Innere Metaphern helfen Autoren produktiver zu sein

InnereMetaphernhelfenAutoreIch beobachte zu meiner großen Freude, dass sich die Zugriffszahlen auf meinen Blog zu Beginn des neuen Jahres deutlich erhöhen. Vermutlich liegt es daran, dass einige Menschen sich den Vorsatz genommen haben, 2016 endlich Autor zu werden und ihren Roman zu schreiben. Für all jene: Herzlichen Glückwunsch!

Natürlich freue ich mich auch über jeden, der (nicht nur) deswegen seinen Weg zu mir gefunden hat. Vielen Dank für das Interesse.

Damit es nicht nur bei einem guten Vorsatz bleibt und die Motivation auch (mindestens) über das ganze Jahr anhält, musst du Einiges tun.

Das eigentliche Problem beim Schreiben

Der tieferliegende Grund dafür, dass Schreibprojekte nicht durchgehalten werden, ist meiner Meinung nach weniger ein Mangel an Know How. Natürlich ist es wichtig, sein Handwerk zu kennen. Aber das Handwerk lernst du, wenn du motiviert bist.

Die Motivation ist das eigentliche Problem. Und hier stehen die Chancen, ein Schreibprojekt auch durchzuhalten, eher schlecht. Die Gründe dafür müssen nicht einmal beim Projekt selbst liegen. Selbst wenn du begeistert von deinen Ideen bist, kann der Schreibprozess schnell erliegen.

So gut wie niemand kann vom Schreiben tatsächlich leben. Die allermeisten Autoren, ob nun bereits veröffentlicht oder noch nicht, müssen – oder wollen – noch einer anderen Tätigkeit nachgehen. Schreiben verkommt auf diese Weise zum Zweitjob oder zum Hobby.

Einem Hobby kannst du mal nachgehen – oder halt eben auch nicht. Beim Job musst du täglich auf der Matte stehen und dein Bestes geben, sonst bekommst  du kein Gehalt und verlierst ihn unter Umständen.

Das macht es auch schwer, Schreiben vor anderen als sinnvolle Tätigkeit zu rechtfertigen. Familie, Freunde und Kollegen sind häufig skeptisch, was das denn soll, wenn es doch kein Geld bringt.

Hinzu kommt, dass Autoren kein festes Berufsbild haben: Die einen schreiben nachts, die anderen tagsüber, die einen dreißig Seiten am Tag, die anderen zehn in der Woche, manche sind planende Schreiber, andere entwickelnde, wieder andere schreiben pro Jahr fünf Bücher, andere in ihrem ganzen Leben nur eins usw.

All das macht die Tätigkeit eines Autors schwer greifbar und verständlich. Nicht nur für die Außenwelt, sondern, viel wichtiger, auch für dich selbst.

Das alles macht dich zu einer leichten Beute deines inneren Kritikers.

Du brauchst schon ein verflixt dickes Fell, um diese Zweifel von Außen nicht in Selbstzweifel umschlagen zu lassen. Zum Glück gibt es einen Motivationstrick, der nichts kostet, kaum Mühe macht und schnell umzusetzen ist: die innere Metapher.

Die Lösung des Problem: Sei ein olympischer Autor

Eine Metapher ist ein verkürzter Vergleich. Der Sinn dahinter ist, dass durch die Verkürzung des Vergleichs die Ähnlichkeit betont wird, also etwas Neues entsteht, das größter ist als seine Teile.

Metaphern sind mächtige Werkzeuge eines Autors, denn sie regen die Fantasie der Leser an, lassen innere Bilder entstehen und befeuern gleichzeitig Hirn und Herz – wieso sie also nicht auch zur eigenen Motivation benutzen?

Ich selbst mache das folgendermaßen:

Einerseits ist Schreiben für mich kein Beruf, auch keine Zweitjob, denn dafür verdiene ich damit (noch) zu wenig. Andererseits ist es auch kein Hobby. Ich habe einen Vertrag, den ich einhalten muss, einen „Businessplan“, arbeite regelmäßig als Autor usw.

Die vergleichbarste Tätigkeit, die mir einfällt, ist die eines Olympiasportlers.

Jemand, der für die olympischen Spiele trainiert, ist häufig kein Profi. Trotzdem kann es sich niemand leisten, sich dem Wettkampf zu stellen, wenn er seinen Sport „nur“ als Hobby betreibt – also nach Lust und Laune oder wenn es gerade mal passt.

