Baumwipfel des gegenüberliegenden Parks und vor allem den leeren Himmel.

Der Schreibtisch stand in meinem Arbeitszimmer. In ihm befand sich nichts weiter als Bücher in Regalen und eben der besagte Schreibtisch mit einem Computer darauf und ein Schreibtischstuhl.

Wenn ich so recht überlege, dann war ich an diesem Ort am produktivsten. Das lag auch daran, dass ich damals auch andere Lebensumstände hatte, die mir mehr Zeit zum Schreiben ließen. Aber der Schreibort hat auch etwas dazu beigetragen.

Der richtige Schreibort ist die beste Weg, um Aufschieberitis zu bekämpfen und Schreibblockaden zu überwinden.

Warum war dieser Schreibort damals für diese Zwecke idealer als der Wohnzimmersessel heute?

Das Wohnzimmer ist ein zentraler Ort des Alltags. Hier entspannen wir alle gemeinsam, spielen, empfangen Besuch usw. Natürlich steht hier kein Schreibtisch. Ich schreibe mit dem Laptop auf den Knien. Meistens ist das Wohnzimmer nicht so richtig aufgeräumt. Spielzeug liegt herum oder die Spuren des Besuchs vom letzten Abend sind noch überall zu sehen.

Das ist eigentlich kein Ort fürs kreative Arbeiten. Kreatives Arbeiten erfordert es, in den Fluss zu kommen, neudeutsch auch »Flow« genannt.

Wie man sich das genau vorstellen kann, beschreibt Cal Newport in seinem Buch »Konzentriert arbeiten«, das im Original treffender »Deep Work« heißt, sehr anschaulich am Beispiel C.G. Jungs.

Der berühmte und auch durchaus exzentrische Psychologe, aber sehr produktive Jung hatte sich für sein Arbeit sozusagen eine Festung der Einsamkeit bauen lassen: einen Turm mitten in der Natur ohne Strom. Dorthin zog er sich zurück, um an seinen Schriften zu arbeiten.

Das ist natürlich etwas extrem, aber im Prinzip sieht so der ideale Schreibplatz aus: fernab vom Alltag, ohne Ablenkungen.

Nun sind wir alle nicht dazu in der Lage, uns einen Turm in der Natur bauen zu lassen. Ich schaffe es nicht einmal, einen Schreibtisch vor ein Fenster zu stellen. Aber trotzdem kann man mit den Mitteln, die einem verbleiben, Einiges tun, um in den Flow zu kommen.

Generell ist es gut, einen Schreibtisch zu haben, auf dem möglichst nichts anderes ist, als das, was man zum Schreiben benötigt. Und auch hier ist es eine gute Idee, alles Überflüssige wegzulassen. Das ist der Grund dafür, dass ich nicht mit vielen Notizblöcken, Pinnwänden und Zetteln, physischen Karteikarten usw. arbeite.

Ich verwende auch aus diesem Grund nur meinem Laptop und Scrivener. Für mich ist das die Konzentration auf das Wesentliche.

Ich habe über die Jahre gelernt, in den Flow zu kommen, auch unterwegs und an nicht so idealen Orten. Es gelingt mir nicht immer, aber doch meistens. Eine gute Unterstützung sind für mich Apps wie Noizio, die akustisch dafür sorgen, dass ich meine Umwelt aussperren kann. Visuell habe ich ja ohnehin das Computerdisplay vor mir, das mein Sichtfeld ausfüllt.

Eben deswegen ist es für mich auch so wichtig, keine physischen Notizzettel oder Ähnliches zu verwenden. Müsste ich diese suchen, in ihnen blättern usw. wäre ich aus dem Flow wieder raus. Alles, was ich für das Schreiben benötige, muss auf meinem Display stattfinden, sonst erkenne ich die Störungen in der Umwelt. Ich verlasse dann sozusagen meinen Turm.

