Filmkritik: Batman v Superman – Dawn of Justice #BvS

Batman v Superman Dawn of Justice FilmkriitikAchtung: Diese Filmkritik enthält Spoiler und ist für diejenigen gedacht, die den Film bereits gesehen haben.

Noch bevor ich lesen konnte, verschlang ich Comics. Ich denke, ich kann ohne zu übertreiben sagen, dass sie mein Interesse an Literatur geweckt haben. Die Texte in den Sprechblasen auch wirklich verstehen zu wollen, motivierten mich schon früh lesen zu lernen. Batman und Superman war von Anfang an meine Lieblingsserie.

Als ich ein junger Mann war, erschien »Batman: The Dark Knight Returns« von Frank Miller. In ihm durfte ich nicht nur einen vollkommen neuen Batman erleben – das Comic stellte einfach alles auf den Kopf, was ich bisher gewohnt war. Auch hier trafen Batman und Superman aufeinander – und kämpften sogar gegeneinander. Ich war begeistert. Meine Comics waren mit mir zusammen erwachsen geworden.

Wieder Jahrzehnte später kommt nun also »Batman v Superman« auf die Leinwand. Selbstverständlich musste ich mir diesen Film, dem ich zwei Jahren lang entgegenfieberte,  ansehen und freute mich bereits im Vorfeld auf ihn wie verrückt.

Leider konnte ich ihn mir erst relativ spät, also zwei Wochen nach der Premiere, anschauen.

Ich tat mein Bestes, um mich vor Spoilern zu bewahren. Trotzdem blieb mir nicht verborgen, wie kontrovers der Film beim Publikum ankam. Immerhin erzielte er zur Premiere wohl Rekordeinnahmen, um dann ebenfalls rekordverdächtig einzubrechen.

Vieles sprach also dafür, dass ich mich auf eine Enttäuschung vorbereiten musste.

Zum Glück ist das nicht so. Ich kann allerdings nachvollziehen, warum manche von dem Film enttäuscht sind.

Ist BvS der größte, beste und mitreißendste Superheldenfilm aller Zeiten?

Nein.

Ist er ein Film für die ganze Familie, auch für den Durchschnittstyp von der Straße, der noch nie ein Superheldencomic gelesen hat?

Auf keinen Fall.

Ist er ein solider Superheldenfilm, der das Potenzial hat, Fanboys wie mich glücklich zu machen?

Oh ja!

Nolans »The Dark Knight« und Whedons »Avengers« haben die Messlatte für die Qualität in diesem Genre verflixt hoch angelegt. Aber beide Filme sind in meinen Augen Glücksfälle. Nicht einmal Nolan und Whedon selbst konnten mir ihren Nachfolgern an die herausragenden Vorgänger anknüpfen – obwohl »The Dark Knight Rises« und »Avengers 2« keine schlechten Filme sind.

Sie sind eben nur keine Meilensteine des Genres und auch keine Filme, die über ihr Genre hinaus glänzen.

BvS fällt genau in diese Kategorie.

Vielleicht hätte man mehr aus diesem Stoff machen können. Für mich ist das allerdings nicht notwendig. Denn als Comic-Enthusiast und insbesondere als Fan der beiden Hauptfiguren komme ich in diesem Film voll auf meine Kosten.

Ja, BvS ist kein Stand-Alone-Film. Er setzt unglaublich viel voraus. Der Zuschauer muss nicht nur »Man of Steel« im Kopf haben. Er sollte sich ziemlich gut in der gesamten Comic-Geschichte auskennen.

Ich kann gut nachvollziehen, dass jemand, der nicht Batman- und Superman-Comics mit der Muttermilch eingesogen und der nicht Ende der 1980er Jahre Frank Millers »The Dark Knight Returns« als Höhepunkt der abendländischen Literatur empfunden hat – so wie ich -, mit diesem Film wenig anfangen kann.

Aber eben für Nerds wie mich grenzt BvS an eine Offenbarung. Zac Snyder dürfte nicht der größte Regisseur sein, der unter der Sonne herumläuft. Aber er hat ein untrügliches Gespür dafür, was der Fanboy sehen will. Und er liefert genau das.

