Wie du 2017 endlich dein Buch schreibst

Wie du 2017 endlich dein Buch schreibstIm Prokrastrinieren bin ich sehr erfahren. Fast zwei Jahrzehnte war es einer meiner guten Vorsätze, in jedem neuen Jahr endlich einen Roman zu schreiben. Viele vielversprechende Ansätze habe ich dann am ersten Januar begonnen, die dann bestenfalls bis zum Sommer getragen haben. Wirklich beendet habe ich ein Romanprojekt erst, nachdem ich folgende Strategien umgesetzt habe:

Perfektionismus aufgeben
Von allen Dingen, die mich am meisten vom Beenden eines Manuskripts abgehalten haben, ist Perfektionismus wohl jenes, das mich am alleremeisten beschäftigte und auch heute noch immer wieder mal ausbremst.

Das Fatale am Perfektionsimus ist die Schwierigkeit, die richtige Balance zu finden zwischen »gut genug« und »perfekt«. Denn natürlich muss so ein Manuskript am Ende wirklich gut sein, was viel Arbeit und halt eben auch Gründlichkeit erfordert. Nur kann es einfach nicht perfekt sein, denn Perfektionismus ist am Ende immer eine Illusion, ein unerfüllbares Ideal, das nie erreicht werden kann und deswegen dazu geführt hat, dass ich immer wieder frustriert aufgegeben habe.

K.I.S.S.-Prinzip
K.I.S.S. steht für »Keep it short and simple«. Ein Prinzip, das mich nicht nur beim Schreiben leitet, sondern das ich als Lebensmotto verinnerlicht habe. Der einfache Weg ist vielleicht nicht immer der beste, aber dafür hat er viele Vorteile, die das Manko aufwiegen, am Ende kein Optimimum erreicht zu haben.

Zunächst einmal hilft das Prinzip, Perfektionismus zu vermeiden (s.o.). Darüber hinaus leitet es mich bei vielen Entscheidung. An nahezu jedem beliebigen Punkt – ob beim Planen, Plotten oder Schreiben eines Romans – lassen sich stets viele mögliche Alternativen wählen. Oft blähe ich dadurch, dass ich mich für zu viele Alternativen entscheide, einen Roman auf und verkompliziere ihn. Es hilft mir, das K.I.S.S.-Prinzip immer wieder ins Bewusstsein zu rufen, um überflüssigen Ballast abzuwerfen. Unnötige Details führen nur dazu, dass ich mich verzettle und damit das Ende eines Projekts aus dem Fokus verliere.

Fokussieren
Apropos Fokus. So wie ein Romanprojekt Ballast entwickeln kann, der das Schreiben immer schwerer macht, kann auch das Leben um das Schreiben herum sich verkomplizieren. Mir hat es sehr geholfen, bewusst die Entscheidung zu treffen, mich auf das Schreiben zu fokussieren und so weit wie nur irgendwie möglich den Rest meines Lebens auf dieses Ziel hin auszurichten. Ich prüfe praktisch täglich, welche Aufgaben, Ereignisse, Verabredungen usw. anstehen und sortiere knallhart alles aus, das nicht unbedingt notwendig ist und mich vom Schreiben abhält.

Mir hilft es, gleich nach dem Aufstehen morgens eine Stunde zu schreiben. Damit habe ich das, was mir wichtig ist – also das Schreiben -, automatisch im Fokus. Ganz gleich, was mich am Tag noch so alles beschäftigt – das Schreiben habe ich bereits erledigt.

Motivation managen
Lange Zeit habe ich geglaubt, Motivation käme von allein oder würde entstehen, wenn ich mich nur ausreichend diszipliniere oder was auch immer. Bis ich von dem Konzept las, Motivation als eine Ressource zu betrachten, so wie zum Beispiel Geld. Motivation ist nicht unbegrenzt verfügbar, sondern sie wird aufgebraucht, sobald man sie benutzt – es ist immer nur die Frage, wovon und in welcher Intensität.

Einer der Gründe, wieso ich Perfektionismus abgeschworen, das K.I.S.S.-Prinzip verinnerlicht habe und mich ständig hinterfrage, ob ich noch den richtigen Fokus habe, ist die Tatsache, dass ich akzeptiert habe, dass ich mich nicht unbegrenzt zu allem in meinem Leben motivieren kann. Dies hilft mir, meine Motivation für das Schreiben aufzusparen und nicht auf andere Projekte oder Tätigkeiten zu verwenden.

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18 Gedanken zu “Wie du 2017 endlich dein Buch schreibst

  1. Genau der richtige Betrag für mich. Ich nehme mir auch schon seit Jahren vor, dass nächstes Jahr endlich der erste Roman veröffentlich wird … (2016 habe ich immerhin 14 Kurzgeschichten geschafft. Und den Erstentwurf für den Roman.)

    Und zum Thema Perfektionistmus könnte ich mühelos ein Buch schreiben – dabei hat schon Salvador Dali gesagt: „Have no fear of perfection – you’ll never reach it.“

    Danke für den Beitrag und die ermutigenden Worte.

