Die »Entfesselter Tod«-Playlist

Entfesselter Tod Preview Klappentext

Ich schreibe gerne zu Musik, meistens erhöht das bei mir die Produktivität. Meine erste Wahl sind hier häufig Film- und Seriensoundtracks. Sie versetzen mich in die richtige Stimmung und inspirieren mich.

Auch bei der Arbeit an »Entfesselter Tod« ließ ich häufig im Hintergrund Soundtracks laufen. Wer beim Lesen ein wenig in die gleiche Atmosphäre eintauchen möchte, kann ja mal seine Musiksammlung durchforsten, ob das eine oder andere Album auch mit dabei ist.

Falls nicht, ist das vielleicht eine gute Gelegenheit, sie sich zuzulegen.

1. The Prestige

Schlichtweg der beste Film zum Thema Bühnenmagie mit einem der besten Soundtracks überhaupt. Die durchweg getragene, romantische und doch unheilvolle, aber wenig aufgeregte Atmosphäre machen die Musik zur idealen Begleitung beim konzentrierten Schreiben und Lesen – und ist schlichtweg magisch.

2. The Sentinel – Wem kannst du trauen?

Die zweitwichtigste Musikquelle, die den anderen großen Aspekt von »Entfesselter Tod« abdeckt. In dem Film gehst es um den Secret-Service-Agent Pete Garrison, dem ein Mord angehängt wird, der in eine Intrige gerät und deswegen auf der Flucht vor seinen eigenen Kollegen seine Unschuld beweisen muss.

Sehr schöner Soundtrack, der die Balance zwischen untergründige Spannung und Action hinbekommt. Ideal für die Atmosphäre von »Entfesselter Tod«

3. Person of Interest

Eine meiner Lieblings-Thriller-Serien. Thematisch passt sie nicht ganz so gut zu »Entfesselter Tod« wie die anderen beiden Soundtracks, dafür ist die Musik einfach gut. Sehr stimmig für Krimis, die in der Gegenwart spielen.

4. Fringe

Eine meiner Lieblingsfernsehserien und einfach ein toller Soundtrack, der mystisch, geheimnisvoll, romantisch und actionbetont klingt.

5. Das Schweigen der Lämmer

Einer der besten Thriller aller Zeiten hat auch einen der besten Thriller-Soundtracks aller Zeiten. Läuft bei mir praktisch in Dauerschleife. Passt deswegen natürlich auch zu »Entfesselter Tod«.

6. Psycho

Wiederum: Ganz hervorragende Thriller-Musik. Das allzu aufdringlich und charakteristische Thema des Mordes unter der Dusche nehme ich raus. Aber der Rest eignet sich hervorragend als Schreib- und Lesemusik.

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Widerstehe der Versuchung, Kurzgeschichten zu schreiben

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Kurzgeschichten sind scheinbar eine gute Idee. Überall gibt es Wettbewerbe, bei denen man sie einreichen kann. Du kennst sie aus dem Deutschunterricht, wo sie als hochliterarisch gelobt und häufig besprochen werden. Alle großen Schriftsteller scheinen sie geschrieben zu haben – warum also nicht auch du?

Und, hey, sie sind kurz, was soll schon passieren? Mal so eine Kurzgeschichte schreiben, auch nur zu Übung – das kann doch nicht schaden …

Doch. Kann es. Und hier einige Argumente, warum du der Versuchung Kurzgeschichten zu schreiben, widerstehen solltest, wenn du eigentlich doch Romane schreiben möchtest.

1. Kurzgeschichten sind eine Form der Prokrastination

Die Aufschieberitis lauert überall und hat viele Masken, wenn du so ein langwieriges und schwieriges Projekt wie einen Roman in Angriff nimmst. Gerade Tätigkeiten, die so wirken, als würden sie mit deinem Romanprojekt zutun haben, bilden eine besonders heimtückische Zeitfalle.

Kurgeschichten sind doch eine tolle Übung, liest du vielleicht auf Blogs oder in Schreibratgebern. Versuche dich erst einmal mit einem kurzen Text, bevor du einen Roman schreibst, ist ein gut gemeinter Ratschlag, den ich immer wieder lese.

