Niemand weiß, was ein »gutes Buch« ist

Niemand weiß, was ein gutes Buch istVor nicht allzu langer Zeit sah ich mit großem Interesse die WDR-Dokumentation Der Bestseller-Code.

Mir wurde beim Gucken etwas bestätigt, was ich schon lange geahnt habe: In der Buchbranche dreht sich alles um das »gute Buch«, also ein Buch, das sowohl qualitativ hochwertig und gleichzeitig kommerziell erfolgreich ist.

Gleichzeitig weiß niemand, was das eigentlich ist.

Das ist nicht bösartig oder abfällig gemeint und ich würde nie behaupten, schlauer zu sein als alle anderen und genau zu wissen, was denn ein »gutes Buch« ist.

Aber diese Erkenntnis birgt einige Konsequenzen, über die es sich lohnt, genauer nachzudenken.

Das Beispiel Sebastian Fitzek zeigt es ziemlich gut. Er selbst spricht in der Dokumentation davon, dass er für Die Therapie 15 Ablehnungen bekam, bevor ihn der Literaturagent Roman Hocke unter Vertrag nahm.

Ein weiterer Satz von Fitzek hat mich in diesem Zusammenhang zum Nachdenken gebracht. Er meint, er habe gar nicht gewusst, dass Die Therapie ein Psychothriller ist, bevor ihm das Verlage gesagt hätten.

Ein paar andere Äußerungen fand ich bemerkenswert: Ein Verlagsleiter betont, dass unverlangt eingesandte Manuskripte fast alle Schrott seien und er ihnen deswegen schon aus ökonomischen Gründen kaum Aufmerksamkeit widmen könne. Gleichzeitig betont er aber, wie häufig auch er selbst sich schon geirrt habe, wie er im Nachhinein feststellen musste, wenn Skripte, die er nicht unter Vertrag genommen habe, hinterher zu Bestsellern wurden.

Selbst die meisten Leser wissen eigentlich gar nicht darüber Bescheid, was sie eigentlich gerne lesen, geschweige denn warum. Wenn jemand von einem Buch schwärmt, frage ich gerne nach, wieso es ihm denn gefallen habe. Meistens ernte ich dann ein Schulterzucken: »Ach, war halt spannend.«

Um das zu toppen: Ich selbst beobachte an mir, dass ich zwar eigentlich ziemlich analytisch lese und in der Regel ganz genau sagen kann, was mir an einem Buch gefällt oder eben nicht. Trotzdem gibt es verflixt viele »gute Bücher«, die ich aber im Moment einfach nicht gerne lese (irgendwann später dann aber vielleicht doch). Und andererseits macht es mir manchmal einen Heidenspaß, einen Roman zu verschlingen, bei dem ich auf jeder zweiten Seite zusammenzucke, weil es »Fehler« gibt oder Dinge die »schlecht geschrieben« sind.

Nun, welche Konsequenz hat dieses Phänomen für dich als Autor?

Zunächst einmal jene, dass eigentlich niemand so genau sagen kann, ob dein Buch wirklich gut oder schlecht ist.

Ja, es gibt so manche sprachliche Qualitätsmerkmale, die bei Rechtschreib- und Grammatikfehlern anfangen und bei der gekonnten Verwendung von Stilfiguren aufhören. Aber auch hier streiten sich im Detail die Geister.

Dann gibt es Qualitätsmerkmale, die mit dem Plot zusammenhängen. Aber wie viele Romane habe ich schon verschlungen, deren Plot nicht wirklich originell war und/oder der auch fehlerbehaftet war? Richtig. Viele.

Bliebe noch die Frage nach übergeordneten, irgendwie wichtigen Themen, Tiefgründigkeit usw. Aber auch hier dürften jedem genug Romane einfallen, die flach und nicht besonders anspruchsvoll sind, sich aber trotzdem gut verkaufen.

Umgekehrt gibt es viele, sehr, sehr viele Romane, die alle diese Qualitätsmerkmale erfüllen und sich trotzdem nicht verkaufen.

Als Autor könntest du jetzt frustriert das Schreiben an den Nagel hängen. Denn all diese Erkenntnisse führen dazu, dass du wie ein Marathonläufer bist, dem niemand sagt, wo eigentlich das Ziel ist.

Das ist auch so.

Aber eben das ist eigentlich auch eine große Chance und das wirklich Schöne am Schreiben.

Um auf Sebastian Fitzek zurückzukommen: Als er sein Manuskript von Die Therapie feilbot, glaubte kein Mensch (außer Roman Hocke), dass Psychothriller aus Deutschland, die in Deutschland spielen, eine Chance hätten. Heute kann man sagen, dass Fitzek ein ganzes Gerne ins Leben gerufen hat, das die Leser begeistert.

Das Schöne ist nun einmal, dass dir 14 Agenten sagen können: »Das Skript ist ganz nett, aber hat auf dem Markt keine Chance.« oder »Die Idee ist originell, aber schlecht geschrieben.« Und sie können damit recht haben. Trotzdem kann der 15. (oder auch 25., 45., 65. …) Agent darin den Bestseller von morgen sehen – und auch damit recht behalten oder auch nicht.