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      • Zum Thema ‚mitspielen‘ – heute nicht mehr unbedingt. Dank Self-Publishing kann ja inzwischen jeder veröffentlichen; mit mehr oder weniger grossem Aufwand. Und ich hab insgesamt vier Romanprojekte (da sind die vielen Kurz-Roman Ideen noch gar nicht mitgezählt) in unterschiedlichen Stadien des ‚Abgeschlossen-Seins‘ (am ältesten bin ich seit fast 8 Jahren). Aber danke für die Tipps 😉

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  2. Ich habe schon lange aufgegeben „Simpel“ und „einfach“ zu schreiben. Kommerziell muss ich nicht werden, so lange ich das Schriebe, was ich selber gerne lesen würde und Fantasy ist nun mal mein Ding. Aber bitte keine Klischeeunmengen. Wenn ich noch einmal einen Zwerg, Elf oder Ork in einer Fantasy-Story lese, rutscht mir beim Autor die Hand aus.
    Fantasy bietet so viele Möglichkeiten! Man kann als Leser einen Sterblichen zum Gott aufsteigen sehen, man kann Philosophische Grundelemente unserer Welt als Essenzielles Element des Universums verwenden (Bin ich real?) und so viel mehr Möglichkeiten. Aber am Ende geht es um den Zwerg Lappendemir, der einen Drachen aus einem Berg vertreiben will …

    Wer ein Buch schreiben will, sollte Simpel sein aber nicht unkreativ.

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  3. Vielen Dank für den tollen Artikel. Gerade saß ich vor meinem Erstwerk und dachte so bei mir: 2017 soll es endlich fertig werden, aber wie? Und es stimmt, Perfektionismus hält einen von vielem ab und auch die vielen kleinen Dinge im Leben. Nun versuche ich es mal auf diese Art und Weise und sortiere aus und halte es simpel 😉 DANKE – und frohes neues Jahr 😉

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  4. Ich denke, dass Perfektion durchaus ein Ziel ist. Ich mein, warum auch nicht? Wenn man schon mit der Erwartungshaltung ran geht, das man „Eh nichts perfektes“ erschaffen kann, warum dann überhaupt versuchen? Jeder Mensch kann sich verbessern und dafür brauche ich persönlich ein Ziel und das heißt halt Perfektion. Für mich ist Perfektion dann erreicht, wenn ich die für mich perfekten Elemente umgesetzt habe. Es gibt durchaus Autoren die etwas perfektes Geschafft haben: Andrzej Sapkowski ist perfekt im Beschreiben von allem. Karen Traviss ist perfekt im Stil und Frank Herbert ist perfekt im Lore-Telling. Und da ich ja weiß, was ich an diesen Elementen DIESER Autoren liebe, kann ich es auch umsetzen, meistens. Und wenn man den für mich perfekten Stil, Beschreibungen und Lore-Telling umsetze, ist das doch schon verdammt nah an Perfektion ran, und wenn man nah ran kommt, ist der Schritt zur eigenen Perfektion kein Problem mehr, denke ich. Klar, perfekt für alle wird es nie sein, weil jeder Leser unterschiedliche Präferenzen hat, aber Perfekt kann ich durchaus schreiben, denn, wenn ich es für perfekt erachte, dann ist es für mich auch perfekt.

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  5. Den Artikel finde ich sehr gut, weil er zum selbstkritischen Nachdenken anregt. Zum K.I.S.S.- Prinzip muss ich sagen, dass ich es in abgewandelter Form anwende. In der Regel schreibe ich möglichst hintereinander weg bis zum Ende. Danach kürze ich bewusst und entferne alles, das mir unnötig für den Verlauf der Geschichte erscheint – mag ein Gedanke mir auch vorher auch noch so genial erschienen sein -. und ebenfalls Passagen, die die Phantasie der Leser knebelt. Ich kürze viel.
    Als absolut perfekt habe ich noch keines meiner Bücher empfunden. Lese ich später noch einmal hinein, würde ich manches gerne ändern.
    Mein letzter Roman war ein Experiment, das mir größtenteils als gut gelungen erscheint. Aber ich sehe eine Schwäche, für die ich noch keine Lösung parat habe. Da ich nur E-Books veröffentliche, werde ich das noch ändern können, sobald die Eingebung kommt. Aber erst einmal werde ich ein neues Projekt fertigstellen.

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  6. Vielen Dank für deinen motivierenden Beitrag und alles Gute für das neue Jahr. Der Rohentwurf meines ersten Romans ist fertig, 2017 wird also bei mir das Jahr der Überarbeitung. Da hilft es schon, sich zu sagen, dass man nicht nach absoluter Perfektion streben sollte. Einfacher gesagt als getan, aber das hat mich auch wirklich schon von vielen Sachen abgehalten bzw. mich blockiert. Guter Vorsatz für 2017: nicht zu perfekt sein wollen.

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  7. Hallo Marcus,

    seit dem ich dein Blog lese, stelle ich immer wieder fest, dass das „Schreiben“ nicht nur eine Leidenschaft ist. Viel mehr hat es auch etwas mit Ehrgeiz und Disziplin zu tun.

    Ich arbeite schon seit 2013 an einem Buch, das ich immer und immer wieder abgebrochen habe, neu aufgesetzt und dann wieder abgebrochen habe. Die Charaktere haben immer zusammen gepasst, aber die Geschichte drum herum wurde immer ganz anders. Mittlerweile habe ich einen Rahmen gefunden, der mir gefällt und in den die Charaktere perfekt passen. Mittlerweile ist daraus sogar eine eigene Welt entstanden, in der ich mich heimisch fühle und mich blind zurecht finde.

    Die Ideen wachsen und die Geschichte lebt, obwohl ich gerade nicht aktiv schreibe. Daran schuld ist meine Ausbildung (die ist gerade wichtiger). Dennoch lese ich regelmäßig und denke viel über das Schreiben nach und lerne von anderen. Vor allem schreibe ich Ideen auf und arbeite zumindest gedanklich immer weiter daran. Ob es in diesem Jahr klappt? Im Sommer hätte ich ein wenig Zeit.. 🙂

    Liebe Grüße und großes Dankeschön für all die Motivation und die realistischen Darstellungen!
    Henrik

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