Der beste Zeitpunkt, um mit dem Schreiben zu beginnen, ist jetzt

der beste zeitpunkt um mit dem schreiben zu beginnen ist jetztWenn ich einen Euro dafür bekäme, wann immer ich den Satz »Da müsste ich ein Buch drüber schreiben.« gehört habe, wäre ich längst Millionär. Leider setzen die allerwenigsten diesen Gedanken auch in die Tat um.

Gründe dafür gibt es viele: Du kannst nicht gut genug schreiben. Dafür fehlt dir die Zeit. Du fängst bald mit dem Schreiben an, musst aber noch Einiges recherchieren. Dir fehlt die Muße. Dir fehlen wichtige Ideen.

Dabei ist genau jetzt der beste Zeitpunkt, um Autor zu werden:

Jetzt ist besser als jeder andere Zeitpunkt in der Zukunft

Ja, vielleicht ist die Arbeit gerade besonders stressig. Der Hund ist krank. Die Kinder werden gerade eingeschult/haben wichtige Prüfungen/sind auch krank. Du bist krank …

War es denn je anders? Wird es jemals anders sein?

Joss Whedon, Regisseur und Drehbuchautor von Buffy und Avengers, hat einmal gesagt, dass schreiben ist, wie wenn man sich eine Erkältung einfängt: Es passt gerade überhaupt nicht.

Wenn du auf den idealen Zeitpunkt wartest, um dein Buch zu beginnen, wartest du, bis du tot bist.

Hier ist besser als irgendwo anders

Du brauchst einen ordentlichen Raum zum Schreiben. Klar. Abgeschieden, ruhig, gemütlich eingerichtet, gut ausgestattet. Wenigsten solltest du deinen Schreibtisch wieder aufräumen, bevor du mit dem Schreiben beginnst.

Solche Gedanken sind verführerisch und nichts weiter als Aufschieberitis. Romane wurden schon unter den ungünstigsten Umständen auf den seltsamsten Geräten an unvorstellbaren Orten geschrieben.

So wie es den idealen Zeitpunkt nie geben wird, wird es auch nie den idealen Ort geben, an dem du schreiben kannst.

Schnapp dir deinen Laptop und leg los! Alles andere ergibt sich dann.

Schreiben ist nicht nur angenehm

Ja, Schreiben macht auch Spaß. Aber es gibt auch viele Durststrecken, Zeiten, in denen Schreiben einfach nur Arbeit ist. Wenn du glaubst, ein Buch in einem einzigen Anfall von Euphorie, in einem Rausch der Inspiration schreiben zu können, dann glaubst du, dass Schreiben irgendwie anders ist, als so ziemlich jede andere Tätigkeit.

Macht es nur Spaß, Sport zu treiben? Hat es dir nur Spaß gemacht, deinen Schulabschluss zu machen? War der Weg zum Führerschein reines Zuckerschlecken?

Schreiben ist genau so, wie alles andere auch, für das es wert ist sich anzustrengen. Warum sollte es auch anders sein?

Angenehmer als jetzt wird es jedenfalls mit großer Wahrscheinlichkeit nicht. Wieso nicht also jetzt auch damit beginnen?

Der erste Entwurf muss nicht gleich perfekt sein

Erlaube dir, einen wirklich schlechten ersten Entwurf deines Romans zu schreiben. Wenn du dich jetzt hinsetzt und mit dem Schreiben beginnst, ohne ausreichend Zeit zu haben, nicht am perfekten Ort zu sein und ohne dich richtig wohl zu fühlen, dann kann nichts Perfektes dabei herauskommen.

Das ist okay. Es ist in jedem Fall besser jetzt mies zu schreiben, als perfekt irgendwann später – und damit wahrscheinlich nie. Qualität entsteht erst später, beim Editieren.

Wenn du nicht jetzt anfängst, fängst du wahrscheinlich nie an

Ich bin ein leidenschaftlicher Outliner. Wenn ich ein Projekt nicht wenigstens in groben Zügen von Anfang bis Ende geplant habe, fühle ich mich mies.

