Widerstehe der Versuchung, Kurzgeschichten zu schreiben

Widerstehe der Versuchung, Kurzgeschichten zu schreiben-2
Kurzgeschichten sind scheinbar eine gute Idee. Überall gibt es Wettbewerbe, bei denen man sie einreichen kann. Du kennst sie aus dem Deutschunterricht, wo sie als hochliterarisch gelobt und häufig besprochen werden. Alle großen Schriftsteller scheinen sie geschrieben zu haben – warum also nicht auch du?

Und, hey, sie sind kurz, was soll schon passieren? Mal so eine Kurzgeschichte schreiben, auch nur zu Übung – das kann doch nicht schaden …

Doch. Kann es. Und hier einige Argumente, warum du der Versuchung Kurzgeschichten zu schreiben, widerstehen solltest, wenn du eigentlich doch Romane schreiben möchtest.

1. Kurzgeschichten sind eine Form der Prokrastination

Die Aufschieberitis lauert überall und hat viele Masken, wenn du so ein langwieriges und schwieriges Projekt wie einen Roman in Angriff nimmst. Gerade Tätigkeiten, die so wirken, als würden sie mit deinem Romanprojekt zutun haben, bilden eine besonders heimtückische Zeitfalle.

Kurgeschichten sind doch eine tolle Übung, liest du vielleicht auf Blogs oder in Schreibratgebern. Versuche dich erst einmal mit einem kurzen Text, bevor du einen Roman schreibst, ist ein gut gemeinter Ratschlag, den ich immer wieder lese.

Aber Romane schreiben lernst du vor allem, wenn du Romane schreibst. Ja, natürlich können Kurzgeschichten in gewisser Weise eine gute Vorbereitung für das Romanschreiben sein. Das kann aber das Auswendiglernen des Dudens oder das Verfassen von Gedichten auch sein. Natürlich lernst du beim Schreiben immer etwas dazu, ganz gleich, was du schreibst. Doch wenn du Kurzgeschichten schreibst, lernst du vor allem, Kurzgeschichten zu schreiben, nicht das Schreiben von Romanen.

Kurzgeschichten sind verführerisch, weil sie eben so schön kurz sind und deswegen beherrschbarer als ein Manuskript von 100.000 Wörtern. Sie mögen dir vielleicht leichter fallen. Aber eine gute Vorbereitung oder Übung für das Schreiben von Romanen sind sie nicht. Sie halten dich nur davon ab, das zu tun, was du eigentlich möchtest.

2. Kurzgeschichten haben mit Romanen wenig zu tun

Kurzgeschichten und Romane wirken auf den ersten Blick verwandt. Beide erzählen eine Geschichte, beide verwenden dazu Prosa, haben Dialoge, Beschreibungen, einen Spannungsaufbau und so weiter.

Viel wichtiger aber als die Gemeinsamkeiten sind die Unterschiede. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht danach aussieht: Kurzgeschichten haben viel mehr mit Gedichten gemeinsam als mit Romanen. Kurzgeschichten leben von der Kürze, also der  sprachlichen Verdichtung. Der Roman ist das genaue Gegenteil. Zu ihm greifen die Leserinnen gerade wegen seiner epischen Breite. Eine Kurzgeschichte ist nun einmal Kurz und muss sich deswegen auch sprachlich stark einschränken, wenn sie denn gut sein soll. Sie lebt von Andeutungen und Leerstellen, die der Roman gerade füllt.

Insofern schadet es sogar deinem Stil, wenn du Kurzgeschichten schreibst. Es kann gut sein, dass du dann beim Romanschreiben deinem Publikum exakt die Dinge vorenthältst, die  sie eigentlich gerne lesen wollen.

3. Kurzgeschichten haben eine stark eingeschränkte Zielgruppe

Das Genre der Kurzgeschichten ist bei Germanisten, Literaturkritikern in Schreibseminaren oder bei Literaturwettbewerben sehr beliebt. Diese stellen aber eine Literatenblase dar, die nicht viel mit dem breiten Publikum für Romane zutun hat. Wenn du dich damit zufrieden geben willst, für eine Elite und für Wettbewerbe zu schreiben, dann sind Kurzgeschichten eine gute Idee.

In der Regel möchtest du aber als Romanautorin ja viele Leserinnen erreichen.

Auf den ersten Blick scheinen Kurzgeschichten durchaus erfolgreich zu sein. Immerhin gibt es viele Kurzgeschichtensammlungen auf dem Markt. Immer wieder erscheinen Anthologien, die auch beworben und gelobt werden.

Aber wirf einen Blick in die Amazon-Charts, auf die Spiegel-Bestsellerliste oder auf beliebige andere Verkaufsränge. Hier tauchen so gut wie nie Kurzgeschichtensammlungen auf. Sie fehlen hier nicht nur in den Top 10, sondern auch in den Top 20, 40, 50 …

4. Mit Kurzgeschichten verbrennst du deinen Namen

Kurzgeschichten sind auch deswegen verführerisch, weil du sie vielleicht in der Regionalzeitung in Form eines Kurzkrimis oder bei einer ähnlichen Publikationsform leicht unterbringen kannst. Leichter jedenfalls als ein Romanmanuskript bei einem großen Publikumsverlag. Das kann kleines, aber schnelles Geld bedeuten und dir eine Plattform liefern, die immerhin ein paar hundert, wenn nicht ein paar tausend Leute lesen. Das klingt doch gut, oder?

Diese Veröffentlichungsform ist meiner Ansicht nach eine Sackgasse. Es ist eine Illusion zu glauben, dass die Leute, weil sie eine tolle Kurzgeschichte von dir lesen, sich Monate oder Jahre später auch an deinen Namen erinnern und dann zu deinem Roman greifen. Für eine Handvoll Leute mag das stimmen. Für die Masse eher nicht.

Vor allem funktioniert das meiner Erfahrung nach nicht bei Lektoren oder Agenten. Denen ist in der Regel ziemlich gleichgültig, ob du Kurzgeschichten irgendwo erfolgreich veröffentlich hast, wenn es darum geht, dein Romanmanuskript zu beurteilen.

Nur, weil der umgekehrte Fall funktioniert, tappen viele in diese Wahrnehmungsfalle. Ja, wenn ein bereits etablierter Autor mit einem Massenpublikum, wie z.B. Stephen King, Kurzgeschichten irgendwo veröffentlicht, die begeistert gelesen werden und sich im Anschluss dann seine Romane super verkaufen, heißt das nicht, dass das bei dir auch klappt.