Der Buchmarkt gibt dir als Autor die Gelegenheit, genau das zu machen, was du gerne möchtest, und damit zu scheitern oder Erfolg zu haben. Letztlich ist das Ergebnis eher Zufall.

Diese Erkenntnis kann beängstigend sein – oder als Chance begriffen werden. Die Wahl liegt bei dir.

Advertisements

60 Antworten auf “Niemand weiß, was ein »gutes Buch« ist”

  1. Ich habe die Dokumentation vor ein paar Monaten auch gesehen. Ja, die Branche scheut vor Unbekanntem zurück, weil sie nicht einschätzen kann, wie sich das am Markt entwickelt, aber meistens kommt das Next big Thing aus einer Richtung, die man nicht erwartet. Wer den großen Erfolg haben will, muss Unsicherheit aushalten können.

    Ich würde mich nicht allein auf Spannung verlassen. Man muss irgendwie den Zeitgeist fassen und das bedeutet, ihn gleichzeitig zu treffen und zu formen. Zu allem Überfluss muss man anderthalb bis zwei Jahre vorher den richtigen Riecher haben.
    Für den dauerhaften Erfolg kann Qualität nicht schaden. Bestes Beispiel sind die Oskar, Rico und-Reihe und Tschick.

    Gefällt 3 Personen

  2. Sehr schön. Besonders interessant finde ich den Punkt, dass Menschen zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Bücher gut finden. Hat nicht Handke auch schon mal darüber geschrieben, dass er manche seiner früheren Urteile heute nicht mehr verstehen kann?
    Ein etwas anderes Thema ist die Geschmacksunsicherheit bei Profis. Sie scheint immer sehr hoch zu sein, wenn etwas Ungewöhnliches beurteilt werden soll, etwas Neues, das sich nicht leicht vergleichen lässt. Sogar unabhängig davon, ob man eine rein künstlerische Beurteilung abgibt oder eine geschäftliche Einschätzung. Diese Unsicherheit ist wohl der Grund, warum so viel mit Formaten, Rezepturen und Genres gearbeitet wird – sie bieten die Leitplanken für den Versuch, das hoch riskante Geschäft gleichsam zu industrialisieren, für die Serienfertigung von Erfolgen. Diese Rezepte sind ja auch das einzige, was dem Verlagsgeschäft eine gewisse Verlässlichkeit gibt ( ferner Schrot, d.h. man veröffentlicht eine gewisse Anzahl an Büchern und erreicht dann eine „Normalverteilung“ im Markt).
    Das Problem mit den Qualitätseinschätzungen ist vermutlich grundsätzlich, dass wir kaum etwas, vielleicht gar nichts, beurteilen können, ohne es zu vergleichen (abzuwägen). In einer Genre-Reihe ergeben sich automatisch gute Vergleichspunkte, die auch für das Verglichene angemessen sind. Schwebt ein Buch dagegen thematisch und stilistisch sehr ungewöhnlich herein, schauen sich alle unsicher um. Die Unsicherheit ist der Boden für Überraschungserfolge, neben der Tatsache, dass ein Teil des Publikums sich auch „avantgardistisch“ verhalten. Zudem verlangt das Publikum nach Varianten, die trotz Vergleichbarkeit auch mit etwas Neuem faszinieren: „Der neue X ist da, aber diesmal ganz anders…“) Aber die geklonten Erfolge gibt es auch.
    Zum Schluss noch was Persönliches und leicht Überspitztes zum Thema: Es gibt nach meiner Beobachtung kaum einen Massenerfolg im Büchermarkt, bei dem Autor/Autorin nicht eine gewisse liebevolle Beziehung zum „schlechten Geschmack“ haben, z.B. was klischierte Sprache angeht. Ich habe es gerade vor ein paar Tagen mal mit dem Top-Klopper Illuminati versucht, weil ich dachte, das wäre vielleicht so etwas nicht ganz schlecht Geschriebenes – oh, wie hatte ich mich getäuscht: „Die Motoren des Flugzeugs erwachten brüllend zum Leben und sandten ein dumpfes Vibrieren durch den gesamten Rumpf.“ Etc geht das weiter … Das kann ich als Comedy genießen, so etwas hat ja auch eine heitere Seite, aber: Massenerfolg! Weltweit! Auf der anderen Seite Steven King, der mich einmal durch die Präzision seiner Vorstellungskraft hochgradig begeistert hat. Der schreibt eigentlich nicht diese gestempelte Sprache, sondern schildert die Bilder, die er detailliert vor Augen hat, so genau wie möglich. „Das Mädchen“, wo ein 9-jähriges Mädchen im unendlichen Wald verlorengeht – überhaupt kein großartiger Plot, aber maximale Imagination. Ich bin mir sicher, Dan Brown, Nele Neuhaus etc. etc. würden an so etwas scheitern.

