Wie lange dauert es, ein Buch zu schreiben?

Wie lange dauert es, ein Buch zu schreiben?Ich stoße immer wieder auf die Frage, wie lange es dauert, ein Buch zu schreiben. Obwohl eine pauschale Antwort schwerfällt, kann es hilfreich sein, anderen Autorinnen mal über die Schulter zu gucken und deren Arbeitsweise mit der eigenen zu vergleichen.

Es gibt erhebliche Unterschiede in der Arbeitsweise und damit auch im Arbeitstempo von Autorinnen.

Mickey Spillane beispielsweise hat nach eigener Aussage seinen Bestseller und Krimi-Klassiker des Hard-Boiled-Genres »Ich, der Richter« an einem Wochenende geschrieben. Immerhin ein 180-Seiten-Roman. Michael Moorcock rühmt sich damit, seine meisten Romane in drei Tagen zu schreiben und hat dazu sogar ein spezielles System entwickelt.

Dem steht das berüchtigte Beispiel von George R.R. Martin gegenüber, dessen Arbeitszeit an seiner »A Game of Thrones«-Serie inzwischen zu einem Running Gag geworden ist und sogar schon besungen wird.

Der Thriller-Autor J.A. Konrath erwähnt auf seinem Blog, dass er in der Regel um die drei Monate für einen Roman von einer Länge von ca. 300-400 Seiten benötigt. Einen Zeitraum, den ich für einen routinierten Vollzeit-Autor für realistisch halte.

Hier zum Vergleich ein etwas detaillierterer Einblick in meine Arbeitsweise und die Zeit, die ich mir nehme, um einen Roman fertigzustellen. Dabei muss beachtet werden, dass ich in der Regel eine, maximal zwei Stunden am Tag zum Schreiben habe, sehr selten mehr.

  1. Phase: Brainstorming und Recherche

Ich erarbeite mir das Grundgerüst eines Romans (Worum soll es gehen? Wer ist die Hauptfigur?) manchmal aufgrund eines spontanen Einfalls. Manchmal starte ich auch ohne eine Idee und brainstorme so lange, bis mir was einfällt. So oder so – anschließend recherchiere ich eine Weile, brainstorme weiter, recherchiere, brainstorme usw. Für diese Phase setze ich mir ein Maximum von vier Wochen. Danach ist Schluss. Ganz gleich, welche Fragen noch alle offen sind. Die Erfahrung zeigt: Setze ich mir hier keine Deadline und halte ich sie nicht strickt ein, dann zieht sich diese Arbeitsphase bis in alle Ewigkeit und ich fange nie mit dem Schreiben an.

  1. Phase: Figuren erschaffen und Plotten

Beides geht Hand in Hand. Mal starte ich mit dem Plot, manchmal halte ich mich länger mit den Figuren auf. Aber es ist ein Puzzlespiel, denn Plot und Figuren beeinflussen sich gegenseitig. Im Schnitt brauche ich einen Tag, um ein Kapitel zu plotten. Ein Roman von mir hat zwischen 30-60 Kapitel. Pie mal Daumen dauert diese Phase also ein bis zwei Monate.

  1. Phase: Schreiben des ersten Entwurfs

Der erste Entwurf eines Romans hat bei mir meistens so um die 100.000 Wörter. Dank des NaNoWriMos bin ich darauf trainiert, 50.000 Wörter in einem Monat zu schaffen. Auch diese Phase dauert also in etwa zwei Monate.

  1. Phase: Erste Überarbeitung

Meisten schaffe ich es, ein Manuskript erst einmal eine Weile liegen zu lassen. In der Zeit kümmere ich mich dann um neue Projekte (Grundideen finden, Brainstorming, Recherchieren …). Dann wird es überarbeitet. Auch das dauert meisten rund ein bis zwei Monate. Das Geschreibsel eines ersten Entwurfs ist häufig so schlecht, was Details der Logik und Dramaturgie angeht, dass ich noch viel Arbeit in den zweiten Entwurf investieren muss. Häufig lösche ich hier ganze Kapitel, schreibe sie grundlegend um und/oder ersetze sie durch neue Texte. Das Manuskript, was aus dieser Phase hervorgeht, nenne ich Alpha-Entwurf.

  1. Phase: Zweite Überarbeitung

Der Alpha-Entwurf geht zu meinen Alpha-Testleserinnen. Jetzt habe ich häufig ein paar Wochen Pause von dem Text, die ich meisten ebenfalls dafür nutze, um neue Projekte zu entwickeln oder zu schreiben. Habe ich die Manuskripte zurück, ist meistens wiederum viel Überarbeitung notwendig. Ich schätze, dass ich nochmal rund ein bis zwei Monate den Alpha-Entwurf überarbeite.

  1. Phase: Dritte Überarbeitung

Nach der 6. Phase halte ich den Beta-Entwurf in den Händen, der dann zu meinen Beta-Testleserinnen geht. Auch hier habe ich wiederum eine Weile Sendepause, in denen ich am nächsten Projekt arbeite. Da die Beta-Entwürfe schon recht nahe an veröffentlichungsreifen Texten sind, ist meistens nicht mehr so viel an ihnen zu überarbeiten, nachdem ich sie zurückbekomme. In der Regel brauche ich also so um die vier Wochen, um das Manuskript dann fertigzustellen.

Fazit:

Insgesamt würde ich also schätzen, dass die reine Arbeitszeit an einem Roman zehn bis zwölf Monate beträgt, den Leerlauf, den ich habe, während ich auf das Feedback von Testleserinnen warte, nicht mitgerechnet. Wie gesagt, das bezieht sich auf eine durchschnittliche tägliche Arbeitszeit von einer Stunde. Würde ich hauptberuflich Romane schreiben, ginge es wahrscheinlich in der Hälfte der Zeit.