Um ehrlich zu sein, ist BvS für mich ein Befreiungsschlag. Ja, ich mochte die Nolan-Filme. Natürlich ist »The Dark Knight« ein Juwel.

Aber noch einen weiteren Superheldenfilm, der so tut, als wäre er der erste Superheldenfilm, der je gedreht wurde, der mir schon wieder die Origin seiner Figuren erzählt, hätte ich wohl kaum ertragen.

Ich zuckte auch bei BvS zusammen, als er mit der altbekannten Entstehungsgeschichte von Batman begann. Selbst die Bilder waren nahezu 1:1 identisch mit denen, die man in Nolans Filmen sehen konnte. Beinahe war der Film für mich schon gelaufen – als die ganze Sache gottlob eine unerwartete Wendung nahm.

Superhelden sind Serienfiguren. Wer Superheld sagt, muss serielles Erzählen lieben. One Shots sind in dem Genre die Ausnahme – und meistens auch eine Lüge, denn sie setzen stets beim Publikum eine Menge Wissen über die Figuren voraus.

Wer zum Comic greift oder in einen Superheldenfilm geht, weiß, wer der Joker ist, was Kryptonit bewirkt und dass Spider-Mans Onkel erschossen wurde, weil Peter Parker den Mörder laufen ließ.

Ja, das ist nicht schön für all jene, die keine Comics im Blut haben. Aber alles andere entspricht einfach nicht den Gesetzmäßigkeiten des Genres und verfremdet und verfälscht die Figuren und vor allem den Aufbau der Plots.

Superhelden gibt es jetzt bald seit 100 Jahren. Ich finde Snyders Schritt, sie als kulturell verankert zu sehen und damit beim Zuschauer einiges vorauszusetzen, in Ordnung. Wer das Genre nicht mag, muss sich solche Filme ja auch nicht anschauen. Um ehrlich zu sein wüsste ich auch keinen Grund, sie sich dann anzusehen.

Hier setzen viele andere den nächsten entscheidenden Kritikpunkt an: Aquaman, Cyborg und The Flash werden in dem Film kurz angerissen, ohne dass sie in die Handlung wirklich integriert sind.

Stimmt. Aber warum sollte das schlecht sein?

Als Comicleser bin ich es absolut gewöhnt, dass innerhalb einer Geschichte für eine Handvoll Bilder etwas geschieht, von dem ich keine Ahnung habe, was das eigentlich soll. Jeder Superhelden-Fan kennt den Asterisk, der auf eine Textbox am Ende der Seite verweist, in der dann steht: „Wie du in Heft #X aus der Serie Y noch sehen wirst/gelesen hast …“.

Ja, das mag für viele ungewohnt sein. Aber auch diese Erzählweise gehört zum Genre. Und jeder, der nicht hinterm Mond wohnt, weiß, dass BvS bereits der zweite Teil einer Serie ist, der ein halbes Dutzend neuer Figuren einführen muss. Das kann ich jetzt prinzipiell schlecht finden – aber dann habe ich das Konzept dieser ganzen Superheldengeschichte einfach nicht verstanden.

Mir persönlich gefällt das. Allein schon die Eröffnung, in der Bruce Wayne durch Metropolis rast, um seine Mitarbeiter zu retten, während Zod und Superman die Wolkenkratzer verwüsten, hat mich gepackt. Es muss nicht viel erklärt werden. Ich habe die Bilder aus »Man of Steel« noch gut vor Augen und die Gänsehaut sofort auf meinen Armen.

Hier muss ich dem nächsten Kritikpunkt heftig widersprechen, der in nahezu jedem Verriss zu BvS eine große Rolle spielt: Die Figuren sind psychologisch ausgesprochen geschickt und solide motiviert und keinesfalls oberflächlich und/oder flach.

Bruce Wayne macht sein Kindheitstrauma hier ein zweites Mal durch. Erneut muss er mitansehen, wie ihm nahestehende Menschen getötet werden, ohne dass er etwas dagegen tun kann, obwohl er sein ganzes Leben dem Kampf gegen eben solche Ungerechtigkeiten gewidmet hat.

Sehr viel besser kann man seinen Hass auf Superman nicht motivieren, finde ich. Insofern kann ich die vielen Kritiken an dieser Stelle kein Stück nachvollziehen.