Aber sobald ich merke, dass die Planung nur noch dazu dient, mich vom eigentlichen Schreiben abzuhalten, gebe ich mir den entscheidenden Ruck, um auch ohne alle Details im Voraus zu kennen, mit einem Buch zu beginnen.

Viele Ideen kommen beim Schreiben. Planung ist gut. Sie sollte aber keine Ausrede sein, um ein Projekt vor sich herzuschieben.

Es dauert verflixt lange, um in den Schreibfluss zu geraten

Wenn du ernsthaft schreiben willst, kommst du meiner Meinung nach um tägliches Schreiben nicht herum. Sich jeden Tag, möglichst zu einer festen Uhrzeit für eine bestimmte Dauer zum Schreiben aufzuraffen, setzt viel Überwindung voraus.

Das Gute dabei ist: Machst du es lange und häufig genug, gerätst du irgendwann in einen Schreibfluss. Dann kannst du schon gar nicht mehr anders und bist um Klub der zwanghaften Vielschreiber angekommen. Willkommen.

Das schlechte daran: Es dauert verflixt lange, bis dieser Punkt erreicht ist. Mindestens 21 Tage, würde ich sagen. Wahrscheinlich bedeutend länger, vielleicht sogar bis zu einem Jahr.

Es ist also besser, gleich damit zu beginnen und sich nicht lange darüber zu wundern, dass nicht alles sofort leicht von der Hand geht. Schreiben will gelernt sein. Und das dauert einfach. Es geht aber auch nicht schneller, wenn du nicht jetzt anfängst.

 

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33 Antworten auf “Der beste Zeitpunkt, um mit dem Schreiben zu beginnen, ist jetzt”

  1. Hallo Marcus,

    21 Tage sind schon nicht schlecht. Ich finde es gerade nicht, aber ich meine vor längerem mal gelesen zu haben, dass es ca 30 Tage dauert, bis sich unser Gehirn auf eine neue Routine eingestellt hat.
    Daher mein Aufruf an Alle: Die eine Woche bitte auch noch durchhalten! 😉

    Gruß
    Sascha

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      1. Ein Jahr finde ich aber sehr hoch gegriffen. Man verliert auch sehr viel Zeit, wenn man dann nach einem Jahr feststellt: Nein, so funktioniert das für mich nicht.
        Mit den 30 Tagen hat man quasi 12 Versuche pro Jahr, eine Routine für sich zu etablieren.
        Die 21 Tage funktionieren (für mich) nicht. Sehe ich jedes Jahr an meinem Sommerurlaub: Nach 21 Tagen habe ich noch keine Urlaubsroutine finden können. Nehme ich stattdessen 4 Wochen Urlaub, dann könnte es ruhig immer so weitergehen. 🙂

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  2. Hallo Marcus,
    danke für den Tritt in den Allerwertesten. Besser jetzt als nie. Ich setze mich sofort hin und beginne mit Schreiben. Ich hab es ja lange genug geschoben. Jetzt muss mal die Couch herhalten und Morgen räume ich den Schreibtisch auf,
    liebe Grüße
    Rosa

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  3. Lieber Marcus,

    wie wahr. Was lassen sich nicht alles für Gründe finden und nebenbei – beim kreativen Finden dieser Gründe – verschwendet man besagte Kreativität und Motivation, anstatt zu tun, was man eigentlich möchte: einen Roman schreiben.

    Es zu schaffen, jeden Tag zur selben Uhrzeit zu schreiben, ist wohl eine der weiterbrtingendsten Errungenschaften beim Schreiben überhaupt. Leider schaffe ich es nicht immer zur gleichen Zeit und damit auch gleich viel zu schreiben, möchte mir aber eben dies angewöhnen. Eine Routine dafür zu finden (siehe euren Podcast) macht da vieles leichter.

    Beste Wochenendgrüße
    Martin

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    1. Ich denke, beides ist wichtig. Ich schreibe ja morgens so viel ich kann. Und dann tagsüber, wann immer sich die Gelegenheit dazu bietet. Beides trainiert und hält die Ideen frisch und die Gedanken beim aktuellen Projekt.