    Gefällt 2 Personen

      1. Wie schön: Gleichgesinnte!
        Ich bin nämlich nicht so ein großer King-Fan. Bis auf das Mädchen. Das finde ich einfach unglaublich. Seite um Seite nur eine Hauptfigur und oberflächlich gesehen keine Handlung und doch passiert so viel. Man wird selbst wieder 9 Jahre alt und weiß im Grunde nicht, ob man überlebt.

        Gefällt mir

  3. Haben Sie nicht gerade selbst die Definition für ein gutes Buch gefunden?
    Ein Buch ist gut, wenn man es verschlingen will.
    Ein Bestseller wird von ganz vielen Menschen verschlungen, ein kommerziell weniger erfolgreiches gutes Buch von weniger Menschen.
    Sie können beide gleich gut sein. Das letztere könnte vielleicht sogar besser sein, nur eben nicht für so viele Menschen, oder nicht für die ersten vierzig Verlage, denen es angeboten wurde, oder nicht für den aktuellen Zeitgeist… .
    Die handwerklichen Grundregeln zu kennen, um sie einzusetzen oder zielbewusst zu brechen, hilft sicher enorm, ist aber keine Garantie kommerziellen Erfolg und schon gar nicht für Qualität.
    Besonders wichtig scheint mir, darauf zu achten, dass das Werk nicht auseinander fällt.
    Hat man einen Leser gefunden und eingefangen, darf man ihn nicht mehr los lassen.
    Dafür ist es hilfreich, sich einen bestimmten Leser vorzustellen, auch wenn man für ganz viele verschiedene Leser schreiben möchte. Dieser Eine, dessen Geschmack man mit den ersten Seiten des Buches getroffen hat, dessen Neugier man geweckt, und den man zum Mitdenken und Mitfühlen verführt hat, darf nicht verraten werden.
    Enttäuschen darf und soll man ihn bezüglich der Entwicklung der Ereignisse, indem man es immer wieder anders kommen lässt, als vom Leser vermutet. Diese unerwarteten Wendungen müssen aber im Nachhinein plausibel erscheinen und dürfen der grundsätzlichen Erwartung des Lesers an das Buch als Ganzes nicht widersprechen.

    Gefällt 3 Personen

    1. In der Gastronomie ist ein gutes Mahl doch auch nicht, dass wir verschlingen, sondern dass wir genießen.

      Was ist ein gutes Buch?
      Ein gutes Buch ist jenes, welches viele Qualitätskriterien erfüllt.

      Ein paar Kriterien, manche wirken nur unterbewusst, aber als Autor sollte man trotzdem Wert legen.
      – eigener Sound, eigene Tonalität
      – Form folgt der Funktion
      – probiert neue Sachen aus
      – Auseinandersetzung mit der Welt
      – interessante und gute Figuren
      – trifft den Zeitgeist
      – erzählt eine gute Geschichte, die gern spannend oder witzig sein kann
      – ist originell und einzigartig
      – ist unterhaltsam
      – lässt sich auf mehreren Ebenen lesen
      (Spannungsebene sollte auch dabei sein, daran scheitern die meisten in der Hochkultur)
      – ist philosophisch
      – hat ein gutes Worldbuilding

      Auch wenn die meisten es von sich behaupten, die meisten sind nicht nur Spannungsleser. Selbst Watchmen funktioniert nicht nur auf der Spannungsebene.

      Gefällt mir

      1. Ein Essen, dass ich verschlungen habe, kann ich Gegensatz zu einem Buch kein zweites Mal genießen.
        Bei einem Buch passiert es mir gelegentlich, dass ich eine Passage oder das ganze Buch wegen der Spannung zunächst in großem Tempo verschlinge und sofort danach noch einmal langsam genieße.
        Ich kann Pausen einlegen, um einem Gedanken oder einer Stimmung nachzuspüren, kann mir besonders gelungene Sätze auf der Zunge zergehen lassen, zurück blättern, Notizen machen.
        Ein Essen im Restaurant würde über die Pause kalt, ein Theaterstück würde ohne meine Aufmerksamkeit voranschreiten und unverständlich werden.
        Ein Buch, das man schon einmal gelesen hat, ist eher wie Architektur. Man kann seine Welt immer wieder betreten und alles in Ruhe aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.

        Gefällt 1 Person

        1. An den meisten Hochspannungsgeschichten stört mich, dass ich es nicht so „glaubwürdig“ finde und deswegen vorher abbreche. Beides muss kein Widerspruch sein, deswegen setze ich vordergründige Spannung nicht auf Eins.

          Ein Buch wird nicht automatisch schlecht, wenn man es nicht verschlingen kann. Der Autor soll schon darauf achten, eine lesenswerte und unterhaltsame (spannend, witzig, berührend oder alles gleichzeitig) Geschichte zu schreiben.

          Gefällt 1 Person

          1. Man kann ja nicht nur Hochspannungsliteratur verschlingen.
            Ein Sog entsteht auch durch jede andere gut gemachte Form.
            Ich kann auch ganz zarte Bücher verschlingen, die wirken wie filigranes Harfenspiel, oder auch Reißer, die klingen wie eine Heavy Metal Band und alles dazwischen.

            Logik, Notwendigkeit, Rhythmus, Struktur und eine persönliche Stimme sind mir wichtig.
            Das gilt für alle Kunstgattungen.