Aber Romane schreiben lernst du vor allem, wenn du Romane schreibst. Ja, natürlich können Kurzgeschichten in gewisser Weise eine gute Vorbereitung für das Romanschreiben sein. Das kann aber das Auswendiglernen des Dudens oder das Verfassen von Gedichten auch sein. Natürlich lernst du beim Schreiben immer etwas dazu, ganz gleich, was du schreibst. Doch wenn du Kurzgeschichten schreibst, lernst du vor allem, Kurzgeschichten zu schreiben, nicht das Schreiben von Romanen.

Kurzgeschichten sind verführerisch, weil sie eben so schön kurz sind und deswegen beherrschbarer als ein Manuskript von 100.000 Wörtern. Sie mögen dir vielleicht leichter fallen. Aber eine gute Vorbereitung oder Übung für das Schreiben von Romanen sind sie nicht. Sie halten dich nur davon ab, das zu tun, was du eigentlich möchtest.

2. Kurzgeschichten haben mit Romanen wenig zu tun

Kurzgeschichten und Romane wirken auf den ersten Blick verwandt. Beide erzählen eine Geschichte, beide verwenden dazu Prosa, haben Dialoge, Beschreibungen, einen Spannungsaufbau und so weiter.

Viel wichtiger aber als die Gemeinsamkeiten sind die Unterschiede. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht danach aussieht: Kurzgeschichten haben viel mehr mit Gedichten gemeinsam als mit Romanen. Kurzgeschichten leben von der Kürze, also der  sprachlichen Verdichtung. Der Roman ist das genaue Gegenteil. Zu ihm greifen die Leserinnen gerade wegen seiner epischen Breite. Eine Kurzgeschichte ist nun einmal Kurz und muss sich deswegen auch sprachlich stark einschränken, wenn sie denn gut sein soll. Sie lebt von Andeutungen und Leerstellen, die der Roman gerade füllt.

Insofern schadet es sogar deinem Stil, wenn du Kurzgeschichten schreibst. Es kann gut sein, dass du dann beim Romanschreiben deinem Publikum exakt die Dinge vorenthältst, die  sie eigentlich gerne lesen wollen.

3. Kurzgeschichten haben eine stark eingeschränkte Zielgruppe

Das Genre der Kurzgeschichten ist bei Germanisten, Literaturkritikern in Schreibseminaren oder bei Literaturwettbewerben sehr beliebt. Diese stellen aber eine Literatenblase dar, die nicht viel mit dem breiten Publikum für Romane zutun hat. Wenn du dich damit zufrieden geben willst, für eine Elite und für Wettbewerbe zu schreiben, dann sind Kurzgeschichten eine gute Idee.

In der Regel möchtest du aber als Romanautorin ja viele Leserinnen erreichen.

Auf den ersten Blick scheinen Kurzgeschichten durchaus erfolgreich zu sein. Immerhin gibt es viele Kurzgeschichtensammlungen auf dem Markt. Immer wieder erscheinen Anthologien, die auch beworben und gelobt werden.

Aber wirf einen Blick in die Amazon-Charts, auf die Spiegel-Bestsellerliste oder auf beliebige andere Verkaufsränge. Hier tauchen so gut wie nie Kurzgeschichtensammlungen auf. Sie fehlen hier nicht nur in den Top 10, sondern auch in den Top 20, 40, 50 …

4. Mit Kurzgeschichten verbrennst du deinen Namen

Kurzgeschichten sind auch deswegen verführerisch, weil du sie vielleicht in der Regionalzeitung in Form eines Kurzkrimis oder bei einer ähnlichen Publikationsform leicht unterbringen kannst. Leichter jedenfalls als ein Romanmanuskript bei einem großen Publikumsverlag. Das kann kleines, aber schnelles Geld bedeuten und dir eine Plattform liefern, die immerhin ein paar hundert, wenn nicht ein paar tausend Leute lesen. Das klingt doch gut, oder?

Diese Veröffentlichungsform ist meiner Ansicht nach eine Sackgasse. Es ist eine Illusion zu glauben, dass die Leute, weil sie eine tolle Kurzgeschichte von dir lesen, sich Monate oder Jahre später auch an deinen Namen erinnern und dann zu deinem Roman greifen. Für eine Handvoll Leute mag das stimmen. Für die Masse eher nicht.

