Autorinnen sollten nicht versuchen, die Heldinnen ihrer eigenen Geschichten zu sein (Sonntagsperlen 2)

Autorinnen sollten nicht versuchen, die Heldinnen ihrer eigenen Geschichten zu sein

Kreative, künstlerische Tätigkeiten werden meistens zuallererst aus einem egoistischen Bedürfnis ergriffen. Das Aufgehen in der Kreativität, das Versinken in einer eigenen Welt, der dadurch entstehende Flow sind erfüllende Erlebnisse. Manchmal geht das so weit, dass du als Autorin die Heldin des Romans zu deinem Avatar in der Romanwelt machst, um Wunschträume und Sehnsüchte auszuleben. Das ist verständlich – und bis zu einem gewissen Grad sogar notwendig – aber problematisch.

Die Alter-Ego-Falle

Autorinnen tappen beim Schreiben gelegentlich in die Alter-Ego-Falle.

Damit meine ich, dass Autorinnen sich mehr oder weniger selbst als Heldin in die Romanhandlung schreiben. Wie in einem Computerspiel erlebt dann die Hauptfigur an deiner Stelle Abenteuer, die dir im Alltag verwehrt bleiben.

Ein typischer Alter-Ego-Held ist für mich James Bond, der nicht nur die absurdesten Abenteuer erlebt, sondern dabei auch nahezu unverwundbar ist, die tollsten Frauen mit einem Zwinkern ins Bett bekommt und dem bei alledem nicht einmal die Frisur verrutscht.

Hier hat Ian Fleming seine Wunschträume und ein überhöhtes Spiegelbild seines Selbst in eine abenteuerliche Umgebung gepflanzt, um Dinge auszuleben, die ihm in der Wirklichkeit verwehrt blieben. (Dass James Bond als Figur trotzdem funktioniert und viel Erfolg hat, liegt meiner Meinung nach zum einen daran, dass trotz allem viel Biografisches in der Figur liegt, was ihr Authentizität verleiht, und dass einfach viele die Wunschträume Flemings teilen und sich deswegen von diese Figur angesprochen fühlen.)

»Schreibe, was du kennst« vs. Die Alter-Ego-Falle

Einer der fatalsten Tipps aus diversen Büchern oder Seminaren zum kreativen und dramatischen Schreiben ist die Empfehlung, über Dinge zu schreiben, die du gut kennst.

Eigentlich ist der Tipp natürlich gut, wenn es um Authentizität geht. Warum solltest du einen Roman schreiben, der auf Hawaii spielt, wenn du dort noch nie warst und jeder Hawaiiurlauber ihn dir mit Fug und Recht um die Ohren schlagen wird?

»Schreibe, was du kennst« wird jedoch dann fatal, wenn du nur noch über dich schreibst. Und eben dazu verleitet der Tipp gerade Erstautorinnen. Wählst du für deinen Roman ein Thema und eine Hauptfigur, die zu nahe an deinem eigenen Leben sind, kann es dazu kommen, dass du nur noch über dich und nicht mehr für die Leserinnen schreibst.

So ganz kommst du nicht drum herum, in deinem Roman auch von dir zu schreiben. Dazu ist Schreiben einfach eine zu persönliche Sache. Legst du nicht eine gehörige Portion deiner Persönlichkeit hinein, besteht die Gefahr, dass alles, was du schreibst, oberflächlich und damit leidenschaftslos bleibt, was wiederum ebenfalls für Leserinnen uninteressant ist.

Ein schmaler Grat

Autorinnen tänzeln also beim Schreiben permanent um eine dünne, rote Linie herum, die  »Schreibe, was du kennst« und die Alter-Ego-Falle voneinander trennt. Wo genau die Grenze liegt und wann du sie zum Nachteil der Leserinnen überschreitest, können am Ende nur unabhängige Testleserinnen entscheiden.

