Der NaNoWriMo ist nur der Anfang

NaNo-2015-Participant-Badge-Large-SquareWenn du dieses Jahr am NaNoWriMo teilnimmst, müsstest du heute kurz davor sein, die 50.000 Wörter zu schaffen. Es kann auch gut sein, dass du viel weniger als 50.000 Wörter geschafft hast und es bis zum Ende des Monats das Ziel nicht mehr erreichen kannst.

Das spielt keine so große Rolle. Das Wichtige am NaNoWriMo ist, dass du dein Manuskript wirklich beendest. Du hast gelernt, dass du viel mehr schreiben kannst, als du geglaubt hast. Du hast eine Schreibroutine entwickelt und eine Methode, mit der du das Schreiben in deinen Alltag integrieren kannst.

Das ist die Magie vom NaNoWriMo.

Jetzt bist du in einer wirklich heiklen Phase. Bestimmt hast du das Bedürfnis, dich auszuruhen. Puh. Das war ja auch anstrengend. Eine Pause vom Schreiben wäre jetzt genau das richtige …

Nein, wäre es nicht!

Solche Gedanken führen in den Untergang. Gibst du ihnen nach, kann es sein, dass du den Schwung des NaNoWriMos verlierst. Und dann war die ganze Mühe vergebens.

Natürlich darfst du dir am ersten Dezember selbst auf die Schulter klopfen. Aber dann nimm die Hand schnell wieder runter, spuck hinein, und hau weiter in die Tasten. Es gibt noch viel zu tun:

1. Schreib den Skript zu Ende

Du hast mit den 50.000 Wörtern eine Punktlandung gemacht und deinen Roman beendet? Nie im Leben. 50.000 Wörter sind kein Roman. Eher eine Novelle. Willst du das wirklich? Zu einem Roman fehlen dir noch mindestens 30.000 Wörter.

Vielleicht gibt es noch eine Perspektivfigur, die du ausbauen kannst? Wird der Roman spannender, wenn du ein paar Kapitel aus der Perspektive des Schurken einfügst? Gibt es Aspekte der Handlung, die du noch nicht beleuchtet hast, die aber interessant sein könnten?

2. Überarbeite dein Manuskript

Kein Mensch schafft es, in 30 Tagen einen Text von 50.000 Wörtern zu schreiben, der  druckreif ist. Es tut mir leid, wenn ich dir diese Illusion nehme, aber mit großer Wahrscheinlichkeit ist das Skript, das du nun fertig hast, eher dürftig.

Aber das ist kein Grund zur Trauer. Das ist normal. Ich kann Ernest Hemingway in diesem Zusammenhang nicht oft genug zitieren: „Der erste Entwurf von allem ist Mist.“

Es ist auch überhaupt nicht der Sinn, des NaNoWriMos einen fertigen Text zu produzieren. Du sollst lernen, schnell ein Manuskript zu beenden. Denn nur ein fertiger erster Entwurf ist eine Grundlage für einen Roman.

Also mach dich an an die Arbeit. Schreibe den Text so schnell es geht zu Ende (s. 1.) und dann setze dich dran, kein Wort auf dem anderen zu lassen.

3. Gib dein Manuskript Testlesern

Verlasse dich nicht auf dein eigenes Urteil. Es ist leider so, dass man als Autor seine Texte nicht objektiv beurteilen kann. Viele bilden sich ein, dass sie es könnten. Aber es geht nicht.

Suche dir unabhängige Testleser. Und, nein, deine beste Freundin, Mutter, Tochter, Schwester usw. sind keine unabhängigen Testleser.

4. Sende dein Manuskript an Agenten und Verlage

Wozu das Skript verschwenden? Wenn du es Testlesern präsentiert und mehrfach überarbeitet hast, dann schicke es doch in die Welt hinaus. Ja, du wirst bestimmt das Gefühl haben, dass es nicht gut genug ist (Oder auch nicht. Dann herzlichen Glückwunsch zu deinem gesunden Selbstvertrauen.).