Wie du deine unverwechselbare Autorinnenstimme findest

Wie du deine unverwechselbare Autorinnenstimme findest

Die eigene unverwechselbare Stimme zu finden ist eine schwierige Übung – gerade für beginnende Autorinnen. Die unverwechselbare Stimme ist ein Alleinstellungsmerkmal, das durchaus darüber entscheiden kann, ob dein Buch Leserinnen findet oder nicht.

Was ist deine unverwechselbare Autorinnenstimme?

Die unverwechselbare Autorinnenstimme ist nicht mit dem Stil zu verwechseln. Dein Stil ist die Art und Weise, wie du schreibst. Ausschweifend oder knapp, satirisch oder ernsthaft, romantisch oder nüchtern. Stil und Autorinnenstimme haben viel miteinander zu tun, sind aber nicht genau das Gleiche.

Ebenfalls solltest du nicht deine unverwechselbare Autorenstimme mit der Perspektive verwechseln. Perspektive entsteht, wenn du die Welt deiner Romanhandlung aus dem Blickwinkel einer Romanfigur beschreibst – entweder in der Ich-Perspektive oder in einer personalen Perspektive. Je nach Perspektivfigur kann der Stil einer Geschichte sich verändern – deine unverwechselbare Autorenstimme wird jedoch trotzdem erkennbar bleiben.

Die unverwechselbare Autorenstimme ist eine Kombination aus deinem Stil, der Perspektive und deiner Persönlichkeit.

Deine Autorenstimme entscheidet darüber, was du in deinen Romanen zeigst und was du weglässt. Sie ist etwas sehr Subtiles, schwer Greifbares. Sie ist sozusagen ein Teil deiner Persönlichkeit, der in deinen Roman einfließt, weil nur du ein Thema auf eine ganz bestimmte Weise mit einer ganz bestimmten Sprache behandeln kannst.

Hier eine Handvoll Tipps, wie du entspannt und gleichzeitig effektiv deine unverwechselbare Autorinnenstimme finden kannst:

1. Denke beim ersten Projekt nicht über deine Stimme nach

Das Schreiben eins Romans ist eine so große und fordernde Aufgabe, die auf so vielen Ebenen Anstrengungen erfordert, dass deine Autorinnenstimme etwas ist, dass du am Anfang vernachlässigen kannst.

Plot, Figuren, Spannung … Das sind zunächst einmal für einen Unterhaltungsroman wesentlich wichtigere Elemente, an denen Erstautoren arbeiten müssen.

Überhaupt lesbar zu schreiben, ist zunächst eine Herausforderung.

Deine Autorinnenstimme sollte nur bedingt etwas sein, worüber du bewusst nachdenkst. Es wird einfach viel Übung erfordern und einige Romane dauern, bis du sie gefunden hast.

2. Schreibe von deinen Vorbildern ab

In der bildenden Kunst ist es üblich, dass Studenten erst einmal abmalen, bevor man mit eigenen Bildern beginnen.

Bands covern häufig erst ihre Lieblingssong, bevor sie eigene schreiben.

Nur in der Literatur ist es aus unerfindlichen Gründe verpönt, von Vorbildern abzuschreiben, bevor man eigene Romane schreibt. Dabei ist es eigentlich eine gute Idee.

Lies ein Kapitel oder eine Szene eines Romans deiner Lieblingsautorin. Lies den Text intensiv, wenn es sein muss mehrmals.

Schlag danach das Buch zu und versuche den Text so getreu wie möglich aufzuschreiben.

Der Text, den du auf diese Weise produzierst, wird in gewisser Weise deine Version des ursprünglichen Textes  sein, in dem schon eine Menge von deiner eigenen Stimme steckt. Nur fängst du eben auf diese Weise nicht bei null an.

Wiederhole diese Übung viele Male mit unterschiedlichen Texten verschiedener Autorinnen, die dich aber gleichermaßen faszinieren. Auf diese Weise wird deine Autorinnenstimme geschult.

