Schreib-Soundtracks steigern die Produktivität

Schreib-SoundtrackssteigerndZu schreiben ist für mich Kopfkino. Meine Story läuft vor meinem inneren Auge ab wie ein Film im Lichtspielhaus, nur intensiver. Damit dieser Eindruck noch verstärkt und meine Kreativität befeuert wird, höre ich gerne dabei Musik. Natürlich am liebsten Filmmusik.

Das Problem ist nur bei Soundtracks existierender Filme, dass man mit ihnen bereits Assoziationen verknüpft, die vom eigenen Roman ablenken. Aber zum Glück gibt es Soundtracks ohne den dazugehörigen Film – zum Beispiel von den Hamburger Musikern Erdenstern.

Hier einmal die kommentierte Playlist meines Soundtracks zu Tödliche Gedanken.  Vielleicht mag der eine oder andere Sie ja auch beim Lesen des Romans hören – funktioniert nämlich auch bei der demnächst erscheinenden Fortsetzung 🙂

Kurze Randnotiz: Unter den Links zu den jeweiligen Alben kann man in diese hineingehören oder sich Medleys der CD anhören. Am Ende des Artikels findest du meine komplette Playlist zum Nachstellen des Tödliche Gedanken-Soundtracks.

Wichtiger Appell: Sollten dir die CDs von Erdenstern gefallen, kann ich dir nur dazu raten, auch wirklich die CDs bei Erdenstern selbst zu erwerben. Verzichte lieber auf MP3-Downloads, vor allem natürlich aus illegalen Quellen. Damit schadest du nicht nur den Musikern, sondern auch dir selbst. Denn die Booklets der CDs sind sehenswert. Und sie enthalten einen persönlichen Code, mit dem du exklusive Tracks von der Erdenstern-Website runterladen kannst.

dark_cover_300Into the Dark ist eine bombastische, romantisch-gruselige CD. Nicht unbedingt 100%ig passend zu Tödliche Gedanken, aber gerade das Intro „Intruder“ besitzt eine wunderbar verträumt-unheimliche Atmosphäre, die für mich wie die Faust aufs Auge zur Stimmung des Romans passt – weswegen der Track ja auch als musikalische Untermalung des Buchtrailers diente.

„The empty House“ und „Haunted“ sind die subtilsten, von Streichern dominierten Tracks des Albums, die mich ein wenig an Hitchcock-Klassiker erinnern und deswegen ihren Weg auf die Playlist gefunden haben.

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Mit Berge des Wahnsinns haben Erdenstern eine meiner absoluten Lieblings-CDs komponiert. Die Musik besitzt zu weiten Teilen eine wunderbare 1920er-Jahre Atmosphäre und begeistert mich mit ihren Jazz-Elementen. Nicht unbedingt geeignet für Tödliche Gedanken? Von wegen. Die Musik ist universell genug, um mich nicht nur an den Südpol, sondern auch nach Kelltin zu versetzen.

Durch „Stimmen hinter dem Wind“ oder „Sturm und Eis“ schimmert der Wahnsinn dank der geisterhaften Stimmfetzen und der nervtötenden Geräuschkulisse. Sehr unheimlich, hervorragend geeignet für die gruseligeren Stellen von Tödliche Gedanken.

Ähnliches gilt für „Das verlassene Basislager“ und „Die fremdartige Stadt“, wohingegen der Titeltrack aus schwermütigen, gewaltigen Streichern besteht, was zu den mitreißenderen, emotionaleren Momenten der Geschichte passt. „Der tote Seemann“ wird von einem traurig-unheimlichen Piano dominiert, in dessen Hintergrund unheimlichere Speicher lauern. Was könnte passender sein, um Patricia Blochs Gemütszustand über weite Teile der Geschichte zu beschreiben?

„Die Höhlen“ erinnert mich persönlich an den X-Files-Soundtrack, nur ohne 1990er-Jahre-Atmosphäre. Was könnte passender sein?

