Das war mein #NaNoWriMo2016

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Der NaNoWriMo 2016 war persönlich für mich der härteste, den ich bisher mitgemacht habe, und gleichzeitig der entspannteste. Ein Widerspruch? Das hängt von der Perspektive ab.

Privat und hauptberuflich war der November ein katastrophaler Monat. Nie zuvor war ich auf allen Ebenen während eines NaNoWriMos so eingespannt.

Praktisch am ersten Tag des Monats gingen in meiner Familie die Krankheiten los. Mich hat es dreimal hintereinander erwischt, sodass ich im Prinzip den ganzen November krank war.

Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Ich will nicht jammern, sondern anreißen, dass im November eigentlich alles schiefging, was schiefgehen kann.

Ich habe mich mit meinem Writing Buddy Axel Hollmann zusammen spontan und spät dazu entschlossen, am NaNoWriMo teilzunehmen. Mitte Oktober, kurz vor der Frankfurter Buchmesse. Es war keine leidenschaftliche Entscheidung, sondern eher eine, die ich getroffen hatte, weil ich keine vernünftige Begründung hatte, warum ich eigentlich nicht teilnehmen sollte.

Kurz zögerte ich, denn ich wusste zwar so ungefähr, was mein nächstes Projekt, der Psychothriller mit dem Arbeitstitel »Die Liste der vergangenen Sünden« sein sollte – ich hatte allerdings noch nicht mit der Planung begonnen.

Ich entschied mich dazu, es zu probieren. Im NaNoWriMo teste ich gerne neue Dinge aus. Also würde ich nun einmal erfahren, wie es ist, mit nur wenig Vorbereitung zu schreiben.

Allerdings bemerkte ich schon nach den ersten zehn Kapiteln, dass meine sehr rudimentäre Planung nicht tragfähig war. Zu viele Details blieben unbeachtet, ich hatte nicht annähernd genug recherchiert und das eigentliche Thema erst im Verlauf des Schreibens der ersten zehn Kapitel gefunden.

Mit anderen Worten: Ja, ich habe festgestellt, es geht mit weniger Planung – irgendwie. Nein, wirklich genossen habe ich es nicht und das ist nichts, was ich ohne guten Grund wiederholen werde. Auch dafür ist der NaNoWriMo da – um zu lernen, was man nicht möchte.

Die eigentlich tolle Erfahrung, die ich trotz allem gemacht habe, und die mich wirklich umgehauen hat: Im Schnitt 1728 Wörter am Tag zu schreiben stellt für mich trotz allem, was so diesseits und jenseits des Autorenalltags dazwischen kommt, keine Hürde mehr dar. Es hat mich häufig nicht einmal eine halbe Stunde Zeit gekostet, selten wesentlich mehr.

Offensichtlich habe ich mich als Autor inzwischen so weit entwickeln, dass mein quantitatives Output sich in den letzten Jahren erhöht hat. Schreiben ist für mich viel mehr noch, als ich es geahnt hatte, zur Routine geworden. Eine tolle Erfahrung.

Ein weiterer Faktor, der dazu geführt hat, dass mir dieses Jahr das Schreiben im NaNoWriMo leicht von der Hand ging, war auch die noch viel dichtere Vernetzung mit anderen Autoren als in den Jahren zuvor. Der gegenseitige Zuspruch in den sozialen Medien und der Austausch auf nanowrimo.org war beflügelnd.

Insofern war dies also mein entspanntester NaNoWriMo. Ich gehe aus ihm mit dem guten Gefühl: Auch wenn alles andere schiefgeht – Schreiben geht immer.

Ich nehme den Enthusiasmus und die Energie, die ich im November tanken durfte, mit in den Dezember, um das Manuskript von »Die Liste der vergangenen Sünden« fertigzustellen und zu überarbeiten. Dank der vielen schönen Erfahrungen, aber auch der Härten, habe ich bereits jetzt eine besondere Bindung an das Projekt entwickelt, sodass es mir ans Herz gewachsen ist und ich schon sehr gespannt darauf bin, wie es sich entwickelt und wann und in welcher Form es das Licht der Welt erblicken wird.

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3 Antworten auf “Das war mein #NaNoWriMo2016”

  1. Eine halbe Stunde für 2000 Worte kommt mir dennoch etwas schnell vor. Das sind 400 Anschläge pro Minute. Da hätten auch manche geübte Schreiberinnen mit der Tippgeschwindigkeit allein Schwierigkeiten. Aber gut, wenn du genau weißt, was du schreiben willst und nicht einmal überlegst oder eine Formulierung änderst, geht das. Ich merke an mir selbst immer mehr, dass ich mittlerweile recht schnell draften kann, aber der Text damit natürlich nicht fertig ist, weshalb ich, alle Überarbeitungsdurchgänge zusammengerechnet, doch länger für einen fertigen Text brauche. Aber mit mehr Übung werden natürlich auch die Erstentwürfe besser.

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  2. Ich durfte mir dieses Jahr ja auch das Gewinner-Banner beim NaNoWriMo herunterladen und bin auch stolz darauf, dass ich es geschafft habe. Es war nicht immer ganz einfach, aber an manchen Tagen lief es dafür so gut, dass ich schon lange vor dem 30. November mit den 50000 Wörtern fertig war. Deshalb sind es dann zum Schluss fast doppelt so viele geworden.

    Ja, das Tippen geht dann ganz schnell. Allerdings versuche ich gleich so zu schreiben, dass ich nicht viel überarbeiten muss, weil ich Überarbeitungen hasse, aber das ist sicherlich bei jedem anders. Ist auch Erfahrungssache. Mittlerweile schreibe ich sozusagen druckfertige Texte beim ersten Versuch.

    Aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass der NaNoWriMo eine tolle Erfahrung ist. Und dass man sich – auch wenn man es erwartet hat – trotzdem über die Gewinnerurkunde freut. Dieses Jahr waren es nur ca. 11% der Beteiligten, die gewonnen haben, also da gehört man fast schon zu einem elitären Kreis. Ich denke, jeder, der es sich vornimmt, kann es schaffen, aber die Zahlen sagen etwas anderes. Was die Leistung der 11%, die es tatsächlich geschafft haben, dann doch als etwas erscheinen lässt, auf das man wirklich stolz sein kann.

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