Ein spannender Titel für deinen Roman beflügelt deine Motivation

Ein spannender Titel für deinen Roman beflügelt deine MotivationMöglichkeit A: »Was schreibst du denn?«

»Nen Krimi mit einer FBI-Eimittlerin, die noch in Ausbildung ist und sich von einem Psychopathen beraten lässt, damit sie einen Serienkiller fangen kann.»

Möglichkeit B: »Ich habe gehört, du schreibst einen Roman?«

»Ja. ›Das Schweigen der Lämmer‹. Einen Thriller.«

Ein spannender Titel für dein Romanprojekt ist wichtig. Und zwar nicht erst, wenn der Roman veröffentlicht wird oder du ihn einer Agentur anbieten willst – sondern schon bevor du dein Manuskript schreibst.

Eine Romanidee ist zunächst einmal eine ziemlich abstrakte Sache. Alles, was ihr eine konkretere Form verleiht, lässt sie auch für dich realer werden. Je mehr Mühe du dir damit gibst, einen spannenden Titel schon zu Beginn deines Romanprojekts zu finden, desto motivierter kannst du dich an die Arbeit machen. Desto weniger hast du den Eindruck, ein unwirkliches Etwas zu produzieren und desto mehr visualisierst du die Arbeit an einem Buch.

Auch nicht unwichtig: Du kannst mit anderen über dein Manuskript sprechen und potenzielle Leser auf dein Projekt neugierig machen. Also: Je früher du damit beginnst, einen spannenden Titel für deinen Roman zu kreieren, desto besser.

Ja, häufig werden diese »Arbeitstitel« dann von Agenturen und/oder Verlagen noch einmal geändert. Manchmal aber auch nicht. Ob und wie sie geändert werden, kann auch davon abhängen, wie gut der Arbeitstitel schon zu deinem Projekt passt und wie markttauglich er ist.

Selbst wenn der Titel später noch geändert wird – das kann auch aus vielen andere Gründen geschehen, die nichts damit zutun haben müssen, dass dein Titel schlecht ist -, kann ein gut gewählter Titel die Chancen deines Romanmanuskripts auf einen Verlagsvertrag erhöhen.

Aber wie findest du einen tollen Titel? Manchmal kommt die Inspiration ganz von allein. Vielleicht hast du den Titel sogar als erstes im Kopf? Manchmal will dir nichts einfallen? Hier ein paar Denkanstöße

Genre

Ein Titel kann einen Hinweis auf das Genre geben. Phillip Petersons »Paradox« weist schon in Richtung SF. Bei Robert Blochs »Psycho« ist auch schon ziemlich deutlich, um welches Genre es sich handelt. »Küsse im Blitzlichtgewitter« von Tanja Neise lässt auch keinen Zweifel daran, dass es hier um einen Liebesroman geht, der im Prominentenmilieu spielt.

wichtiger Gegenstand

Ein bisschen aus der Mode gekommen ist der Titel, der einen Gegenstand aus deinem Roman in den Mittelpunkt stellt, wie es bei vielen Kriminalromanen der Fall ist: »Der Malteser Falke« von Hammett ist ein populäres Beispiel. Follets »Der Zwilling« oder Crichtons »Jurassic Park« (genau genommen keine Gegenstände, sondern Personen bzw. Orte – du weißt trotzdem, worauf ich hinauswill) sind weitere Beispiele. Wichtig ist, dass der »Gegenstand« – im weiteren Sinne – geheimnisvoll klingt und ein Abenteuer verspricht, wie in »Der Herr der Ringe.«

Hauptfigur

Gerade, wenn du eine Serie planst, ist es vielleicht keine schlechte Idee, deine Heldin auch im Titel zu erwähnen. »Harry Potter und …« hat Tradition: von Edgar Rice Burroughs»Tarzan« bis Martha Grimes »Inspektor Jury«. Einen Trend stellen im Thriller-Genre auch die Titel dar, die den Spitznamen des Schurken zum Titel machen, wie es z.B. bei manchen von J.A. Konraths (übersetzten) Romanen der Fall ist: »Der Lebkuchenmann«, »Die Psychopathen« usw.

Zentraler Konflikt

Manchmal kann ein Titel auch aus dem zentralen Konflikt in deinem Roman entstehen. Das ist ganz gut, denn auf diese Weise machst du dir auch noch genauere Gedanken über den Dreh- und Angelpunkt deiner Story. »Das Schweigen der Lämmer« ist so ein Beispiel. Der Titel ist besonders interessant, weil er gut klingt und auch noch verschlüsselt ist. Er regt nicht nur potenzielle Leser zum Nachdenken an, sondern auch noch während der Lektüre des Romans. »Das Schicksal ist ein mieser Verräter» ist ein anderes gutes Beispiel.