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13 Gedanken zu “Wie lange dauert es, ein Buch zu schreiben?

  1. Hat dies auf Lust & Laune rebloggt und kommentierte:
    Wie lange dauert es ein Buch zu schreiben? Ich habe tatsächlich drei Monate für meinen Debütroman gebraucht, bis das Manuskript einmal runter geschrieben war. Das ist jetzt allerdings exakt fünf Jahre her. So lange hat es gedauert, bis ich soweit war die Geschichte teilen zu wollen.

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    • Diese Hemmungen und leisen Zweifel kenne ich auch nur zu gut. Nicht bei meiner ersten Veröffentlichung, denn dabei handelte es sich um eine Biographie, also einen vorgegebenen, klar abgegrenzten Inhalt. Der Roman jedoch, an dem ich zurzeit arbeite, beruht auf drei Ringbüchern eines handschriftlichen Vorentwurfs, der bereits vor zwanzig Jahren entstanden ist.

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  2. Da ich mich von eher spontanen Einfällen leiten lasse, kann ich nicht pauschal sagen wie lange ich brauche. Ich schätze jedoch, dass ich pro Projekt gut 2 Jahre beschäftigt bin, wenn ich die Recherche (die bei mir übrigens mitten im Schreibprozess oder während des Korrigierens stattfindet) und die Korrektur der Probeleser mit einbeziehe. Das reine Schreiben benötigt nur 2-3 Monate. Es gibt aber auch Projekte, die ich x Jahre später wieder aufgreife und neu schreibe oder verbessere.

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    • Wie gesagt: Die Darstellung im Beitrag ist bei mir auch nur ein idealer Verlauf. Meistens dauert es etwas länger, weil Überarbeitungsphasen hinzukommen und/oder ich mich an einigen Stellen auch in der Recherche verhasple.

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  3. Ich halte 3 bis 4 Monate für einen 400-Seiten-Roman für zu knapp bemessen, man braucht mindestens ein Jahr, ein professioneller Autor beschäftigt sich vielleicht auch länger mit einem Buch und überarbeitet ihn mehr als 2 mal.

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  4. Erst einmal danke, für den Artikel und Deinen Blog im allgemeinen. Hab mich schon lange gefragt, wie der Schreibprozess anderer Autoren gegliedert ist.
    Ich gehöre eindeutig zu den langsamen Schreibern. Meine erste Geschichte, ca. 30 Seiten, hat abzüglich der Unterbrechungen etwa 2 Jahre gedauert. An meinem ersten Roman schreibe ich seit mittlerweile 8 Jahren. Es ist ein langer Lernprozess, manchmal frustrierend, immer häufiger aufbauend. Das Schreiben verläuft jetzt strukturierter, wobei ich nicht chronologisch vorgehe, sondern mir einzelne Erzählstränge vornehme. Mein größter Verhinderer ist der Perfektionismus. Irgendwann habe ich festgestellt, dass die besten Passagen im Schreibfluss entstehen. Dort hin zu kommen ist die größte Hürde. Oft grübele ich über die Formulierung eines einzelnen Satzes oder ich verstricke mich im Logikgerüst. Ich habe gelernt weiter zu machen, nicht aufzugeben, nichts zu erzwingen und meinen zugegeben beschränkten Fähigkeiten zu vertrauen. Allein dafür lohnt es sich. Vor allem glaube ich daran, trotz aller Selbstkritik, das etwas gutes entstehen wird.

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    • Perfektionismus zieht den Prozess auf jeden Fall in die Länge oder verhindert ihn. Das kenne ich auch. Für mich war es wichtig, mich erst damit auseinanderzusetzen, bevor ich mich anderen Baustellen gewidmet habe.

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    • 8 Jahren sind eindeutig zu lang für einen normal langen Roman, wenn du nicht an mehreren gleichzeitig arbeitest. Irgendwann musst du zu potte kommen.

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    • Man sagt, dass der erste Entwurf schlecht sein darf, und er auch schlecht sein wird. Unterteilen sie den Roman in 20 oder 30 Kapitel. Und schreiben jedes für sich. Erst dann schauen sie nach, wo es haken gibt. Im zweiten Entwurf können sie dann die Fehler vom ersten Entwurf vermeiden.

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  5. „Würde ich hauptberuflich Romane schreiben, ginge es wahrscheinlich in der Hälfte der Zeit.“ – Interessant.
    Ich habe für mich festgestellt, dass ich nur ein bestimmtes „Volumen“ zu geben habe; überschreite ich das, droht die kreative Erschöpfung. Hätte ich alle (Frei-)Zeit der Welt, könnte ich zwar deutlich, aber gewiss nicht um das Doppelte mehr schreiben.

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    • Beim Schreiben gebe ich dir in gewisser Weise recht. Aber zwei, drei Stunden am Tag sind da schon drin, bevor die Erschöpfung eintritt. Ist jedenfalls meine Erfahrung. Aber dann kann man immer noch vielen anderen Kram bei anderen Projekten erledigen: Brainstorming, Recherche, Figurenentwicklung, Plotten … Nicht jede Aufgabe ist ja gleich fordernd.

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    • Ist es nicht. Es sind halt rund 1600 Wörter am Tag. Mit etwas Übung geht das. Ich denke, als Vollzeitautor müsste man ungefähr das Doppelte schaffen.

      Wohlgemerkt: Das ist ein Durchschnittswert. Da gibt es Tage, an denen ich auch 5.000 Wörter schaffe, und andere, an denen mir die 800 schwerfallen.

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