Warum es wichtig ist, sich nicht zu weit aus seiner Komfortzone zu bewegen

Warum es wichtig ist, sich nicht zu weit aus seiner Komfortzone zu bewegenDie Komfortzone ist ein Begriff aus der Erlebnispädagogik. Inzwischen ist er in aller Munde, denn irgendwie hat so ziemlich jeder einmal aufgeschnappt, dass es gut sein soll, seine Komfortzone zu verlassen. Doch was genau heißt das für dich als Autor?

Ich halte es ja persönlich mit meiner Komfortzone ein bisschen wie Sheldon Cooper aus The Big Bang Theory: »Es hat einen guten Grund, dass die Komfortzone so genannt wird.« Die Komfortzone besteht aus Alltäglichem, aus Routine, dem Gewohnten, der direkten Umwelt, wie ich sie mir geschaffen habe, damit ich die Welt ein wenig aussperren kann, um mich zu erholen und neue Kraft zu schöpfen. Sie ist warm und gemütlich, hier fühle ich mich sicher, geborgen und entspannt. Ich finde, das muss man zu schätzen wissen. Mir persönlich wird ein bisschen zu viel über die Komfortzone gemeckert. Sie ist besser als ihr Ruf.

Denn hinter der Komfortzone lauert die – weniger bekannte und oft verschwiegene – Panikzone. Dort lauern die Verunsicherungen, Gefahren und Unfälle. Also genau der Ort, vor dem ich mich ja so gerne in meine Komfortzone zurückziehe.

Dazwischen gibt es jedoch die sogenannte Lernzone. Und die ist wirklich erstrebenswert. Hier warten zwar Probleme und Ungewissheit auf dich. Aber bei deren Bewältigung lernst du wichtige Dinge: Du musst improvisieren, um in der Lernzone bestehen zu können. Das ist anstrengend, allerdings nicht so vernichtend wie in der Panikzone. Aber du brauchst dieses Maß an Verunsicherung, um wachsen zu können.

Der springende Punkt bei der ganzen Angelegenheit besteht nun darin, zwischen Komfortzone und Lernzone in Intervallen zu wechseln, die auf der einen Seite einen Lerneffekt bewirken, auf der anderen Seite aber weder zur Stagnation führen, weil du doch zu häufig in der Komfortzone verweilst, noch dich so stark verunsichern und verängstigen, dass du schon in die Panikzone gerätst.

Und das ist gar nicht so einfach, denn die genauen Grenzen zwischen den einzelnen Zonen sind ja bei jedem Menschen vollkommen unterschiedlich. Deswegen ist es kritisch, irgendwelche pauschalen Ratschläge zu erteilen (»Du musst unbedingt Paragliding ausprobieren. Das ist der Kick.«), um jemanden aus seiner Komfortzone zu locken. Am Ende kannst du eigentlich selbst nur entscheiden, wo deine Komfortzone genau endet, deine Lernzone beginnt und die Panikzone dich zu verschlingen droht.

Schön und gut – aber was genau bedeutet dies alles nun für dich als Autorin?

Es bedeutet, dass es gut sein kann, nicht das zu schreiben, womit du dich am wohlsten fühlst. Es kann beispielsweise heißen, nicht in dem Genre zu verharren, dass dir am nächsten liegt.

Ich bin beispielsweise mit Science Fiction groß geworden. Nach wie vor hege ich eine Schwäche für dieses Genre. Lange Zeit war ich deswegen überzeugt davon, SF schreiben zu müssen. Allerdings habe ich Jahre damit verbracht, Roman um Roman zu beginnen, ohne je mit meinen eigenen Stoffen richtig warm zu werden. Jedes Projekt verlief im Sande, weil mir zwischendurch die Motivation ausging.

Jahre habe ich mit der Selbstanalyse verbracht, ohne meine Schreibblockaden überwinden zu können, bis ich mich dazu durchrang, einfach ins Thriller-Genre zu wechseln. Nun bin ich nicht unbedingt unbeleckt, was Thriller angeht. Ich bin auch durchaus ein Freund des Genres. Aber meine Komfortzone ist nun einmal SF. Nur war es – rückblickend – für mich nicht gut, in meiner Komfortzone auch zu schreiben.

Auf der anderen Seite habe ich mich mit dem Genre Thriller auch nicht in die »Panikzone« begeben. Ich hätte ja auch, zum Beispiel, Liebesromane schreiben können. Ein Genre, von dem ich so gar keine Ahnung habe und vor dem ich  deswegen allerhöchsten Respekt habe. Hier schreiben zu müssen, würde mich tatsächlich mit Panik erfüllen und wiederum dazu führen, dass ich unter Schreibblockaden leide.