Phrase

Mehr oder weniger abgewandelte Titel aus der Popkultur, Sprichwörter und Redensarten sind vor allem in Liebesromanen populär, aber auch im Krimi und Thriller häufig anzutreffen, wie zum Beispiel in Kerstin Giers »Ein unmoralisches Sonderangebot«, Jimmy Rices »Das beste, das mir nie passiert ist«. Orna Landaus »Wetten, dass wir uns lieben?«.

Exotisches Setting

Wenn dein Roman in einem besonderen Setting spielt, das für sich schon spannend klingt, gibt das unter Umständen einen super Titel ab: Meistens gilt das für SF-, Fantasy- und Abenteuer-Romane, wie z.B. Michael Crichtons »Expedition Kongo« oder Robert Heinleins »Der Mond ist eine herbe Geliebte«. Arthur Harley hat da draus seine Marke gemacht, z.B. mit »Hotel« oder »Airport«. Exotische Settings müssen also nicht aus fremden Planeten oder fernen Fabelwelten stammen.

Stimmung oder Emotion

In Gesellschafts- oder Liebesromanen, vor allem in erotischer Literatur machen viele Autoren die Grundstimmung zum Titel: Charles Dickens »Große Erwartungen«, »Heartbound – an dein Herz gekettet« von Laura Winter oder »Perfect Passion – Fesselnd« von Jessica Clare.

Metaphern

Im weiteren Sinne geben Metaphern gute Titel ab. Gabriele Jaskultas »Septembermeer«, Charlotte Links »Im Tal des Fuchses«, Harper Lees »Wer die Nachtigall stört« sind gute Beispiele. Manchmal können Neologismen, also bildhafte Wortneuschöpfungen, Interesse wecken. Catherine Shepard hat damit ihre Marke kreiert: »Seelenblind« und »Krähenmutter« sind hier gute Beispiele. Hier muss man jedoch ganz genau wissen, was man tut, denn das Risiko besteht, dass ein solcher Titel unverständlich wird.

Kontrast

Kontraste sind Widersprüche. Wenn du im Titel zwei Dinge miteinander kombinierst, die eigentlich zusammen gehören, weckst du im Leser praktisch automatisch Neugier. Laura Esquivels »Bittersüße Schokolade« oder Jeanne-Marie Leprinces »Die Schöne und das Biest« sind hier gute Bespiele. Leserinnen fragen sich (wenigstens unbewusst) sofort – wie hängt das zusammen? Aber auch hier muss man ganz genau wissen, was man tut, da auch hier die Gefahr der Verwirrung zu groß ist.

Wie du spätestens jetzt vielleicht siehst, ist es gar nicht so einfach, einen guten Titel zu finden und leider sind die Buchläden auch voll mit schlechten Beispielen. »Der Angriff der Werwölfe« dürfte kaum noch Leserinnen hinter dem sprichwörtlichen Ofen hervorlocken. Apropos – abgegriffene Redensarten sind auch keine gute Wahl für einen Titel.

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20 Antworten auf “Ein spannender Titel für deinen Roman beflügelt deine Motivation”

  1. Heißt das Buch wirklich „Küsse im Blitzlichgewitter“?

    Ein guter Titel ist einprägsam, schön ist, wenn er zusätzlich aus dem Rahmen fällt.
    Ich titele gern nach der Hauptfigur.

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  2. Eh. Bei mir ist immer 50/50, dass mein erster Einfall was taugt. Glücklicherweise habe ich Menschen, die mich auf die untauglichen 50 Prozent hinweisen. Auf meiner Festplatte dümpelt noch ein Manuskript, das nie über seinen sperrigen ersten Titel hinwegkam – mir scheint, dies ist ein weiteres Zeichen, dass ich das noch mal überarbeiten muss, bevor ich es auf die Welt loslasse.

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  3. Gedankenleser am Werk? 😉

    Bei mir war es nämlich just exakt so: Ich kam nicht entschlossen genug mit meinem Manuskript voran, also gab ich ein Cover in Auftrag und sehe jetzt, da es mit dem Titel schon sehr nach Buch aussieht, nicht nur das spätere Ergebnis klarer vor Augen, sondern bin gleich ganz anders motiviert. Daher würde ich sagen, Dein Tip funktioniert!

    LG

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  4. Bei mir ist es so, dass ich immer zwei Arbeitstitel habe:
    Einen für die Öffentlichkeit, der hashtagtauglich ist und den ich festlege, sobald ich darüber erzählen will und einen internen.
    Den Internen kennen nur meine Betaleser und ich. Meist ist es der Name des Protagonisten (m/w/x).
    Erst zu Beginn der ersten Überarbeitung mache ich die fancy Arbeitstitel. Denn ab da brauche ich die Extramotivation.
    Schreiben geht auch so schon gut 😊

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  5. Hat dies auf Mein Traum vom eigenen Buch rebloggt und kommentierte:
    Marcus Johanus ist ein Telepath und kann Gedanken lesen! Ich weiß zwar nicht, was ihn dazu ermuntert, gerade in meinen Gedanken zu lesen, aber ich würde ihn doch bitten, das bleiben zu lassen, bevor sich irgendwelche Peinlichkeiten für mich ergeben. Danke, Marcus!

