Die 6:1-Regel motiviert, beim Schreiben am Ball zu bleiben

Die 6:1-egel motiviert, beim Schreiben am Ball zu bleiben

Ich schreibe täglich, aber nicht besonders lange jeden Tag. Wie für die meisten ist Schreiben für mich eine Nebentätigkeit. Somit kann ich maximal eine, wenn ich Glück habe zwei Stunden am Tag dafür erübrigen. Häufig sogar weniger.

Die Tatsache, kein hauptberuflicher Autor zu sein, zwingt mich dazu, täglich zu schreiben. So komme ich wenigstens auf im Schnitt sieben Stunden in der Woche. Damit bekomme ich rund 10.000 Wörter wöchentlich hin. Das läppert sich. In zwei bis drei Monaten entsteht dabei ein Romanmanuskript.

Mein Schreibmanagement funktioniert jedoch nur, weil ich mich wirklich jeden Morgen gleich nach dem Aufstehen an meinen Laptop setze und meine rund 1.500 Wörter runterreiße (oder halt eben Manuskripte mit einem ähnlichen Tempo überarbeite).

Was für mich nicht funktioniert: Mich nur dann an den Laptop zu setzen, wenn mich die Muse küsst.

Ich schreibe einfach immer, auch wenn mir nicht danach ist, wenn ich eigentlich lieber weiterschlafen, durch das Netz surfen oder mit der dampfenden Kaffeetasse in der Hand den Sonnenaufgang genießen würde.

Es gibt Tage, an denen ich aus dem Bett hüpfe und es gar nicht erwarten kann, mich an den Laptop zu setzen. An denen ich vor Ideen und Tatendrang nur so übersprudele und die Worte nur so aus mir herausfließen.

Halleluja! Diese Tage sind großartig. Gäbe es sie nicht, würde ich wohl nicht mehr schreiben.

Aber sie sind in der Minderheit. Die meisten Tage sind eher anstrengend. Und ich verlasse die Tastatur mit dem Gefühl, bestenfalls Durchschnittliches geschrieben zu haben, das noch vieler Überarbeitungsschritte bedarf, bis es lesenswert ist.

Es sind halt Pi mal Daumen sechs von sieben Tagen in der Woche, in denen Schreiben nicht unbedingt ein Vergnügen ist. 6:1.

Warum schreibe ich an den sechs Tagen, obwohl mir nicht danach ist? Warum lasse ich es nicht bei dem einen guten Tag?

Weil ich ersten im Voraus nie so genau weiß, wann denn diese Sternstunde meines Autorenalltags wirklich eintritt. Nur weil ich mich gut fühle, heißt das nicht, dass ich auch gut schreibe und umgekehrt.

Es gibt Tage, an denen ich mich an den Laptop quäle und dann doch einen entscheidenden Durchbruch schaffe. Und es gibt Tage, an denen ich vor Energie nur so strotze und trotzdem nichts Gescheites produziere. Weiß der Geier, warum das so ist.

Zweitens habe ich festgestellt, dass ich die sechs miesen Tage für den einen guten Tag brauche wie Sportlerinnen ihrTraining für den Wettkampf.

Natürlich ist auch die 6:1-»Regel« nur eine Verallgemeinerung, eine Art Durchschnittswert. Es gibt durchaus Wochen, in denen ich zwei oder drei gute Tage habe. Dafür gibt es allerdings auch Wochen, in denen ich sieben Tage lang mit meinen Texten oder Überarbeitungen nicht zufrieden bin.

Wieso ist es wichtig, dass ich mir diese 6:1-Regel immer wieder bewusst mache?

Sie motiviert mich, bzw. hilft mir, kreative Durststrecken zu akzeptieren. Sie bringt meinen inneren Kritiker zum Schweigen, hilft mir, Aufschieberitis zu bekämpfen und Schreibblockaden zu überwinden.

Im Prinzip sagt sie aus, dass es ganz normal ist, eine Menge Text zu produzieren, mit dem ich nicht zufrieden bin. Unter Sportlerinnen ist diese Einstellung ganz normal. Kaum eine Sportlerin erwartet in jedem Training eine Wettkampfleistung. Trotzdem sind auch die nicht so tollen Trainingstage ein wichtiger Baustein für die Fitness und das Erreichen der Ziele.

Ein naiver Teil in mir erwartet jedoch, dass ich jedesmal, wenn ich schreibe, unbedingt Höchstleistungen abliefern muss.

Die 6:1-Regel bringt mich dann wieder auf den Boden der Tatsachen.

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16 Antworten auf “Die 6:1-Regel motiviert, beim Schreiben am Ball zu bleiben”

  1. Dein Beitrag klingt irgendwie frustrierend.
    Mir geht es anders: Ich schreibe nur dann, wenn ich etwas im Kopf vorproduziert habe. Und wenn es „nur“ die Überleitung von einem in das nächste Kapitel ist. Das kann mitten in der Nacht sein, am frühen oder späten Morgen oder wann auch immer. Ich habe allerdings einen „kleinen“ Vorteil: Ich arbeite freiberuflich von zuhause aus, kann mich folglich fast zu jeder Zeit von meinem Arbeitsplatz entfernen und mich mit dem Laptop auf die Veranda verziehen.
    Wenn mir nichts einfällt, fange ich an, die Erbsen in meinen Manskripten zu zählen, Grammatik, Rechtschreibung, Wortwiederholungen etc. zu verfeinern und Synonyme zu finden. Da brauche ich kaum Inspiration, aber meistens fallen mir dabei ergänzende, schmückende oder weiterführende Ideen ein.

