Die Zeit, die du in die Suche nach einem Arbeitstitel für deinen Roman steckst, ist gut investiert

die zeit die du in die Suche nach einem Arbeitstitel deines Romans steckst ist gut investiertTitel für einen Roman werden meistens in Zusammenarbeit mit dem Verlag erst endgültig festgelegt. Trotzdem ist es wichtig, dass du selbst einen guten Arbeitstitel deines Manuskripts findest.

Allein schon der Titel eines Manuskripts kann einen Literaturagenten neugierig machen – oder abschrecken. Deswegen sollte er aussagekräftig und treffend sein, Interesse wecken und weder zu lang, noch zu kurz sein.

Es lohnt sich also, Arbeit in den Titel deines Projekts zu stecken, auch mit dem Bewusstsein, dass er wahrscheinlich nicht endgültig ist.

Der Titel muss zum Gernre passen

Es kann nicht oft genug gesagt werden: Du musst wissen, zu welchem Genre dein Roman gehört. Spätestens der Literaturagent muss auf den ersten Blick erkennen können, ob er dein Romanmanuskript als Thriller, Science Fiction oder Liebesroman usw. vermitteln kann.

Wenn du weißt, zu welchem Genre deinen Roman gehört, dann schau dir die Titel an, die Romane in diesem Bereich haben.

Hier bringt es allerdings nicht unbedingt viel, nur auf die Bestseller zu schielen.

Stephen Kings Romane haben zum Beispiel fast immer nur ein Wort als Titel. Das liegt daran, dass er mit »Es« in Deutschland seinen Durchbruch hatte und sich seitdem die Übersetzer danach richten. Im Original haben seine Romane durchaus unterschiedliche Titel.

Ein-Wort-Titel sind in der Regel nicht gut, außer das Wort ist ein wirklich gutes Wort.

Neil Gaimans Romane haben häufig nur ein Wort im Titel. Aber auch hier bestätigt die Ausnahme die Regel: »Neverwhere« oder »Stardust« sind so aussagekräftig und klingen so zauberhaft, dass sie ausreichen. Sie passen zum Genre. Außerdem kommt Gaiman vom Comicschreiben und viele seiner Romanleser sind auch Comicleser. Bei Comics sind Ein-Wort-Titel üblich.

Gaiman und King sind außerdem schon Marken für sich. Romane verkaufen sich aufgrund des Autorennamens, welcher Titel darunter steht, ist im Prinzip zweitrangig.

Hinzu kommt, dass du nicht unbedingt die Klassiker eines Genres alleine betrachten solltest. Nur weil du Landhauskrimis schreibst, muss es keine gute Idee sein, die Titel von Agatha-Christie-Romanen zu kopieren.

Christies Romane sind toll und die Titel häufig gut, keine Frage, allerdings haben sie schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel.

Da kann es lohnenswerter sein, sich ähnliche, lebende Autoren anzusehen, wie Martha Grimes oder Elizabeth George.

Der Titel sollte eine Frage aufwerfen und einen Bezug zum Plot haben

»Harry Potter und der Stein der Weisen« ist ein guter Titel, weil er neugierig macht (Was zur Hölle ist ein Stein der Weisen?). Das funktioniert natürlich nur, wenn dann der Stein der Weisen auch eine zentrale Rolle im Roman spielt.

Insofern kann also der Titel bereit ein erstes Versprechen an den Leser sein. In diesem Fall lautet es: Hier wird es ein Rätsel geben, in dessen Mittelpunkt ein mystischer Gegenstand steht.

Die Struktur des Titels weist außerdem auf ein Jugendbuch hin. Das Genre ist also klar erkennbar. Auch das Fantastische, Märchenhafte der Bücher wird hier angedeutet.

Taucht der Name der Hauptfigur im Titel auf, ist das ein Hinweis auf eine Serie. Das ist prinzipiell gut, kann aber schlecht sein, wenn du als Erstautor versuchst, dein Manuskript zu verkaufen. Verlage lassen sich ungern auf ganze Serien ein, wenn sie noch nicht wissen, ob sich die Bücher des Frischlings, den sie sich ins Boot holen, auch verkaufen.

»50 Shades of Grey« ist ein anderes Beispiel für einen gelungenen Titel. Er bewegt sich in der gleichen Kategorie wie zum Beispiel »Das Schicksal ist ein mieser Verräter«.

Hier wird zwar relativ wenig über das Genre ausgesagt, aber die Titel allein machen sehr neugierig.

Titel wie z.B. »Ein Cop zum Verlieben« von Violet Truelove oder »Zufällig Hawaii« von Sabine Landgraeber hingegen sind auf den ersten Blick als Liebesromane zu erkennen. Darüber hinaus arbeiten sie gekonnt mit Reizworten für ihre Genres (Verlieben, Hawaii), die sofort Sehnsucht wecken und Gefühle ansprechen – zentrale Funktionen für Liebesromantitel.

Thema und Titel müssen Hand in Hand gehen

Worum geht es in deinem Roman? Rache? Trauer? Liebe? Furcht? Gewalt?

Es wäre gut, wenn der Titel das bereits ausdrückt, wenigstens unterschwellig. »Kiss of Death« lässt wenig Zweifel darüber, worum es im Roman später gehen wird.

»Das Schweigen der Lämmer« ist hingegen zwar nicht unbedingt ein Hinweis auf einen Thriller, macht aber sehr neugierig, ist vielschichtig und eng mit dem Thema des Romans verwoben.

