Mein idealer Schreibplatz

Mein idealer Schreibplatz

In einem Interview mit dem Blog Mordsbuch wurde ich neulich gefragt, wo ich denn am liebsten schreibe. Ich habe eine ganze Weile über diese Frage nachgedacht und mich dann dafür entschieden, kurz zu antworten, wo ich tatsächlich die meiste Zeit schreibe: In meinem Wohnzimmersessel. Doch eigentlich ist das nich die richtige Antwort.

Ich schreibe im Wohnzimmersessel, weil es der Ort im Haus ist, an dem ich in Anbetracht der Umstände am besten schreiben kann. Ein Idealer Ort der gar mein Lieblingsschreibort ist er nicht.

Meinen Lieblingsschreibort hatte ich vor Jahren in einer anderen Wohnung. Es war ein relativ großer Schreibtisch, der vor einem großen Fenster stand. Ich konnte rausgucken, sah dann ein paar Pflanzen auf dem Balkon, die Baumwipfel des gegenüberliegenden Parks und vor allem den leeren Himmel.

Der Schreibtisch stand in meinem Arbeitszimmer. In ihm befand sich nichts weiter als Bücher in Regalen und eben der besagte Schreibtisch mit einem Computer darauf und ein Schreibtischstuhl.

Wenn ich so recht überlege, dann war ich an diesem Ort am produktivsten. Das lag auch daran, dass ich damals auch andere Lebensumstände hatte, die mir mehr Zeit zum Schreiben ließen. Aber der Schreibort hat auch etwas dazu beigetragen.

Der richtige Schreibort ist die beste Weg, um Aufschieberitis zu bekämpfen und Schreibblockaden zu überwinden.

Warum war dieser Schreibort damals für diese Zwecke idealer als der Wohnzimmersessel heute?

Das Wohnzimmer ist ein zentraler Ort des Alltags. Hier entspannen wir alle gemeinsam, spielen, empfangen Besuch usw. Natürlich steht hier kein Schreibtisch. Ich schreibe mit dem Laptop auf den Knien. Meistens ist das Wohnzimmer nicht so richtig aufgeräumt. Spielzeug liegt herum oder die Spuren des Besuchs vom letzten Abend sind noch überall zu sehen.

Das ist eigentlich kein Ort fürs kreative Arbeiten. Kreatives Arbeiten erfordert es, in den Fluss zu kommen, neudeutsch auch »Flow« genannt.

Wie man sich das genau vorstellen kann, beschreibt Cal Newport in seinem Buch »Konzentriert arbeiten«, das im Original treffender »Deep Work« heißt, sehr anschaulich am Beispiel C.G. Jungs.

Der berühmte und auch durchaus exzentrische Psychologe, aber sehr produktive Jung hatte sich für sein Arbeit sozusagen eine Festung der Einsamkeit bauen lassen: einen Turm mitten in der Natur ohne Strom. Dorthin zog er sich zurück, um an seinen Schriften zu arbeiten.

Das ist natürlich etwas extrem, aber im Prinzip sieht so der ideale Schreibplatz aus: fernab vom Alltag, ohne Ablenkungen.

Nun sind wir alle nicht dazu in der Lage, uns einen Turm in der Natur bauen zu lassen. Ich schaffe es nicht einmal, einen Schreibtisch vor ein Fenster zu stellen. Aber trotzdem kann man mit den Mitteln, die einem verbleiben, Einiges tun, um in den Flow zu kommen.

Generell ist es gut, einen Schreibtisch zu haben, auf dem möglichst nichts anderes ist, als das, was man zum Schreiben benötigt. Und auch hier ist es eine gute Idee, alles Überflüssige wegzulassen. Das ist der Grund dafür, dass ich nicht mit vielen Notizblöcken, Pinnwänden und Zetteln, physischen Karteikarten usw. arbeite.

Ich verwende auch aus diesem Grund nur meinem Laptop und Scrivener. Für mich ist das die Konzentration auf das Wesentliche.

Ich habe über die Jahre gelernt, in den Flow zu kommen, auch unterwegs und an nicht so idealen Orten. Es gelingt mir nicht immer, aber doch meistens. Eine gute Unterstützung sind für mich Apps wie Noizio, die akustisch dafür sorgen, dass ich meine Umwelt aussperren kann. Visuell habe ich ja ohnehin das Computerdisplay vor mir, das mein Sichtfeld ausfüllt.

