Dein Zielpublikum zu definieren bedeutet nicht, Trends hinterzujagen

dein-zielpublikum-zu-definieren-bedeutet-nicht-trends-hinterherzujagenWer sein Zielpublikum definiert und den Roman für ideale Leserinnen optimiert, jagt nicht automatisch Trends hinterher. Immer wieder habe ich jedoch den Eindruck, dass in Diskussionen beides in einen Topf geworfen wird.

Ich halte das für falsch. Denn Trends hinterherzujagen ist tatsächlich heikel, da sie in der Regel vorbei sind, wenn dein Buch fertig ist. Das Zielpublikum zu definieren ist hingegen wichtig – nicht nur, um dein Buch möglichst gut zu verkaufen, sondern auch, um es zu verbessern.

Daran ist nichts Verwerfliches. Wenn ich einen Schlachthof besitze und meine Steaks verkaufen will, biete ich diese auch nicht einem vegetarischen Restaurant an. Ich versuche für Fleischliebhaber einfach nach meinen Möglichkeiten Steaks zu produzieren, die den Geschmack meiner (potenziellen) Kunden treffen. Das gebietet mir schon allein mein Berufsethos.

Wer einem Trend hinterherläuft, nimmt sich das Buch, das zur Zeit auf den Bestseller-Listen auf Platz 1 ist, und schreibt eine Kopie davon. Figuren, Plot, Konflikte, Cover und Sprache werden vom Vorbild so getreu wie möglich übernommen.

Das Zielpublikum zu kennen, ist etwas anderes. Um meinen Roman für einen spezifischen Typ von Leserinnen zu optimieren, musst du die Gesetzmäßigkeiten deines Genres kennen und visualisieren, wer genau innerhalb dieses Genres zu deinem Roman greifen soll:

Wie alt ist deine ideale Leserin? Womit verdient sie ihren Lebensunterhalt? Was liest sie sonst noch gerne? Was sind ihre Lesegewohnheiten? Was interessiert sie jenseits von Büchern? Was wird sie ausgerechnet an deinem Buch faszinieren?

Dazu gehört allerdings auch die Frage, worin sich dein Roman von anderen Romanen des Genres unterscheidet. Was soll also eine potenzielle Leserin dazu bewegen, ausgerechnet dein Buch zu kaufen und keinen anderen Vertreter deines Genres?

Nachdem ich den ersten Entwurf von »Tödliche Gedanken« fertiggestellt hatte, fragte ich mich, für wen dieser Roman interessant sein könnte. Ich stellte fest, dass er Ähnlichkeiten zu Dan Wells »Serienkiller«-Romanen aufwies. Also untersuchte ich deren Publikum genauer.

Ich habe mir viele Rezensionen auf Amazon, bei Buchbloggerinnen und Booktuberinnen angesehen. Gerade YouTube ist eine wunderbare Quelle, um die ideale Leserin zu definieren, da man ihnen hier fast von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen kann.

Bei meiner Recherche hatte ich zum Beispiel herausgefunden, dass meine ideale Leserin wahrscheinlich weiblich ist (was keine Überraschung ist, denn Lesen ist ein Hobby, das von Frauen dominiert wird), um die 20, gerne Thriller, aber auch Fantasy mag, Autoren wie Stephen King, Paul Cleave oder Cody McFadyen liest und Serien wie Supernatural, Smallville und Heroes oder Filme wie Final Destination oder X-Men guckt.

Ich habe noch Einiges mehr herausgefunden, aber die Liste wäre zu lang und würde den Rahmen des Artikels sprengen.

Letztendlich habe ich mich gefragt, was die Essenz aller Dinge ist, die ich herausgefunden habe und welche Elemente ich in meinem Roman bereits habe, die meinem Zielpublikum gefallen könnte, die ich noch besser darstellen oder in den Vordergrund rücken könnte, und welche mir fehlen, die ich noch hinzufügen will oder kann.

