Lohnen sich digitale Imprints?

Lohnen sich digitale Imprints

Ich erinnere mich noch gut. Als Midnight, das digitale Imprint des Ullstein-Verlags, vor drei Jahren gegründet wurde, stellte sich Marguerite Joly, Projektleiterin digitale Verlagsprogramme bei den Ullstein Buchverlagen. im Rahmen eines Pub’n’pub in Berlin den Fragen des Publikums zu dieser damals recht neuen Form der Veröffentlichung. Um es mal so zu sagen: Sie wurde vom Publikum nicht unbedingt auf Händen getragen.

Für diejenigen, an denen die Entwicklung digitaler Imprints vorbeigegangen ist, hier eine kurze Erklärung: Digitale Imprints sind E-Book-Sparten der Publikumsverlage. Bastei, Carlsen, Knaur, Ullstein und andere Verlage haben in den letzten Jahren »E-Book-Only-Plattformen« gegründet, in denen Autorinnen nicht im regulären Katalog des Verlags erscheinen. Sie werden nicht über den Buchhandel vertrieben und auch nicht – oder zumindest nicht im herkömmlichen Sinne – gedruckt.

So ähnlich hatte auch damals Joly ihre Projekte Midnight und Forever im Rahmen des Berliner Ullstein-Verlages vorgestellt. Die meisten anwesenden Autorinnen – meinem Eindruck nach überwiegend Selfpublisher und/oder Blogger – löcherten Joly mit kritischen Fragen und wirkten – um es vorsichtig zu formulieren – skeptisch.

Heute, drei Jahre später, gewinne ich den Eindruck, dass digitale Imprints keinen guten Ruf genießen. Kritiker meinen, Digitalimprints kombinieren die Nachteile der Verlagsveröffentlichung mit denen des Selpublishings und haben bei Leserinnen einen schlechten Ruf. Es fällt auf, dass Bücher digitaler Imprints nicht ganz vorne in den Bestsellerlisten dabei sind.

Die Frage ist also, lohnt es sich für dich, dein Manuskript bei einem digitalen Imprint einzureichen? Haben die Skeptiker recht? Oder ist diese Form der Publikation besser als ihr Ruf?

Ich würde sagen: Jein.

Kritiker übersehen, dass digitale Imprints durchaus große Vorteile bieten.

Amazon verzerrt in gewisser Weise die Perspektive auf den E-Book-Markt, weil sich hier in den Top 100 häufig Kindle-E-Books tummeln. Nur, wen wundert es, dass bei Amazon vor allem Amazon-Bücher erfolgreich sind und E-Books anderer Anbieter nicht?

Bislang wurden Autorinnen, die nicht direkt bei Amazon veröffentlichten, sondern den Umweg über Digitalimprints wie die des Ullstein-Verlages nahmen, deswegen belächelt.

Aktionen wie Amazon Prime Reading dürften bei einigen dieses Lachen im Halse stecken lassen. Sie zeigen, wie fragil der Erfolg bei Amazon ist, denn er steht und fällt mit den Konditionen die Amazon anbietet – und jederzeit ändern kann und es auch schon mehrfach getan hat.

Digitale Imprints sind hier vielleicht etwas behäbigere Partner, die auch keine so große Gewinnbeteiligung wie Amazon ermöglichen – dafür aber verlässlicher sind und dein E-Book von vornherein wesentlich breiter aufstellen.

So manche Autorinne bei digitalen Imprints verkaufen sich auch ganz ordentlich und stecken einige Selfpublisher mit ihren Absätzen in die Tasche. Es stimmt, echte Bestseller sind bisher noch nicht über ein Digitalimprint veröffentlicht worden – allerdings ist ja bekanntlich auch nicht jeder Selfpublisher automatisch Bestseller-Autorin. Vielleicht ist dies nur noch ein Frage der Zeit, vielleicht ist dies tatsächlich ein strukturelles Problem. Das wird die Zukunft zeigen.