Eben deswegen ist es für mich auch so wichtig, keine physischen Notizzettel oder Ähnliches zu verwenden. Müsste ich diese suchen, in ihnen blättern usw. wäre ich aus dem Flow wieder raus. Alles, was ich für das Schreiben benötige, muss auf meinem Display stattfinden, sonst erkenne ich die Störungen in der Umwelt. Ich verlasse dann sozusagen meinen Turm.

Dass du keine Zeit zum Schreiben findest, hat andere Gründe, als du glaubst

Dass du keine Zeit zum Schreiben findest, hat andere Gründe haben, als du glaubst

Du glaubst, Kreativität, Talent oder Sprachgefühl seien die wichtigsten Eigenschaften einer Autorin und du hättest nicht genug davon? Weit gefehlt. Vielleicht meinst du aber auch, dass du nie zum Schreiben kommst, läge daran, dass du keine Zeit hast oder dir deine Zeit falsch einteilst? Die Chancen stehen gut, dass auch das ein Irrtum ist.

Um einen Roman zu schreiben ist es vor allem notwendig, sich täglich zu motivieren. Für wie lange und wann, spielt eigentlich nur eine untergeordnete Rolle. Das gelingt nicht mit künstlerischer Begabung und auch nicht mit einem ausgeklügelten Zeitmanagement, sondern vor allem mit Willenskraft.

Allerdings ist das mit der Willenskraft so eine Sache. Du brauchst sie nicht nur zum Schreiben, sondern praktisch vom ersten Moment an, in dem du morgens einen Fuß aus dem Bett setzt. Ab diesem Zeitpunkt gibt es tausend Dinge, die an deiner Willenskraft zehren:

Du musst dich dazu durchringen, morgens früh aufzustehen, zur Arbeit zu gehen, deine Familie zu versorgen, deine Hausarbeit zu verrichten. Und noch viele andere Tätigkeiten verbrauchen deine Willenskraft, die dir auf den ersten Blick vielleicht nicht bewusst sind:

  • Nein sagen zu den leckeren, aber ungesunden Versuchungen beim Bäcker.
  • Nein sagen zu zehnten Tasse Kaffee.
  • Nein sagen zur Zigarette, denn du willst dir ja gerade das Rauchen abgewöhnen.
  • Während der Arbeit geht es darum, stets freundlich und aufmerksam zu bleiben, auch wenn es dir schwerfällt, weil du müde, hungrig oder einfach nur genervt bist.
  • Sport treiben wäre auch noch eine gute Idee, obwohl du lieber die Füße hochlegen möchtest.
  • Als wäre das alles nicht genug, findet später noch der Elternabend statt, zu dem du dich aufraffen musst, obwohl du viel lieber endlich den Feierabend genießen und schreiben würdest.
  • Solltest du nach einem langen Tag doch noch irgendwann Zeit zum Schreiben finde, ertappst du dich dabei, sinnlos vorm Fernseher durch die Kanäle zu zappen. Und falls du dich dann doch dazu aufraffen kannst, deinen Laptop in die Hand zu nehmen, surfst du statt zu schreiben lieber auf YouTube oder Facebook herum oder verdaddelst gleich deine Zeit mit dem Handy.

Ganz klar – du bist nicht willensstark genug. Glaubst du.

Das Gegenteil ist wahrscheinlich der Fall. Die Chancen stehen gut, dass du im Laufe deines Tages sehr, sehr viel Willenskraft aufwendest. Nur halt leider nicht fürs Schreiben. Es bleibt am Ende einfach nicht genug Willenskraft für das übrig, was dir wirklich wichtig ist.

Viele spricht dafür, dass Willenskraft eine Ressource ist. Es hilft, sich Willenskraft wie einen Muskel vorzustellen. Auch Muskeln haben irgendwann einen Punkt erreicht, an dem sie nicht mehr können.

Mit Willenskraft ist es genauso. Aus irgendwelchen Gründen nehmen viele Menschen an, sie würde uns unbegrenzt zur Verfügung stehen und wir müssten nur hart genug, diszipliniert genug oder sonstwas sein, um einfach das durchzuziehen, was wir uns vornehmen.

