Selfpublishing ist keine zweite Wahl mehr, um sein Buch zu veröffentlichen

SelfpublishingistkeinezweNoch bis vor einer Weile habe ich die Überzeugung vertreten, dass Selfpublishing etwas für Autoren ist, die zu ungeduldig sind, um den Veröffentlichungsweg über Verlage zu wählen. Inzwischen glaube ich das nicht mehr. Ich habe die Bewegung unterschätzt.

Die Selfpublisher-Szene hat sich rasant verändert. Wurde sie nach meinem Eindruck anfangs von wenig bis gar nicht lektorierten Romanen mit minderwertigen Covern dominiert, ist sie inzwischen weitestgehend professionalisiert.

Viele Bücher von Selfpublishern sind auf den ersten Blick gar nicht mehr von Verlagsprodukten zu unterscheiden. Autoren im Eigenverlag haben verstanden, dass ihre Romane mindestens genauso gut sein müssen wie die etablierter Verlage, damit sie konkurrenzfähig sind.

Natürlich gibt es nach wie vor Schnellschüsse, die Vorurteile bestätigen. Bei genauerer Betrachtung entpuppen sich die Ressentiments gegenüber Selfpublishing aber als hinfällig. Es funktioniert eigentlich genau so, wie das Verlagswesen.

Sind selbstverlegte Bücher schlechter als Verlagsbücher?

Eine verbreitete Kritik am Selfpublishing ist die mangelnde Qualitätskontrolle. Es ist für manche nur schwer vorstellbar, dass auf die traditionellen Gatekeeper (also Literaturagenten und Lektoren, die entscheiden, ob ein Buch veröffentlichungswert ist oder nicht) verzichtet werden kann.

Doch es scheint zu funktionieren. Entgegen meiner anfänglichen Skepsis muss ich erkennen, dass die Schwarmintelligenz der Leser diese Funktion übernehmen kann.

Mehr noch: Was der Leser gerne liest und was Gatekeeper für lesenswert erachten, ist nicht immer unbedingt deckungsgleich.

Ich sehe im Selfpublishing-Bereich eine Vielzahl spannender und gut geschriebener Liebesromane, Thriller und auch Romane in Nischengenres, die in der Verlagswelt nie das Licht der Welt erblickt hätten. Ganz offensichtlich sind dies Bücher, die Leser interessieren, die aber Verlage nicht produzieren können oder wollen.

Phillip Peterson Paradox, der Gewinner des Kindle Storyteller-Award, ist hier ein gutes Beispiel: hervorragende Science Fiction, bis ins letzte Detail professionell.

Vor SF schrecken jedoch die meisten Agenten und Verlage zurück und schreiben auf ihren Webseiten ausdrücklich, dass sie keine Manuskripte aus dem Genre annehmen.

Und das nicht, weil diese Manuskripte unbedingt schlecht sind, sondern weil SF angeblich nicht läuft – Bestseller wie „Der Schwarm“ von Schätzing, den Romanen von Andreas Eschbach oder der Erfolgsserie Perry Rohaden zum Trotz (um nur drei Bespiele zu nennen).

Ein Autor, der SF schreibt, wird also zum Selfpublishing gezwungen, ganz gleich, wie gut er ist.

Finden Leser gute Bücher ohne Verlage?

Der nächste traditionelle Einwand gegen das Selfpublishing ist die mangelnde Orientierung für den Leser. Angeblich könne der Leser ja bei der Vielzahl an Neuerscheinungen das Buch, das ihm gefallen könnte, gar nicht finden.

Wer so argumentiert, übersieht den meiner Einschätzung nach wichtigsten aller Gatekeeper im Literaturbetrieb: die Mundpropaganda. Trotz ausgefeilter Marketingstrategien der großen Verlage, passiert es immer wieder, dass plötzlich Bücher, die niemand auf dem Schirm hatte, zu Bestsellern werden und umgekehrt.

Sebastian Fitzeks Karriere ist dafür ein Beispiel. 2006, als Die Therapie erschien, hat niemand etwas auf deutsche Psychothriller gegeben. Die Startauflage von 4000 Exemplaren zeigt, wie wenig Vertrauen dem Projekt entgegengebracht wurde. Es gab keine große Werbekampagne für den Roman. Anfangs sah es auch danach aus, dass das Buch auch sang- und klanglos wieder von der Bildfläche verschwinden würde – bis die Mundpropaganda einsetzte und Fitzek zum Bestsellerautor machte.