Vor allem funktioniert das meiner Erfahrung nach nicht bei Lektoren oder Agenten. Denen ist in der Regel ziemlich gleichgültig, ob du Kurzgeschichten irgendwo erfolgreich veröffentlich hast, wenn es darum geht, dein Romanmanuskript zu beurteilen.

Nur, weil der umgekehrte Fall funktioniert, tappen viele in diese Wahrnehmungsfalle. Ja, wenn ein bereits etablierter Autor mit einem Massenpublikum, wie z.B. Stephen King, Kurzgeschichten irgendwo veröffentlicht, die begeistert gelesen werden und sich im Anschluss dann seine Romane super verkaufen, heißt das nicht, dass das bei dir auch klappt.

Wenn du Pech hast, setzt ein gegenteiliger Effekt ein: Die Menschen verbinden mit deinem Namen die netten Kurzkrimis und trauen dir nicht zu, auch einen komplexeren Roman schreiben zu können.

Versuche nicht krampfhaft, dich von »der Masse« abzuheben

Versuche nicht krampfhaft, dich von »der Masse« abzuheben

Auf Tor-online.de ist eine interessante Dokumentation veröffentlicht worden: Warum viele Medien Fantasy-Literatur immer noch ignorieren (und warum uns das egal ist). In ihr macht sich Florian Jung auf die Suche nach Gründen dafür, weshalb ausgerechnet Fantasy einen schwierigen Stand im deutschen Feuilleton hat.

Ab spätestens Minute 04:00 bekomme ich bei dem Video das kalte Grausen. Florian Jung interviewt unter anderem Volker Weidermann vom literarischen Quartett. Darauf angesprochen, ob er Autoren wie Kai Meyer, Bernhard Hennen oder Markus Heitz kenne, antwortet er sinngemäß, dass er nie von ihnen gehört habe und unterstellt ihnen indirekt, dass sie ja auch nicht lesenswert seien, denn es gehe ihnen nur um den Plot und nicht darum, literarisch zu sein.

Er definiert literarisch folgendermaßen: »…ähem, Neuerfindung, von … eine neue Art der Darstellung von …, sind Sie sich, dass sie sich, sind Sie daran interessiert …?«

Okay, ich konnte mir das Transkript seines Gestammels nicht verkneifen, obwohl das natürlich nicht fair ist. Was Weidermann, glaube ich, meint: Literarisch anspruchsvoll sei ein Buch, das sich nicht (nur) auf den Plot konzentriere, sondern innovativ Sprache verwende.

Mich stört weniger die Definition selbst (obwohl ich auch diese für sehr zweifelhaft halte), sondern vor allem die offensichtliche Borniertheit, die seine Mimik und Gestik transportieren. Mir sind da Literaturkritiker wie Denis Scheck lieber, die auch keine Schwierigkeiten damit haben, die Jubiläumsausgabe des Superman-Omnibus‘ oder »Die Tribute von Panem« zu besprechen – und zwar ohne Naserümpfen.

Warum genau stört mich Weidermanns Haltung so sehr?

Zunächst einmal empfinde ich sie als arrogant. Arroganz ist etwas, das ich prinzipiell ablehne. Aber das ist eher eine persönliche Sache, als eine inhaltlich begründete.

Ich teile diese Vorstellung von Literatur nicht, weil mit ihr – wenigstens indirekt, meistens aber sehr unverhohlen – Menschen diskriminiert werden, die bestimmte Formen der Literatur lieben, die in das »literarische« Konzept von Literatur nicht hineinpasst.

Ich erwarte von Literaturjournalismus – wie von jeder Art von Journalismus – Information, Orientierung und Neutralität.

Literaturjournalismus in den Leitmedien ist jedoch fast immer nicht nur tendenziös, sondern sogar  unverhohlen dogmatisch und ideologisch – und auch noch stolz darauf. Etwas das sich keine andere Sparte des Journalismus‘ in dieser Form leisten kann (und will).