Um es noch einmal zu betonen: Dieser Tipp soll dich dazu anregen zu üben – nicht Romane abzuschreiben, um sie hinterher zu veröffentlichen.

3. Schreibe frei

Wenn du genug abgeschrieben hast, schreibe einfach drauflos. Irgendwas. Denke nicht über Plot oder Figuren nach. Versuche in einen Fluss zu kommen. Auch dieser Text ist nicht dazu da, damit daraus ein veröffentlichungsreifer Roman entsteht.

Stattdessen solltest du ihn dir nach einer gewissen Pause aufmerksam lesen. Was gefällt dir? Was missfällt dir? Versuche Muster zu erkennen und arbeite an ihnen.

Wenn du Tagebuch schreibst, dann nimm dir das vor. Versuche deinen eigenen Text zu analysieren. Welche Passagen gefallen dir, welche vielleicht nicht?

4. Beschäftige dich mit Grammatik

Deine unverwechselbare Autorinnenstimme hat auch damit zu tun, dass du grammatikalische Regeln brichst oder zumindest dehnst. Bevor du gegen Grammatik verstößt, solltest du auch genau wissen, was du da eigentlich treibst.

Wenn du dich mit Grammatik auskennst, kannst du auch manche Phänomene, die dir gefallen, genauer benennen, analysieren und auch verfeinern.

5. Beschäftige dich mit Moral

Da deine Autorinnenstimme sozusagen deine Persönlichkeit ist, die in deine Texte einfließt, kann es helfen, deine eigene Weltsicht genauer zu reflektieren:

Was ist für dich das Wichtigste im Leben? Was sind die Dinge, die dich aufregen und bewegen? Was erwartest du von einer guten Geschichte? Soll sie das Leben abbilden, wie es ist oder wie es sein sollte?

Warum schlechte Rezensionen auf Amazon auch gut für dich sind

Warum schlechte Rezensionen auf Amazon auch gut für dich sind

Du hast deinen Roman endlich veröffentlicht. Nach der vielen Arbeit ist die Aufregung groß. Nichts wünschst du dir mehr als tolle Rezensionen. Und dann trudeln Drei-, Zwei oder sogar nur Ein-Stern-Rezensionen ein. Der Weltuntergang?

Eine Frage der Perspektive

Das Ärgerliche an schlechten Rezis – du wirst dich mit ihnen mehr beschäftigen, als dir guttut. Das gehört zum Autorenalltag. Du kannst noch so viele Vier- oder Fünf-Sterne-Rezensionen haben – diese eine miese Rezi wird dich nachts nicht schlafen lassen.

Einerseits ist das ganz normal. Andererseits ist es an dieser Stelle wirklich wichtig, sich immer wieder klar zu machen, dass man es als Autorin nun einmal nicht allen Leserinnen recht machen kann oder sollte. Ein paar schlechte Rezensionen im Verhältnis zu einigen guten zeigen eigentlich nur, dass du es richtig gemacht hast.

Welches großartige und erfolgreiche Werk wird nicht negativ bewertet? In der Regel gilt: Je erfolgreicher und beliebter ein Roman ist, desto heftiger wird er auch angegriffen. Sebastian Fitzek hat nicht nur Fans, sondern auch Leute, die seine Bücher wirklich, wirklich mies finden. Trotzdem stehen die Leute auf den Buchmessen kilometerweit für seine Signierstunden an.

Schlechte Rezis sagen dir also nicht unbedingt, dass dein Roman schlecht ist. Sie sagen vor allem erst einmal, dass es Leserinnen gibt, die nichts mit deinem Roman anfangen können, ihn aber trotzdem gelesen haben. Das ist eigentlich nichts Schlechtes.

