Grundideen müssen einen emotionalen Eindruck bei dir hinterlassen, damit sie zu spannenden Romanen werden können

Grundideen müssen einen emotionalen Eindruck bei dir hinterlassen, damit sie zu spannenden Romanen werden könnenHäufig wird in Schreibratgebern der Tipp gegeben, über das zu schreiben, was du kennst. Oft ist es aber so, dass gerade die Dinge, die uns neugierig machen und die wir erforschen wollen, mit starken Emotionen verknüpft sind und weniger die Themen, die wir bereits gut kennen. Im Zweifelsfall ist es also besser, über etwas zu schreiben, womit du selbst starke Gefühle verbindest, als über etwas, das du kennst.

Wenn dich deine Grundidee neugierig macht und bewegt, dann ist das zwar noch lange keine Garantie dafür, dass dieser Funke auch auf deine Leserinnen überspringt. Wenn du allerdings selbst nicht Feuer und Flamme für deine Grundidee bist, wird dir das mit großer Wahrscheinlichkeit erst recht nicht gelingen.

Selbst begeistert zu sein, ist allerdings nur die halbe Miete, wenn du es mit dem Schreiben ernst meinst. Du willst ja nicht nur hoffen oder erahnen, dass du deine Leserin packst, sondern alles Mögliche tun, damit das gelingt.

Dafür gibt es keine Garantie – aber es gibt drei Zutaten, mit denen du deine Grundidee aufpolieren kannst, damit sie eine möglichst große emotionale Wirkung auf möglichst viele (oder besser: dir richtigen) Leserinnen ausübt.

Die Grundidee muss das Außergewöhnliche mit dem Alltäglichen kombinieren und Konflikte versprechen.

Das Außergewöhnliche kann sich auf der Plotebene oder bei der Wahl des Themas oder des Settings abspielen. Sebastian Fitzeks »Passagier 23« zum Beispiel besticht, weil der Roman an Bord eines Kreuzfahrtschiffes spielt. Eine ansonsten recht übliche Thriller-Handlung, erfährt durch dieses Setting neue Wendungen und einen neuen Glanz.

Das Alltägliche in »Passagier 23« ist die Familienthematik, die in so ziemliche jedem Roman von Fitzek zentral ist. Ein kluger Schachzug, von Fitzek, es zum Prinzip zu machen, Familiengeschichten (im weiteren Sinne) und Thriller zu kombinieren. Denn eine Familie hat ja jeder und auch jeder verbindet mit seiner Familie Emotionen, die bei dem Thema sofort geweckt werden.

Der Konflikt, der in »Passagier 23« versprochen wird, entfaltet sich um den Dreh- und Angelpunkt, dass ein Kreuzfahrtschiff ein rechtsfreier Raum ist. Vermissten- und Mordgeschichten sind im Thriller-Genre nichts Besonderes. Vermisste und Morde auf einem Kreuzfahrtschiff ohne Polizei weit und breit – das verspricht eine Menge ungewöhnlicher Konflikte.

Ob dein Konzept wie Sebastian Kitzeks Grundidee zu »Passagier 23« das Zeug dazu hat, nicht nur dich, sondern auch Agenten, Lektoren und vor allem deine Leserinnen zu begeistern, kannst du anhand folgender Checkliste prüfen:

  1. Was ist der aufregende Dreh- und Angelpunkt deiner Geschichte?
  2. Was ist das Schlimmste, das deiner Hauptfigur passiert?
  3. Welcher zentrale Konflikt zwischen den Figuren sorgt für Spannung?
  4. Welcher zentrale Konflikt zwischen den Figuren und dem Setting sorgt für Spannung?
  5. Welche originelle Idee kann deine Grundidee aufpeppen?
  6. Mit welcher überraschenden Wendung kannst du die Genrekonventionen deiner Grundidee auf den Kopf stellen?
  7. Was ist das interessante erregende Moment deiner Geschichte?
  8. Wie hältst du deine Figuren im Schmelztiegel der Ereignisse?
  9. Welchen Blick hinter die Kulissen deines Settings gewährst du deinen Leserinnen?
  10. Befindet sich deine Hauptfigur in einem Dilemma?

Wie du vielleicht merkst, empfiehlt es sich, deine Grundidee, die dich ursprünglich zum Schreiben gebracht hat – oder bringen soll – nicht einfach so zu lassen, wie sie dir als erstes in den Kopf gekommen ist.

Auch Grundideen sollten überarbeitet und ausgefeilt werden. Denn je solider, soll heißen, emotional packender deine Grundidee ist, desto packender wird natürlich auch dein Roman.

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4 Antworten auf “Grundideen müssen einen emotionalen Eindruck bei dir hinterlassen, damit sie zu spannenden Romanen werden können”

  1. Besonders am Schluss ein sehr wichtiger Hinweis. Es lohnt sich sehr schon die Grundidee zu überarbeiten, kann man doch einen Roman, der auf einer laschen Grundidee basiert hinterher nur noch mit sehr viel Mühe aufpolieren (und dann ist er wahrscheinlich immer noch nicht gut.)

    Das spricht dann wohl wieder für mehr Planung…

    Ein schönes Wochenende

    Martin

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  2. Auch ich möchte mich für diesen Artikel bedanken. Die Fragen, die man an seine Idee stellen sollte, finde ich sehr gelungen und habe sie gleich in mein Notizbuch aufgenommen. Der Artikel ist wirklich wieder sehr hilfreich. Vielen Dank dafür!
    J. S. Ann

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