    Was mich zu dieser etwas seltsamen Einleitung bringt? Nun, Marcus hat auf seinem Blog einen Artikel gebracht, der sich genau mit dem Thema beschäftigt, das auch mich gerade wieder einmal umtreibt: den richtigen Titel für eine Geschichte finden.

    Wie ich ja bereits gestern erwähnte, bin ich mit dem Titel, den ich für meine zweite Anthologie-Kurzgeschichte ausgewählt habe, alles andere als glücklich. „Nur die besten Absichten“ ist nicht griffig genug, stimmt nicht auf die Geschichte ein und macht sie, schlimmstenfalls, sogar kaputt, weil der Titel zu viel verraten könnte.

    Es ist bereits das zweite Mal für mich, dass ich an einem Titel festklebe, der mir so gar nicht gefällt. Das andere Beispiel ist mein Manuskript „Der Redner“, wo der Titel zwar nicht ganz unpassend, aber herzergreifend langweilig ist.

    Dabei gehen mir Titel für Geschichten im Normalfall recht locker von der Hand und stehen meistens auch schon fest, bevor ich eine einzige Zeile an dem jeweiligen Projekt geschrieben habe.

    Die hervorragende Darstellung von Marcus, nach welchen Kriterien man einen Titel aussuchen kann und wie man damit die Spannung sowohl für sich selbst als auch für den potenziellen Leser erzeugt, hat mich einmal nachprüfen lassen, wie es bei meinen anderen Romanen darum bestellt ist.

    Ich denke, dass ich im Durchschnitt ganz gut damit fahre. Romantitel wie „Der Beobachter und der Turm“ und „Die Welt der stillen Schiffe“ kennzeichnen wichtige und auch geheimnisvolle Orte. Titel wie „Darkride“ und „Der Rezensent“ stimmen schon auf ihr Genre ein.

    Ob diese Titel am Ende des Tages bei einer Verlagsveröffentlichung Bestand haben würden, das weiß ich nicht. Und darüber muss ich mir, leider, im Moment auch keine Gedanken machen. Aber die Kernthese von Marcus‘ Artikel kann ich nur unterstützen, nämlich dass ein guter Titel schon eine Eintrittskarte sein kann. Sei es zu einem Vertrag, dem Interesse des Lesers oder auch nur in die eigene Motivation.

    Und was bedeutet das jetzt für mich und mein Kurzgeschichten-Problem? Nun, die Geschichte ist fertig, der Titel ist das Einzige, was schlecht ist. Ich sollte also meine Energie darauf verwenden, hier noch einmal aus der Story heraus etwas Besseres abzuleiten.

    Und genau das werde ich jetzt auch tun!

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    1. „Nur die besten Absichten“ klingt doch recht spannend.
      Darkride ist für mich eher abgedroschen und langweilig, es verplubbert in der Masse, der Rezensent ist mir so bürokratisch.

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      1. Das Problem ist ja, dass der Titel auch zum Text passen sollte. „Nur die besten Absichten“ ist ein ganz guter Titel, hätte aber zu viel über die Geschichte verraten.

        „Darkride“ handelt von einem Mord in – einem Darkride. Damit lag es als Arbeitstitel nahe. Ähnliches gilt für den „Rezensent“. Ob es im Veröffentlichungsfall dabei bliebe, steht noch auf einem ganz anderen Blatt.

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        1. Aber vielleicht sollten wir diese Unterhaltung, falls noch Bedarf besteht, auf meinem Blog weiterführen!

          (Sorry, Marcus, ich hatte im Dashboard gar nicht bemerkt, dass Engel auf deinem Blog geantwortet hatte.)

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          1. Wenn ich dahin käme, dass die Kunden sich bewusst versuchen, sich den Titel eines meiner Romane zu merken, dann wäre ja schon viel gewonnen :-).

            Bevor ich einen Roman veröffentliche, müsste ich sowieso nachsehen, ob der Titel noch frei ist, dabei lässt sich dann auch nachschauen, ob es neben Darkride noch Darkside, Darklight und dergleichen mehr gibt. Dann allerdings hätte ich ein Problem!

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  6. Den Titel zu finden fällt mir persönlich schwerer als das Schreiben selbst, schließlich will man ja interessant klingen und treffend zugleich sein. Vielen Dank für die Anregungen! ^^

    PS: Verzeihung, aber die Autorin von „Wer Die Nachtigall Stört“ ist Harper Lee, nicht Harper Collins, oder nicht?

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