Fazit: Es ist nicht mehr der einfache und/oder minderwertigere Weg, sein Buch als Selfpublisher zu veröffentlichen – wenn es das denn je war. Es hat Nachteile, sein Buch selbst zu publizieren. Es hat aber auch Vorteile. Nach meinem Eindruck ist Selfpublishing inzwischen eine gleichwertige Alternative zur Verlagsveröffentlichung. Oder zumindest auf dem besten Weg dahin, eine zu werden.

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33 Gedanken zu “Selfpublishing ist keine zweite Wahl mehr, um sein Buch zu veröffentlichen

  1. An einem Punkt ist meine Erfahrung im Verlagswesen eine andere: auch 2006 war eine Startauflage von 4000 Stück für einen unbekannten Autoren ein Zeichen von Vertrauen in ihn. Heute sind Startauflagen von 3000 Stück normal es sei denn man geht von einem Bestseller aus. Mit den jetztigen Technologien kann man sehr schnell die 2. Auflage an den Markt bringen.

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  2. Man muss allerdings dazu sagen, dass Selfpublishing mittlerweile auch erfordert, dass der Autor in das Cover und das Lektorat investiert. Ich denke, dass es wirklich großartige Bestseller in diesem Bereich gibt, aber in der Mehrzahl auch grandiose Beispiele für gekonnte Selbstausbeutung.

    Es ist ja ein sehr komplexes, zeitraubendes Thema ein Buch zu bewerben. Wer die Instrumente nicht beherrscht, der wird sich an dem Thema Mundpropaganda – um bei dem Vergleich zu bleiben – die Zähne ausbeissen. In der Amazon Umgebung muss man sein Buch erstmal verschenken, um es irgendwann zu verkaufen. Zeitschriften besprechen zu fast 100% keine selbstpublizierten Bücher, der Buchhandel selbst ignoriert sie ebenfalls, so bleibt eigentlich nur die Stütze auf die Vertriebswege der ebooks.

    Und hier teilt sich der Markt auf zwei Reader auf. Das ist alles nicht so viel, als dass man einem unbedarften Menschen, der sich mit dem Gewerke nicht auskennt, wirklich dazu raten möchte. Im Grunde muß man sehr mit der Arbeit eines Verlages vertraut sein,um ähnlich gut vorzugehen. Ich war dieses Jahr ebenfalls am Kindlestand und habe mir die dortigen Vorträge angesehen. Die vorgestellten Bücher, die man dort in der Bestenliste sahen, waren tatsächlich sehr professionell. Verrieten aber auch eine gute Vorbereitung und gute Kenntnisse bzgl. des Marktes, auf den man sich da begibt.

    Ich war vor allem ziemlich überrascht wieviele Stände auf der Buchmesse an dem Thema mitverdienen wollen. An einem Thema, das an der großen Masse der Leser noch vorbeigeht, und im großen Stil ignoriert wird, arbeitet sich mittlerweile schon eine richtige Branche ab, die gar nicht schlecht verdient, obwohl man sie in der Öffentlichkeit nicht so richtig wahrnimmt. Das finde ich tatsächlich etwas bedenklich.

    Früher gab es die sogenannten „Eitelkeitsverlage“, die es immer noch gibt, aber die so langsam zurückgedrängt werden und sich den neuen Vertriebswegen anpassen müssen, aber einiges, was sich im Selfpublishingbereich tummelt, erinnert sowieso fatal daran.

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    • Ich will nicht negativ wirken, aber Schreiben ist – wenn man es genau betrachtet – immer Selbstausbeutung. Es gibt viele, wesentliche einfachere und lukrativere Tätigkeiten.

      Und Werbung über soziale Medien etc. machen eigentlich heutzutage fast alle Autoren, so weit ich das verfolge, selbst die Bestseller-Autoren, von denen man vielleicht meinen könnte, dass sie das nicht nötig haben.

      Ja, ein Verlag übernimmt den Aufwand für das Lektorat und die Covergestaltung. Ich zum Beispiel bekomme durchaus auch sehr positive Impulse seitens des Verlags, die auch die Inhalte eines Romans betreffen. Ich würde also nicht sagen, dass Verlage überflüssig oder nicht hilfreich sind. Aber beide Formen des Publizieren haben ihre Vor- und Nachteile und sind sehr aufwändig.