Die Wahrheit steckt zwischen den Zeilen

Häufig äußern sich Leserinnen nicht direkt in Rezensionen, manchmal vielleicht, weil sie selbst nicht so genau wissen, was ihnen nicht gefällt. Das ist okay. Leserinnen müssen ja (zum Glück!) keine studierten Literaturkritiker sein. Sie können häufig nur sagen, was ihnen nicht gefallen hat, nicht warum. Es ist deine Aufgabe als Autorin, deinen Frust über die miese Bewertung herunterzuschlucken und dies herauszufinden und für dich die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Bedenke: Immerhin hat sich die Rezensentin die Mühe gemacht, eine Kritik zu schreiben. Das tut sie nicht, um dein Autorenleben noch schwerer zu machen, als es ohnehin schon ist. Dein Roman ist ihr nicht gleichgültig. Er hat sie bewegt. Natürlich wäre es schöner, er hätte sie begeistert, aber die Welt ist nun einmal nicht perfekt.

Was genau hat sie so sehr bewegt? Warum? Ist das schlechte Gefühl, das hinter der Rezension steckt, vielleicht sogar gut für dich?

Patricia Bloch, die Hauptfigur meiner Young-Adult-Romane »Tödliche Gedanken« und »Tödliche Wahrheit«, bekommt gemischte Reaktionen. Von »Patricia trifft genau mein Lebensgefühl, ich kann mich super mit ihr identifizieren.« bis hin zu »Patricia ist total nervig.« habe ich Statements zu ihr in Rezensionen gesammelt.

Natürlich ist es schade, wenn Leserinnen die Hauptfigur nervig finden und dem Roman deswegen drei oder zwei Sterne geben. Andererseits: Patricia ist eine hochbegabte, junge Erwachsene, die sich unverstanden fühlt, ihren Weg in der Welt finden will, unsicher ist und in dieser Unsicherheit in eine Verteidigungshaltung verfällt, die sie häufig anecken lässt. Wenn eine Leserin so eine Figur als nervig empfindet, dann heißt das eigentlich nur, dass ich die Persönlichkeit der Figur auch gut getroffen habe.

Manchmal haben schlechte Rezis auch weniger etwas mit der Qualität deines Romans und mehr mit der Erwartungshaltung der Leserinnen zu tun. Rezis wie: »Schon ganz spannend, aber eigentlich mag ich solche Bücher gar nicht.« weisen darauf hin, dass dein Roman nicht die richtige Zielgruppe gefunden hat. Hier kannst du überlegen, ob vielleicht das Cover deines Romans geändert werden sollte oder er in anderen Kategorien bei Amazon einsortiert werden muss.

Aber sind schlechte Rezensionen nicht schlecht für deine Verkäufe?

Ja und nein. Eigentlich haben Rezensionen und Verkäufe nicht unmittelbar etwas miteinander zu tun. Wichtiger als Fünf-Sterne-Rezensionen ist die Sichtbarkeit des Romans. Wie du diese erreichst, ist ein anderes Thema.

Es kann sogar besser sein, wenn dein Roman neben tollen Rezensionen auch durchschnittliche und ein paar schlechte hat. Dies wirkt auf viele potenzielle Kunden ehrlicher. Unter manchen ist die Haltung verbreitet, mit einem Roman, der nur Fünf-Sterne-Rezensonen hat, stimme etwas nicht.

Sieh dir einfach die Top-100-Romane bei Amazon an und du wirst sehen, dass die meisten davon durchaus gemischte Rezensionen haben.

Was machst du auf der Buchmesse als Autorin, wenn du noch nichts veröffentlicht hast?

Was machst du auf der Buchmesse als Autorin, wenn du noch nichts veröffentlicht hast?Die Leipziger Buchmesse steht vor der Tür. Falls du noch nichts veröffentlich hast und/oder noch keinen Verlag und somit keinen Stand als Anlaufpunkt hast, glaubst du vielleicht, dass du dort nichts verloren hast. Weit gefehlt.

Wie kommst du als unveröffentlichte Autorin auf die Buchmesse?