Es kann für dich sehr gut sein, dir schon frühzeitig Gedanken zu einem Arbeitstitel für deinen Roman zu machen. Ich setzte einen Titel immer fest, während ich ein Projekt noch plane und bevor ich mit dem Schreiben beginne. Das hilft mir, den Fokus für den Roman zu finden und das Thema genauer zu benennen.

Formel gefällig?

Ja, es gibt so was wie eine Formel für gelungene Titel. Ob du sie verwendest, ist dir überlassen, aber sie zu kennen, kann dir zumindest dabei helfen, ein paar Alternativen zu brainstormen.

Erfolgreiche Romantitel weisen häufig ein Substantiv auf, das mit starken Gefühlen oder Handlungen verknüpft ist, und ein zweites, das mit der Handlung und/oder dem Thema des Romans in Verbindung steht.

»Das Schweigen der Lämmer« ist so ein Titel. »Schweigen« ist ein provokanter Begriff, gleichzeitig offen für Interpretationen. »Lämmer« ist eng mit der Hauptfigur des Romans und ihrer Geschichte verknüpft und besitzt gleichzeitig eine symbolische Bedeutung. Ein sehr, sehr komplexer und gelungener Titel.

»Die Leiden des jungen Werther«, um mal einen Klassiker zu bemühen, ist ebenfalls so ein hervorragender Titel. Es hat seine Gründe, dass dieser Roman von Goethe zu Lebzeiten ein Bestseller war und noch heute viel gelesen wird. Der Titel ist einer davon. »Leiden« ist ein Reizwort, mit dem jeder etwas anfangen kann, das Gefühle weckt und Interesse hervorruft. »Junger Werther« deutet an, dass es sich um einen Liebesroman handelt.

Natürlich ist das nur ein Weg zu einem gelungenen Titel. Es gibt haufenweise Bestseller und Klassiker, die andere Titel haben. Man denke nur an »1984«.

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14 Antworten auf “Die Zeit, die du in die Suche nach einem Arbeitstitel für deinen Roman steckst, ist gut investiert”

  1. Ein guter Titel grenzt sich auch ab. „Ein Cop zum Verlieben“ oder „Zufällig Hawaii“ empfinde ich fast schon zu beliebig. Das gilt auch für viele andere hier im Beitrag genannten Titel. Da fehlt mir der Widerhaken, damit ich ihn mir als Kunde merken kann. Merkfähigkeit halte ich für sehr wichtig. Und die Buchhändlerin sollte wissen können, welches Buch ich wünsche, wenn ich mir den Titel nicht richtig gemerkt habe, weil der Titel zu einzigartig ist.
    Stimmungen kann man optisch mit dem Cover viel besser widergeben, dann sehe ich auch, in welche Richtung das Buch geht.
    Beim Schweigen der Lämmer empfinde ich die Titelfigur weitaus verkaufsträchtiger als der Titel.

    Was allerdings wirklich ein guter Titel ist, „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, sehr überraschend, macht trotzdem neugierig und kann man sich gut merken. Das Original heißt anders.

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  2. Sehr schöner Artikel 🙂
    Mich würde interessieren, ob ihr euren Projekten auch mal englische Titel gebt. Für mich hören sich diese in der Regel würziger oder flüssiger an. Wobei ich ‚Das Schweigen der Lämmer‘ auf jeden Fall der englischen Variante vorziehen würde.

    Zu meinen Favoriten zählt der Romantitel ‚Die dunklen Gassen des Himmels‘, auch wenn ich das Buch eher mittelmäßig fand.

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  3. Hier ein paar Titel, die ich gut finde:

    -Dampfnudelblues- herrliche Kombination
    -Korrekturen- wunderbar sperrig, macht neugierig
    -Die Päpstin- Papst kenne ich, aber eine Päpstin? Ich bin neugierig.
    -Da-Vinci-Code- Ich halte den ursprünglichen Titel für viel besser als das gesichtslose Sakrileg
    -Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand- Sind wir da nicht gleich neugierig?
    -Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Der Nachsatz überrascht.
    -Darm mit Charme- Darm hat Charme?
    -Die Vereinigung jiddischer Polizisten

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  4. Die Frage nach dem Titel ist sicherlich neben dem Cover die wichtigste, allerdings kann man ihr auch zuviel Aufmerksamkeit schenken. Nehmen wir einen wirklichen Bestseller, „Der Schwarm“ von Herrn Schätzing. Für mich irgendwie beliebig, fast schon langweilig. Auf keinen Fall einer, der mich zum Kaufen animieren würde.

    Andererseits ein Titel von Andreas Winkelmann: „Tief im Wald und unter der Erde“. Sperriger geht fast nicht, macht aber sofort Lust auf mehr. Zumindest für mich.

    Will sagen: Eine schwierige Frage, so ein Titel. Glücklich ist aber auf jeden Fall, wer ihn selbst festlegen kann, weil er nicht an einen Verlag gebunden ist. Es soll ja auch schon Verlage gegeben haben, die einen Titel wählten, mit denen der Autor nicht recht einverstanden war… 🙂

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    1. Der Schwarm funktionierte aber wegen des sehr guten Covers, das gleiche gilt für das Cover von „Er ist wieder da“, was ich für genial halte.

      „Tief im Wald und unter der Erde“ ist ein Titel, den ich mir gut merken kann. Ich find ihn gar nicht so sperrig.

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  5. Ein sehr schöner Beitrag. Mir hat das Beispiel mit Harry Potter ausgesprochen gut gefallen, dabei musste ich gleich an die Titel von Pipi Langstrumpf und „Die drei ???“ denken, die folgen dem gleichen Muster.

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