      Ich will sagen: Wenn ich mich nicht auskenne, habe ich eigentlich auch kaum eine Chance, bei einem Verlag unterzukommen oder den Vertrag für das nächste Buch abzuschließen.

      Was die „Eitelkeitsveröffentlichungen“ angeht: Ja, die gibt es. Sie versinken aber in der Masse der Veröffentlichungen – so, wie sie das schon immer getan haben. Im Prinzip hat sich meiner Meinung auch dort wenig geändert, wohingegen die Zahl der qualitativ hochwertigen Veröffentlichungen im SP-Bereich steigt.

      Deswegen denke ich auch, dass die Wahrnehmung des Lesers sich inzwischen massiv geändert hat und noch weiter ändern wird. SP-Bücher sind keine Schmutzware mehr, die man ignoriert, sondern für viele Leser – zugegeben noch nicht von einem Großteil – zu einer beachtenswerten Alternative geworden.

      Ich denke halt, dass es in absehbarer Zeit für den die meisten Leser einfach keine Rolle mehr spielen wird, ob ein Buch als Verlagsprodukt oder im SP erscheint. Für eine noch kleine Avantgarde ist das auch jetzt schon so. Ich sehe allerdings nicht, wieso diese Gruppe auf lange Sicht so klein bleiben sollte.

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      • Den Enthusiasmus teile ich schon deswegen nicht,weil diese Konzepte grundsätzlich denen gleichen die in der Musikindustrie schon seit Jahren vorgelebt werden. Die Welt wird nicht besser wenn die 99.9 % bisher unverlegten Bücher plötzlich ihre Chance erhalten. Und der Konsument/Leser hat nicht die Zeit oder die Lust auf einem so wilden, ungeordneten Markt den Überblick zu behalten. Indieproduktionen erreichen Spezialisten,sie stehen nicht gleichberechtigt neben der Industrie. Sonst würden wir andere Kinos haben und andere Musik im Radio hören. Je größer die Zahl der Veröffentlichungen wird umso mehr brauche Filter,Empfehlungen und vorsortierte Distributionskanäle. Ich sehe es eher so,das man als Leser Verlage wieder schätzen lernt,weil Editionen und Konzepte, Strukturen,sowie Gleichwertiges Vertrauen schafft. Ich sehe Selfpublishing als ein Weg an Risiken für Verlage zu minimieren und eine kostengünstige Marktforschung zu betreiben. Nicht umsonst betreiben Verlage solche Plattformen selbst. Eine Bedrohung,eine Konkurrenzsituation wird nicht eintreten. Es wird nur einige,wenige und herausragende Entdeckungen geben,die aber alles andere als exemplarisch sein werden. Wie gesagt: Das gibt es alles schon im Musiksektor.

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        • Das sehe ich wirklich anders. Ich höre schon seit langer, langer Zeit kein Radio mehr und sehe viele Indie- und Fan-Produktionen auf diversen Kanälen im Internet, so wie ich auch sehr gerne Musik von Indie-Musikern höre, die ich mir auf entsprechenden Plattformen zusammensuche.

          Wieso sollte beim Buchmarkt nicht das Gleiche passieren?

          Ich glaube eben nicht, dass jeder „Filter“ braucht. Ich mache mir oft auch gerne selbst ein Bild von den Dingen, die ich mag.

          Es ist ja auch unerheblich, ob diese Entwicklung eine Bedrohung für Verlage darstellt oder nicht. Am Ende zählt ja, was gut für den Leser ist. Und ich habe den Eindruck, dass er das zunehmend ohne Gatekeeper entscheiden kann und auch möchte.

          Wie im Artikel bereits erwähnt. Da dank Selfpublishing Romane erfolgreich sind, die nie verlegt worden wären, und umgekehrt, schlussfolgere ich, dass Verlage nicht immer wissen, was der Leser gerne lesen möchte.

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          • Ich glaube, es ist ein Fehler von sich auszugehen. Als Künstler hat man eine weitaus größere Bereitschaft zu suchen als Nichtkünstler, um etwas Gutes zu entdecken. Das ist verdammt mühsam.

            Ja, die Verlage übersehen Trends und scheuen das Ungewisse, weil sie ein Thema nicht einordnen können.

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  3. Gut und überzeugend argumentiert. 🙂
    Ich vertrete diese Auffassung ja schon sehr lange. Und Ich freue mich, wenn das Stigma des Selfpublishings bei mehr und mehr Leuten fällt. Letztlich geht es ausschließlich darum, ob ein Werk professionell ist oder nicht.