            Wenn die Logik nicht stimmt, falle ich sofort auch aus der Geschichte heraus.

            Wenn ich die Notwendigkeit eines Abschnitts nicht erkenne, bin ich schnell genervt.
            Ewiges Geballer mit Blutorgien ohne Sinn wirkt auf mich genauso einschläfernd wie seitenlange Monologe über die Philosophie des Autors, Naturbeschreibungen mit Aufzählungscharakter, oder Sexszenen, bei denen man das Gefühl hat, der Autor wollte seine pornographischen Texte einmal mit etwas Handlung ummanteln und als Roman herausgeben.
            Dabei sind das alles Themen aus dem Leben und bin ich durchaus bereit, mich darauf einzulassen unter der Bedingung, dass die Geschichte ohne diese Abschnitte nicht vollständig wäre.

            Manchmal langweilt mich sogenannte Hochspannungsliteratur oder entsprechende Filme, weil sie keine Struktur und keinen Rhythmus haben wie ein halbstündiges High Speed Gitarrensolo, das keine Steigerung zulässt, weil Alles die ganze Zeit auf Maximum läuft.

            Ohne eine persönliche Stimme ist das ganze Werk sinnlos, denn alle Themen sind schon ausgiebig behandelt worden. Interessant ist, wie dieser einzigartige Mensch, dieser spezielle Autor sich dem Thema nähert.

            Gefällt 1 Person

                1. Manchmal können auch philosophische Traktate in Romanen lesenswert sein, wenn sie interessant, neu und überraschend geschrieben sind und das Denken einer Figur oder der Welt genauer charakterisieren.
                  Dennoch sollte man so viel wie möglich durch die Geschichte transportieren.

                  Gefällt 1 Person

            1. Es gibt schon sehr glaubwürdige Geschichten, die spannend sind.
              Wenn ich einer Geschichte nicht glauben kann, empfinde ich sie nicht als spannend.

              Gefällt mir

      2. Das stimmt nur begrenzt. Ich kann mit viele Delikatessen nichts anfangen und finde es durchaus gut, wenn ich mittelmäßiges Essen in großen Portionen erhalte, die mich sattmachen, als Exquisites, nach dem ich hungrig wieder nach Hause gehe.

        Gefällt mir

    2. Ich kann halt für MICH sagen, was ein ein gutes Buch ist, weil es MIR gefällt. Ich bin aber kein Verlagsmensch. Das Problem ist aber, dass auch Verlagsmenschen und Agenturen, so habe ich den Eindruck, nicht sehr viel anders entscheiden als ich. Auch sie haben Vorstellungen davon, was IHRER Ansicht nach ein gutes Buch ist. Fitzeks Therapie ist halt ein wirklich gutes Beispiel, denn dir Kritik, mit der er häufig abgelehnt wurde, ist eine, die man häufig hört: Das geht für Erstautoren nicht, dafür gibt es keinen Markt, so was läuft in Deutschland nicht usw.

      Offensichtlich scheint es aber – in seinem Fall – halt doch zu gehen.

      Gefällt mir

      1. Woher weiß man, ob etwas geht oder nicht, wenn man es nicht ausprobiert?
        Solche Bücher kann man nicht kalkulieren, weil man keine Erfahrungswerte hat, meistens sind aber genau das die Bücher, die richtig erfolgreich werden können. Verlage schätzen keine Unsicherheit, aber die muss man eingehen, um Erfolg zu haben.

        Gefällt mir

  4. Das schwierige ist ja auch immer, dass Trends sich ändern. Was vor ein paar Jahren der Renner war, verkauft sich heute viellicht gar nicht mehr. Und dass selbst die Verlage nicht wirklich wissen, was denn gerade angesagt ist oder nicht, hört man ja immer wieder. J.K.Rowlings Harry Potter wurde schließlich auch einige Male abgelehnt, bevor sich ein Verlag fand, der dem ganzen eine Chance gab. Und damit wurde dann auch wieder ein Trand geschaffen, der mittlerweile von den YA-Dystopien abgelöst wurde.
    Ist das aber nun alles gut? Das kann man doch eigentlich nur für sich selbst beurteilen. Ich mag Harry Potter genau so gerne, wie grottige Groschenromane mit ner gehörigen Portion Trash-Flair.
    Deshalb kann auch niemand sagen, was sich verkauft und was nicht. Als Autor muss das Ziel einfach sein, etwas zu schreiben, dass einem Spaß macht und sein eigenes Publikum zu finden. Das bedeutet noch lange nicht, dass man erfolgreich ist, aber immerhin hat man so den größten Spaß dabei und liefert das bestmögliche Ergebnis ab. Alles andere ist dann leider doch sehr stark vom Zufall geprägt.

    Gefällt 2 Personen

  5. Erinnert mich irgendwie ein wenig an die Quantenphysik. Die Quanten können alles auf einmal oder gar nichts sein, du kannst es erst mit Bestimmtheit sagen, wenn du sie dir anschaust. Bei Büchern also: Sie können Bestseller oder Ladenhüter sein. Das weißt du aber erst, wenn sie geschrieben und veröffentlicht worden sind. So ist das Leben nun mal..