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Into the Grey ist ein melancholischer SF-Soundtrack. Und da Tödliche Gedanken durchaus  SF-Elemente besitzt, passen für mich einige Tracks auf den Roman ganz hervorragend. „What is left to live for“ besitzt eine Blade-Runner-Atmosphäre (nicht zuletzt dank der Regengeräusche im Hintergrund). Sehr melancholisch, sehr ergreifend. Wie geschaffen für die traurigeren (und regnerischen) Momente des Romans.

Selbst „The Nebulae“ funktioniert nicht nur im All. Dieser geheimnisvolle, erhabene Track ist universell genug, um auch für Momente des Romans herzuhalten, in denen geforscht und entdeckt wird. „Orbit“ ist ein lebhafteres Stück, aber ebenfalls erhaben, mit lebendigen Streichern. Ich habe dabei inzwischen keine in der Umlaufbahn schwebenden Raumschiffe oder Stationen vor Augen, sondern junge Menschen, die auf Fahrrädern bei Sonnenschein über Landstraßen preschen.

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Erdenstern aktuellstes und in meinen Ohren reifstes Werk Aqua funktioniert nicht nur in den Tiefen des Ozeans, sondern auch im provinziellen Brandenburg. „Shallow Waters“ und „Strong Current, Large Shoals“ sind bewegte, verträumte Tracks, die wunderbar zur Atmosphäre des Romans passen.

Mysteriöser, aber immer noch verträumt, ist da „Off Shore“, wohingegen „Sinking“ für mich eine wunderbare Mischung aus „Orbit“ und „What is left to live for“ darstellt.

Geradezu sphärisch ist „Deeper“, wo man wirklich tiefe, undurchsichtige Wasser spürt. Kenner des Romans wissen, wofür sich dieser Track meisterhaft eignet.

„Like Demons and Faeries“ ist ein für Erdgeistern typisches, melancholisch-sphärisches Stück, die wie für Tödliche Gedanken komponiert wirken. In etwa in der Mitte schlägt die Atmosphäre um und wird bedrohlicher. Auch dazu gibt es haufenweise passende Momente im Roman. Mir gefallen die leichten Anklänge an „Sherlock“, die durchblitzen. Ebenfalls ein Thema, das in Tödliche Gedanken eine Rolle spielt .

light_cover_300Into the Light ist eine bombastische Doppel-CD mit Musik zu so ziemlich jeder Gelegenheit. Mir gefallen für Tödliche Gedanken vor allem die sakralen Tracks, wie „Cathedral“ oder „The Saints“ und „Divine Miracle“. Der Roman besitzt ja durchaus spirituelle Elemente, die durch die Musik noch besser zur Geltung kommen.

Ganz besonders gefällt mir „Place of Refuge“. Nicht nur vom Titel her genau der richtige Track für die Augenblicke, in denen sich Patricia in ihr Zimmer unter dem Dach von der Welt zurückzieht.

Der Titeltrack „Into the Light“ hat etwas Erwartungsvolles, unheimliches und zugleich Treibendes. Für mich ist das ein idealer Closer, der auch beim Ablaufen der Endkredits meines imaginären Films gespielt werden könnte. In diesem Sinne verwende ich ihn dann auch so gegen Ende einer Schreibsitzung.

Tödliche Gedanken Soundtrack

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14 Gedanken zu “Schreib-Soundtracks steigern die Produktivität

  1. Hallo Marcus, ganz herzlichen Dank für den Hinweis auf Erdenstern. Ich bin ein großer Film-Musik-Fan (Hans Zimmer, John Williams) und habe mir eigentlich immer „mehr“ gewünscht. Soundtracks zu Rollenspielen habe ich mir immer gewünscht. Dass der Wunsch längst in Erfüllung gegangen ist, habe ich bis heute nicht gewusst.
    Beste Grüße
    Birgit

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  2. Am leichtesten fällt mir das Schreiben bei klassischer Musik in gedämpfter Lautstärke. 😉 Während im Hintergrund eine Messe Anton Bruckners läuft, kämpfe ich grad wieder mit einer Szene meiner Münchner Atombomben-Geschichte, die mir gestern „aus der Ferne“ als sehr leicht erschienen ist. 😉

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  3. Da war ich schneller 😉
    Das habe ich auch schon mal auf meinem bescheidenen Blog erwähnt. Ohne Hintergrundmusik kann ich eigentlich gar nicht schreiben, allerdings brauche ich dann auch was Instrumentales. Bei mir ganz oft Klassik oder eben auch Filmmusik. Hans Zimmer ist auch einer meiner Favoriten hierbei.