Man stelle sich vor, in der Tagesschau würde über die einzig wahre Politik, die zwangsläufig konservativ sein muss, berichtet. Liberalismus oder Sozialdemokratie seien nicht innovativ und »politisch« genug. Andere Politiker als Angela Merkel müsse man gar nicht kennen, denn ihnen gehe es ja nicht um »echte Politik«.

Selbstverständlich ist es in Ordnung, im Rahmen einer Rezension seine eigene Wahrnehmung und individuelle Position zu vertreten. Es ist sogar wichtig. Nur allzu häufig habe ich, wie auch in dem kurzen Interview in diesem Video, den Eindruck, dass dies nicht als eine Meinung unter vielen präsentiert wird, die kontrovers diskutiert werden kann und sollte, sondern als eine Art universeller Maßstab, eine Art von Ersatz-Religion, an der nicht gezweifelt und die nicht in Frage gestellt werden darf.

Mich ärgert das, denn diese Haltung ist für mich das Gegenteil von dem, was sie eigentlich suggeriert. Sie ist eben nicht offen für anderes, sondern engstirnig und verbohrt auf Literarisches fixiert. Sie ist das Gegenteil von Aufklärung, auf die sich der Feuilleton aber gleichzeitig so gerne beruft.

Was mich jedoch noch mehr ärgert, ist die Tatsache, dass Florian Jung als offensichtlicher Fantastik-Fan Weidermann indirekt und bestimmt ungewollt auch noch zustimmt (ca. Minute 22:00): »Ich wünsche mir, dass auch bei Fantastik weniger auf Massenware und mehr auf Qualität geachtet wird.«

Dieser Haltung begegne ich häufig. Sie stört mich sogar noch mehr als die Borniertheit eines Volker Weidermanns, weil sie sich einerseits etwas netter daher kommt, in ihrer Konsequenz aber mindestens genauso ignorant und vernichtend ist.

Was genau soll an »der Masse« prinzipiell schlecht sein? Warum sollen nicht auch die Vielleser eines Genres bedient werden? Was ist schlimm daran, wenn jemand gerne viel liest und dann eben auch die Literatur konsumiert, die exakt für diesen Zweck geschrieben wird? Es wird sich doch häufig beschwert, dass angeblich zu wenig gelesen werde.

Ich empfinde das als Widerspruch. Ich kann an dem Lesen von Literatur (und ich meine eben nicht nur das, was dem Feuilleton gefällt und sich von »der Masse« abhebt) einfach nichts Schlechtes abgewinnen.

Lesen ist einfach prinzipiell besser als Nicht-Lesen. Ich finde es unverantwortlich, Menschen ein schlechtes Gewissen einzureden, weil sie gerne viel lesen.

Außerdem: Ohne Masse kann es auch keine Spitze geben. Denn nur, wenn viel geschrieben wird, kann es auch Werke geben, die sich eben von dieser Mehrheit abheben. Es kann halt einfach keine Elite ohne ihr Gegenstück geben. Nur möchte – in gewisser Weise verständlich – jeder gerne zur Elite, aber nicht zur »Masse« gehören.

Howard Tayler hat das im Podcast Writing Excuses mal sehr schön auf den Punkt gebracht: »Alle wollen gerne J.K Rowling sein, aber niemand Kevin J. Anderson.«

Was er damit meint: Kevin J. Anderson ist ein sehr erfolgreicher Autor. Er verdient mit Schreiben seinen Lebensunterhalt, veröffentlicht mehrere Romane pro Jahr, darunter viele Auftragsarbeiten. Er gilt als verlässliche Größe, weil er Deadlines einhalten kann und Verlagen exakt das liefert, was sie wollen. Und da sich seine Romane sehr gut verkaufen, schreibt er offensichtlich auch das, was das Publikum will.

Er ist nur halt eben nicht originell oder innovativ (schon gar nicht, was seine Sprache angeht). Kaum jemand kann sich an seinen Namen erinnern

J.K. Rowling hat mit »Harry Potter« eine eigenständige Marke geschaffen (obwohl man auch darüber streiten könnte), etwas Unverwechselbares. Anderson schreibt Star-Wars- oder Dune-Romane am Fließband.

