Es reicht nicht, einfach nur zu schreiben

Es reicht nicht, einfach nur zu schreiben

 

Neulich stieß ich per Zufall auf der empfehlenswerten Website ebookboss.de auf den Text »Romane schreiben – der Nr. 1 Tipp« von Jan Uhlmann.

Uhlmann hat eine repräsentative Auswahl an Autorinnen gefragt, welchen heißen Tipp sie denn für Leute haben, die mit dem Schreiben beginnen. Und alle waren sich darin einig, dass es das Wichtigste sei, einfach nur zu schreiben.

Damit ist gemeint, nicht zu viel zu grübeln, nicht auf den passenden Moment, auf die große Inspiration oder was auch immer zu warten. Stattdessen solltest du dich hinsetzen und einfach schreiben. Am besten täglich. Und immer zur gleichen Zeit.

Manche kennen dieses Motto auch als BICHOK – »Butt in chair, hands on Keyboard«. Frei übersetzt: »Setz dich hin und schreib gefälligst!«

Natürlich ist dieser Tipp, den Jan Uhlmann in seinem sehr lesenswerten Artikel festhält, nicht verkehrt. Er ist die Grundvoraussetzung. Selbstverständlich solltest du gerade als beginnender Selfpublisher so viel und so oft wie möglich schreiben. Das schadet auf keinen Fall.

Jan Uhlmann zieht den Vergleich zum Joggen. Auch da wird man ja besser, je häufiger man es einfach macht und nicht, in dem man tolle Bücher liest, sich mit anderen darüber unterhält, welche tolle Ideen man zum Joggen hat oder welche Klamotten man sich als nächstes fürs Laufen zulegen will.

Aber schon an diesem Beispiel wird deutlich, woran der Tipp meiner Meinung nach krankt.

Ja, wenn du »Joggen« willst, dann mag es ausreichen, dir die Schuhe umzuschnallen und im Park ein wenig zu traben. Das ist ein Tipp für Couchpotatoes, die sich lange nicht mehr bewegt haben.

Joggen ist eindeutig definiert als »Freizeitsport«. Soll heißen: Joggen ist vollkommen okay, wenn du ein bisschen fitter werden willst und dabei die Natur genießen möchtest.

Wenn du immer nur joggst, wirst du es allerdings nie bis zu einem Marathon schaffen.

Und hier sind wir an dem entscheidenden Punkt, wieso eben nicht reicht, einfach nur zu schreiben.

Wenn du einfach nur schreibst, dann trainierst du deinen Schreibmuskel. Du lernst, mehr in kürzerer Zeit zu schreiben. Dir werden mehr Ideen einfallen. Es wird dir einfacher fallen zu tippen und zu formulieren.

Das ist alles gut.

Aber es reicht nicht. Es reicht noch lange nicht.

Du bist als  Selfpublisher halt eben nicht vergleichbar mit einer Freizeitläuferin.

Du bist eine Marathonläuferin, die nicht nur einfach mal so mitlaufen möchte, und der es im Zweifelsfall auch reicht, nach sieben Stunden durch das Ziel zu schlendern, weil es so toll ist, einfach mal mitzulaufen.

Du bist wie eine Marathonläuferin, die die Strecke wenigstens in 3,5 Stunden schaffen will. Und dieses Ziel erreichst du nicht mit regelmäßigem Joggen. Du brauchst dann ein echtes Training.

Und zu einem echten Training gehört eine echte Trainerin.

Deine Trainerin beim Schreiben sind dein Writing-Buddy, deine Schreibgruppe und/oder deine Testleserinnen.

Sie sind unverzichtbar, wenn du nicht nur einfach nur Schreiben willst, sondern auch veröffentlichen willst, um gelesen zu werden.

Also, ja, BICHOK ist unverzichtbar. Aber es ist nur der Anfang.