Meiner persönlichen Meinung nach lohnen sich digitale Imprints auf jeden Fall für Erstautorinnen, die keine geübten Coverdesigner sind, selbst nicht in Vorkasse gehen wollen, um Lektorat und Korrektorat zu bezahlen und die keine geborene Marketingexperten sind. Wir reden immerhin über insgesamt rund 3.000 Euro, die ein Selfpublisher in die Veröffentlichung seines Buches investieren muss.

All dies sind Dinge, die Digitalimprints einer Autorin abnehmen. Hier funktionieren sie wie richtige Verlage: Sie entlasten eine Autorin eigentlich um alle wesentlichen Aufgaben, die nicht mit dem Schreiben zu tun haben.

Gut, ums Marketing muss man sich beim digitalen Imprint in gewisser Weise selbst kümmern. Doch das gilt heutzutage eigentlich für alle Autorinnen, ganz gleich, wo und wie sie veröffentlichen. Man denke nur daran, wie viele abgefahrene Marketingaktionen sich Sebastian Fitzek einfallen lässt, obwohl man vielleicht glauben sollte, dass er das nicht „nötig“ habe oder dass diese eigentlich sein Verlag organisieren müsste.

Du solltest nicht vergessen: Bekommst du die Gelegenheit, bei einem Digitalimprint zu veröffentlichen, arbeitest du mit Verlagsprofis zusammen. Du wirst von denselben Leuten betreut, die auch die Autorinnen des Printbereichs betreuen. Du erhältst nicht nur ein professionelles Cover, sondern auch einen professionellen Klappentext, Lektorat, Korrektorat und wirst über die digitalen Kanälen eines Publikumsverlags vertrieben und beworben.

Fazit: Ja, es hat Nachteile bei einem digitalen Imprint zu veröffentlichen. Doch Nachteile lauern überall. Die Vorteile digitaler Imprints sollten nicht zu leichtfertig abgetan werden. Natürlich sind diese Vorteile nichts für jemanden, der ohnehin gerne und gut alle Aufgaben, die eine Veröffentlichung mit sich bringt, erledigen kann und will. Für alle anderen sind digitale Imprints in meinen Augen durchaus mehr als eine Veröffentlichungsform dritter Klasse.

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13 Gedanken zu “Lohnen sich digitale Imprints?

  1. Hi Marcus,

    interessanter Artikel, danke für deine Einsicht 🙂 Wie sieht du denn die Chancen bei einer Bewerbung bei einem Imprint? Oder läuft auch dort nichts mehr ohne einen Agenten?

    Beste Grüße
    Dennis

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  2. Super vorgestellt. So kann sich jeder ein wirklich gutes Bild machen und selbst entscheiden.
    Was mir sehr gut gefällt ist, dass du mal eine Hausnummer nennst, die viele andere unter den Tisch fallen lassen: Ca. 3000 Euro für Lektorat, Cover und Co. Da nützen nämlich oft auch die bis zu 70% Tantiemen nicht, um das wieder reinzuholen.

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  3. Hi Marcus,

    ich sehe in digitalen Imprints eine hervorragende Hybridlösung, um einen Fuß in die Tür eines Verlages zu kriegen.

    Die negativen Aspekte habe ich so gar nicht wahrgenommen, sondern finde eher, dass bspw Midnight hier jungen Autoren gute Chancen bietet.

    Bin gespannt, wie sich der Markt in dieser Richtung weiter entwickelt. Danke für den Einblick eines „Insiders“

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    • Nun ja, gerade der Punkt, den du ansprichst, halte ich eher für die Schattenseite der Digitalimprints. Wenigstens indirekt winken die Verlage mit der Chance, vom Imprint in den Print-Bereich zu wechseln. Diese Chance halte ich aber für nichtexistent. Sie ist so groß wie die Chance, als Imprint-Autor in den Amazon-Top-100 auf Platz 1 zu landen.

      Die Veröffentlichungsform hat ganz sicher ihre Grenzen. Aber eben auch Chancen. Man muss sie als das sehen, was sie ist, finde ich, und darf sie weder verteufeln noch zu große Hoffnungen daran knüpfen.