    Gefällt 1 Person

    1. Achja!
      Und selbst, wenn Du das Quant beobachtet hast, kennst Du entweder seine Position oder seinen Impuls, aber niemals beides.
      Kann man die Analogie noch weiter führen?
      Das könnte so gehen: Wenn jemand ein Buch liest, kann er entweder beurteilen, ob es literarische Qualität hat, oder ob es sich verkaufen wird.
      Der Lektor muss auf letzteres achten, um seinen Arbeitgeber am Leben und sich selbst in Brot und Arbeit zu erhalten. Der Leser kann seine Perspektive frei wählen.

      Gefällt 1 Person

  6. Es wird immer nur über Handlung und Schreibstil geredet, wenn es um das Beurteilen eines „guten Buches“ bzw. erfolgreichen Buches geht. Ich denke gerade Stephen King ist deswegen so erfolgreich und völlig unabhängig von Plot und Genre (er wird aber leider immer noch als Horror-Autor bezeichnet), weil er sich ausgiebig den Figuren widmet. Aber nicht auf dem „Reißbrett“ sondern mit seinem außergewöhnlichen, arg gebeutelten und (sehr emphatischen) Menschenverstand. Er konstruriert seine Figuren nicht, sie sind einfach da und sieht nur zu, was sie machen, wie sie reagieren. Diese Magie spiegelt sich in fast allen seinen Romanen und Kurzgeschichten wieder. Denn eines ist doch klar, mich interessiert doch nur das Schicksal einer Person (Figur), wenn mich die Person interessiert. Ergo, ich denke man kann bei einem Buch über vieles hinwegsehen, wenn die Figuren stimmen und ich (als Leser) daher auch unbedingt wissen will, was aus ihnen wird.

    Gefällt 2 Personen

  7. „Reise zwischen Nachtht und Morgen“ von Rafik Shami stand 10 Jahre im Regal und hat mich nicht angesprochen. Hab immer wieder angefangen. Dann habe ich es mit in den Urlaub genommen und verschlungen. Beim Herrn der Ringe habe ich mich gefreut als es endlich die Verfilmung gab 🙃😉

    Gefällt 1 Person

  8. Ein gutes Buch muss mich in sich hinein ziehen können – ich kann das leider nicht besser ausdrücken – so dass ich darin lebe und aufgehe. Es muss mich die reale Welt vergessen machen. Und ich muss es mehrmals lesen können, ohne dass es seinen Zauber verliert. 😉

    Gefällt 1 Person

    1. Das würde ich unterschreiben. Allerdings hilft das ja nicht weiter, denn ein Buch, das auf dich diese Wirkung hat, muss sie ja nicht auf jeden andere auch haben.

      Der Witz ist nur, dass ich glaube, dass Lektoren, Agenten und Verlagsleiter ganz genau so urteilen wie du.

      Gefällt mir

  9. Wie meine Vorredner*innen auch schon bemerkten: Gut ist auch Frage des Geschmacks und immer Frage des eigenen Lebens. Also neben Handwerk – fesselt der Plot, ist die Sprache flüssig – muss ja auch immer eine persönliche Resonanz im Spiel sein. Das Thema und die Figuren müssen mich ansprechen, für mich irgendwie relevant sein, und das ist je nach Lebenssituation auch unterschiedlich. Deswegen habe ich für den Herrn der Ringe vier Anläufe gebraucht (von 13 bis 17 jedes Jahr einen). Deswegen interessieren mich Teenie-Dramen seit Jahren kein bisschen, auch wenn Vampire drin vorkommen. Deswegen findet mein Kollege „Slaughterhouse 5“ das beste Buch der Welt, und ich kann mich kaum dran erinnern, was darin vorkommt.

    Gefällt 1 Person

  10. „Herr der Ringe“ ist ein gutes Beispiel: Mit zwölf habe ich das regelrecht gefressen. Vor ein paar Jahren habe ich es wieder gelesen und war ich irgendwie nicht mehr so begeistert (obwohl ich die Filme natürlich trotzdem im Schrank habe) und weiß eigentlich nicht mal so genau, warum. Beim ersten Mal kam es mir irgendwie grandios vor, und beim zweiten Lesen viel kleiner. So wie wenn man als Erwachsener seinen alten Kindergarten besucht und feststellt, daß die ganzen Kindermöbel winzig sind und die Räume viel kleiner als in der Erinnerung. Vielleicht lag es aber auch daran, daß ich die Geschichte schon kannte. Bin gespannt, ob sich das beim nächsten Lesen wieder geändert hat.

    Wie auch immer: Nach diesem Blogpost bin ich richtig glücklich, daß es mittlerweile gute und günstige Möglichkeiten des Self-Publishings gibt. Das ist ja eine weitere Hintertür, wenn es über Verlage und Agenten nicht klappt: Man publiziert einfach selber, bewirbt das Buch an den richtigen Stellen, und wenn man das gut hinbekommt und es eine Zielgruppe gibt, dann verkauft sich das auch. Und sobald sich ein Buch verkauft, werden auch die Verlage aufmerksam. Habe ich jetzt schon des öfteren gehört. Allerdings haben sie es dann evtl. schwerer, ihre Konditionen durchzusetzen.