Ein paar Techniken gibt es meiner Ansicht nach jedoch schon, mit denen du jedenfalls versuchen kannst, die Alter-Ego-Falle zu vermeiden:

  • Lass deine Heldin durch die Hölle gehen: Es ist ohnehin empfehlenswert, die Heldin deiner Geschichte leiden zu lassen. Denn dadurch erzeugst du Spannung. Außerdem kann es dann dazu kommen, dass du dich innerlich von der Hauptfigur distanzierst.
  • Schreibe nicht, was du kennst, sondern schreibe, was dich interessiert: Ein kleiner aber feiner Unterschied. Über etwas zu schreiben, was du bereits gut kennst, erspart dir zwar die Recherche und erhöht die Authentizität deines Romans, lässt dich aber unter Umständen auch zu leicht in die Alter-Ego-Falle tappen. Musst du erst für ein Thema oder Setting recherchieren, betrachtest du es von außen. Das verhindert, dass du dich zu sehr damit identifizierst. Trotzdem sollte der Gegenstand der Recherche etwas sein, das dich leidenschaftlich interessiert, sonst besteht die Gefahr, dass der Funke zur Leserin nicht überspringen kann.
  • Wechsle das Geschlecht: Als Frau eine männliche Hauptfigur zu wählen oder umgekehrt, kann schon genug Perspektivwechsel bedeuten, um der Alter-Ego-Falle zu entkommen. Andererseits ist es ganz schön schwierig, vom anderen Geschlecht zu schreiben. Hier lauern wiederum Klischee-Fallen. Unbedingt von entsprechenden Testleser(inne)n prüfen lassen!
  • Wähle eine fremde Leidenschaft: Verpasse deiner Hauptfigur eine Leidenschaft, die du nicht teilst. Bist du Hamburger-Liebhaber, mache sie zur Vegetarierin. Bist du Nichtraucherin, lasse deine Heldin quarzen wie ein Schlot. Entdecke das Eigene im Fremden und die Freude am Gegensatz. Wenn dir das gut gelingt, besteht die Chance, dass deine Leserinnen das ebenfalls in deiner Geschichte können.
  • Lies Biografien, am besten Autobiografien: Die Lektüre fremder Biografien, die nichts mit der eigenen Familie, am besten auch mit der eigenen Lebenswelt zu tun haben, kann beträchtlich den Horizont erweitern. Ein gutes Training für das Schreiben fiktiver Biografien von Romanfiguren.
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43 Gedanken zu “Autorinnen sollten nicht versuchen, die Heldinnen ihrer eigenen Geschichten zu sein (Sonntagsperlen 2)

  1. Gerade der James Bond Ian Flemings, also der Buch-Bond, ist hier wohl eher das falsche Beispiel, zumal dessen Inspiration weniger in Fleming selbst, als vielmehr anderen realen Geheimagenten wie bspw. Patrick Dalzel-Job, Sidney Reilly oder auch (und gerade) Edward Yeo-Thomas liegt.
    Die Beschreibung

    „(…) James Bond, der nicht nur die absurdesten Abenteuer erlebt, sondern dabei auch nahezu unverwundbar ist, die tollsten Frauen mit einem Zwinkern ins Bett bekommt und dem bei alledem nicht einmal die Frisur verrutscht.“

    paßt da deutlich mehr auf den Film-Bond, insbesondere aus der Zeit vor Daniel Craig. 😉

    Eine literarisch geeignetere „Mary Sue“ wäre wohl Bella Swan aus der Twilight-Serie. Oder auch Hermine Granger (Harry Potter).

    Ansonsten aber: wie immer lesens- und nachdenkenswert, bitte weiter so und frohes litererisches schaffen

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  2. Dank Goo.gle Earth und Goo.gle Streetview, und der Tante Goo.gle überhaupt ist es mittlerweile gar nicht mehr so schwer, die Handlung an Orten spielen zu lassen, an denen man in Wahrheit noch nie gewesen ist. 😉
    Schreibt man denn nicht immer quasi über sich? Also, ich finde schon, denn all die Charaktere, die ich schaffe, egal ob gut oder böse, sind im Grunde genommen schon irgendwie Facetten von mir, oder von Menschen aus meinem Umfeld. 😉

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  3. Ein sehr schöner Artikel! Ich habe als Lektorin und Testleserin schon qualvolle Erfahrungen mit Autoren gemacht, die ihren Figuren autobiografische Züge verliehen haben, ohne ein Wort darüber zu verlieren … und wenn man dann bekrittelte, dass die Figur inkonsistent oder gar schwach ist, liefen sie Amok 🙂