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      • Finde ich gut, dass du das noch mal herausstellst, da hätte ich tatsächlich jetzt auch gedacht, dass man damit vielleicht ein kleines bisschen den Fuß in die Tür bekommt.
        Aber wie ist das? Haben es nicht deine Krimis/Thriller in den Print-Bereich geschafft? Und kannst du dann was über die Kriterien sagen, die ein Buch erfüllen muss, um dorthin zu gelangen?

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        • Mein Roman „Tödliche Gedanken“ ist nur als Print on Demand erhältlich und damit nicht im Katalog des Ullsteinsverlages. Das ist ein bedeutender Unterschied.

          Ich sage nicht, dass es unmöglich ist, vom Imprint- in den Print-Bereich eines Verlages zu wechseln. Gerüchteweise soll das schon gelungen sein. Konkret kenne ich nur das Gegenteil. Es ist meiner Vermutung nach mindestens genauso schwierig, wie jeder andere Weg, um bei einem Publikumsverlag unterzukommen, vielleicht sogar ein bisschen schwieriger, da man vielleicht das Etikett bekommt, „nur“ ein Imprint-Autor zu sein. Das kann ich nicht beurteilen, zumal ich denke, dass die Entwicklung auch noch offen ist. Diese Sparte ist jung und könnte sich noch weiter entwickeln. Meinem Eindruck nach blühen Imprints langsam aber stetig auf und gewinnen an Bedeutung. Aber das kann ich nicht belegen, ist nur so ein Gefühl.

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          • Verstehe und vielen Dank für die Antwort.
            Das ist für mich doch komplettes Neuland und habe ich so nicht gewusst. Dann machen die also nicht nur einen Unterschied zwischen der E-Book-Reihe und den Printbüchern, sondern auch zwischen Print und Print.
            Und wer entscheidet dann, ob es nebem dem E-Book noch ein POD gibt?
            Ja, schade und damit rückt das Angebot in der Attraktivität doch auch ein Stück weit wieder zurück. Auch wenn die Kosten, die man sich spart, auf keinen Fall zu unterschätzen sind.
            Und vielleicht auch das Renommee?
            Keine Frage, Selfpublisher sind längst aus der „Schmuddel-Ecke“ raus, doch gibt es ja immer noch diverse Hürden – örtlicher Buchhandel, diverse Verbände und Co. Ins Autorenlexikon von literaturport wird man z.B. nur aufgenommen, wenn man wenigstens zwei Print-Werke (keine Anthologien + Sachbücher) in einem Verlag vorweisen kann usw.
            Und selbst so mancher Autor und Leser macht Unterschiede.
            Aber so wie du es vorstellst, könnte ich mir vorstellen, dass man sich bei Ullstein durch dieses Gebaren erst recht als Autor 2. Klasse fühlt.

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            • Bisher war es so, dass Midnight (ich vermute auch Forever) entschieden hat, welche Autorinnen neben dem E-Book auch im PoD-Verfahren gedruckt werden. Demnächst wird jede Veröffentlichung automatisch auch als PoD-Version angeboten. Es tut sich also was.

              Ob man sich als Imprint-Autor als Autor zweiter Klasse FÜHLT, ist eine Frage der Selbstwahrnehmung, finde ich. Vielerorts wird man als solcher jedenfalls gesehen. Ich möchte ausdrücklich betonen, dass man, so wie ich das wahrnehme, von den Verlagsmitarbeiterinnen als ganz normale Midlist-Autorin behandelt wird.

              Was man bei der ganzen Sache nicht vergessen darf: Diese ganze Geschichte entwickelt sich. Sie wurde vor drei Jahren aus dem Boden gestampft und seitdem hat sich schon Einiges getan. Immerhin verschwimmen die Grenzen zwischen Imprint-Autorinnen und Autorinnen im normalen Verlagsprogramm zunehmend. Ganz verschwinden werden sie wahrscheinlich nie.

              Wie gesagt, die Sache hat Vor- und auch Nachteile. Was für jeden selbst überwiegt, muss man am Ende halt entscheiden.

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