Selbst die entscheidende Wendung, wenn Batman später Supermans Leben doch verschont, ist bereits am Anfang angelegt. Denn mit der Erwähnung von »Martha«, Supermans Mutter, die zufällig auch den gleichen Vornamen wie Bruce Waynes Mutter hat, macht für Batman in der entscheidenden Situation deutlich, dass Superman eben kein unmoralischer Wüterich ist.

Hier erkennt er, dass auch Superman im gewissen Sinne nur ein Mensch ist, der genauso um seine Mutter weint, wie er es getan hat. Salopp gesagt: Er erkennt, dass Clark Kent ein Mensch wie du und ich ist, nur halt eben mit etwas mehr Macht, und eben kein Gott.

Und Bruce Wayne muss an dieser Stelle einsehen, dass es seine Pflicht ist, Clark Kent vor dem Verlust seiner Mutter zu bewahren, so wie er ihn erleiden musste. Ansonsten wäre sein ganzes Leben eine Lüge, denn dann wäre er eben nicht ein Rächer für die vom Schicksal benachteiligten, sondern endgültig einer der Schurken, die er eigentlich bekämpfen will. Ein schmaler Grat, auf dem er ohnehin die ganze Zeit wandelt, wie die Handlung des Films viele Szenen zuvor darstellt.

Sehr viel komplexer, stringenter und – wie ich finde – schöner kann man eigentlich Figuren innerhalb dieses Genre kaum entwickeln.

Ohnehin muss ich sagen: Ben Afflecks Batman rockt.

Wieder muss ich den Vergleich zu Nolan ziehen: Ich fand seinen Batman nicht schlecht. Aber der (pseudo)realistische Ansatz, den er in seinen Filmen verfolgte, ließ mich mit der Figur manchmal etwas fremdeln. In nicht wenigen Szenen hatte ich den Eindruck, eher in einem James-Bond- als in einem Comic-Film zu sitzen.

Snyder und Affleck bringen einen Batman auf die Leinwand, der bisher am dichtesten an Frank Millers Version des dunklen Ritters dran ist. Mich als Comicfan begeistert deswegen diese Batman am Ende doch mehr als alle seine Vorgänger.

Supermans Handlungsbogen und seine Figur sind in meinen Augen ebenfalls nahezu perfekt geschrieben. An ihm entzündet sich die zentrale Frage des Films: Darf jemand, der so viel Macht besitzt, persönliche Ziele und Interessen verfolgen – oder muss er zwangsläufig sein gesamtes Leben für die Gemeinschaft opfern?

Auch hier lässt sich der Film Zeit und zeigt sehr deutlich, wie sehr Clark Kent in einer bodenständigen Welt verankert ist – dank seiner großen Liebe für Lois Lane, die er zu Beginn über das Wohl der Mehrheit stellt. Etwas Menschliches, das jeder nachvollziehen kann, das ihm jedoch als mächtigstes Wesen auf dem Planeten zum Verhängnis wird.

Wie ich finde, kein Thema, das aus der Luft gegriffen ist. Polizisten, Feuerwehrmänner, Soldaten, Ärzte – alle Menschen, die sozial extrem verantwortliche Berufe ausüben, die ihnen ein hohes Engagement abverlangen -, müssen sich nahezu täglich die gleiche Frage stellen.

Und leider findet die Geschichte auch eine grimmige, deprimierende Antwort auf diese Frage: Große Macht und damit große Verantwortung verhindern, dass jemand ein normales Leben führen kann. Denn immerhin erkennt Superman, dass er keine andere Wahl hat, als sich zu opfern. Vielleicht für viele Zuschauer keine befriedigende Antwort, aber doch immerhin eine, die dem Film ein tragisches, ergreifendes Ende gibt und innerhalb der Filmhandlung vollkommen sinnvoll und nachvollziehbar ist.

Auch wenn natürlich jedem Zuschauer klar ist, dass Superman für die Zukunft nicht wirklich tot sein wird.

Vielleicht empfinden viele Supermans Figur in diesem Film nicht als rund, weil sie »Man of Steel« nicht mehr im Kopf haben. Denn auch seine Entwicklung und seine Entscheidungen in BvS sind in dem Vorgängerfilm vorbereitet.