Wenn du Pech hast, setzt ein gegenteiliger Effekt ein: Die Menschen verbinden mit deinem Namen die netten Kurzkrimis und trauen dir nicht zu, auch einen komplexeren Roman schreiben zu können.

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50 Gedanken zu “Widerstehe der Versuchung, Kurzgeschichten zu schreiben

  1. Ich bin bei diesem Beitrag hin- und hergerissen.
    Einerseits von meiner großen Liebe zur Kurzgeschichte. Ich habe sie schon immer gern geschrieben und gelesen. Ich finde, sie sind ein angenehmes Medium, ähnlich wie Gedichte, um Stimmungen und Gefühle hervorzurufen. Im Gegensatz zum Gedicht vermitteln sie darüber hinaus dann aber auch noch eine Geschichte, in die der Leser eintauchen und die er interpretieren kann. Ich finde es schade, dass Kurzgeschichten in Deutschland einen so schlechten Stand haben und der Roman die generell bevorzugte literarische Form ist.
    Kurzgeschichten müssen nicht nur eine literarische Elite ansprechen, sie könnten auch eine breite Masse ansprechen, denke ich, wenn man ihnen eine Chance und eine entsprechende Plattform gäbe.

    Andererseits muss ich natürlich auch eingestehen, dass das Schreiben von Kurzgeschichten mit dem Schreiben von Romanen wenig zu tun hat – aber wunderbar davon ablenkt. Ich ertappe mich öfter dabei, wenn ich mit der Planung nicht vorwärts komme oder gerade jetzt im Stress mit Hausbau etc, dass ich mich wieder mehr mit Kurzgeschichten und Gedichten beschäftige.

    Von daher … Ja und Nein. Ich werde auch weiterhin Kurzgeschichten schreiben, aber ich bin mir bewusst,

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  2. (teil 2, sorry, da war der Finger beim Absenden wieder schneller. :D)
    Also, ich bin mir bewusst, dass ich mir das Schreiben von Kurzgeschichten „verbieten“ muss, wenn ich ernsthaft mein erstes Romanprojekt angehe.

    Danke für den Beitrag!
    Lulu

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  3. Natürlich leichte Ironie, dass unter diesem Artikel als weiterer Artikel ausgerechnet ein Artikel vorgeschlagen wird, der die Kurzgeschichte als das ideale Übungsfeld für angehende Autoren sieht 🙂

    Aber insgesamt kann ich Dir zustimmen. Für einen Romanschreiber ist eine Kurzgeschichte die ideale Prokastination.

    Es sei denn, diese Stories dienen der Promotion auf befreundeten Webseiten oder zum Anteasern in sozialen Netzwerken 🙂

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    • Der Text, auf den du dich beziehst, ist ein Gastartikel und nicht von mir, wenn ich mich nicht irre.

      Dass Kurzgeschichten einen Werbeeffekt für längere Werke besitzen, halte ich für ein Gerücht. Praktisch kann ich den bei Autorinnen, die nicht bereits etablierte Bestsellerautorinnen sind, nicht beobachten. Ich lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen. Ich kenne nur keine Beispiele.

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      • Das war mir schon klar, dass der nicht von Dir kam, aber er steht in Deinem Blog, unter genau diesem Artikel.

        Mein Kommentar war aber eher humorvoll und nicht bierernst gemeint. Es gibt zu jedem Standpunkt eben fast immer einen Gegenstandpunkt.

        Zum Werbeeffekt. Webpromotion geht immer per geschenkten Häppchen. Ich habe auch nicht die etablierten Autoren im Auge, die machen das nicht und kennen und können das auch nicht, sondern die, die alternative Promoschienen fahren.

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  4. Manche Autoren schaffen es mit Kurzgeschichten oder Erzählungen in die Top 10 der Spiegel-Bestseller beispielsweise „Ich habe Raketen geangelt“, Horst Evers oder Jan Weiler sind mit Kurzgeschichten oder Anekdoten erfolgreich, Jan Weiler ist derzeit Platz 1 in der Spiegel-Bestsellerliste.

    Irgendwie hast du Kurgeschichten geschrieben, bitte ändern.

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    • Jan Weiler ist ein etablierter Autor, der bereits mit Romanen berühmt geworden ist und verfilmt wurde. Horst Evers schreibt strenggenommen keine echten Kurzgeschichten und ist auch ein bereits etablierter Autor. Die nehme ich, wie im Artikel bereits erwähnt aus. Ich beziehe mich darauf, dass ich als unbekannte Autorin hoffe, mit Kurzgeschichten Werbung für meinen Roman zu machen. Das wird meiner Meinung nach nicht funktionieren.

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      • Maria, ihm schmeckt’s nicht ähnelte stark dem Pubertier. Horst Evers hat sich mit der kurzen Form etabliert genau wie Wladimir Kaminer oder die Känguru-Chroniken oder Judith Hermann. Wenn man wirklich Kurzgeschichten oder kurze Prosa schreiben will, sollte man es tun.

        Wenn die Geschichte in der gleichen fiktiven Welt spielt oder das gleiche Personal hat, kann es auch Werbung sein.

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        • Es bringt nicht besonders viel über die Karrieren einzelner etablierter Autorinnen zu fachsimpeln. Horst Evers beispielsweise ist nicht unbedingt durch seine Bücher bekannt geworden, sondern hauptsächlich als Stand-Up-Comedian, von dem nach der Vorstellung die Leute gerne seine Bücher kaufen. Das ist ein Weg, der mir als Thriller-Autor zum Beispiel nicht offen steht.

          Ohnehin beziehe ich mich in meinem Blog bekanntermaßen auf Genreliteratur. Keine von dir genannte Autorin ist Genreautorin. Und ja, Genreautoren wie A.C. Doyle, Raymond Chandler usw. sind auch mit kurzen Texten großgeworden – aber in einem anderen Jahrhundert. Ich denke, dass der Markt hat sich hier, gerade in den letzten zehn Jahren verändert.

          Und an einer Stelle missverstehst du mich: Wenn ausdrücklich Kurzgeschichten schreiben will, sollte man das tun. Da würde ich nie widersprechen. Nur wenn man eigentlich Romane schreiben will, sollte man meiner Meinung nach nicht die Zeit auf Kurzgeschichten verschwenden. Das ist ein Umweg, der sich in meinen Augen nicht lohnt.