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  4. Neulich habe ich das Buch „Von Dieben und Vampiren“ von Doris Dörrie gelesen. Im ersten Teil geht es um eine orientierungslose junge Studentin, die davon träumt, eine Autorin zu werden. Sie lernt während eines Mexico-Urlaubs mit ihrem verheirateten Liebhaber eine berühmte amerikanische Schriftstellerin kennen. Und die gibt ihr den Tipp: „Schreiben Sie täglich. Mindestens zehn Minuten. Es ist egal, was Sie zu Papier bringen, Hauptsache, Sie trainieren Ihren Schreibmuskel.“ 😉

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  5. Jeden Tag zur gleichen Zeit würde etwas schwierig für mich sein. 🙂
    Aber ich versuche es trotzdem – und zwar auch noch an einem für manche Leute total ungewohntem Ort – im Bett direkt vor dem Schlafen. 🙂
    Ich nehme mir meistens dann nochmal die letzen paar Blätter vom letzen Mal vor, lese sie nochmals durch, verbessere soweit wie möglich schon mal Schreibfehler oder Satzstellung und komme so wieder in die Gedankenbahn der Geschichte rein.
    Es ist mir auch egal, ob es nun vielleicht nur ein paar Sätze oder vielleicht sogar ein ganzes Kapitel wird, das ich da (immer noch handschriftlich mit Papier und Kuli) zu Stande bekomme. Hauptsache ist, ich komme weiter. 🙂

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  6. Bei mir lief es mit dem Schreiben vor dem NaNoWriMo 2015 immer mal wieder wechselhaft, es gab Tage, da habe ich 4.000 Worte geschrieben, aber eine Routine war das nicht. Es gab unglaublich viele Selbstzweifel und Gedanken, dass ich das nie schaffen kann. In dieser Zeit habe ich einen Entwurf tatsächlich fertig gestellt, aber an Überarbeitung war da nicht zu denken, davor hatte ich viel zu viel Respekt. Worauf ich hinauswill:
    Ich schreibe praktisch seit ich dazu in der Lage bin, aber ernsthaft angefangen damit habe ich eigentlich erst letzten November. (Ja, die Zeit als ich ein Manuskript Entwurf Nr. 1 fertig gestellt habe, zähle ich nicht dazu.) Und ich bin auch der Auffassung, dass die Bedingungen alles andere als ideal sind und plane, mir bessere zu schaffen. Aber schließlich möchte ich, wenn ich eines Tages in meinem speziell eingerichteten Schreibzimmer sitze nicht erst lernen, wie man einen Roman zu schreiben hat. Denn nur, weil die Bedingungen gut sind (Zeitpunkt, Ort, etc.), heißt das noch lange nicht, dass ich dadurch zu einem guten Autoren werde. (Außerdem will ich sichergehen, dass ich das Zimmer dann auch benutze!)
    Um mit dem Geschwafel aufzuhören, ich stimme dir vollkommen zu.

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  7. Hat dies auf Writing & Photography rebloggt und kommentierte:
    Ein Wundervoller Post, den ich mir heute zu Herzen nehmen werde und auch für das Wochenende! Denn eigentlich wollte ich über die Osterfeiertage mit den zweiten Kapitel meiner Geschichte oder besser meines Romans fertig werden… Was nicht verwunderlich ist, ich bin immer noch so weit wie vor Ostern. Recht frustrierend, aber die letzte Woche war schon sehr von Faulheit geprägt und Motivation für das Falsche. Vielleicht hat mich die Tatsache das ich mir einen für mich Mächtigen Fauxpas geleistet habe wieder etwas demotiviert, aber egal!

    Dieser Artikel jedoch hat mich Motiviert einfach anzufangen und los zu schreiben! (Mal gucken ob ich meine grobe Plotskizze für Kapitel zwei finde oder ob ich ein neues „Storyboard“ zaubern werden, haha.)

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