    Aber ich danke Dir für den Tip mit „Erdenstern“. Da werde ich mal reinhören.

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  4. Ich kann Musik irgendwie gar nicht brauchen beim Schreiben. Trotzdem habe ich Soundtracks mit Liedern und Stücken, die die Gemütsverfassung von Figuren etc. einfangen, aber die höre ich dann halt beim Autofahren oder so, nicht beim Schreiben.

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  5. Ich für meinen teil denke mir immer, dass Musik beim schrieben zwar die Produktivität fördert, aber die qualität sinken lässt. Beim schreiben der ersten Rohfassung ist es kein Problem, da man eh immer wieder den text durchgehen muss, aber bei „Überprüfungs-Runs“ kann ich einfach keine Musik hören.

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  6. Es gibt viele Schreiber, die sich von Musik inspirieren – oder sollte ich besser sagen: leiten – lassen. Du hattest vor geraumer Zeit das Thema schon einmal aufgegriffen – etwas mit Hitlisten für Schreiber, wenn ich mich recht erinnere.

    Mir geht es da genauso. Ich erstelle mir auch oft eigene Playlisten quer Beet, suche ab und an mal passend zum Thema einiges zusammen – am liebsten Instrumentales. Erdenstern und Adrian von Ziegler sind mir ein Begriff. Neben zahlreichen YouTube, Vimeo, Dailymotion Channels/Videos und Jamendo nebst dem Mainstream Hitlisten hätte ich noch folgende Seiten im Angebot:

    http://tabletopaudio.com/
    https://www.youtube.com/user/dfiechter2/playlists (Derek Fiechter)

    Ich kann auch verstehen, das viele das nicht so sehen. Auch wenn ich damit doch ein wenig abdrifte und hoffentlich nicht dein Kernthema sprenge, Markus. Alternativ zu musikalischen Inspiration werfe ich noch Geräuschkulissen ins Rennen. Am besten auch selbst abmischbar, wie auf:

    http://naturesoundsfor.me/
    http://www.ambient-mixer.com/
    http://soundsleeping.com
    http://www.effectgames.com/demos/canvascycle/

    Die Musik der Geräusche könnte man auch dazu sagen. Dann und wann bediene ich mich dieser Möglichkeiten um mein Kopfkino auf die reinen Umgebungshintergrundgeräusche zu Fokusieren, in der ich dann die Szene zusammen schreibe. Allerdings können diese Endlosschleifen auf Dauer auch nervtötend sein. Und sicher funktioniert auch das nicht für jeden. Zugegeben: mir ist Musik meistens auch lieber.

    Der Wege zur Audio-Inspiration für das Kopfkino gibt es doch recht viele.

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    • Das sind ja wunderbare Links, Klaus. Vielen Dank. Super Ergänzung. Gerade gute Websites mit Sounds habe ich schon lange gesucht.

      Ja, ich kann auch sehr gut verstehen, wenn jemand lieber ohne Musik schreibt. Ich mag das auch nicht immer. Zur Zeit hilft es mir allerdings enorm. Beim Plotten zum Beispiel kann ich Musik so gar nicht ab. Da stört es meine Konzentration. Beim Schreiben vom ersten Entwurf und in manchen Überarbeitungsphasen motiviert es mich einfach.

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    • @Marcus
      Gern geschehen.

      Einen hab ich noch. Etwas härtere Klänge für eher Cyberpunk, Dark Future, Postapokalyptisches oder Dark Fantasy – für all das und ähnlich gelagertes lohnt sich ein blick auf die Big Mixes von „The Enigma TNG“:

      und „33 Hours of Music“

      Pflückt sicher vieles aus dem Musikalischen Musik-Mainstream, aber für diese Genres sehr anregend. (Und sicher nicht das für jedermanns Geschmack – vor allem nicht für den, der mehr ruhige Klänge mag).

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