          Um das – zum wiederholten Mal – ausdrücklich zu sagen: Ich habe nichts gegen Kurzgeschichten. Ich lese sie gerne und finde sie wichtig.

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          • Ich wollte eigentlich widersprechen, dass Kurzprosa nie in den Bestsellerlisten landet. Es ist generell schwierig, einen Bestseller zu landen, egal was man schreibt, aber da tummelt sich wirklich alles.
            Wer Romane schrieben will, versucht sich an Roman. Meistens beginnen die meisten mit einem zehnbändigen Epos und halten es nicht durch, da kann es schon hilfreich sein, zu einer überschaubaren Form zu ermahnen.

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  5. Hi Marcus,

    alles absolut valide Punkte, würde ich sagen. Ich möchte aber zumindest als jemand, der sich über kurz oder lang wohl in den unterschiedlichsten Genres austoben wird, zumindest zwei Proargumente anbringen.

    1. Wenn man sich in einem neuen Genre versucht, dass einem vielleicht nicht liegt, ist eine Kurzgeschichte gar keine schlechte Idee, um sich heranzutasten und seinen Stil zu finden. Wenn ich zum Beispiel ausschließlich Liebesromane geschrieben habe und dann mal in die Fantasy- oder Krimiwelt einsteigen will, ist es wohl weniger ärgerlich, wenn ein 20 Seitenprojekt auf halber Strecke liegen bleibt, als wenn ein 400 Seitenprojekt ab der Hälfte nicht mehr funktioniert.

    2. Kurzgeschichten bieten viel Raum für Experimente. Gerade in den absoluten Sub-Genres wie … keine Ahnung … Froschmutantendystopien mit sexuellem Einschlag oder Neo-Western mit Vampiren auf Büffelgeisterjagd oder ähnlichem Zusammengewürfel ist eine Kurzgeschichte gar nicht mal so verkehrt. Damit kann man vermutlich einfach besser herausfinden, ob das überhaupt jemand lesen will.

    Ansonsten bin ich aber auch eher pro Roman. Wobei mich mal interessieren würde, wie du zu Kurzgeschichtensammlungen mit zusammenhängender Rahmenhandlung stehst? Das ist ja dann nochmal so eine Art Mittelweg, der meiner Meinung nach durchaus funktionieren kann.

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    • Um das noch einmal unmissverständlich zu sagen: Ich mag Kurzgeschichten gerne. Ich lese immer wieder welche, gerade von Hemingway, auch privat sehr gerne.

      Aber zu 1.: Was hast du davon, wenn du weißt, dass du z.B. Fantasy-Kurzgeschichten schreiben kannst? Das bedeutet noch lange nicht, dass du auch einen Fantasy-Roman schreiben kannst. Das wirst du erst herausfinden, wenn du dich auch an den Roman wagst. Das ist zumindest meine Erfahrung.

      Zu 2.: Was genau hast du von den Experimenten, die du nennst? Du wirst mit ihnen nur in Nischen vorstoßen. Wenn das dein Ziel, ist das okay. Ich rede ja im Text davon, dass sich Autorinnen erhoffen, mittels Kurzgeschichten bessere Romane zu schreiben und/oder mit Kurzgeschichten ihre Romane zu bewerben. Beides wird häufig empfohlen und beides halte ich für falsch.

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      • Wie gesagt nur eine Ergänzung. Zu 1: ICh denke schon, dass es helfen kann, ein Gefühl dafür zu erlangen, ob einem das Genre überhaupt liegt. Es ist klar, dass KG und Roman zwei absolut unterschiedliche Baustellen sind. Aber das Genre bleibt ja gleich. Ich meine in dem Fall auch weniger etwas zu veröffentlichen, sondern sich durch ein oder zwei kleinere Geschichten an das Genre heranzutasten. Du als Krimiautor müsstest ja wissen, wie viel Arbeit eine durchdachte Story in so einem Genre machen kann. Und da ist es sicher nicht verkehrt „klein“ anzufangen, weil eben die Fallhöhe niedriger ist. Ich bin beispielsweise kein Krimiautor und habe mich direkt an größeren Geschichten in dem Bereich versucht. Dann habe irgendwo festgestellt, dass irgendwas nicht funktioniert, mich komplett verhaspelt usw. Durch ein paar Kurzkrimis habe ich ein bessereres Gefühl für das Genre entwickelt und konnte mich dann wieder an ein größeres Projekt wagen und es hat viel besser geklappt.
        Ist aber natürlich auch von Autor zu Autor anders. Aber es kann durchaus helfen.

        2 war natürlich wirklich auf Nischenautoren gemünzt. Hab ich ja auch im Kommentar erwähnt.
        Bei dem Punkt, dass man dadurch bessere Romane schreibt stimme ich dir aber zu. Da sehe ich den Zusammenhang auch nicht wirklich. Ich habe einen ganzen Haufen geschriebene Kurzgeschichten auf der Festplatte, aber zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass mich das bei meinen Romanen irgendwie weiter bringt. Wie du schon sagtest, sind es unterschiedliche Herangehensweisen.
        Ich würde sie nur nicht wie du kategorisch als völlig „nutzlos“ (übertrieben ausgedrückt) abschieben, je nachdem, was man eben vorhat und wo man damit hin will.

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        • Nein, als „völlig nutzlos“ würde ich das Schreiben von Kurzgeschichten auch nicht beschreiben. Nur als nicht zielführend und zeitraubend.

          Zu 1.: Du hast vollkommen recht: Eine durchdachte Story macht verflixt viel Arbeit. Am Ende ist das eigentliche Schreiben einer Story der leichteste Teil. Es macht – für mich – tatsächlich keinen so großen Unterschied, ob ich eine zehnseitige Kurzgeschichte oder einen 300-Seiten-Roman schreibe. Die Konzeption ist der entscheidende Punkt – und da ist der Aufwand für beide Formen von der Quantität her durchaus ähnlich. Wenn ich mir also ohnehin die Arbeit mache, ist es eher ineffizient, diese dann nur in einen Text zu stecken, der sich am Ende schlechter verkaufen wird als ein Roman.