    Kleiner Hinweis am Rande, ich war am Anfang höllisch verwirrt über die „Autorinnen“ – das liest sich so, als würden nur weibliche Schreiber diesen Fehler machen, und nicht männliche. Aber dann kam ja Fleming als Beispiel und ich wusste, das konnte nicht gemeint sein. Wahrscheinlich waren „AutorInnen“ gemeint? Ja, ist kleinlich, aber eben doch ein Unterschied. Nicht, dass da jemand beim schnellen Lesen den Artikel falsch deutet und sich auf die Füße getreten fühlt.

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    • Ich finde gerade diese Form AutorInnen entsetzlich. Sehr künstlich und in der Sprache einfach nicht vorgesehen. Schon seltsam. Hätte ich die männliche Form benutzt, hätten sich männliche und weibliche Autoren gleichermaßen angesprochen gefühlt. Ich meine natürlich auch beiderlei Geschlechter.

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      • Hab die Erklärungen dazu gelesen – was es nicht alles an Diskussionen geben kann 😉

        „AutorInnen“ ist ja auch nur eine Übergangsform, bis etwas Besseres hoffentlich gefunden wird – nach wie vor ist das Sprachgefühl der Autoren einfach nur darauf ausgerichtet, dass bei „Autorinnen“ die Gruppe rein sprachlicher Schreiber gemeint sind. Während die Autoren ursprünglich rein männlich waren, der Begriff sich dann aber mental entwickelt hat (weswegen es immer noch fragwürdig ist, warum das Männliche alle einschließt, aber das haben wir Leser uns nicht ausgesucht – das ist Sprachgeschichte).

        Sprache und Schreibe verändert sich kontinuierlich, wie ich als Studentin der Linguistik weiß. Wenn genügend Leute „AutorInnen“ nutzen, ist das Auge in zwanzig Jahren irgendwann so daran gewöhnt, dass es den Leuten nicht mehr als seltsam und sprachwidrig erscheint.

        Wobei man natürlich auch den anderen Weg gehen kann und versuchen, Autorinnen neu zu definieren – ich bin gespannt, was sich am Ende durchsetzt.

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  4. Ähm, im Kern stimmt der Artikel natürlich bzw. sind die Tipps handwerklich bestimmt richtig, aber der Artikel liest sich so als wäre das nur ein Problem von AutorINNEN, was eindeutig nicht stimmt. Das genannte Beispiel von Fleming und James Bond ist da schon vermutlich der beste Gegenbeweis. (Und im Übrigen lässt sich je nach Geschmack auch darüber streiten, ob JB besser funktioniert als das Alter Ego einer weiblichen Autorin. ;))
    Das ist eine Falle, in die man allgemein am Anfang beim Schreiben sehr leicht tappt, ich wüsste jetzt nicht, warum Autorinnen da jetzt gefährdeter sein sollten als ihre männlichen Kollegen.

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      • Danke für die Klarstellung, mit der Erklärung macht das deutlich mehr Sinn, auch wenn das mit der rein weiblichen Form für beide Formen in einem vermutlich eine ungewöhnliche Wahl ist. (Wobei es genau genommen wirklich wie du schreibst eine sprachlich schon wieder interessante Paradoxie ist, dass ich bzw. offenbar auch noch andere den Kommentaren nach bei „Autoren“ an Männer und Frauen denke, aber bei „Autorinnen“ nur an Frauen :))

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          • Ungewöhnlich ist sicher nicht schlecht, allerdings wirst du so automatisch immer die Sexismus-Debatte führen (müssen), gerade bei neuen Lesern, schließlich geht diese Wortwahl eben doch ein wenig an der Realität der Bedeutung bzw. wie diese Wortwahl wahrgenommen wird, vorbei. Spannend, wenn du das in Kauf nimmst oder aus sozusagen idealistischen Gründen tun möchtest, aber vielleicht unterm Strich auch eine recht kontroverse Entscheidung. (Wobei natürlich immer gilt: Your blog, your party.)

