Die wichtigste Eigenschaft eines Selfpublishers …

Die wichtigste Eigenschaft eines Selfpublishers ...

Viele glauben, um Autor – und dann auch noch Selfpublisher – zu sein, braucht es vor allem Talent, Know-How und Geschäftssinn. Doch das ist ein Irrtum. Selbstverständlich sind das wichtige Fähigkeiten. Aber ohne eine entscheidende Eigenschaft ist man als Selfpublisher zum Scheitern verurteilt:

Hartnäckigkeit.

Ohne sie verlaufen alle Bemühungen im Sand. Eine Buch zu schreiben dauert eine Weile. Monate oder sogar Jahre.

Hinzu kommt, dass es im Autorenalltag lange Wartezeiten und Durststrecken gibt. Selbst wenn alles nach Plan verläuft. Selfpublisher müssen auf Coverentwürfe warten, auf das Lektorat, das Korrektorat und das Feedback von Buchbloggern.

Auf all diesen Ebenen gibt es Absagen und Rückschläge. Allein das erfordert schon in seiner Summe ein beinahe übermenschliches Maß an Geduld und Ausdauer.

Darüber hinaus hält das Autorenleben noch viele ungeahnte Fallstricke für den arglosen Selfpublisher bereit. Abgestürzte Computer, die die wichtigen Daten erbarmungslos ins virtuelle Nirvana reißen, bilden eine der harmloseren Katastrophen, die über Autoren hereinbrechen können.

Miese oder ausbleibende Rezis, Ärger mit der Buchhaltung und Unzufriedenheit mit den Verkäufen stellen eine beinahe tägliche mentale Belastungsprobe für Selfpublisher dar. Und am Ende schwebt immer wieder die Frage im Raum:

»Warum tue ich mir das eigentlich an?«

Hinschmeißen, seine Zeit lieber mit Freunden, vorm Fernseher oder mit einem »richtigen« Job zu verbringen erscheint eigentlich viel, viel Attraktiver.

In solchen dunklen Zeiten, in denen mich die Motivation verlässt, ich immer wieder mit Schreibblockaden zu kämpfen habe und mich selbst zum Durchhalten überreden muss, führe ich mir gerne die Beispiele anderer kreativer Köpfe vor Augen, die noch viel Schlimmeres durchmachen mussten.

So las ich vor kurzem die Biografie vom »Star Wars«-Schöpfer George Lucas.

Ein wunderbares Buch, nebenbei bemerkt.

Besonders nachhaltig beeindruckt hat mich das erste Kapitel, in dem geschildert wird, wie 1976 die Dreharbeiten an »Star Wars Episode IV: Eine neue Hoffnung« beginnen.

Lucas fängt mit seinem Projekt in Tunesien an. Dort dreht er in der Wüste, was schon einmal einer der denkbar ungünstigsten Orte ist, an denen man einen Film produzieren kann.

Sand kriecht in jeder Pore und ins Equipment. Er macht alles unbrauchbar. Schauspieler und Crew leiden unter dem extremen Klima. Nachts ist es eisig. Tagsüber vor Hitze kaum auszuhalten. Das Licht ist nur für wenige Augenblicken am Tag überhaupt für Aufnahmen geeignet.

Alle Beteiligte arbeiten geistig und körperlich ständig an ihren Grenzen.

Die Stimmung ist permanent am Tiefpunkt.

Hinzu kommen unerwartete Katastrophen. Beispielsweise fängt es just zu Drehbeginn in Strömen zu regnen an. Das erste Mal seit sieben Jahren. Crew, Kameras und Requisiten versinken im Schlamm und drohen zerstört zu werden. Die tunesische Armee muss anrücken, um zu retten, was zu retten ist.

Aber nicht nur die Naturgewalten sind dagegen, dass George Lucas die Story, für die sein Herz schlägt, auf Leinwand bannen kann. Seine Produzenten sind nicht überzeugt. Sie halten ihn finanziell an so kurzer Leine, dass er keinerlei Spielraum für Fehler und extrem schlechte Startbedingungen hat.

Die Modelle der Droiden müssen so billig und so schnell wie möglich hergestellt werden. Das erweist sich gerade in der Wüste als fatal, weil diese technisch recht komplexen aber dank des geringen Budgets unausgereiften Requisiten sich mit den Bedingungen in der Wüste nicht vertragen.