Es ist natürlich nichts Schlimmes daran, einem Ideal wie J.K. Rowling nachzueifern. Es ist allerdings in meinen Augen auch nichts Schlimmes daran, als Autorin das Geschäftsmodell Kevin J. Anderson anzustreben. Beides hat seine Berechtigung, weil es sein Publikum findet und für die jeweiligen Menschen wichtig ist.

Darüber hinaus stellt »die Masse«, einen kreativen Pool dar, eine Art Nährboden, aus dem mehr wachsen kann.

Raymond Chandler ist beispielsweise einer der bedeutendsten Krimiautoren des 20. Jahrhunderts und gleichzeitig einer der wenigen, die auch hier und da vom Feuilleton wahrgenommen werden, weil ihn seine Sprache von »der Masse« abhebt (seufz).

Trotzdem hat Chandler als Pulp-Autor begonnen und sich eben genau am Anfang seiner Karriere an dieser »Masse« orientiert. Es war nicht seine Absicht, sich zwanghaft von Groschenheftgeschichten abheben zu wollen. Er tat es mit der Zeit einfach, weil er Geschichten halt so schrieb, wie er sie gerne schreiben wollte.

Diese Ablehnung »der Masse« hat meiner Vermutung nach gar nicht so viel mit Kultur zu tun, sondern mit Psychologie. Ich habe den Eindruck, dass Menschen mit einem geringeren Selbstbewusstsein besonders große Furcht davor haben »in der Masse« unterzugehen, weil sie gern mit aller Macht ein herausragendes Individuum sein wollen und den Gedanken nicht ertragen können, einer unter vielen zu sein, ganz normal, so wie alle anderen auch. Deswegen wollen sie auf keinen Fall das lesen, was alle lesen, und schon gar keine Massenware schreiben.

Ich halte es für ein pubertäres Bedürfnis, unbedingt »etwas Besonderes« sein zu wollen. Fragt man Fünfzehnjährige, was sie später mal machen wollen, antwortet kaum jemand »Sachbearbeiterin«. Alle wollen in diesem Alter »Rockstar«, »Model« oder etwas Ähnliches werden.

Auch daran ist prinzipiell nichts verkehrt – wenn denn das Interesse wirklich ist, sich in diesem Beruf zu beweisen.

Oftmals steckt aber meiner Vermutung nach eher das Bedürfnis dahinter, bewundert und geliebt zu werden. Und zwar eben nicht, wie fälschlich behauptet wird, »um meiner Selbst willen«, sondern dafür, mit aller Macht herausragend zu sein.

Was dabei übersehen wird: Der Gedanke, so wie alle anderen auch zu sein, kann etwas sehr Schönes und Beruhigendes an sich haben. Dazu zu gehören, den Eindruck eines Miteinanders zu bekommen – das alles finde ich nicht schlecht und sogar wichtig.

Um den Kreis zu schließen:

Deswegen finde ich Menschen wie Volker Weidermann und die Gedanken und die Haltung, die sie verbreiten, nicht besonders eindrucksvoll, sondern bestenfalls lächerlich, schlimmstenfalls sogar schädlich. Ich habe den Eindruck, dass diese zwanghafte Abgrenzung von »der Masse« oder »dem Trivialen« eine Haltung ist, die aus einer (post-) pubertären Unsicherheit heraus entsteht. Eine Unsicherheit, die am Ende auch noch glorifiziert und idealisiert wird.

Das Schlimme daran: Sie impliziert, dass Menschen, die sich nicht von »der Masse« abheben, weniger wert seien. Und eben das halte ich für fatal. Promis sind keine besseren Menschen, sondern einfach nur berühmter als die meisten anderen.

Ich halte beides, krampfhaft zur Masse gehören zu wollen oder sich auf Teufel komm raus von ihr abheben zu müssen, für falsch.

Erst, wenn du so weit bist, als Autorin und/oder Leserin dein eigenes Ding durchzuziehen, ganz gleich, ob du dich dadurch von »der Masse« nun abhebst oder eben nicht, tust du genau das, was du wirklich gerne möchtest. Alles andere ist nur eine Anleitung zum Unglücklichsein.