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  5. Den Artikel hast du ja 2013 schon mal gepostet, die Aussagem stimmen da auch noch nach 3 Jahren und es sind gute Tipps enthalten zur Vermeidung. Nun aber ist aus jedem „Autor“ und „Leser“ eben „Autorin“ und „Leserin“ geworden. Warum?
    Ich würde ganz lieb um Korrektur bitten, sodass Frauen UND Männer eingeschlossen sind, sonst liest sich ein guter Artikel als gegen Frauen gerichtet. Wenn das so gemeint war, dann natürlich nicht ändern, dann ist das eben deine Meinung.

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    • Dieser Artikel richtet sich natürlich keineswegs gegen Frauen oder speziell weibliche Autoren.

      Ich benutze seit einiger Zeit konsequent in meinen Artikeln die weibliche Form. Ich hab mir da lange Gedanken drüber gemacht: Nur die männliche Form zu benutzen und dann davon ausgehen, dass sich alle angesprochen fühlen, finde ich eigentlich sexistisch. Sprachliche Fähigkeiten Formen wie AutorInnen oder so geht gegen mein Sprachgefühl. Also habe ich mich dazu entschlossen, einfach konsequent die weibliche Form zu benutzen und damit halt Autoren und Autorinnen zu meinen. Umgekehrt ist das ja selbstverständlich. Irgendwie spannend, dass es andersherum offensichtlich ein Thema ist.

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      • Danke für deine Erklärung, habe ich mir auch schon gedacht, dass du das so meinst. Allerdings fehlte mir zumindest eine Eklärung und ich persönlich hätte keine Freude daran, wenn meine Leser derart einhaken müssen und dadurch der Fokus der Diskussion vom Inhalt des Textes verschoben wird auf Wortgruppen. Wenn du mit derlei Diskussionen leben kannst, die das Grundthema nur am Rande behandeln und einen neuen Schauplatz eröffnen, ist das ja in Ordnung. Andererseits bringen das ja auch Aufmerksamkeit und Klicks, das ist ja nicht verkehrt und für einen Blogger durchaus wünschenswert.

        Grundsätzlich finde ich es schwierig, wie du in Zukunft abgrenzen willst, wenn du gezielt über weibliche Autoren (oder andere Personengruppen) schreibst. Wie bezeichnest du die dann? „Ausschließlich weibliche Autorinnen/Urlauberinnen/Leserinnen/Käuferinnen“?
        Und warum ist „Autorinnen“ weniger „sexistisch“ als „Autoren“ (im Übrigen ist dann „Hawaiiurlauber“ dann noch „sexistisch“)? Das habe ich nicht ganz verstanden 🙂

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        • Ich kann mir noch nicht vorstellen, bei den Themen, über die ich hier schreibe, irgendwann speziell nur etwas für Frauen oder Männer zu schreiben. Von daher mache ich mir da Gedanken drüber, falls sich das Problem mal stellen sollte, was ich aber nicht glaube. Mal abgesehen davon, dass es das Problem im umgekehrten Fall ja auch gäbe.

          Ich schreibe so schon seit einigen Monaten. Erstaunlich, dass es jetzt auffällt und zum Thema wird. Ich habe damit nicht gerechnet.

          Ich fürchte, man kann der Sexismus-Fälle nie entkommen. An anderer Stelle würden sich andere Frauen vielleicht darüber beschweren, dass ich nur von männlichen Autoren schreibe, wenn ich anders formuliere. Dann halt lieber so rum.

          Ich werde auf keinen Fall Schreibweisen wie Autor_innen oder AutorInnen etc. verwenden. Ich bin ja Autor und als solcher sprachgewandt. Solche sprachlichen Formen empfinde ich als aufgesetzt, gestelzt und furchtbar umständlich.

          Dann werde ich im Zweifelsfall lieber missverstanden.

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          • Ehrlich gesagt wundert mich gerade bei deiner Sprachgewandtheit diese merkwürdige Lösung, die dann auch nur inkonsquent durchgeführt wird. Deswegen war ich so erstaunt und habe mich hier gemeldet 🙂 Aber es ist dein Weg, dein Blog, das ist natürlich deine Entscheidung.