Zunächst einmal kannst du dir wie jede andere Besucherin auch einfach ein Ticket kaufen. Falls du jedoch bereits einen Blog oder YouTube-Channcel haben solltest, der sich maßgeblich mit Büchern beschäftigt und/oder bereits für ein Magazin geschrieben hast (auch online), kannst du dich akkreditieren lassen.

Das geht auch noch am Messetag selbst. Dann solltest du mit deinen Veröffentlichungen zur Pressestelle gehen, sie dort zeigen und höflich fragen, ob ein Akkreditieren noch möglich ist. Es hat einige Vorteile, als Journalist auf der Messe zu sein. Neben einem coolen Presseausweis, auf dem dein Name steht, und kostenloser Garderobe, bei der du nicht ewig anstehen musst, hast du Zutritt zum Pressebereich, wo es entspannter und ruhiger zugeht, als auf der restlichen Messe.

Natürlich solltest du, wenn du als Journalistin akkreditiert bist, auch Beiträge über die Messe auf deinem Blog etc. veröffentlichen und nicht nur die Vorteile abgreifen.

Die naheliegendste Möglichkeit besteht darin, dich als »Fachbesucher: Autor« auf die Messe zu begeben. Das hat einige Vorteile, die hier alle aufzuzählen, den Rahmen sprengen würde. Auch die Anmeldung zum »Fachbesucher:Autor« ist nicht ganz trivial und kann hier nichts schnell in ein paar Worten erklärt werden. Hier findest du eine Übersicht.

Und was genau machst du als unveröffentlichte Autorin auf einer Buchmesse?

Zunächst einmal, was du nicht machen solltest: Du solltest nicht mit deinem Manuskript von Verlagsstand zu Verlagsstand ziehen und es dort den Mitarbeiterinnen anbieten. Und du solltest auch nicht zu den Literaturagentinnen gehen, um ihnen dein Manuskript schmackhaft zu machen.

Verlagsmitarbeiterinnen und Literaturagentinnen sind nicht auf einer Messe, um neue Autorinnen zu entdecken und Manuskripte zu lesen. Wäre das so, könnten sie sich vor dem Ansturm wahrscheinlich gar nicht retten.

Was aber machst du dort also dann?

Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Es hilft, sich die Messe wie eine einzige große (wirklich, wirklich große) Party vorzustellen. Auch auf einer Party möchtest du ja nicht, dass jemand mit dir die ganze Zeit über sich selbst redet und versucht, sich selbst so gut wie möglich zu präsentieren. Und du willst auch nicht mit Werbegeschenken überhäuft werden.

Auf einer Party möchtest du dich amüsieren, anregende (aber auch nicht allzu tiefgründige) Gespräche führen und neue Leute kennenlernen.

Im Endeffekt geht es darum auch auf einer Buchmesse. Sei offen für Menschen, die auf dich zukommen oder gehe offen auf andere zu, plaudere mit ihnen und – meiner Ansicht nach das Wichtigste – versuche von anderen Besucherinnen oder Ausstellerinnen zu lernen: Was machen die gerade? Was machen sie prinzipiell? Warum tun sie, was sie tun? Inwiefern sind sie weiter als du in ihrer Autorinnenkarriere? Was unterscheidet sie von dir?

Und so weiter. Generell würde ich sagen, dass es besser ist, zu versuchen, so viel wie möglich zuzuhören und aufzunehmen, als zu versuchen, sich selbst zu präsentieren.

Wie kannst du als introvertierte Autorin die Messe nutzen?

Autorinnen sind ja häufig nicht unbedingt Rampensäue (obwohl es durchaus Ausnahmen gibt).

Selbst wenn du meinst, zu introvertiert zu sein, um auf andere zugehen und Gespräche zu führen, dann kannst du immer noch durch die Reihen der Stände schlendern und einfach nur lauschen, was hier und dort so geschieht. Kling nicht spektakulär? Du wirst lernen. Und zwar viel.

Vor allem bekommst du mit, wie der Buchmarkt funktioniert, wie die Buchwelt tickt und wie Verlagsmitarbeiterinnen so sind.