Ich habe mir aber auch überlegt, was denn das Alleinstellungsmerkmal innerhalb des Genres ist und sozusagen für die ideale Leserin den Mehrwert darstellt, mein Buch zu lesen und eben nicht den neuesten Stephen King oder Paul Cleave etc. Was unterscheidet meinen Roman wiederum von Dan Wells‘ »Ich bin kein Serienkiller«? Diese Unterscheide gilt es ebenfalls als Alleinstellungsmerkmal zu betonen, denn sonst gäbe es ja keinen Grund meinen Roman zu lesen und potenzielle Leserinnen wären besser damit beraten, einfach die Bücher von Wells erneut zu lesen.

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6 Antworten auf “Dein Zielpublikum zu definieren bedeutet nicht, Trends hinterzujagen”

  1. Hallo Marcus,
    danke für diesen sehr guten Einblick. Ich habe da noch ein paar Hausaufgaben zu machen, aber ich finde den Ansatz absolut richtig. Damit ich mein Buch auch selbst irgendwo einordnen kann und vielleicht auch jemandem erklären kann, in welche Richtung mein Roman geht.
    Amazon macht das wirklich geschickt mit seinen Empfehlungen. Wenn ich sagen könnte, „Hey, wenn dir Buch Y gefallen hat, magst du vielleicht auch meins.“, das wär doch schon ziemlich cool.
    Viele Grüße
    Erin

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  2. Hallo Marcus,

    sehr gute Zusammenfassung. Sie zeigt implizit auf, dass die Definition des Zielpublikums auf der einen, und das was ich schreiben will auf der anderen Seite, eine Gratwanderung ist.
    Wenn ich, aus eigenen Ideen heraus, ein Buch schreibe, dann ist dieses schon per Definition anders als alle anderen. Alleinstellungsmerkmal: Check.
    Mache ich mir Gedanken, wer mein Buch lesen könnte? Ja, sicher. Aber diese Gedanken sind recht generisch und orientieren sich am Inhalt des Buches und nicht in erster Linie an einer Zielgruppe. Ganz ichbezogen: Kann ich mir vorstellen, dass sich jemand außer mir für den Text interessieren könnte? Das hat eher mit dem Anspruch zu tun, entweder für mich allein oder für Publikum schreiben zu wollen.
    Wenn ich zuerst an die Zielgruppe denke, dann besteht die Möglichkeit, dass ich einem Trend hinterherschreibe. Das ist nichts Verwerfliches, sondern die Entscheidung, im Auftrag meiner Zielgruppe zu arbeiten.

    Idealerweise ist mein Buch dann fertig und wird ausgeliefert, wenn es viele Leser gibt, die bereit und willig sind, auf das von mir Geschriebene einzugehen. Wahrscheinlich trifft diese Aussage für die meisten Bestseller bisher unbekannter Autoren zu. 😉

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  3. Najaaaa… Wenn irgendein Buch halbwegs oft in deutschsprachigen Booktube-Videos auftaucht, kommt bei der Datenerhebung raus: Die Zielgruppe ist etwa Anfang/Mitte/Ende Zwanzig, weiblich, hat lange Haare, ist häufig geschminkt, sitzt vor einem Bücherregal, und die meisten heißen mit Vornamen Steffi oder Mona. Die Ausreißer lassen sich in folgende Gruppen unterteilen: a) rot oder schwarz gefärbte Kurzhaarfrisur und intellektuelle Ansprüche an Bücher, b) tatsächlich (weit) älter als Ende Zwanzig, ggf. auch kurze Haare und c) männlich, dann mit für Männer „normalem“ Aussehen. – Ja, ich übertreibe. Aber ich glaube, das sagt mehr über die Booktube-Szene aus als über das konkrete Buch.

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  4. Dann hat man aber nur eine kleine Kundschaft.
    Übrigens ist bei einem Thriller klar, dass die Leser das Genre wenigstens etwas mögen sollten, das gleiche gilt bei einer Superheldengeschichte. Man sollte das alles nur kenntlich.

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