    Vielen Dank jedenfalls für diesen Beitrag! Ich finde ihn jedenfalls sehr erhellend. Ähnliches hat sich mir übrigens vor Jahren bei der Betrachtung von Diskussionsrunden zum Thema „Literatur“ aufgedrängt. Da ging es nicht so sehr ums Verkaufen als um hohe Kunst, aber wenn man in derselben Runde zwei gebildete, belesene Menschen über dasselbe Buch völlig gegenläufige Ansichten äußern, begründen und belegen hört, dann fragt man sich schon, was es eigentlich bedeutet, wenn ein Buch eine Auszeichnung erhält. Oder wenn eines keine erhält.

    Gefällt 1 Person

      1. Nein, daran ist nichts schlimm. Ich finde nur, es zeigt die Beliebigkeit von Auszeichnungen. Und deshalb interessieren sie mich nicht mehr. Weil ein Buch einen Preis gewonnen hat, muß es in keiner Hinsicht besser sein als ein anderes, das keinen Preis gewonnen hat. Vor diesem Hintergrund frage ich mich allerdings schon, wozu man überhaupt Preise verleiht und warum viele Menschen das als Kriterium für irgendetwas betrachten. Aber ich glaube, jetzt sind wir off-topic.

        Gefällt mir

        1. Als ein Kriterium kann es herhalten, es sollten auch andere Kriterien geben. Ein Preis dient dazu, ein Buch bekannt zu machen, das vielleicht keine Chance gehabt hätte.
          Manchmal trifft es auch Bücher, die die Auszeichnung verdient haben, beispielsweise Oskar, Rico und….

          Gefällt 1 Person

          1. Ich meinte mehr Literaturpreise, die in der Regel für bereits etablierte, „künstlerisch wertvolle“ Werke vergeben werden. Aber da man praktisch alles begründen kann, wäre es bei Preisen, die Büchern eine Chance geben sollen, vielleicht fairer, einfach ein Los zu ziehen. Wie auch immer: Mittlerweile kann ja zum Glück jeder selbst publizieren und sein Publikum finden. So können sich zumindest Bücher durchsetzen, die eine ausreichende Menge Menschen lesenswert findet. Egal, was die Branchenprofis davon halten. Das ist doch schon was. ☺

            Gefällt mir

            1. Wenn es nicht unbedingt der Kulturbambi ist, erhält nicht jeder eine Auszeichnung. Heitz, Fitzek oder Hohlbein werden solche Auszeichnungen nie erhalten. Ich glaube, sie sind auch nicht daran interessiert, sie haben beim Publikum Erfolg.
              Manche Preise werden ja jedes Jahr an einen anderen Autoren vergeben, so dass ein Autor, der in einem Jahr leer ausgegangen ist, schon im übernächsten Jahr eine bekommt.

              Gefällt 1 Person

        2. Wer die Preise kennt, kann sich daran orientieren.
          Sie sind wie die Empfehlungen von Bekannten.
          Bei manchen Menschen weiß ich, dass Sie einen ähnlichen Sinn für Komik haben wie ich, anderen vertraue ich, wenn es um andere Dinge geht.
          Manche Leute geben mir mit einer Buchempfehlung auch ungewollt einen Hinweis auf Werke, die getrost vergessen kann.

          Gefällt mir

        3. Mir ging es vor kurzem mit einem Sci-Fi Roman so, der alles an Preisen abgeräumt hat was Rang und Namen hat. Und ich musste es nach knapp 20 % weglegen, weil ich es nicht mehr ertragen habe wie langatmig und öde die Geschichte war. Die Idee war ganz toll, aber wie das Buch zu den Preisen gekommen ist ist mir ein Rätsel. Eine gute Idee alleine reicht demnach nicht für ein _gutes Buch_.

          Gefällt mir

    1. So ähnlich sehe ich das auch. Self Publisher haben unter Umständen mit Dingen Erfolg, die im regulären Verlagsbetrieb nie eine Chance gehabt hätten. Leser lesen nicht unbedingt das gerne, was der Literaturbetrieb für ein gutes Buch hält.

      Gefällt 1 Person

  11. ich habe die Dok auch gesehen – und witziger weise wo ich das jetzt lese – muss ich an die gestrige Mail denken – Zita:“ihre Geschichte hat Potenzial aber für ein ausführliches Lektorat zu aufwendig“ – ja so ist es dann wohl, also auf ein Neues

    die Dok hat mir eigentlich schon das bestätigt was ich wusste – es gibt aber tausende Autoren und Autorinnen und die Nische da reinzurutschen ist gering, aber es gibt sie – die Frage ist nur wie viel Ausdauer habe ich um ein „Nein“ zu akzeptieren – aufgeben ist also nicht

    es gibt viele Bücher, die ich selbst gelesen habe – wo die ersten 50/60 Seiten zum gähnen sind und irgendwann kommt mal eine gute oder noch schlechtere Wendung – es gibt auch solche die einfach nur schlecht und platt sind