            Leider habe ich auf meine Frage keine Erklärung bekommen, warum „Autorin“ weniger „sexistisch“ ist als „Autor“. Da tappe ich weiter im Dunklen. Vielleicht komme ich irgendwann selber drauf. Im Umkehrschluss muss ich jetzt nämlich überlegen, ob ich nun sexistisch bin, wenn ich von „Autoren“ und nicht von „Autorinnen“ spreche. Da bislang aber von niemandem der Vorwurf kam und ich, ebenso wie du, jetzt nur einfach andersherum, sage „‚Autoren‘ ist für mich nicht sexistisch“, wird das wohl schon passen. Da hätte mich jetzt deine Erläuterung zu interessiert, weil ich sehen wollte, wie ich das dann auf meine Sicht anwenden kann. Man lernt ja nie aus und ich freue mich immer über neue Anregungen.

            Aber zumindest weiß ich jetzt, wie ich deinen Blog lesen muss, daher danke für die Erläuterung 🙂

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            • Ich habe mich im letzten Kommentar offensichtlich nicht klar ausgedrückt:

              Du hast recht: Beides ist im Prinzip sexistisch. Aber Sexismus steckt ja nicht in den Wörtern drin, sondern in dem, was wir mit Ihnen verbinden.

              Ich mache mir über solche Themen halt spätestens genauer Gedanken, seine ich Vater einer Tochter bin. Natürlich möchte ich, dass sie in einer Gesellschaft aufwacht, in der sie unabhängig von ihrem Geschlecht alle Chancen hat und jegliche Tätigkeit ausüben kann, ohne dafür Nachteile in Kauf nehmen zu müssen.

              Ich finde es einfach seltsam: Die Buchwelt ist von Frauen dominiert. Die allermeisten Leser sind weiblich, die meisten Menschen, die in der Buchbranche arbeiten und die meisten Autoren sind ebenfalls weiblich.

              Trotzdem spricht man von Autoren, Lesern und Lektoren etc. Ich finde das seltsam.

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      • Autoren ist die Mehrzahl für Männer und Frauen, Autorinnen nur für die Frauen. Wahrscheinlich sollten wir alle wieder das Wort die Autoren benutzen.

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        • @ Steffi und Engel:
          Wieso ist eine Lösung „merkwürdig“ oder sollte abgeschafft werden, nur weil sie ungebräuchlich ist oder – oh, bewahre – nicht im Duden steht?

          Tut es jemandem weh, sich an zwei/drei Buchstaben mehr zu gewöhnen? Oh mein Gott! Eine Veränderung! Wie schrecklich!

          Ich sehe das als Kleinigkeit. So wie „hallo“ sagen. Oder ein Lächeln. Ganz einfach. Tut nicht weh. Allerdings scheinen viele Leute nach dem Prinzip zu denken: „Oh mein Gott, sie hat mich angelächelt. Und jetzt will sie, dass ich zurücklächele, oder was? Frechheit!“

          Ich finde es überhaupt interessant, dass die weibliche Form in den Kommentaren so ein Thema ist. Soviel ich sehe, macht Marcus das schon eine Weile. Und ich kenne das als gängige Form auch von vielen anderen Texten, auch im Englischen übrigens, wo man von she/her spricht, einfach, um nach den Jahrhunderten der Einseitigkeit das Gleichgewicht wieder etwas geradezurücken. Viele englischsprachige Ratgeber, die ich in gedruckter (!) Form zuhause habe, sind so geschrieben. Es spricht Bände, dass das anscheinend im Deutschen – im ach so fortschrittlichen Internet! – noch nicht gebräuchlich ist.

          Und den Einwand, dass durch die weibliche Form die Einseitigkeit ja einfach nur herumgedreht wird, finde ich mau. Mittlerweile sollte klipp und klar sein, dass wir in einer sogenannten „Male Privilege-Gesellschaft“ leben. Betritt ein Mann dem Raum, wird ihm eine andere Art von Aufmerksamkeit zuteil. Sein Wort hat im Zweifel, aufgrund von Sozialisation, Erziehung und kulturellen Prioritäten, mehr Gewicht als das von Frauen. Das ist leider so. Man kann darüber nur noch schlecht streiten. Aktuelle Beispiele sind der Shitstorm zum neuen „Ghostbusters“-Film und die Tatsache, dass Frauen im Boxen bei den Olympischen Spielen erstmals im Jahr 2012 (!) zugelassen wurden.