Das alles sind vielleicht keine Dinge, die dazu führen, dass du am Montag nach der Messe veröffentlichte Bestsellerautorin bist. Aber – regelmäßige – Messebesuche sind ein Baustein von vielen in deiner Autorinnenkarriere.

Am Ende wirst du mindestens einen Effekt verspüren, der nicht unterschätzt werden sollte: Du wirst dich mehr noch als Autorin fühlen als zuvor.

Was macht eigentlich eine Literaturagentur und brauchst du eine?

Was macht eigentlich eine Literaturagentur und brauchst du eine?

Vielleicht stellst du dir vor, dein Manuskript einem Verlag zu schicken, wenn es fertig ist. Das ist jedoch inzwischen ein höchst unwahrscheinlicher Weg, veröffentlicht zu werden. Verlage nehmen in der Regel keine unverlangten Manuskripte an – sie verlassen sich meistens auf jene, die ihnen Literaturagenturen vermitteln.

Agenturen haben in den letzten Jahrzehnten die Rolle übernommen, die früher noch Verlagslektorinnen hatten: Das Sichten von Manuskripten neuer Autorinnen.

Die meisten Agenturen prüfen unverlangt eingesandte Manuskripte und melden sich bei dir, wenn ihnen dein Manuskript gefällt und nehmen dich dann unter Vertrag.

Das bedeutet, sie nehmen die Rolle eines Vermittlers zwischen dir und Verlagen ein und vertreten dich in allen wichtigen Bereichen. Sie holen Angebote rein, prüfen Verträge und versuchen das Bestmögliche für dich herauszuholen.

In der Regel gilt, dass eine Agentur wesentlich bessere Konditionen verhandeln kann, als du selbst. Erfahren Literaturagenten kennen alle Fallstricke des Vertragsrechts. Sie wissen, worauf zu achten ist, wenn es um das Verhandeln von Hörbuch-, Lizenz- und Filmrechten für einen Roman geht, und haben auch eine Idee, bei welchen Verlagen ein Manuskript auf welche Weise am chancenreichsten angeboten werden kann.

Darüber hinaus betreuen dich viele Agenturen intensiv. Sie vermitteln deine Manuskripte nicht nur, sie helfen auch dabei, sie so zu überarbeiten, dass sie auf dem Markt die besten Chancen haben.

Kurzum: Agenturen helfen dir, das für dich beste Angebot zu finden, professioneller aufzutreten und deine Interessen zu vertreten. Dafür wollen sie einen gewissen Prozentsatz des Autorenhonorars (meistens etwas zwischen zehn und zwanzig Prozent), wenn es gezahlt wird. Seriöse Agenturen wollen keine Vorschüsse.

Klingt gut? Ist es auch. Eine gute Agentur hilft dir, dich in allen Bereichen zu entwickeln und will dafür eigentlich relativ wenig.

Warum verzichten dann manche Autorinnen trotzdem auf eine Agentur?

Das kann viele Gründe haben. Manche wollen tatsächlich das Geld sparen, das eine Agentur kostet. Andere wiederum haben das Glück, andere Verbindungen zu Verlagen zu haben oder kennen sich selbst so gut in dem Milieu aus, dass sie keine Literaturagentin brauchen. Wieder andere wollen von vornherein im Selfpublishing verlegen – und dann können Agenturen relativ wenig für einen tun.

Es ist allerdings durchaus interessant, dass selbst manche Autorinnen, die bereits viel veröffentlicht haben – auf eigene Faust bei Verlagen oder als Selfpublisher – frühe oder später dann doch eine Agentur beauftragen, sie zu vertreten. Selbst nachdem ein Manuskript schon von einem Verlag akzeptiert worden ist, engagieren manche Agenturen, um für sie dann die Details des  Vertrags auszuhandeln.