    im Endeffekt entscheidet der Leser – aber der Leser kann nur entscheiden, wenn er auch etwas zum entscheiden hat
    wenn die Verlage bzw. Agenturen gleich 90% der Eingaben unter den Tisch fallen lassen oder in den besagten Papierkorb – kann ein Leser nicht entscheiden
    und um es hier mal aufzuführen auch ein Ken Follett oder (kürzlich gelesen) Nele Neuhaus haben schon ein nicht lesenswertes Buch geschrieben – hier zählt der Name
    leider ist es so – ist auch in der Kunstszene so, hast du keinen Namen hast du es schwer reinzurutschen in die Sparte

    in diesem Sinne einen schönen Sonntag

    Gefällt 1 Person

    1. Das stimmt alles, was du schreibst. Ich würde allerdings keinem Verlag einen Vorwurf daraus machen, dass er auch mittelmäßige Bücher von Autoren mit großen Namen publiziert – wobei auch das ja wieder subjektiv ist. Ich bin ein großer Fan von Stephen King. Aber bestimmt zwei Drittel seiner Romane finde ich sterbenslangweilig. Das eine Dritte hat es dafür in sich.

      Wenn ich mich mit anderen King-Lesern austausche, stelle ich fest, dass es vielen genauso geht wie mir. Aber welches Drittel wirklich gut ist, darin stimmt man meistens nicht überein.

      So oder so: große Namen zu verkaufen, ist okay. Ein Verlag ist ein Wirtschaftsunternehmen. Dass eine Marke ausgeschlachtet wird, ist in meinen Augen nachvollziehbar und auch gut so.

      Allerdings verstehe ich nicht, wieso nicht mehr Risiken eingegangen werden. Ich denke zum Beispiel nicht, dass SF so wenige Leser hat, wie häufig getan wird.

      Ich vermute ganz stark, dass dies einfach daran liegt, dass die meisten Entscheidungsträger in Verlagen keine große Erfahrung mit SF haben, die über 1984 und Fahrenheit 451 hinausgeht. Deswegen überlässt man das Feld dem Selfpublihsing und den Kleinverlagen, was dazu führt, dass SF zur Nische verkommt, obwohl das Genre für einige der spannendsten Bücher steht, die ich je gelesen habe.

      Das finde ich persönlich einfach schade.

      Gefällt mir

  12. Hat dies auf Glück ist für den Augenblick ein kleines Stück rebloggt und kommentierte:
    CHREIBEN IST WIE KOCHEN …Mein Vater – ein Koch – hat mir mal gesagt: es kommt nicht darauf an, ob es allen schmeckt, wichtig ist, dass es den richtigen Leuten schmeckt. Wenn du dein Bestes gibst, werden es die bemerken, die es schmecken können. Auf die Zutaten kommt es an, auf deine Zunge und dein Herz. Mit Liebe gekocht hat noch jedem geschmeckt. Die anderen sollen zur Konkurrenz gehen, vielleicht stimmt da das Rezept.

    Gefällt 1 Person

  13. Ein Augenöffner und genau die Aussage, die ich schon lange vermute. Grob ausgedrückt vermute ich sogar, dass gutes Marketing eines „schlechten Buches“ fast jedes „gute Buch“ mit schlechtem Marketing in den Schatten stellen kann.
    Ich danke dir von Herzen für deine tollen und verständlichen Beiträge. Ich schreibe schon seit Jahren, eher für mich, als für andere. Ich hatte früher oft das Problem, dass ich meine Idee nie zu Ende führen konnte. Woran das lag, wurde mir klar, als ich deine Artikel las. Ich bin eine Planerin, eine Perfektionistin, habe früher aber immer geglaubt, das Schreiben NUR kreativ ist und deshalb immer mit meiner Idee gleich drauf losgeschrieben und war dann total frustriert, wenn nach mehreren Tagen intensiven Schreibens plötzlich die Luft raus war. Jetzt ist das anders. Wenn mich eine Idee überkommt, dann schreibe ich sie auf, oft etwa eine halbe Seite und dann nutze ich deine Checkliste, eine Tabelle, Steckbriefe/Biografien, einen 3-Akter um meiner Geschichte einen Rahmen zu geben. Oft dauert diese Vorbereitung eine ganze Weile und ich habe anfänglich geglaubt, meine Idee dadurch aus den Augen zu verlieren, doch das Gegenteil war der Fall. Die Idee bekam viel mehr Tiefe, änderte sich, nahm Gestalt an und als ich dann anfing zu schreiben, fiel es mir ganz leicht 300 Seiten zu schreiben. Allein das ist so ein tolles Gefühl, selbst wenn man nicht veröffentlicht. Danke!!

    Gefällt mir

    1. Vielen Dank für die Blumen. Freut mich sehr, dass dir mein Blog was gebracht hat, dafür mache ich das ja hier. Deswegen ist es auch immer sehr schön, wenn ich erfahre, dass es funktioniert. Viel Erfolg noch weiterhin bei deinen Schreibprojekten.