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14 Gedanken zu “Warum es wichtig ist, sich nicht zu weit aus seiner Komfortzone zu bewegen

  1. Hallo lieber Marcus, ich wünsche dir eine frohe und besinnliche Weihnacht und ein gutes, kreatives neues Jahr. Vielen Dank für deine immer sehr lesenswerten und vor allem praktischen Kommentare. Ich habe schon sehr oft davon profitieren können. Genieße die Tage zwischen den Jahren und bis bald dann ganz liebe Grüße von Rosa-Margit

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  2. Danke für Deinen Beitrag. Normalerweise war ich bisher auch immer schnell bei dem Wort „Komfortzone“ ohne es wirklich kritisch zu hinterfragen. Das mit der Lernzone gefällt mir um einiges besser.

    Vielen Dank dafür und schöne Feiertage wünsche ich Dir 🙂

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  3. Vielen Dank für diesen sehr aufschlussreichen Artikel. Ich liebe Krimis und lese sie rauf und runter, schon seit frühester Jugend. Auch SF war immer einer meiner Lieblinge, allerdings gab es da zu wenige gute Bücher, also war ich von Anfang an ein Fan von Star Trek, Captain Kirk und Co., und (fast) allem, was danach in diesem Universum folgte.

    Also wollte ich so etwas auch schreiben. Ich habe so viele Krimis gelesen, dass ich dachte, ich könnte das aus dem FF. Als ich dann aber anfing, ging es mir so wie Dir: Ich blieb stecken. Nichts brachte ich zu Ende. Krimianfänge stapelten sich zuerst in Papier, dann in Ordnern auf meinem Computer.

    Dann plötzlich schrieb ich eine Liebesszene. Ich habe nie Liebesromane gelesen. Ehrlich gesagt finde ich die wenigen, in die ich mal einen Blick geworfen habe, langweilig und platt. Und was tue ich jetzt? Ich schreibe Liebesromane. Und zwar sehr erfolgreich. 🙂

    Ich bilde mir ein, meine Liebesromane sind nicht langweilig und platt, aber das kann man selbst natürlich nie wissen. Die Leserinnen lieben sie jedoch, und das ist schon eine ziemliche Bestätigung, das muss ich zugeben.

    Immer wieder wage ich mich auch mal an einen Krimi, aber ich glaube, das ist für mich tatsächlich mittlerweile die Panikzone. Ich kann es einfach nicht. Da kann man nichts machen. So sehr ich das auch bedauere.

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  4. Lieber Marcus, dass Liebesromane in Deiner persönliche Panikzone liegen, brachte mich zum Schmunzeln, Um so lieber würde ich mal ein Liebesschmachterl aus Deiner Feder lesen 😉 Schönste Wünsche für 2017!

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  5. Was das Schreiben betrifft, so stimme ich durchaus zu. Auch ich lese sehr gerne SF und Kriminalromane, könnte sie jedoch niemals selbst befriedigend verfassen. Meine eigenen Inhalte folgen nicht wirklich einer Kategorie, auch wenn das unklug ist. Was sie verbindet, sind vielleicht gesellschaftskritische Betrachtungen verschiedener Lebensbereiche. Wobei die erste Veröffentlichung ihren Ursprung hatte in der schweren Erkrankung meiner Tochter und dem Wunsch, diese Krankheit bekannter zu machen. Dadurch hebt sie sich von den weiteren zwangsläufig ab.
    Persönlich kenne ich kaum Panikzonen. Das mag wohl zusammenhängen mit meinem Lebensverlauf, der mich mehrfach vor die Entscheidung gestellt hat, aufzugeben, zu resignieren oder von vorn zu beginnen. Mein rebellischer Kern war dabei sowohl hinderlich als auch hilfreich. Allerdings benötige auch ich bisweilen Räume zum Auftanken, um mich nicht zu verlieren.

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  6. […] die Komfortzone ist in aller Munde! Dabei gehört dieser Begriff, der ursprünglich aus der Erlebnispädagogik stammt, zu einem Trio, Komfortzone, Lernzone und Panikzone. Die Anmerkungen des Beitrags von Marcus Johanus kann ich von A bis Z unterstreichen. Hier geht es zum Artikel: https://marcusjohanus.wordpress.com/2016/12/25/warum-es-wichtig-ist-sich-nicht-zu-weit-aus-seiner-ko…. […]

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  7. Sorry, das ging zu schnell los: Ich kriege schon die Krise, wenn ich „raus aus der Komfortzone“ nur höre, weil ich damit immer „rein in die Panikzone“ verbunden habe. Irgendwie fand ich es widersinnig, mich aus der Komfortzone herauszubewegen, um meine Ziele zu erreichen, wenn die doch darin bestehen, letztlich so lange in meiner kuscheligen Komfortzone bleiben zu können, wie ich das eben möchte. Aber die „Lernzone“, die hört sich nicht gleich so an, als wollte ich mir mutwillig das Leben vermiesen, indem ich mich da hineinbegebe. Die reizt mich. Wenn ich vorher genug Zeit hatte, mich in meiner Komfortzone auszuruhen. Und es schaffe, nicht gleich in die „Panikzone“ abzurutschen. Also danke, diese Unterscheidung hilft mir sehr!

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