Ich habe noch gut die entscheidende Szene im Kopf, in der sich Jonathan Kent im Tornado opfert – nur weil er die Verantwortung wahrnimmt, das Geheimnis seines Sohnes zu schützen. Eben deswegen musste Jonathan Kent auch in BvS noch einmal auftreten und eben deswegen ist die endgültige Entscheidung Supermans in meinen Augen eine sehr logische, konsequente und psychologisch wie plottechnisch begründete.

Hier und da las ich die Kritik, die Kampfszenen zwischen Batman und Superman seien »nicht realistisch«. Auch hier frage ich mich, ob das Genre verstanden wurde. Es geht hier um Coolnees, um nichts anderes. Mag sein, dass einem die Choreographie der Kämpfe missfällt. Aber irgendwie begründet oder nachvollziehbar sind Gewaltdarstellungen im Superheldengenre noch nie gewesen. Ich denke da nur an die anatomisch absurden Verrenkungen Spider-Mans während seiner Kämpfe, die auch keinerlei Anspruch auf Realismus haben, dafür aber dazu beitragen, ihn zu charakterisieren.

Auch hier gilt: Muss man nicht mögen. Nolan-Fans werden diesen Ansatz nicht mögen. Ich habe hier aber das erste Mal das Gefühl, einen echten Comic auf der Leinwand zu erleben. Und ich mag das.

Positiv überraschten mich Gal Gadots Diana Prince und Wonderwoman. Wer mir in den sozialen Medien folgt, weiß, dass ich im Vorfeld sehr kritisch war. Wie sich nun herausstellt, war ich da voreilig. Sie passte für mich hervorragend in diese Rolle. Und ihre Auftritte im Film waren genial.

Endlich, endlich gibt es eine Superheldin auf der Leinwand. Es wundert mich ein wenig, dass nicht schon allein dafür BvS ohne Ende gefeiert wird.

Besonders hat mir hier ihre Attitüde gefallen. Sie wirk souverän und überlegen, als ernsthafter Gegenpol zu ihren testosterongetriebenen männlichen Gegenstücken, die in die Hände spuckt und zähneknirschend die Suppe auslöffeln muss, die andere eingebrockt haben. Herrlich.

Hat der Film für mich auch Schwächen?

Ja. Die größte dürfte Alfred sein. Jeremy Irons war für mich eine herbe Enttäuschung. Prinzipiell halte ich ihn für einen hervorragenden Schauspieler. In diesem Film hatte ich den Eindruck, dass er sich unmotiviert und uninspiriert durch seine Dialoge quält. Ein Glück, dass er nur eine Randfigur war.

Den Enthusiasmus über Jesse Eisenbergs Lex Luthor von vielen kann ich ebenfalls nicht teilen. Ja, wirklich schlecht war er nicht. Aber herausragend fand ich ihn nun wiederum auch nicht. Ein solider Comicschurke. Um ehrlich zu sein, fand ich Kevin Spaceys Verkörperung der Figur in »Superman Returns« gelungener.

Die SFX sind nicht überirdisch gut. Gerade zum Schluss haben die immer noch größeren Explosionen, die immer noch heller blitzen und noch lauter knallen mussten, nicht zu mehr Vergnügen am Film beigetragen. Sie haben es aber auch nicht entscheidend geschmälert.

Fazit:

Mit BvS ist auch das DC-Superheldenfilmuniversum in der Normalität angekommen. Von nun an werden DC-Superheldenfilme sein wie der monatliche Gang zum Kiosk, wo man sich die neueste Ausgabe seiner Lieblingsserie abholt. Auch dort erwarte ich keine Offenbarung, sondern einfach solide Unterhaltung, die mich bei der Stange hält.

Eben das dürfte meiner Vermutung nach die Quelle der Enttäuschung bei vielen Zuschauern sein: Sie haben ein »The Dark Knight Returns« erwartet und ein »Batman und Superman #314« bekommen.

BvS ist kein perfekter Film. Er ist nicht der beste Film und nicht einmal der beste Superheldenfilm aller Zeiten. Aber er ist auf gar keinen Fall ein schlechter Film. Mich hat er mitgerissen, zweieinhalb Stunden gefesselt und unterhalten, ohne dass ich mich in einer Sekunde gelangweilt habe.

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