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    1. Nö, frustrierend ist das nicht. Im Gegenteil. Ich empfinde die 6:1-Regel als motivierend. Und wenn man mal ganz ehrlich ist, gibt es eigentlich keinen Bereich im Leben, in dem das großartig anders ist, oder?

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    2. Also, ich muss Pete Fritz absolut recht geben. So wie Marcus könnte ich niemals schreiben. 6:1 ja, aber 6 gute, 1 schlechte. 😀 Ich schreibe ca. 3-4x pro Woche, wenn ich Zeit habe, nicht weil ich mir ein Muss setze. Ich verfasse immer ein Expose, bevor ich beginne. Das nächste Kapitel und den weiteren Aufbau habe ich im Vorfeld im Kopf… incl. Dialoge. Ich habe überall Zettel mit Notizen herumliegen. Wenn mir nichts einfällt, überarbeite ich, oder lass es an dem Tag. Setze mich mit einem Kaffee und einer Zigarette an ein heimeliges Plätzchen, lese die letzten Kapitel durch und lass sie wirken. Dann geht’s wieder. Eine Schreibblockade habe ich daher noch nie gehabt. Die Ideen kommen dann zu den unmöglichsten Zeiten. Darum die vielen Zettelchen. Ich habe einen sehr kreativen Brotberuf, wo ich absolut flexibel, und jeden Tag „gut“ sein muss. Wäre ich das nicht, würde ich Kunden verlieren oder im Krankenhaus landen, da ich hauptsächlich Problempferde korrigiere. Also nicht ganz ungefährlich. Da kann ich mir einen Durchhänger nicht erlauben. Daher wäre die 6 : 1 Regel von Marcus für mich völlig ungewohnt. Bin aber zum Glück auch selbstständig, allerdings auswärts und mit Terminen. Also nicht ganz so ungebunden wie Pete. Darum wäre diese „Dienst nach Vorschrift“ Methode absolut nicht mein Ding. Aber so ist jeder anders, und es ist absolut interessant, die Methoden der Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen.

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  2. Seien Sie vielmals bedankt für Ihren gehaltvollen und ehrlichen Beitrag zum Thema „Schreibblockaden“. Mit einer solchen Klarheit des Gedankens ist es sicherlich möglich, die Quantität der Blockaden effektiv zu reduzieren und das Maß an Produktivität erheblich zu steigern.

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  3. Toller Beitrag. Für mich ist es anders und doch ähnlich schwierig auf meine Manuskripte hinzuarbeiten. Hauptberuflich als Texterin tätig, nimmt mich das Schreiben dort schon ein. Manchmal fehlt mir dann für „meine eigentlichen Sachen“ die Energie oder die Lust. Vielleicht sollte ich mich auch aufraffen und jeden Tag zumindest eine Stunde für meine eigenen Projekte aufwenden. Danke für den Tipp.

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  4. Was ist absolutes Muss, die 1500 Worte am Tag oder 7 Stunden in der Woche am Laptop zu sitzen. Was ist mit der Recherche und dem Drumherum des eigentlichen Schreibens? (Ich habe erst damit angefangen.) Mein Problem ist, dass ich nicht täglich schreibe , dafür aber kein Ende finde, wenn ich mal an der Kiste sitze.

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    1. Das Ende ergibt sich bei mir immer ganz von alleine, weil das wahre Leben über mich hereinbricht. 🙂

      Recherche, Figurenentwicklung, Plotten … Das gehört für mich alles dazu. Ja, ist in diesen 7 Stunden inkludiert. Ich nehme mir aber nicht wirklich viel Zeit dafür, sondern bemühe mich immer, so schnell wie möglich auch zum Schreiben zu kommen. Vieles von diesen Dingen lässt sich dann auch beim Überarbeiten erledigen.

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  5. Interessanter Artikel. Thematisch damit verwandt ist auch der neue Beitrag auf indieautor.com. Da gibt es zwar keine 6 :1 Regel, dafür aber das Credo der Regelmäßigkeit. Arbeitsdisziplin und Schreibroutine als Basis einer Professionalisierung des Schreibens.

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  6. Ich finde es sehr motivierend, dass du auch an den schlechten Tagen dein Pensum schaffst. D
    ie 10.000 pro Woche schaffe ich nur mit 2 guten Tagen an denen Zeit und Muse aufeinander treffen. Es ist ziemlich schwierig Muse und Zeit gleichzeitig zu koordinieren, aber wenn sie mal beide zu Besuch sind, ist es wunderbar und ich möchte nicht mehr aufhören zu schreiben.
    Ich versuche täglich mindestens einen Absatz zu schaffen, dabei komme ich zwar nicht immer in den richtigen Fluss, aber ich bleibe wenigstens in meiner Geschichte bis wieder ein guter Tag kommt.
    Viele Grüße
    Erin

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  7. Hallo Marcus,

    vielen Dank für diesen großartigen Artikel.

    Regelmäßigkeit ist ein extrem wichtiger Faktor für langfristigen Erfolg. Auch die vermeintlich weniger guten Tage sind wichtig, um im Stoff zu bleiben. Außerdem stellen sich nach einer längeren Pause demotivierende Gewissensbisse ein. Im schlimmsten Fall führen sie dazu, dass man vorzeitig die Flinte ins Korn wirft („Hat doch eh keinen Zweck!“). Um das zu vermeiden und das gute Gefühl zu verspüren, nach Zeit und Umständen das Mögliche zu tun, ist Dranbleiben so wichtig.

    Ich habe deinen Artikel ausgedruckt und werde ihn nun jedes Mal hervorholen, wenn mich Faulheit, Trägheit, Bequemlichkeit beschleichen.

    Viele Grüße

    Simon

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