Ob du also eine Agentur brauchst oder nicht, hängt davon ab, wie viel von der Arbeit, die sie erledigt, du dir selbst zutraust.

Bleibt noch die Frage offen, wie du an eine Agentur gelangst. Auch das ist ein sehr individueller Weg. Manche Autorinnen habe auch hier bereits Verbindungen, die sie nutzen können, andere müssen sich bewerben, ganz so, wie man es früher bei Verlagen getan hat, indem man unverlangt ein Anschreiben mit Exposé und Leseprobe versendet.

Literaturagenturen findest du, indem du sie einfach im Netz suchst. Jede Agentur hat auch eine Website, über die du Kontakt aufnehmen kannst. Ob eine Agentur für dich geeignet ist, erfährst du schon, wenn du dir ihren Internetauftritt genau ansiehst. Meistens wird hier auch schon gesagt, welche Genres die Agentur vertritt.

Triff mich auf der Leipziger Buchmesse 2017!

Triff Marcus Johanus auf der Leipziger Buchmesse 2017

Wer mich gerne treffen möchte, um ein wenig zu schnacken, ein Buch signieren zu lassen oder eine der beliebten Cover-Postkarten und/oder ein »Tödliche Gedanken«-Lesezeichen abzustauben, der hat dazu auf der Leipziger Buchmesse die Gelegenheit.

Postkarten und Leszeichen Tödliche Gedanken und Tödliche Wahrheit

Ich werde den ganzen Samstag, den 25.03.2017 auf der Messe sein. Man findet mich dann entweder im Schlepptau mit Axel Hollmann oder auch alleine irgendwo in den Hallen orientierungslos herumirren. Gute Chancen hat man auch, mich am Stand von Midnight by Ullstein oder beim Uschtrin-Verlag zu erwischen, wo ich mich ebenfalls ein wenig herumtreiben werde.

Garantiert wird man mich am Stand D318 in Halle 5 meiner BartBrothers-Kollegin Kia Kahawa zwischen 14 und 15 Uhr antreffen.

Ich freue mich schon darauf! Bis bald in Leipzig.

Wie lange dauert es, ein Buch zu schreiben?

Wie lange dauert es, ein Buch zu schreiben?Ich stoße immer wieder auf die Frage, wie lange es dauert, ein Buch zu schreiben. Obwohl eine pauschale Antwort schwerfällt, kann es hilfreich sein, anderen Autorinnen mal über die Schulter zu gucken und deren Arbeitsweise mit der eigenen zu vergleichen.

Es gibt erhebliche Unterschiede in der Arbeitsweise und damit auch im Arbeitstempo von Autorinnen.

Mickey Spillane beispielsweise hat nach eigener Aussage seinen Bestseller und Krimi-Klassiker des Hard-Boiled-Genres »Ich, der Richter« an einem Wochenende geschrieben. Immerhin ein 180-Seiten-Roman. Michael Moorcock rühmt sich damit, seine meisten Romane in drei Tagen zu schreiben und hat dazu sogar ein spezielles System entwickelt.

Dem steht das berüchtigte Beispiel von George R.R. Martin gegenüber, dessen Arbeitszeit an seiner »A Game of Thrones«-Serie inzwischen zu einem Running Gag geworden ist und sogar schon besungen wird.

Der Thriller-Autor J.A. Konrath erwähnt auf seinem Blog, dass er in der Regel um die drei Monate für einen Roman von einer Länge von ca. 300-400 Seiten benötigt. Einen Zeitraum, den ich für einen routinierten Vollzeit-Autor für realistisch halte.

Hier zum Vergleich ein etwas detaillierterer Einblick in meine Arbeitsweise und die Zeit, die ich mir nehme, um einen Roman fertigzustellen. Dabei muss beachtet werden, dass ich in der Regel eine, maximal zwei Stunden am Tag zum Schreiben habe, sehr selten mehr.