Und jeder, der »Star Wars« auch nur ein bisschen kennt, weiß, dass Droiden eine nicht gerade kleine Rolle spielen …

Auf diese Weise ist George Lucas dazu gezwungen, in Sekundenschnipseln zu drehen. Zwischen den einzelenen Aufnahmen müssen die Techniker immer wieder stundenlang basteln und improvisieren, damit die Droiden überhaupt funktionieren.

Viele andere Dinge rauben dem jungen, schmächtigen und schüchternen George den Verstand. So sind beispielsweise seine Schauspieler nicht von seinem Projekt überzeugt. Allen voran der großspurige Harrison Ford, der gar nicht häufig genug betonen kann, für wie schwachsinnig er Lucas‘ Skript und dessen Dialoge hält.

Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt der gewaltigen Schwierigkeiten, mit denen George Lucas es zutun hat.

Die Katastrophen sind nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Im Gegenteil. Mehrmals war er kurz davor hinzuschmeißen. Er wird verschlossen und deprimiert.

Aber am Ende geht es für ihn um einen Traum, um seine Geschichte, die er verwirklichen will, an der er festhält, koste es was es wolle. Ganz gleich, was Produzenten und Schauspieler von ihm denken und wie sehr sie sich über ihn lustig machen.

Mit anderen Worten: George Lucas verfolgt sein Projekt hartnäckig und trotzt allen Hindernissen und den »vernünftigen« Stimmen, die ihm allesamt einreden wollen, dass Science Fiction ein totes Genre sei, sein Skript nichts tauge, er sich als junger Regisseur finanziell und künstlerisch ruiniere und der Film am Ende ein Flop werden müsse.

Mich tröstet der Gedanke, dass George Lucas »Star Wars« ja nicht nur entgegen aller Widerstände verwirklicht hat, sondern dass der Film schlichtweg das größte popkulturelle Phänomen unserer Zeit losgetreten hat.

Und das wäre nicht denkbar, wenn sich vor über 40 Jahren nicht ein unscheinbarer und sehr, sehr niedergeschlagener Nerd in der Wüste als übermenschliche hartnäckig erwiesen hätte.

Entfesselter Tod

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16 Antworten auf “Die wichtigste Eigenschaft eines Selfpublishers …”

  1. Da ich das Schreiben ’nur‘ als Hobby betreibe und in meinem Studium damit nichts zu tun habe, werde ich wohl niemals hauptberuflich Autor werden. Aber für mich ist das auch gar nicht schlimm oder ein Ziel. Dennoch möchte ich gerne ein Buch schreiben. Das bedeutet, es wird -weil es eine Art Nebenprojekt ist- natürlich noch länger brauchen.
    Aber es motiviert, zu sehen, das andere durchgehalten haben und am Ende vor einem Ergebnis standen, mit dem sie mehr als zufrieden sein können 🙂
    Liebe Grüße, Finnja

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  2. Vielen Dank für diese tröstliche Geschichte. Es bedarf in der Tat massive Hartnäckigkeit, um an das Ziel und in die Liga zu kommen. Gerade heute bin ich von mir sehr wohlgesonnen Menschen (und das ist absolut ernst und nicht zynisch gemeint) gebeten worden, doch lieber einen „vernünftigen“ Plan B zu verfolgen (und das Schreiben und den Todesernst bleiben zu lassen.)

    Nun ist es ferner so, dass einem diese Zweifel auch immer wieder selbst verfolgen. So nach dem Motto – „Du schaffst es eh nie, mach lieber doch was Anständiges.“

    Wenn man dem nachgibt, dann verkauft man jeden Monat brav Zeit für irgendeinen Bullshit und kassiert dafür Schmerzensgeld. Dann gibt man sich der Illussion hin, dass dieser Job Sicherheit schenkt. Die dauert nur solange, bis die berühmte Frage des Chefs kommt: „Wie geht es Ihnen?“

    Wenn man zugleich weiß, dass auch ein George Lucas durch diese Hölle gegangen ist, tröstet das! Solange ich für mein Buch und meine Berufung kämpfen kann, werde ich kämpfen!

    Gefällt 1 Person

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