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          • Na ja, ich sags mal so: Wenn ich beispielsweise einen Krimi plane mit falschen Fährten, glaubwürdigen Tatverdächtigen, bei dem ich dann die Spannung halten muss, ich dann aber auf Seite 250 merke, dass mir das überhaupt nicht liegt zu schreiben und jeder Leser nach 5 Seiten den Täter kennen würde usw. ist es sicher nicht verkehrt, erstmal mit einem kleinen Projekt auszuprobieren, bei dem ich nur 2 Tatverdächtige und 1 falsche Fährte brauche und die Spannung statt über 400 nur für 20 Seiten halten muss.

            Oder wenn ich mich an Fantasy versuchen will, ich eine ganze Welt kreieren muss, mit Wesen, die darin leben und eigenen Regeln und eventuelle eigenen Sprachen usw. ist es da sicher nicht unbedingt dumm, erstmal im kleinen Rahmen zu schauen, ob mir das Genre überhaupt liegt, bevor ich mich in so ein Mammutprojekt stürze.

            Es geht mir dabei auch weniger ums Veröffentlichen, sondern mehr ums Zeitsparen, durch kurze Gehversuche mit 1-2 kleinen Geschichten in „unbekannten“ Genres. Im besten Fall stelle ich fest, dass es mir liegt und kann mich dann ans große Projekt wagen, im schlechtesten Fall merke ich, dass das überhaupt nicht mein Ding ist und habe statt 200 Seiten eben nur 20 meine Zeit geopfert.
            Wenn es darum geht, etwas zu verkaufen, bin ich ganz bei dir. Da kommt man mit einem Roman sicher weiter.

            Aber wie gesagt, tobe ich mich auch gerne in unterschiedlichen Genres aus und versuche deshalb immer wieder mal was neues. Wenn ich mich auf die Fantasy konzentrieren würde (wo ich mich mehr oder weniger am sichersten fühle), dann bestünde das Thema für mich halt auch weniger.

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            • Ich fürchte allerdings, dass das ein Trugschluss ist. Nur weil du mit einer 20-Seiten-Story in einem Genre klarkommst, heißt das noch lange nicht, dass du auch einen Roman bewältigen kannst und umgekehrt. Ich zum Beispiel würde mir durchaus zutrauen einen passablen SF-Roman zu schreiben. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich keine wirklich gute SF-Kurzgeschichte schreiben könnte. Und wenn, dann würde ich für sie ziemlich genauso lange wie für den Roman brauchen.

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              • Wie gesagt, auf einen Roman bezogen mag das sein. Auf das Genre an sich bezogen finde ich es aber durchaus sinnvoll. Nur weil ich beispielsweise einen Krimi voraus planen kann, heißt das ja noch lange nicht, dass ich einen schreiben kann (wie ich ja selbst festgestellt habe).
                Soll heißen: Einen Langkrimi kriege ich nicht hin. Einen kurzen schon eher.
                Bei SF würde es sich bei mir vermutlich auch andersherum verhalten.

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  6. Hm, das ist wohl der erste Artikel seit vielen Jahren bei Dir, dem ich, sagen wir, ratlos gegenüber stehe. Denn letztlich kann ich Deiner Argumentation nicht folgen: 1. Prokrastination? Nun, da habe ich ganz andere Probleme als ne Kurzgeschichte. 2. Kein Text kann meinem Stil schaden – im Gegenteil. Je nach Gattung werden meine Möglichkeiten noch breiter. Es gibt genug Romane, die Kurzgeschichten einbinden (zuletzt ist mir das bei Austers 4321 aufgefallen. 3. Kleine Zielgruppe? Na und. 4. Mit einer Kurzgeschichte verbrenne ich meinen Namen? Verstehe ich nicht. Dass sich niemand an sie erinnert, okay, dass Lektoren Kurzgeschichten egal sind, auch. Aber wieso soll mir eine Kurzgeschichte schaden? Liebe Grüße!

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    • 1. Ich habe es am eigenen Leib erlebt und lese das immer wieder, das Autorinnen gerne Kurzgeschichten schreiben, um sich in gewisser Weise fit zu machen, Romane zu schreiben. Das funktioniert meiner Meinung nach nicht. Wenn ich Romane schreiben möchte, sollte ich vor allem Romane schreiben. Auf Umwegen komme ich da nicht oder nur sehr langsam zum Erfolg.

      2. Oh doch. Romane – wohlgemerkt: ich rede hier immer von Spannungsromanen und Unterhaltungsliteratur, nicht von Literatur – erfordern ein anderes Schreiben als Kurzgeschichten. Verinnerliche ich die Schreibweise einer Kurzgeschichte, kann es sein, dass mein Stil dem eines Romans nicht mehr angemessen ist.

      3. Wenn dir deine Zielgruppe egal ist, dann ist der Beitrag nichts für dich, da du beim Schreiben andere Ziele verfolgst als die Zielgruppe meines Artikels 😉

      4. Nehmen wir an, eine Leserin greift zu deiner Kurzgeschichte und findet sie mies. Dann wird sie nicht deinen Roman lesen.

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  7. Nochmal Hm 🙂 Ich kann schon nachvollziehen, wie Du argumentierst, wundere mich aber doch ob der Vehemenz. Ist denn eine Kurzgeschichte nicht vergleichbar mit einer Skizze bei Malern? „Flowers of Algernon“ begann als Short Story, wurde dann zu einem Roman, ist U-Literatur. Kings „Turm“ begann mit einer Kurzgeschichte, die weitergeschrieben wurde. Natürlich trainiere ich mit einer Story nicht die formalen Gattungspunkte eines Romans, aber ich trainiere meine Sprache, meine Dialoge, meinen Sinn für die Kürze (die, wie ich wohl anders als Du findest, sehr wohl sinnvoll für jeden Roman ist). Und wenn jemand meine Kurzgeschichten scheiße findet, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er auch meine Romane nicht mag – eben 🙂

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    • Ich denke eben, dass eine Kurzgeschichte nicht wie eine Skizze beim Malen ist. Das Gegenstück zur Skizze beim Malen ist der erste Entwurf eines Romans. Eine Kurzgeschichte ist eine eigene Kunstform für sich, die viel Aufmerksamkeit und Arbeit erfordert. Gerade weil ich Kurzgeschichten sehr gerne mag und viel Respekt vor ihr habe, finde ich es eben fatal. Die Haltung: »Ach, dann schreibe ich mal schnell eine Kurzgeschichte zwischen durch …« kann meiner Meinung nach dazu führen, dass der Autorenname verbrannt wird. Lese ich einen Text, der als Kurzgeschichte publiziert ist, am Ende aber eher eine Art unstrukturierte Novelle ist, bekomme ich den Eindruck, dass die Autorin ihr Handwerk nicht versteht und schluderig arbeitet, sich und ihre Leserinnen nicht ernst nimmt.