          Es gilt auf jeden Fall, einen Standpunkt einzunehmen, der sich an den Realitäten der Gesellschaft orientiert. Und da ist die Sprache das wirksame Mittel der Utopie!

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  6. Hm, für mich ist der heute neu aufgelegte Beitrag nichts. „Schreibe, was du kennst“ ist für mich einer der wichtigsten Schreibregeln überhaupt. Denn er steht ja nicht alleine. Er steht neben so wichtigen Tipps wie „im Roman ist die Handlung überspitzt und es gibt keine Weichzeichner-Entscheidungsmomente für die Hauptfigur.“ Hüh und hott entfällt, es knallt. Das passiert im wahren Leben nicht, die Unsicherheiten treten bei uns Menschen immer in den Vordergrund. Soll ich, soll ich nicht? Unterhaltungsliteratur würde man mit so einem Entscheidungsdurcheinander die Spannung nehmen.

    Und der alleinige Blick von außen? Der würde mir persönlich die Freude an Geschichten nehmen. Erst wenn ich Situationen von innen auch kenne, kann ich über sie schreiben, finde ich. Wobei kennen nicht heißt, selbst erlebt haben, sondern informiert sein. Im Detail. Und die Regel: „Zeige die Situation, lass nicht drüber reden“, funktioniert über die Innensicht auch am besten.

    Soviel für heute von einer Autorenkollegin, die die Wörter Autor, Texter, Lehrer, Schüler, Student und viele mehr als neutrale Bezeichnungen sieht und zudem erstaunlicherweise am liebsten Krimis und Thriller von weiblichen Autoren liest. Warum das so ist, darüber grüble ich schon länger.

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  7. Jede Hauptfigur hat einen winzigen Bestandteil von mir. Das kann zum Beispiel eine Vorliebe, ein Hobby oder eine Macke sein. Ich brauche diese winzige Gemeinsamkeit, damit mir mein Held nicht unsympathisch erscheint. Manchmal haben meine Hauptfiguren auch Vorlieben, die ich nicht mag, aber mit denen ich mich sehr gut auskenne. Der Rest ist frei ausgedacht und nicht in meinem Bekanntenkreis zu finden. Schließlich will ich niemandem auf den Schlips treten 😉

    Sag mal was ist mit dem Blogdesign passiert? Auf dem Firefox am PC sehe ich nur einen winzigen Streifen Text, der gerade mal ein Viertel des Bildschirms ausmacht. Im WordPress Reader ist alles super…

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  8. „Wechsle das Geschlecht“ – finde ich persönlich total schwierig (das eine liegt einem das andere eben nicht so…). Wobei ich den Gedanken gut finde und wie ich gerade feststellen durfte, ist dieser „Rollentausch“ für Dich als Autor auch kein Problem. Ich war anfangs doch sehr neugierig, ob Dir dies bei Patricia gelungen ist. Und ob!!! 😀

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  9. Die Idee mit den „Autorinnen“ gefällt mir. Ich las erst heute wieder zu einem Blogartikel, dass die männliche Form gewählt würde, weil die weibliche zu explizit sei, und sich bei der männlichen Form eben alle ausnahmslos angesprochen fühlten. Ich persönlich finde das spezielle Lesegefühl interessant, dass sich beim Lesen eines Textes ergibt, der die weibliche Form verwendet. Man gerät ein wenig über die gewöhnlichen Grenzen hinaus.
    Was das Thema des Artikels angeht, kann ich nur beipflichten. Sicher kann man auch sich selbst zum Thema machen (wie Karl Ove Knausgård zum Beispiel), und damit Erfolg haben. Aber es dürfte Anfängern schwer fallen, zu entscheiden, ab wann sie ihre Leser zu langweilen beginnen, weil sie nicht genug Abstand zwischen sich selbst und ihre Figur legen können.

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