Die Kunst erfolgreicher Autorinnen, die ihre Manuskripte beenden und veröffentlichen, besteht also weniger in magischen literarischen Talenten oder im überlegenen Zeitmanagement, sondern darin, dass sie sich ihre Willenskraft so eingeteilt haben, dass sie am Ende des Tages noch zum Schreiben reicht.

Aber das lässt sich unter Umständen ändern. Musst du tatsächlich zu jedem freundlich sein – oder ist es vielleicht sogar besser, authentisch zu reagieren?

Außerdem ist die Willenskraft morgens größer als abends. Wer also  gleich nach dem Aufstehen schreibt, hat auf jeden Fall noch genug Willenskraft, um sich ans Manuskript zu setzen.

Die andere gute Nachricht, die mit der Metapher einhergeht, Willenskraft als einen Muskel zu betrachten: Sie kann regeneriert und trainiert werden.

Nachweisbar schlecht für die Willenskraft sind scheinbar entspannende Aktivitäten, die uns aber tatsächlich eher ermüden, z.B.

  • Binge-Watching,
  • Übermäßiges körperliches Training,
  • zu viel Essen, Rauchen, Alkoholkonsum oder
  • Surfen in den sozialen Medien.

Nachweisbar gut für die Willenskraft sind beispielsweise

  • Meditation,
  • Spaziergänge (oder andere körperliche Aktivitäten mit einem mittleren Anstrengungsniveau),
  • mindestens sechs, besser sieben oder acht Stunden Schlaf pro Nacht oder
  • das Ausüben einer kreativen Tätigkeit.

Gerade Letzteres ist eine gute Nachricht für dich als Autorin: Durch das Schreiben wird dein Willenskraft-Muskel sogar noch trainiert und regeneriert. Wer mehr schreibt, tankt damit mehr Willenskraft für den Alltag.

Mit anderen Worten: Je besser es dir gelingt, dir deine Willenskraft so einzuteilen, dass du zum Schreiben kommst, desto mehr werden auch alle anderen Bereiche deines Lebens profitieren.

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Wer mehr über das Thema erfahren will und Interesse an den biopsychologischen Zusammenhängen des Phänomens Willenskraft hat, dem empfehle ich das wunderbare Sachbuch »Bergauf mit Rückenwind« von Kelly McGonigal.

Challenge: 31 Tage Autorenwahnsinn, Tag 6 – Was beim Schreiben nicht fehlen darf

Challenge: 31 Tage Autorenwahnsinn, Tag 6 - Was beim Schreiben nicht fehlen darf

Eindeutig Kaffee. Und Ingwertee.

Wobei ich aufpassen muss. Das Zubereiten der Getränke darf nicht zu einer Ablenkung werden und somit meine Aufschieberitis füttern. Um diese zu bekämpfen, arbeite ich gerne mit der Pomodoro-Technik.

Außerdem habe ich mich an die App Noizio gewöhnt. Sie erschafft Hintergrundgeräusche, die weniger ablenkend sind als Musik. Da absolute Stille ja nicht gut für die Produktivität ist, schreibe ich meistens zu Regenschauern oder Cafégemurmel. Aktuelle heult bei mir der Wind und es knistert ein Lagefeuer, während leise im Hintergrund ein Windspiel bimmelt.

Die 6:1-Regel motiviert, beim Schreiben am Ball zu bleiben

Die 6:1-egel motiviert, beim Schreiben am Ball zu bleiben

Ich schreibe täglich, aber nicht besonders lange jeden Tag. Wie für die meisten ist Schreiben für mich eine Nebentätigkeit. Somit kann ich maximal eine, wenn ich Glück habe zwei Stunden am Tag dafür erübrigen. Häufig sogar weniger.

Die Tatsache, kein hauptberuflicher Autor zu sein, zwingt mich dazu, täglich zu schreiben. So komme ich wenigstens auf im Schnitt sieben Stunden in der Woche. Damit bekomme ich rund 10.000 Wörter wöchentlich hin. Das läppert sich. In zwei bis drei Monaten entsteht dabei ein Romanmanuskript.

Mein Schreibmanagement funktioniert jedoch nur, weil ich mich wirklich jeden Morgen gleich nach dem Aufstehen an meinen Laptop setze und meine rund 1.500 Wörter runterreiße (oder halt eben Manuskripte mit einem ähnlichen Tempo überarbeite).

Was für mich nicht funktioniert: Mich nur dann an den Laptop zu setzen, wenn mich die Muse küsst.