Du hast nichts zu verlieren. Ja, Ablehnungen schmerzen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass dein Skript abgelehnt wird, ist sehr, sehr hoch. Aber vielleicht landest du auch einen Glückstreffer.

Wenn nicht – dann gibt es nächstes Jahr wieder einen NaNoWriMo, in dem du ein neues Manuskript schreiben wirst. Nach allen Regeln der Kunst ist das besser als das vorherige. Und so weiter. Vielleicht dauert es ein paar Jahre. Vielleicht ein paar mehr. Aber das ist normal. So gut wie kein Autor verkauft sein erstes Manuskript.

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14 Antworten auf “Der NaNoWriMo ist nur der Anfang”

  1. Hallo Marcus, danke für diesen schönen Beitrag! Ich habe mir erlaubt, ihn sozusagen auf meinem eigenen Blog mit ein paar eigenen Gedanken zu ergänzen und hoffe, dass es okay ist. Einen Backlink habe ich selbstverständlich gesetzt!

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  2. 50 000 Wörter wären schon ein Roman, zwar ein kurzer. Selbst mit seinen 39000 Wörtern ist die Leiden des jungen Werthers ein Roman.
    Viele Werken, die ich in letzter Zeit gelesen haben, wären mit einer kürzeren Längen besser geworden und damit mit mehr Mut zu einer pointierteren Sprache, ich erwähne hierbei nur Greenwash Inc. Ein Roman muss nicht 320 bis 400 Seiten lang sein.

    Und Ullstein Midnight veröffentlicht, wie man anhand von Mopswinter sehen kann, auch 120 Seiten-Geschichten.

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    1. Ich denke, es kommt wirklich auf die Art des Textes an. Gerade die sogenannte „Literatur“, wie du sie ja auch ansprichst, kommt häufig unter der 250-Seiten-Grenze durchs Ziel und bewegt sich damit halbwegs NaNo-kompatibel. Und bei eBooks ist die Spanne ja sowieso riesig!

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      1. Selbstpublizierte E-Books sind ein anderes Thema. Wer den Weg über einen Agenten zum Publikumsverlag sucht – und das meine ich hier, hätte ich im Artikel nochmals betonen sollen -, der wird mit einem Roman unter 80.000 Wörtern Schwierigkeiten haben. „Literatur“ ist ein anderes Thema. Hier gehen vollkommen unterschiedliche Formate. Die Wege zur Veröffentlichung sind hier allerdings auch häufig anders. Noch schwieriger.

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    2. Ist ja auch eine Genrefrage.

      Fantasy und historische Romane fasse ich normalerweise gar nicht erst an, wenn sie nicht mehr als 200 Seiten haben (wollte 300 schreiben und habe dann gesehen, daß meine Ausgabe der „Letzten Tage von Pompeji“ nicht ganz 250 Seiten hat ;-)). Außer irgendwas macht mich ganz besonders neugierig oder es ist ein selbstpubliziertes E-Book. Die sind nämlich sehr preiswert.

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    3. Midnight schreibt auf seiner Website, dass Manuskripte zwischen 80.000 und 100.000 Wörtern erwünscht sind. Ja, es gibt Ausnahmen, dass sind aber für die Weihnachtsaktionen von Midnight extra in Auftrag gegebene Geschichten. Ein Experiment.

      Wie viele 50.000-Wörter-Manuskripte hast du bisher bei einem Agenten untergebracht? Ich sage nicht, dass es nicht funktionieren kann. Alles ist möglich. Aber eher unwahrscheinlich.

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      1. Sie sind aber so flexibel, dass sie auch kürzere Formate annehmen, wenn das Buch gefällt. Ich weiß nicht, ob Mops-Geschichten nur für Weihnachten geschrieben wurde. Identitäten hat auch unter 100 Seiten.

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  3. Lieber Marcus,

    dieses Jahr werde ich den NaNoWriMo nicht schaffen. Aber das ist nicht so schlimm, denn am ersten Dezember gehts genauso weiter und dann bin ich vielleicht bis Weihnachten fertig.

    Danke.

    Martin

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