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      • Ich glaube, ein Gutteil der Diskussion und vielleicht auch gegenseitigem Mißverstehen resultiert aus dem Unterschied „kurze Geschichte“ und „Kurzgeschichte“.

        Eine Kurzgeschichte als ein durchdachtes konzentriertes Werk erfordert in der Vorbereitung tatsächlich soviel Energie wie die Vorbereitung eines Romans.

        Eine kurze Geschichte, schon durchdacht, aber in drei Stunden geschrieben und nochmal zwei überarbeitet, schreibt sich wie ein Blogartikel. Das ist das, was mir umging.

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  8. Ganz direkt gesagt: Das gefällt mir alles überhaupt nicht, weil es die Kurzgeschichte in einen höchst einseitigen Winkel stellt, nämlich den, wo der unerfahrene Autor hinblickt, der gerne möglichst schnell mit seinen Romanen einen guten Verkaufsrang erzielen möchte.
    Ich habe demgegenüber noch die Stimmen im Ohr, die jedem Anfänger raten, sich nicht gleich auf ein 100K Manuskript zu stürzen (bzw. in Unerfahrenheit vor sich hin zu schwafeln, bis die Story halt fertig ist), sondern sich an etwas Kürzerem zu versuchen, dass ihnen – Tatsache! – den Vorteil bietet, Struktur, Ausdruck, Spannung, Figuren in einem überschaubareren Rahmen zu testen, und dabei noch die Sprachfähigkeiten zu entwickeln. In diesem Sinne ist der gesamte Artikel in etwa so sinnvoll, wie wenn ich jemandem sage, er solle doch gleich ein Haus bauen, und sich nicht erst mit dem Sägen von Brettern aufhalten.
    Wer dagegen bereits weiß, dass „Kurzgeschichte“ eine eigene Gattung ist, für die Alice Munroe nicht aus Versehen den Nobelpreis für Literatur bekommen hat, der weiß natürlich auch, dass es immer eine Herausforderung sein wird, so verdichtet auf den Punkt zu kommen, wie es für eine Kurzgeschichte erforderlich ist, und dass man weder mit miesen Kurzgeschichten noch mit schwafeligen Romanen ein breites Publikum erreicht.
    Zu dem Argument, dass eine schlechte Kurzgeschichte die Leser davon abhalten wird, einen Roman des gleichen Autors zu lesen, kann ich nur anmerken, dass ich die meisten „ersten Romane“ auch _ohne_ vorhergehende Kurzgeschichte nicht lesen würde …
    Ehrlich – ich verstehe nicht, was mit diesem Artikel bezweckt wird. Sollen Autoren, die gerade ihre ersten Schritte tun, davon abgehalten werden, Kurzgeschichten zu schreiben? Warum? Dass jemand einen Roman schreiben _will_ bedeutet ja nicht automatisch, dass dieser jemand nicht vielleicht viel besser Kurzgeschichten schreiben würde …
    Ein Satz würde meiner Ansicht nach vollkommen reichen: Wenn du eine Kurzgeschichte schreibst, sei dir bewusst, dass es sich dabei um eine eigene Literaturgattung handelt und nicht einfach um eine „Geschichte mit weniger Worten als ein Roman“.

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    • Das Letzte, was du sagst, würde ich hundertprozentig unterschreiben. Aber genau deswegen kann ich deiner restlichen Argumentation nicht folgen. Der Vergleich mit dem Haus hinkt. Es wäre in meinen Augen eher so, wenn ich jemanden, der ein Haus bauen will, erst einmal empfehle, ein Auto zu bauen. Denn das ist ja kleiner.

      Du hast natürlich vollkommen Recht: Wer mit dem Roman beginnt, muss sich mit Strukturen, Figuren, Spannung und Dialogen usw. beschäftigen. Aber all diese Dinge haben im Roman andere Aufgaben, Formen und Herausforderungen als in der Kurzgeschichte. Was genau soll ich an der Kurzgeschichte also für den Roman lernen?

      Ja, in der Regel der Fälle ist der erste Roman eines Autors nicht besonders gut. Deswegen gibt es ja auch die Faustregel, dass erst ca. der fünfte Roman auch der erste ist, der veröffentlichungsreif ist.

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      • Was man an einer Kurzgeschichte für den Roman lernt? Ist das wirklich eine ernst gemeinte Frage?
        Für ein Haus braucht man kein Auto, aber für ein Haus braucht man ein Brett (vorausgesetzt, wir bauen keinen Betonwolkenkratzer sondern eine Hütte im Wald). Ein Haus _besteht_ aus Brettern. Eine Geschichte – egal ob kurz oder lang – besteht aus demjenigen, was sich im Hirn des Verfassers befindet. Und da befinden sich bei dem einen oder anderen eine Menge loser Enden, logischer Löcher und überflüssiger Sätze, die sich bei dem Versuch, sie in die kürzestmögliche, zusammenhängende Form zu bringen und gleichzeitig noch eine Geschichte daraus zu machen, trefflich ordnen lassen.
        Anschließend achtet man dann vielleicht auch in seinen Romanen darauf, nicht jeden spontanen Einfall in epischer Breite auszuwalzen und die Figuren Dinge sagen zu lassen, die tatsächlich relevant sind.
        Natürlich muss man diese Geschichten nicht unbedingt veröffentlichen, und dass sie der Karriere als Romanschriftsteller nicht förderlich sind, wenn sie nichts taugen, entspricht sicher auch der Wahrheit. Aber zu behaupten, sie würden im Hinblick auf das Schreiben nichts bringen, was im Roman von Nutzen sein könnte, halte ich für extrem kurz gedacht.