      Gefällt mir

  14. Ich finde den Artikel sehr gut auf den unkt gebracht. Das spricht mir sozusagen alles aus der Seel.

    Als Leser bemerke ich selbst diese Ambivalenz, was ein gutes Buch ist, da ich dazu selbst nicht immer die gleiche Meinung habe, bzw. mich zu bestimmten Zeiten andere Bücher besonders ansprechen.

    Beispiel 1) Als Jugendliche habe ich Sartre geliebt und verschlungen, bis auf den Ekel. Hat mich nicht angesprochen, habe ich mühsam durchgearbeitet. Mit Mitte 20 fiel mir das Buch erneut in die Hände und ich habe es relgerecht verschlungen. Konnte gar nicht nachvollziehen, warum ich mich mal so schwer damit getan hatte. Ca. 10 Jahre später, wollte ich es noch mal lesen und ähm … was war da noch mal so faszinierend dran?

    Beispiel 2) Wie vermutlich die meisten habe ich ausgesprochene Lieblingsrenres. Krimis gehören dazu. So lese ich einen Krimi nach dem anderen … und dann kommt regelmäßig der Tag, an dem mich kein Krimi begeistern kann. Übersättigung an meinem Lieblingsgenre. Ich brauche einfach auch die Abwechslung.
    Ähnliches gilt für bestimmte Schreibstile. Ich mag es gerne humorvoll und es gibt Leute, die können sehr humorvoll schreiben. Sei es Krimis, Fantasy oder andere Genres. Doch wenn ich dann ein humorvolles Buch nach dem anderen gelesen habe, selbst wenn es in Abwechslung geschieht, mag ich eben auch mal einen komplett humorlosen Text lesen.

    Beispiel 3) Mich intertessieren bestimmte Themen, andere gar nicht. Ein Buch, selbst ein Krimi, dessen Basis ein Thema ist, das mich langweilt, kann ich auch langweilig finden.
    Und dann kommt der Tag, an dem irgendetwas passiert, so dass das Thema für mich interessant wird. Das muss nicht mal ein besonderes Ereignis sein, das kann z.B. auch ein Mensch sein, der mir dieses Thema unter einem neuen Blickwinkel nahe bringt und plötzlich lese ich möglichst viel, was dazu passt.
    Auch wenn man selbst betroffen ist, liest man Bücher unter einem neuen Aspekt. Wer Kummer hat, an einer Krankheit leidet, einen Verlust zu beklagen, mag manche Geschichte, die er vorher furchtbar theatralisch und / oder kitschig empfunden hat nun als wunderbar tröstendes Buch betrachten, in dem der Autor die eigenen Gefühle sehr gut auf den Punkt gebracht hat.

    Als Autor sehe ich darin vor allem die Bestätigung und Herausforderung, das zu schreiben, was in mir brennt. Mich ganz darauf zu konzentrieren, meinen höchst Stil zu entwickeln und zu pflegen. Dann kann ich wachsen und „mein bestes Buch“ aus mir herausholen, was im Idealfall dann für manche Leser zu irgendeiner Zeit auch ihr bestes Buch wird, was sooo unwahrscheinlich gar nicht ist.

    Gefällt mir

  15. Haben wir schon über die Erwartungshaltung gesprochen?
    Ich bekam einmal ein Buch geschenkt, das als Agententhriller aufgemacht war.
    Als ich dann Lust auf Agententhrill hatte, las ich es und war furchtbar enttäuscht.
    Es war tatsächlich eine Klischee durchtränkte Liebes- und Erotik Geschichte, die im Agentenmilieu angesiedelt war. Ich fand es dumm und langweilig.
    Jahre später fiel es mir wieder in die Hände und ich erinnerte mich nicht mehr, wie es gefunden hatte. Ich wusste nur noch, dass es eine seichte Liebesgeschichte war.
    Ich las es erneut und war dieses Mal einigermaßen angetan. Eines von den Groschenroman artigen Werken, die so durch flutschen, wenn man keine Lust auf Tiefsinn hat.

    Wir haben einmal eine spanischsprachige Pop Band an ein Restaurant vermittelt. Es sollte ein Open Air Event im Biergarten sein. Ich hatte dem Patron alle Informationen gegeben, einschließlich Demos, Videos und Bandfotos, die auf lockeren, intelligenten, urbanen Pop schließen ließen und ausdrücklich auf das Genre hingewiesen.
    Als wir zur Veranstaltung kamen, beschlich uns sofort ein mulmiges Gefühl.
    Die Plakate sagten nichts von Pop Musik, und trugen grafische Folklore Ornamente. Es war nur von spanischem Abend mit Live Musik die Rede.
    Die Folge: Das Publikum war auf Folklore eingestellt. Die Leute waren gekommen, um Flamenco zu tanzen und wurden enttäuscht. Ein großer Teil dieser Menschen wäre auch zu einem Pop Konzert gekommen. Dann hätten sie sich anders angezogen und ihre mentalen Antennen anders ausgerichtet.
    Die Band hätte ihnen so sicher sehr gut gefallen.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s