Wie der Olympia-Sportler seinen Trainingsplan und seine regelmäßigen Übungen befolgt, so muss ich täglich schreiben, um als Amateur auch in den Ring mit Profis (also hauptberuflichen Autoren) steigen und bestehen zu können.

Was ist deine innere Metapher? Bist du der Bücherflüsterer? Oder eine ehrenamtliche Manuskriptpflegerin? Es kann sich lohnen, darüber nachzudenken.

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27 Antworten auf “Innere Metaphern helfen Autoren produktiver zu sein”

  1. Deine letzte Frage möchte ich so beantworten: Es gibt Projekte, in denen flüstere ich tatsächlich Wörter zu Geschichten, zumeist so leise, dass es niemand hört. Und es gibt Projekte, in denen ich so pfleglich mit „mir“ umgehe, dass ich mich traue es laut zu verkünden. Für beides gibt es EINEN Lohn: Schulterklopfen oder Taschengeld. Leider klimpern meine Wimpern lauter …

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  2. Das Zwischen-den-Stühlen-sitzen, der Spagat zwischen Broterwerb und „Hobby“ ist in der Tat die größte Herausforderung der modernen Schreibenden Zunft. Kaum einer kann wirklich von seinen Tantiemen leben. Eine innere Metapher ist ganz schön, aber meiner Meinung nach ist das Einzige, was wirklich zählt, die TÄGLICHE Arbeit am Buch. Und wenn es nur zwanzig Minuten sind. JEDEN Tag – das muss zu einem Ritual werden. Bist du erst mal draußen, können schnell mal wieder 14 Tage ins Land gehen, ohne dass ein einziges Wort geschrieben wurde. Schreiben muss ein selbstverständlicher Teil des Tages sein wie Bettenmachen (Wobei man lieber auf das Bettenmachen statt auf das Schreiben verzichten sollte 🙂

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    1. Hallo!
      Kann ich Wort für Wort unterschreiben. Schreiben sollte so selbstverständlich sein wie Aufstehen, Tagesschau gucken 😉 oder morgens die Kaffeemaschine anstellen.
      „Innere Metaphern“ und so: das hängt alles vom bewussten Willen ab. Und Wille kann (=wird) erlahmen und dann aufhören. Rituale und Routinen (oder im Grunde: innerer Zwang) haben eben den großen Vorteil, keinen bewussten Willen vorauszusetzen.
      NNIN

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  3. Hat dies auf Wer bin ich, bin ich wer? rebloggt und kommentierte:
    Jepp … das hat Markus toll erklärt … und ich denke, der Metapher „Sportler“ kann ich mich am ehesten anschließen … nicht unbedingt olympisch, aber immerhin um ein gutes Abschneiden bei Wettkämpfen bemüht. Auch Sportler haben nämlich Phasen, in denen sie nicht täglich trainieren können (oder dürfen oder wollen), dafür aber auch gelegentlich Trainingscamps oder Extraeinheiten … und das kenne ich auch … genau so 😉

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  4. Auch wenn es mittlerweile abgedroschen sein mag:
    „Schreiben ist kein Beruf, sondern eine Berufung.“
    Man wird doch auch nicht Komponist, um damit Millionär zu werden.

    Um deine Frage nach der inneren Metapher zu beantworten:
    Ich bin Liebender. Natürlich muss man nicht Lieben, aber wer möchte schon nicht lieben…
    Ich bin mit meinen Manuskripten verheiratet. (Ja, es gibt auch Leute, die aus Geldgründen heiraten, aber lassen wird das mal außen vor.)

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  5. Hat dies auf Denk neu rebloggt und kommentierte:
    Einen sehr inspirierenden Artikel zum Thema Schreiben hat Purple gestern veröffentlicht. Über das Thema macht man sich ja als Blogger zwangsläufig immer wieder Gedanken. Am Anfang ist man euphorisch, weil man meint eine geniale Idee zu haben und dann kommen die Gedanken: macht das wirklich Sinn? Ist es das Richtige für mich? Jeder kennt sicher die Momente, in denen er alte Texte löscht, weil sie ihm peinlich oder nicht mehr zeitgemäß erscheinen. Dabei sieht man beim Vergleich mit den aktuellen Beiträgen wie sich jemand entwickelt hat. Am Ende ist jeder nur ein Mensch mit Stärken und Schwächen, die man akzeptieren sollte. Bei mir ist ja immer .B. das Problem, dass ich zu viele Interessen habe und am liebsten jede Woche einen neuen Blog eröffnen würde 🙂
    Dazu kommt noch die Tatsache, dass Deutsch nicht meine Muttersprache ist und ich dementsprechend manchmal etwas unsicher bin, Fehler mache etc. Aber dennoch möchte ich dabei bleiben, weil sich mir hier eine ganz neue Welt eröffnet. Wie es mit dem Schreiben so ist :))))
    Danke Marcus für diesen Artikel!

