Die Deadline ist die beste Freundin des Autors

DieDeadlineistdie-2Douglas Adams wird das Zitat zugeschrieben: „I love deadlines. I love the whooshing noise they make as they go by.“ Frei übersetzt: „Ich liebe Deadines. Ich liebe das Rauschen, das sie verursachen, wenn sie an einem vorüberziehen.“

Viele Erstautoren fühlen mit ihm. So lange es keinen Agentur- oder Verlagsvertrag gibt, kann man sich so viel Zeit für sein Manuskript lassen, wie man möchte. Doch spätestens ab dem zweiten Buch sieht das anders aus.

Verlage müssen planen, Agenturen wollen verbindliche Abgabetermine festlegen, denn auch sie entwickeln einen Plan, zu welchem Zeitpunkt sie ein Manuskript zu den bestmöglichen Konditionen bei speziellen Verlagen unterbringen können.

Eine Deadline zu bekommen, bedeutet für den Autor, dass er im Business angekommen ist. Schreiben wird nun – zum Teil wenigstens – zu einem Geschäft. Einem Job. Und so wie bei allen anderen Jobs auch, gibt es Termine. Vielen gefällt das nicht, denn sie glauben, Kreativität und Termindruck vertragen sich nicht.

Das hat nachvollziehbare Gründe. Die meisten von uns haben in Schule und Studium Deadlines bereits kennen und hassen gelernt – als Abgabetermine für Arbeiten oder Prüfungstermine.

Wer als Autor also langfristig und regelmäßig Bücher veröffentlichen will, der muss sich damit anfreunden, seine Kreativität zu organisieren, sich Zeitmanagement anzueignen und lernen, den Zeitdruck zu lieben.

Anders funktioniert das Autorenleben nicht – außer man ist so erfolgreich wie Douglas Adams oder George R.R. Martin, der dafür bekannt ist, seine Deadlines gleich um mehrere Jahre zu verpassen.

Dann richtet sich die Verlage nach dem Autor und nicht umgekehrt. Doch auf 99 % der Autoren trifft das nicht zu. Und selbst die ganz großen, wie Brandon Sanderson oder Stephen King erfüllen ihre Deadlines, schlichtweg, weil es professionell ist.

Mit der Fortsetzung zu Tödliche Gedanken stehe ich nun auch das erste Mal unter Termindruck. Während ich am ersten Teil in einem Zeitraum von fast sechs Jahren mal intensiver, mal weniger intensiv oder gar nicht an dem Manuskript gearbeitet habe, muss ich nun sehr planmäßig und konzentriert editieren, um den Abgabetermin auch einhalten zu können.

Ich sehe meine Deadline relativ entspannt (mal schauen, wie lange noch). Das Manuskript zu Fortsetzung liegt im zweiten Entwurf vor. Der Arbeitsaufwand ist planbar, da ein großer Teil der kreativen Arbeit bereits getan ist.

Um eine Deadline einhalten zu können, muss ich als Autor eben solche Dinge gut planen können. Und das kann ich erst, wenn ich auch über Erfahrung verfüge. Ich muss mich selbst kennen, Arbeitsroutinen entwickelt, Zeitmanagement beherrschen.

Wenn man Deadlines ernst nimmt und die Arbeit um sie herum organisiert, sie nicht als störenden, die Kreativität beschränkenden Faktor wahrnimmte, dann kann sie sogar eine Bereicherung für das Schreiben werden.

Denn ohne Deadlines besteht die Gefahr, dass ein Projekt zerfasert. Jeder Text lässt sich bis ins Unendliche verbessern. Eine Deadline zwingt dazu, Schwerpunkt zu setzen, die einen davor bewahren, in Perfektionismus zu verfallen. Und Perfektionismus tötet am Ende nicht nur jedes Projekt, sondern ist auch schlecht für die geistige Gesundheit.

Letztendlich ist es nicht die Deadline, die einen unter Druck setzt und Stress verursacht, sondern der eigene Anspruch, der bei vielen eher zu hoch als zu niedrig ist.

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10 Antworten auf “Die Deadline ist die beste Freundin des Autors”

  1. Es ist mir als Konsument lieber auf ein gutes Buch zu warten als ein drittklassiges Buch in den Händen zu halten. Deadlines sind für kreative Berufe eher hinderlich, weil man nicht immer kreativ sein kann. Wenn man einen kreativen Schub hat, ist das alles gar kein Thema – Aber wehe wenn nicht! Da hilft auch das beste Zeitmanagement nicht mehr.

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    1. Das sehe ich ähnlich kritisch. Natürlich kann man Tricks anwenden, um der Kreativität auf die Sprünge zu helfen, aber manches braucht seine Zeit. Man kann ja gleichzeitig an mehreren Büchern arbeiten.

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    2. Da sehe ich Schreiben wohl zu sehr als Handwerk. Wenn ich mir eine neue Tür einbauen lasse, wird die auch nicht fertig, wenn der Tischler gerade kreativ ist, sondern zum vereinbarten Zeitpunkt.

      Natürlich muss eine Deadline realistisch sein. Soll heißen, der Tischler verspricht mir – wenn er gut ist – auch keinen Termin, wenn er nicht weiß, dass er bis dahin schon alle Komponenten zusammen hat usw.

      So ähnlich sehe ich das bei Autoren auch. Die kreative Arbeit muss schon mehr oder weniger erledigt sein, bevor ich mich auf eine Deadline einlasse. Soll heißen: Ich muss schon wenigstens wissen, wie der Roman so ungefähr aussehen wird. Und ich muss wissen, wie lange ich dann in der Regel dafür brauche, den Stoff „runterzuschrauben“ und zu überarbeiten.

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  2. Ich muss Euch beiden zustimmen (Markus und Lila). Ein gutes Buch, eine gute Story, ein guter Lesestoff ist es immer wert, auf ihn zu warten. Auch als Autor macht man Fehler unter Termindruck, und damit meine ich nicht nur das einhalten von Rechtschreibfehlern. Plötzlich kommt man bei den Charakteren durcheinander, die Story wird ggf. hier und da eher zusammenhanglos bis hin zu „Plotholes“, die auch vom Lektorat und Korrektorat übersehen werden usw. usf.. Am Ende artet das ganze im schlimmsten Fall zu einer Art Qualitativ wirkender Fließbandarbeit mit Quantitativen teuer verkauften Endergebnissen aus (ich weiß, das ist nur der extremste Vergleich, der nicht so eintreffen muss).

    Im Umkehrschluß kann man auch sagen: Die beste Deadline taugt nichts, wenn es einen Ideen und/oder Zeit mangelt.

    Ein guter Mix aus realistische Einschätzung bis wann etwa fertig geschrieben werden muss/kann und die Möglichkeit bei Bedarf auch ein wenig überziehen zu können macht meiner Ansicht viel mehr aus. Aber den Termindruck und die nötige Planung muss auch sein, sonst läßt man am Ende die Arbeit an der Geschichte nur noch schleifen (besondere Umstände mal ausgenommen, das Leben funkt einen ja auch immer mal mit unerwünschten Überraschungen gern dazwischen).

    PS. und OT: endlich, das G+ anmelden funktioniert wieder. Da gab es wohl ein WordPress Pluginupdate. Sehr gut.

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