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  9. Nein, es ist nicht trivial eine Kurzgeschichte zu schreiben. Die Kurzgeschichte gehört nicht umsonst zur Königsklasse der Literatur und aus genau dem Grund scheitern viele Autoren daran. Es steckt mitunter mehr Arbeit in zehn Seiten einer Kurzgeschichte als in 300 Seiten Roman. Aber wenn man den Anspruch hat, ein guter Autor zu werden, um vielleicht mit einer Autorenschaft einmal Geld zu verdienen, warum sollte man sich nicht an einer Kurzgeschichte versuchen. Natürlich ist es leichter einen Roman zu schreiben, aber ich schreibe doch nicht, nur weil es leicht ist. Ich sehe das Schreiben als Herausforderung. Der Lernprozess eines Autors hört nie auf. Professionelles Schreiben ist zehn Prozent Talent und neunzig Prozent harte Arbeit. Anhand kurzer Texte lernt man das Rüstzeug um später einen guten Roman zu schreiben. Denn vieles was für eine Kurzgeschichte gilt, gilt genauso für einen Roman, vor allem stilistisch. Selbst manchem Bestsellerautor täte es gut, sich mal an einer Kurzgeschichte zu versuchen. Diejenigen die wirklich gut sind, wie z.B. Eschbach oder King können das auch.
    Ich finde es ziemlich stark zu behaupten, dass man mit Kurzgeschichten kein Geld verdienen kann, oder das eine Veröffentlichung gar schädlich für den Autor ist. Ganz ehrlich, wie viel verdienen denn weniger bekannte Autoren mit ihren Romanen? Viel mehr sicher auch nicht. Eine sehr gute Kurzgeschichte in der C’t oder dem Exodus-Magazin hat schon mehr Leuten einen lukrativen Schreibjob eingebracht, als man denkt. Ich wäre da ganz vorsichtig mit dieser Behauptung, den ich kann in dem Fall sogar Namen angehender Autoren nennen, die dadurch professionelle Schreibaufträge bekommen haben.
    Ich empfehle in dem Fall immer die Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel. Die Schreibseminare zur phantastischen Kurzgeschichte haben schon mehr als einen Profiautor hervorgebracht. Dort lernt man übrigens auch die richtige Verwendung von scheinbar und anscheinend, die mir im obigen Text negativ aufgefallen ist.

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    • »scheinbar: aufgrund einer Täuschung wirklich, als Tatsache erscheinend, aber in Wahrheit nicht wirklich gegeben«, Quelle: http://www.duden.de/rechtschreibung/scheinbar_imaginaer_vermeintlich

      Ich habe eigentlich nicht sagen wollen, dass es viel schwieriger ist, eine Kurzgeschichte als einen Roman zu schreiben. Ich würde auch nie behaupten, dass man dadurch keine bessere Autorin wird. Oder dass es prinzipiell schlecht sei, Kurzgeschichten zu schreiben.

      Ich denke nur, wenn man ohnehin wenig Zeit zum Schreiben hat – und davon gehe ich mal als nebenberuflicher Autor aus -, sollte man die Zeit in das investieren, was man auch wirklich schreiben möchte.

      Will ich Romanautor sein, sollte ich Romane schreiben und eben keine Kurzgeschichten. Ich wende mich damit nur gegen den Rat, den auch ich häufig erhalten habe, doch lieber mit Kurzgeschichten für den Roman zu üben. Das habe ich getan und ich muss sagen, das hat mich mindestens so viel Zeit gekostet, wie ich für ein bis zwei Romanmanuskripte gebraucht hätte. Und für das Schreiben von Romanen hat es mir, hm, sagen wir sehr, sehr wenig gebracht. Ich würde nicht sagen, dass es gar nichts bringt. Aber eben auch nicht viel.

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  10. Hallo Marcus,
    ich stimme dir aus eigener Erfahrung in den meisten Punkten zu. Bevor ich mit meinem ersten Roman begonnen habe, schrieb ich Kurzgeschichten. Viele Kurzgeschichten, und viele davon wurden veröffentlicht. Deswegen ist mein Roman wohl auch unter 200 Seiten geblieben, denn bei Kurzgeschichten gilt noch mehr als beim Roman: Fasse dich kurz. Gut, das hat mich vielleicht andererseits davor bewahrt, mich beim Schreiben in unwesentlichen Details zu verlieren. Beides parallel funktioniert bei mir jedenfalls nur noch in absoluten Ausnahmefällen. Allerdings kenne ich Beispiele von Romanschriftstellern, die sich mit ihren Kurzgeschichten nicht „verbrennen“ bzw. bereits „verbrannt sind“, beide Formen beherrschen und auch beides erfolgreich veröffentlichen. Das sind aber alles alte Hasen oder Häsinnen 🙂

    Viele Grüße!

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  11. Die Kurzgeschichte ist ein vollkommen eigenständiges fiktionales Genre mit Protagonist, Konflikt und Auflösung mit etwa 3.000 bis 20.000 Wörtern, das durch Sprache, Aufbau und Stilistik gekennzeichnet ist. Sie verlangt eine meisterschaftliche Beherrschung der kurzen Form, es handelt sich um durchstrukturierte, verdichtete Prosa.

    Dies ist für mich das entscheidende Argument, Laienautoren vor dieser speziellen Kunstform zu warnen, nur sehr wenige verfügen über die Qualitäten eines Hemingway.

    Wer auf der anderen Seite stets auf den Mainstream schielt, nach Umsatzgesichtspunkten schreibt und dem aktuellen Trend folgt, wird im besten Fall kurzfristig Verkaufserfolge erzielen, ist aber morgen bereits von neuen Belanglosigkeiten verdrängt. Es bleibt letztlich immer eine Frage des eigenen literarischen Anspruchs, ob Slowfood oder Fastfood produziert werden will.

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  12. Sehe ich – aus eigener Erfahrung – ganz anders. Überspitzt formuliert: Jeder Depp kann einen 1000-Seiten-Roman schreiben, wenn er nur genug Zeit und Papier hat. (Was der dann taugt, ist eine ganz andere Frage.) Anspruchsvoll wird es dann, wenn man die gleiche Geschichte auf 100 oder, noch besser, 10 Seiten erzählen soll. Nichts übt so sehr darin, auf den Punkt zu kommen und inhaltsleeres Geschwafel zu vermeiden wie das Verfassen von Kurzgeschichten mit einem Seiten- oder Wörter-Limit.