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  6. Hm. Da ich nebenfreiberuflich selbstständig meine Einnahmen versteuern muss, arbeite ich also selbst und ständig. Die Grenzen verschwimmen ohnehin, da mein persönlicher Blog ja auch der Kontaktpflege und dem Marketing dient, dito facebook etc.
    Witzigerweise habe ich mit der Motivation keine Probleme, was vor allem daran liegt, dass ich grantig werde, wenn ich nicht schreibe. Ich hab einfach zu viele Gedanken in meinem Kopf, wenn ich die nicht rauslasse, entsteht Überdruck 😉

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      1. Okay … nein, „nicht trauen“ ist mir irgendwie fremd. Aber ich stell mich ja auch bauchfrei auf Bühnen oder bin gelegentlich verkleidet bei CSD-Paraden in Fußgruppen unterwegs …

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  7. Danke für Deine immer wieder inspirierenden Inputs. Gerade Bilder und Metaphern sprechen mich sehr an.

    Ich bin ein Berggänger, der schon 2, 3 kleinere Gipfel bestiegen hat und sich jedesmal nach einem höheren Berg umsieht. Jetzt gerade kraxle ich in der ersten Steilwand mit Steigeisen und Fanghaken und versuche, Prämisse und Plot für einen Thriller auf die Reihe zu kriegen. Meine Maxime: Mit Beharrlichkeit dem Ziel entgegen.

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  8. Hallo Marcus, ich bekomme kein Taschengeld und nur ein wenig Schulterklopfen, mit dem ich aber durchaus zufrieden bin. (vorerst! Grins…) Ich schreibe, weil ich so viele Ideen habe, dass mir der Kopf platzt. Ich kann nicht schlafen, bevor ich nicht am Abend meinen Kopf erleichtert habe.
    Außerdem erweitert das Schreiben meinen Horizont, bringt mich mit interessanten Menschen, wie euch, in Kontakt und meine Fähigkeiten, zu reden, zu denken und zu träumen, verbessern sich.

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  9. Ich finde die Idee klasse. Nicht nur, um sich zu motivieren, sondern auch um das „innere Profil“ zu schärfen. Was möchte ich? Wohin möchte ich mich als Autor mit meiner „Karriere“ bewegen? Eine Metapher bringt das sehr schön auf den Punkt.

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  10. Ich finde Held oder Heldin in einem Rollenspiel passt vielleicht auch ganz gut:

    Jeden Tag muss ich meine kleinen Motivations-Killer besiegen; das gibt mir Erfahrungspunkte und so steige ich Stück für Stück, langsam aber stetig, in meinem Skill-Level 🙂 Irgendwann bin ich dann mächtig genug, um mich einem Levelboss (einem Verlag) mit meinem Manuskript in der Hand zu stellen! 😀

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  11. Ich folge gern deinem blog, weil es mich immer wieder inspiriert, von einer anderen Sichtweise den Text oder das Thema zu betrachten. Also solche dinge, die ich gerade für interessant erachte. Ich arbeite auch sehr gern mit Metaphern.
    Beim schreiben bin ich zwei. Die eine ist die künstlerin und die andere ist die kritikerin. Aber immer nur eine darf aktiv sein. Wenn sie sich ins Gehege kommen, wird der Text nur Chaos und ich werde von selbstzweifeln geschüttelt. Also lasse ich die, die nicht aktiv ist, einen Kaffee trinken und sie soll sich erholen, kraft tanken, bis sie wieder an der Reihe ist. Dann ist auch keiner beleidigt.
    Liebe grüsse, und danke nochmals für deine inspirationen.

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  12. „Familie, Freunde und Kollegen sind häufig skeptisch, was das denn soll, wenn es doch kein Geld bringt.“
    Oh Mann, das ist soo wahr!

    Mir gefällt der Vergleich mit einem Rollenspiel und den Erfahrungspunkten. Denn tatsächlich bringt jedes Projekt neues Wissen.

    Schöner Artikel!

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