  1. Phase: Brainstorming und Recherche

Ich erarbeite mir das Grundgerüst eines Romans (Worum soll es gehen? Wer ist die Hauptfigur?) manchmal aufgrund eines spontanen Einfalls. Manchmal starte ich auch ohne eine Idee und brainstorme so lange, bis mir was einfällt. So oder so – anschließend recherchiere ich eine Weile, brainstorme weiter, recherchiere, brainstorme usw. Für diese Phase setze ich mir ein Maximum von vier Wochen. Danach ist Schluss. Ganz gleich, welche Fragen noch alle offen sind. Die Erfahrung zeigt: Setze ich mir hier keine Deadline und halte ich sie nicht strickt ein, dann zieht sich diese Arbeitsphase bis in alle Ewigkeit und ich fange nie mit dem Schreiben an.

  1. Phase: Figuren erschaffen und Plotten

Beides geht Hand in Hand. Mal starte ich mit dem Plot, manchmal halte ich mich länger mit den Figuren auf. Aber es ist ein Puzzlespiel, denn Plot und Figuren beeinflussen sich gegenseitig. Im Schnitt brauche ich einen Tag, um ein Kapitel zu plotten. Ein Roman von mir hat zwischen 30-60 Kapitel. Pie mal Daumen dauert diese Phase also ein bis zwei Monate.

  1. Phase: Schreiben des ersten Entwurfs

Der erste Entwurf eines Romans hat bei mir meistens so um die 100.000 Wörter. Dank des NaNoWriMos bin ich darauf trainiert, 50.000 Wörter in einem Monat zu schaffen. Auch diese Phase dauert also in etwa zwei Monate.

  1. Phase: Erste Überarbeitung

Meisten schaffe ich es, ein Manuskript erst einmal eine Weile liegen zu lassen. In der Zeit kümmere ich mich dann um neue Projekte (Grundideen finden, Brainstorming, Recherchieren …). Dann wird es überarbeitet. Auch das dauert meisten rund ein bis zwei Monate. Das Geschreibsel eines ersten Entwurfs ist häufig so schlecht, was Details der Logik und Dramaturgie angeht, dass ich noch viel Arbeit in den zweiten Entwurf investieren muss. Häufig lösche ich hier ganze Kapitel, schreibe sie grundlegend um und/oder ersetze sie durch neue Texte. Das Manuskript, was aus dieser Phase hervorgeht, nenne ich Alpha-Entwurf.

  1. Phase: Zweite Überarbeitung

Der Alpha-Entwurf geht zu meinen Alpha-Testleserinnen. Jetzt habe ich häufig ein paar Wochen Pause von dem Text, die ich meisten ebenfalls dafür nutze, um neue Projekte zu entwickeln oder zu schreiben. Habe ich die Manuskripte zurück, ist meistens wiederum viel Überarbeitung notwendig. Ich schätze, dass ich nochmal rund ein bis zwei Monate den Alpha-Entwurf überarbeite.

  1. Phase: Dritte Überarbeitung

Nach der 6. Phase halte ich den Beta-Entwurf in den Händen, der dann zu meinen Beta-Testleserinnen geht. Auch hier habe ich wiederum eine Weile Sendepause, in denen ich am nächsten Projekt arbeite. Da die Beta-Entwürfe schon recht nahe an veröffentlichungsreifen Texten sind, ist meistens nicht mehr so viel an ihnen zu überarbeiten, nachdem ich sie zurückbekomme. In der Regel brauche ich also so um die vier Wochen, um das Manuskript dann fertigzustellen.

Fazit:

Insgesamt würde ich also schätzen, dass die reine Arbeitszeit an einem Roman zehn bis zwölf Monate beträgt, den Leerlauf, den ich habe, während ich auf das Feedback von Testleserinnen warte, nicht mitgerechnet. Wie gesagt, das bezieht sich auf eine durchschnittliche tägliche Arbeitszeit von einer Stunde. Würde ich hauptberuflich Romane schreiben, ginge es wahrscheinlich in der Hälfte der Zeit.