Ohne Testleserinnen, ohne qualifiziertes Feedback, werden sich deine Schreibfähigkeiten nicht entscheidend verbessern. Qualifiziertes Feedback bedeutet, dass du deine Texte möglichst vielen unterschiedlichen Menschen zeigst, die wissen, wovon sie reden: Lektorinnen, anderen erfahrenen Autorinnen, Vielleserinnen deines Genres, Menschen, die Ahnung von Sprache haben.

Und es bedeutet, dass du auch auf ihr Feedback hörst. Es bedeutet, dass du ihre Kritik umzusetzen versuchst und viel und hart an deinen Fähigkeiten arbeitest.

Entfesselter Tod

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10 Antworten auf “Es reicht nicht, einfach nur zu schreiben”

      1. Genau das, was Du als die Hinweise der Schreib-Buddys benennst. Ist ein Begriff vom Tauchen: Die beiden Taucher kontrollieren vorm Tauchgang die Ausrüstung ihres Buddys. Für mich ist jede Lektüre eines genrenahen Romans zu meinem Text ein Bodycheck, da ich sehen kann, wie der andere Spannungsbogen, Charakterentwicklung, Sprache und Co ausarbeitet.Und dann meinen Text auf Schwachstellen abklopfen kann.

        Gefällt 2 Personen

  1. Lieber Marcus,

    100% korrekt. Ich kann mit dieser Formel schon lange nichts mehr anfangen. Auch beim Joggen wird man nicht besser, in dem man einfach nur läuft. Man kehrt lediglich zu dem körperlich normalen Niveau zurück, weil man vorher lange einfach nichrs getan hat. Wer aber wirklich gut Joggen, sprich sich entwickeln will, wird nicht drumherum kommen, sich mit Lauftechnik, Ernährung und Equipment auseinanderzusetzen.

    Tatsächlich braucht man für Lernerfolge Ausdauer, aber auch jemanden, der weiss wie es geht. Ich brauche einen Lehrer, der besser ist als ich oder zumindest die Theorie so vermitteln kann, dass sie mir weiterhilft. Und dann muss ich mit diesem Verständnis weitertrainieren. Das ist bei jedem Instrument so, bei jeder Sportart. Zu glauben, man werde einfach nur besser im Schreiben weil man schreibt, verkennt, dass man selbst überhaupt nicht beurteilen kann, was gut ist und was nicht. Daher ist es immer hilfreich zB Schreibkurse mit Leuten zu machen, die Erfahrung haben, mit Lektoren zu arbeiten oder eben einem Writing Buddy, der aber zumindest ein ähnlich gutes Niveau hat, wie man selbst und Fehler erkennt und auch sagen kann, was daran falsch ist. Ich habe sogar meine Kurzgeschichten lektorieren lassen (von Herrn Roentgen, denn ich an dieser Stelle empfehlen möchte), selbst wenn ich sie gar nicht veröffentlicht habe.

    Mir persönlich hat das alles so sehr geholfen, von den Schreibkursen über Schreibratgeber, euren Podcast bis zu meinen lieben Testlesern.

    In diesem Sinne: Volle Zustimmung und danke für den Artikel.

    Gefällt 2 Personen

  2. Ich stimme dir zu, dass es auf Dauer nicht reicht, nur zu schreiben. Im Idealfall geht das Lauftraining mit Übungsstunden einher, damit man sich nicht falsche Techniken aneignet, sondern es gleich richtig lernt. Wächst man allerdings in einer total unsportlichen Familie auf, kann es durchaus hilfreich sein, einfach mal loszulaufen. Wenn das Laufen morgen und übermorgen, nächsten Monat etc. noch Spaß bringt, dann ist das mehr als ein Eintagsfliege. Wer dermaßen motiviert läuft, wird sich auf jeden Fall bemühen, weiter zu kommen, sich mit anderen messen oder seine Chance verbessern wollen, auch ein Ziel zu erreichen.

    Gefällt 1 Person

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