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    • Das hängt ganz davon ab, welche Ziele man verfolgt und was man schreibt. Wenn ich in einer Nische schreibe und von vornherein weiß, dass ich nur wenige Bücher verkaufen werde, warum die schmalen Gewinne dann mit einem Verlag teilen? Die Gewinn spanne beim SP ist ja wesentlich höher.

      Es gibt ja auch Beispiele wie z.B. J.A. Konrath, die als Selfpublisher viel, viel mehr verkaufen, als zu Zeiten, in denen sie von Verlagen herausgebracht wurden.

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  4. Sehr guter Artikel, dem ich vollinhaltlich zustimme. Selfpublishing ist am Anfang fast immer Selbstausbeutung. Fuer die Masse von Autoren, die nicht den Durchbruch schaffen, wird es das auch bis zuletzt bleiben. Und doch kann es auch etwas Wunderbares sein, sich bis zur Erschöpfung selbst auszubeuten!:-) LG Uwe K. Alexi

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  5. Ich teile Deine Meinung, Marcus, möchte aber einwenden, dass ich auch schon Verlagsbücher in den Fingern hielt, die mich vom Plot und der Schreibe so gar nicht packten. Will sagen: Eine Verlagsveröffentlichung ist nicht gleichbedeutend mit Qualität.
    Dagegen habe ich in den letzten eineinhalb Jahren – der Zeitraum, in dem ich mich ernsthaft mit dem Schreiben beschäftige – eine Menge Kollegen und Bücher kennengelernt, die richtig gut sind. Wie Du ja auch richtigerweise schreibst. Und das ist es, was meiner Meinung nach vom Leser honoriert wird. Wenn sich jemand derart Mühe macht und in ein gutes Cover und Lektorat investiert, liegt ihm eine Menge an seinem Buch.

    Zu guter Letzt haben mit DroemerKnaur und Bastei nicht ohne Grund zwei „Platzhirsche“ ihre Fühler in die eBook-Verlage ausgestreckt…;-)

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  6. Ich will eigentlich nur schreiben. Ein Buch zu drucken, ein Cover zu entwerfen und dann noch zu bewerben, überfordert mich ein wenig. Ich habe Spaß am Schreiben meiner Geschichten. Allerdings hatte ich auch schon die Erfahrung, dass die großen Verlage meine Romane nicht wollten und die kleineren einen Haufen Geld dafür verlangen. So schreibe ich halt aus lauter Freude daran und veröffentliche das Ganze in meinem Blog. Vielleicht bin ich ja auch nicht gut genug für eine richtige Buchveröffentlichung. Egal schreiben macht einfach Spaß.
    LG

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  7. wenn ich mich mit einem buch selbstverwirklichen will, schaffe ich das als self publisher leichter und schneller als wenn ich einen verlag suche. und ich kann einen höheren anteil am verkaufspreis als einnahmen verbuchen. alleine diese zwei punkte rechtfertigen die selfpublishing welle.

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  8. Lieber Marcus, vielen Dank für den Artikel. Wie beim Thema eBook Reader und Buch, muss es meiner Ansicht nach nicht zu einer strikten Wahl kommen. Verlag und Selfpublishing zugleich, warum nicht? Für den Traum, meine Werke auch in Buchhandlungen ausliegen zu sehen, würde ich, die unter Umständen ungünstigeren Bedingungen, eines Verlagsvertrags annehmen. Aber eben nicht für alle meine Romane. Dafür schätze ich die monatlichen Abrechnungen zu sehr.

    Liebe Grüße, Elke

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    • Aber das meine ich ja. Ich bin nicht der Ansicht, dass Selfpublishing in jedem Fall besser sei, als eine Verlagsveröffentlichung. Ich denke allerdings, dass inzwischen erkennbar ist, dass SP in nicht allzu ferner Zukunft gleichberechtigt neben Verlagsveröffentlichungen stehen wird. Beide Wege haben ihre Vor- und ihre Nachteile – ja nach dem, was ich eigentlich veröffentlichen will und wie mein Geschäftsmodell als Autor aussieht.

      Und als Leser bin ich inzwischen in der angenehmen Situation, dass es für mich kaum noch einen Unterschied macht, ob ein Buch aus einem Verlagshaus oder direkt aus Autorenhand stammt.

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