Ich schreibe einfach immer, auch wenn mir nicht danach ist, wenn ich eigentlich lieber weiterschlafen, durch das Netz surfen oder mit der dampfenden Kaffeetasse in der Hand den Sonnenaufgang genießen würde.

Es gibt Tage, an denen ich aus dem Bett hüpfe und es gar nicht erwarten kann, mich an den Laptop zu setzen. An denen ich vor Ideen und Tatendrang nur so übersprudele und die Worte nur so aus mir herausfließen.

Halleluja! Diese Tage sind großartig. Gäbe es sie nicht, würde ich wohl nicht mehr schreiben.

Aber sie sind in der Minderheit. Die meisten Tage sind eher anstrengend. Und ich verlasse die Tastatur mit dem Gefühl, bestenfalls Durchschnittliches geschrieben zu haben, das noch vieler Überarbeitungsschritte bedarf, bis es lesenswert ist.

Es sind halt Pi mal Daumen sechs von sieben Tagen in der Woche, in denen Schreiben nicht unbedingt ein Vergnügen ist. 6:1.

Warum schreibe ich an den sechs Tagen, obwohl mir nicht danach ist? Warum lasse ich es nicht bei dem einen guten Tag?

Weil ich ersten im Voraus nie so genau weiß, wann denn diese Sternstunde meines Autorenalltags wirklich eintritt. Nur weil ich mich gut fühle, heißt das nicht, dass ich auch gut schreibe und umgekehrt.

Es gibt Tage, an denen ich mich an den Laptop quäle und dann doch einen entscheidenden Durchbruch schaffe. Und es gibt Tage, an denen ich vor Energie nur so strotze und trotzdem nichts Gescheites produziere. Weiß der Geier, warum das so ist.

Zweitens habe ich festgestellt, dass ich die sechs miesen Tage für den einen guten Tag brauche wie Sportlerinnen ihrTraining für den Wettkampf.

Natürlich ist auch die 6:1-»Regel« nur eine Verallgemeinerung, eine Art Durchschnittswert. Es gibt durchaus Wochen, in denen ich zwei oder drei gute Tage habe. Dafür gibt es allerdings auch Wochen, in denen ich sieben Tage lang mit meinen Texten oder Überarbeitungen nicht zufrieden bin.

Wieso ist es wichtig, dass ich mir diese 6:1-Regel immer wieder bewusst mache?

Sie motiviert mich, bzw. hilft mir, kreative Durststrecken zu akzeptieren. Sie bringt meinen inneren Kritiker zum Schweigen, hilft mir, Aufschieberitis zu bekämpfen und Schreibblockaden zu überwinden.

Im Prinzip sagt sie aus, dass es ganz normal ist, eine Menge Text zu produzieren, mit dem ich nicht zufrieden bin. Unter Sportlerinnen ist diese Einstellung ganz normal. Kaum eine Sportlerin erwartet in jedem Training eine Wettkampfleistung. Trotzdem sind auch die nicht so tollen Trainingstage ein wichtiger Baustein für die Fitness und das Erreichen der Ziele.

Ein naiver Teil in mir erwartet jedoch, dass ich jedesmal, wenn ich schreibe, unbedingt Höchstleistungen abliefern muss.

Die 6:1-Regel bringt mich dann wieder auf den Boden der Tatsachen.

Aufschieberitis ist nicht nur ein Laster, sondern auch eine Chance

Aufschieberitis ist nicht nur ein Laster, sondern auch eine ChanceÜber Prokrastination – die chronische Aufschieberitis – habe ich schon häufiger geschrieben. So gut wie jede Autorin kennt sie, denn wer Romane schreibt, ist ganz besonders anfällig für dieses lästige Leiden.

Es ist also der Normalfall, wenn du dein Buchprojekt vor dir herschiebst, wenn du zwar tolle Ideen hast, aber dich nicht zum Anfangen überwinden kannst. Und wenn du dich dann mal aufgerafft und voller Begeisterung die ersten Seiten geschrieben hast, kommt irgendwann ein Kapitel, bei dem du auf Schwierigkeiten stößt und dann für Tage oder Wochen um dein Projekt herumscharwenzelst und lieber E-Mails checkst, dich auf Facebook herumtreibst oder sogar die Küche sauber machst, statt das zu tun, was du ja eigentlich willst – nämlich zu schreiben.Weiterlesen »

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