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  13. Danke für Deinen Artikel. Ehrlich gesagt habe ich mir noch nie Gedanken darüber gemacht, ob die Kurzgeschichten die ich schreibe, meinen Namen verbrennen oder mich vom Schreiben eines Romans abhalten. Ich schreib sie einfach; so wie sie mir in den Sinn kommen und so gut ich es eben hin bekomme. „Königsliteratur“ sind meine Geschichten sicherlich nicht, aber wenn ich die Kinder kichern höre, die meine Geschichten vorgelesen bekommen oder selbst lesen, dann ist das ein wahrlich hoher Lohn.
    Würde ich zielgerichtet schreiben, z. B. um irgendwann einmal davon leben zu können, dann wäre Dein Artikel auf jeden Fall ein sehr hilfreicher Impuls, das ganze neu zu überdenken. Wie gut, dass ich mir den Luxus leisten kann, einfach so zu schreiben. Weil es Freude macht.

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  14. Ein paar sehr wichtige Fakten, ein paar nachdenklich machende Einwände und natürlich sehr viel subjektives Empfinden zum Thema Kurzgeschichten. Aber das ist natürlich dein gutes Recht. Ich persönlich schreibe sehr gern Kurzgeschichten. Ohne diese Form des Schreibens, hätte ich nie gelernt, wie wichtig und befreiend es ist, ein Ende unter etwas zu setzen. Ohne das Schreiben von Kurzgeschichten hätte ich nur ein Bruchteil über das Schreiben gelernt, und weiterhin immer wieder nur an Roman-Anfängen herumgedümpelt. Ich habe so meinen Stil gefunden (frustfrei). Allerdings nehme ich mit den Geschichten auch nicht an Wettbewerben teil oder dergleichen. Und ja, Kurzgeschichten sind eine eigenständige Kunstform, doch sie haben mich das Wichtigste gelehrt – wenn man gut schreiben will, muss man zuerst lernen, wie man „auf den Punkt“ kommt. Eine Übung, die so manchem Romanautoren nicht schaden könnte, und um noch etwas zu erwähnen – es gibt Ideen, die sich ausschließlich in dieser Form umsetzen lassen. Hätte ich nicht mit Kurzgeschichten begonnen, würde ich heute keinen Roman schreiben können.

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  15. Hallo Marcus,

    erstmal vielen Dank für den Artikel, er hat mich, wie immer, sehr gut unterhalten. Ich weiß nicht genau, wie ernst er gemeint ist (oder ob demnächst ein Artikel: »Warum man UNBEDINGT Kurzgeschichten schreiben sollte« erscheint), aber du bringst da ein paar gute Argumente. Wie es halt so ist, kenne ich für viele Punkte Gegenbeispiele, aber inwiefern die Ausnahmen sind, weiß ich nicht. Davon erzählen muss ich natürlich trotzdem, als alte Klugscheißerin, die ich bin. 🙂
    Ich schreibe selbst hauptsächlich Romane, aber in diesem Jahr habe ich mich zum Spaß an einer Kurzgeschichte versucht und, was soll ich sagen: Sie wurde mein größter Erfolg. Zumindest in Downloadzahlen. Finanziell bringen Kurzgeschichten recht wenig, was für mich das wichtigste Argument dagegen wäre. Da ich vor allem digital veröffentliche, kenne ich Kurzgeschichten vor allem in diesem Bereich. Und da ist es üblich, nur 99 Cent pro Story zu verlangen, d.h. die Marge ist geringer als bei Werken ab 2,99, was bedeutet, dass mir pro Download unglaubliche 35 Cent bleiben. Auf ein paar hundert Euro bin ich dennoch gekommen. Und ja, es gab einen Werbeeffekt für meine anderen Bücher. Die Verkaufszahlen der Romane sind leicht angestiegen. Die sind aber auch alle im gleichen Genre wie die Kurzgeschichte, was meiner Erfahrung nach sehr viel wichtiger als die Länge der Story ist.
    Ich weiß tatsächlich von Leuten, die mit Kurzgeschichten Geld verdienen. Die tummeln sich allerdings im Erotikbereich. Ich kenne mich auf dem digitalen Markt besser aus als im Print/Verlagsbereich, und da sind Erotik-Kurzgeschichten eine recht große Sparte. Aber »Hart rangenommen vom Fußballtrainer« ist vermutlich auch nicht der erste Titel, an den man bei »Kurzgeschichte« denkt. Eher an die Klassiker, die man im Deutschunterricht liest, bzw. an Hemingway und Co. Dass Kurzgeschichten aus dieser Sparte eine stark eingeschränkte Zielgruppe haben, glaube ich auch.
    Ich gebe dir auch absolut recht damit, dass Kurzgeschichten leichter zu schreiben sind als Romane, bzw. dass sie deshalb eine Form der Prokrastination sein können.
    Woran ich überhaupt nicht glaube, ist, dass man als Autor irgendwie seinen Namen »verbrennen« kann. Das schafft man höchstens, wenn man sich durch unpopuläre Meinungen oder Hasspredigten selbst ins Abseits schießt, siehe Pirinçci oder Orson Scott Card. Und selbst dann hätte man noch den Ausweg des Pseudonyms.
    Ich möchte eigentlich gar nicht viel motzen, weil ich deine Artikel sehr schätze (ich weiß, das bringe ich gerade fantastisch rüber), aber die Einstellung, dass man seine Karriere so leicht in den Sand setzen kann ist, meiner Meinung nach, unter Künstlern viel zu verbreitet. Ich bin jetzt seit über 15 Jahren in der Kreativszene unterwegs und immer noch erschüttert, wie schwach das Selbstbewusstsein dort ist. Die Angst, dass man alles zerstören könnte, wenn man nur einen falschen Schritt macht, war früher bei mir sehr stark und wurde durch Aussagen wie deine nur verstärkt. Ich hätte heute keine Karriere, wenn ich nicht irgendwann beschlossen hätte, einfach loszulegen und zu akzeptieren, dass ich auf dem Weg eine Menge Fehler machen werde.
    Aber vielleicht irre ich mich auch und die Aussage war gar nicht so gemeint. Aus den oben genannten Gründen finde ich es nämlich super, dass du diesen Artikel geschrieben hast. Der ist genau, wie er sein sollte. Eine ehrliche Meinung, die garantiert Negativreaktionen hervorruft (zum Beispiel meine, hüstel). Das ist verdammt mutig und dafür hast du den höchsten Respekt verdient. 🙂
    Ich freue mich schon auf die nächsten Artikel!

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    • Vielen Dank erst einmal für den ausführlichen und wertschätzenden Kommentar. Er verdient eine ebensolche Antwort.

      Zunächst einmal: Ja, im Erotik-Bereich funktioniert vieles anders. Es ist immer ganz schwierig pauschale Aussagen zu treffen, weil es so viele Wenn’s und Abers gibt.

      Mein Blog, und damit auch mein Artikel, richtet sich ja hauptsächlich an Erstautorinnen, die nach Orientierung suchen. Ich habe in Schreibseminaren und auch an anderen Stellen früher häufig den Tipp erfahren: »Schreibe doch lieber Kurzgeschichten, bevor du einen Roman schreibst. Das ist leichter und über Kurzgeschichten kannst du dir erst einmal einen Namen machen.«

      Beide Aussagen halte ich – nachdem ich sie auch ausprobiert habe – für falsch. Und ich stehe damit nicht alleine. Die Idee zum Artikel bekam ich nach dem Hören einer Folge Writing Excuses. Dort meinten die Autorinnen, dass es noch vor zehn, zwanzig Jahren eine gute Idee war, mit Kurzgeschichten zu beginnen. Inzwischen sei das, vor allem im Bereich SF und Fantasy, aus verschiedenen Gründen nicht mehr so.

      Ich war schon immer skeptisch, was diesen Tipp anging.

      Mir ist keine Agentur bekannt, die Kurzgeschichtenautorinnen sucht. Natürlich kenne ich nicht alle Agenturen, aber schon einige, vor allem die größten. Dort habe ich noch nie eine Nachfrage nach Kurzgeschichten erfahren. Kein Agent, mit dem ich geredet habe, hat je dazu geraten, Kurzgeschichten zu schreiben. Ich sehe in den Top-Listen, ganz gleich ob beim Spiegel oder Amazon, fast nur Romane. Natürlich bestätigen die Ausnahmen immer in die Regel.

      Ich wüsste also nicht, warum man als beginnende Autorin die ohnehin stets viel zu knappe Schreibzeit mit Kurzgeschichten verschwenden sollte. Ja, man kann einige Dinge an ihnen üben. Ja, sie geben einem ein gutes Gefühl, weil man vergleichsweise schnell damit fertig ist. Ja, wenn man viel Glück hat, kann man mit ihnen auch Preise gewinnen und ein wenig Geld verdienen. Und ich habe früher unglaublich viel Zeit aus diesen Gründen auf Kurzgeschichten verwendet. Aber Wirkich etwas gelernt habe ich für das Schreiben von Romanen nicht. Sie haben mich in keiner Weise beim Romanschreiben weitergebracht.

      Es stimmt, meine Novelle – ich gebe zu, keine Kurzgeschichte, aber immerhin Kurzprosa – hat sich ganz gut verkauft. Aber lange nicht so gut wie meine Romane. Und, ja, auch die Verkäufe der Romane haben sich ein klein wenig erhöht, als die Novelle auf den Markt kam. Aber die gleichen Effekte – und sehr wahrscheinlich sogar noch viel, viel größere – hätte ein weiterer Roman gehabt.

      Um das auch noch einmal unmissverständlich festzuhalten, weil mir das Gegenteil hier und dort unterstellt wird: Ich liebe Kurzgeschichten. Ich lese sie immer wieder gerne. Ich bin sogar jemand, der Kurzgeschichtenanthologien kauft. Ich bin auch der Überzeugung, dass eine gelungene Kurzgeschichte eine große Kunstform ist, die dem Roman ästhetisch in einigen Punkten überlegen ist. Und natürlich kann man auch ein paar – allerdings nicht viele – Dinge beim Schreiben von Kurzgeschichten für das Romanschreiben lernen.

      Aber wenn ich Romane schreiben will – und das will ich und ich denke, die meisten wollen das auch -, dann lernt man am meisten für das Romanschreiben beim Romanschreiben. Wenn ich Fahrrad fahre, dann trainiere ich da auch Fähigkeiten und Kenntnisse, die ich zum Auto fahren gebrauchen kann. Und ich bin leidenschaftlicher Fahrradfahrer. Meinen Führerschein bekam ich aber auf diese Weise nicht.

      Das Verführerische ist jedoch, dass viele behaupten, es wäre beim Verhältnis von Kurzgeschichten und Romanen so. Hier wollte ich einfach gerne meine Erfahrungen weitergeben. Mehr nicht.

      Wer wirklich gerne Kurzgeschichten schreibt und eine Karriere als Kurzgeschichtenautorin anstrebt, die sollte das dann auch tun, keine Frage. Es ist auch möglich, damit erfolgreich zu sein. Es ist auch möglich, sich mit Lyrik einen Namen zu machen. Und wer leidenschaftlich gerne Lyrik scheint, sollte auch das tun und sich nicht zum Romanschreiben zwingen, um damit erfolgreicher als mit Lyrik zu sein.

      Wäre ich überzeugter Kurzgeschichtenautor, würde ich sie auch schreiben. Nur bin ich das nicht. Seit ich schreiben kann, will ich Romane schreiben.

      Noch zum Thema »Namen verbrennen«. An diesem Punkt haben sich auch viele Diskussionen entfacht. Ich schreibe im Artikel ausdrücklich »Wenn du Pech hast …«. Ich sage nicht: »Auf jeden Fall …«. Das bitte ich zu bedenken. Meiner Erfahrung nach bekommt man schnell ein Etikett verpasst. Dass man diese auch wieder loswerden kann, stimmt natürlich auch. Umgekehrt helfen sie einem halt auch nicht wirklich weiter, wenn erst einmal ein Etikett auf einem klebt, das man gar nicht haben will.

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      • Du hast dich nicht an den Tipp gehalten, ich habe mich auch nicht an den Tipp gehalten, auch wenn ich ihn kannte. Man solle die Menschen nicht unterschätzen.

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  16. DANKE, genau auf diesen Artikel habe ich irgendwie gewartet. Ständig drängt sich mir der Gedanken auf, meine Schreiblust mit Kurzgeschichten zu füllen und merke gleichzeitig dabei, dass ich meine wertvolle Zeit damit „verschwende“… Deine Worte sind die Bestätigung dessen, was mir mein Unterbewusstsein – durch meine Bauchgefühl – ständig sagen will. Danke für diesen Impuls. Liebe Grüße

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