Der Trick ist, aus dem Schreiben erst gar nicht rauszukommen

DerTrickistausOft lese ich, dass Autoren Schwierigkeiten haben, „in das Schreiben hineinzufinden“. Oder in die richtige Stimmung zu kommen, Inspiration zu finden etc. Mit anderen Worten: Sie kämpfen damit Schreibblockaden zu überwinden.

Das Problem ist, dass das Leben meistens so turbulent und fordernd ist, dass Muße, Inspiration und die richtige Stimmung nicht von alleine kommen.

Deswegen ist meiner Meinung nach der beste Trick, aus dem Schreiben einfach nie so richtig rauszukommen. Hier ein paar Ideen, wie man das anstellen kann.

1. Täglich schreiben

Ich lese immer wieder – auch von Bestseller-Autoren mit hohem Output -, dass es nicht so wichtig sei, täglich zu schreiben. Viel wichtiger sei es, regelmäßig zu schreiben. Glückwunsch, wenn das bei ihnen funktioniert.

Ich für meinen Teil habe die Erfahrung gemacht: Wenn ich nicht täglich an meinem aktuellen Romanprojekt schreibe, schreibe ich nicht regelmäßig.

Täglich schreiben muss ja nicht heißen, dass ich jeden Tag 10.000 Wörter schaffe. Ein paar hundert machen den Kohl auf Dauer auch fett. Und wenn es zehn Wörter sind, ist das meiner Meinung nach immer noch sinnvoll.

Denn das tägliche Schreiben bewirkt eben, dass ich möglichst wenig aus dem Fluss komme und die Story, an der ich gerade sitze, in meinem Kopf bleibt.

2. Richtig Pausen machen

Wir unterschätzen zu sehr, wie wichtig Pausen für die Motivation sind. Viele bekommen ein schlechtes Gewissen (eingeredet), wenn sie mal für eine Weile abschalten. Dabei sind es die Pausen, in denen wir besser werden.

Es ist einfach eine biologische Notwendigkeit. Nach jeden Reiz, dem wir ausgesetzt sind, nach jeder Anstrengung, nach allem Neuen, das wir lernen, brauchen wir eine Ruhephase. Sonst kann das Gehirn und/oder der Körper das Neue nicht verarbeiten.

Es ist also nicht nur wichtig, Pausen vom Schreiben zu machen, sondern auch Pausen in seinem sonstigen Alltag fest einzuplanen. Sonst vergessen wir sie und wundern uns am Ende, warum wir zu nichts gekommen sind.

Pausen müssen nicht immer lange sein. Ein paar Minuten reichen manchmal schon. Es ist sogar eher wichtig, sie nicht zu lange zu machen, damit man nicht aus dem Fluss kommt.

Pausen vom Schreiben sollte man lieber so gestalten, dass man, wenn man vom aktuellen Projekt länger pausiert – was an bestimmten Stellen des Prozesses sehr wichtig ist -, sich anderen Projekten widmet oder andere Dinge schreibt, wie z.B. Blogartikel 😉

3. Freizeit und Schreiben verbinden

Wieso nicht mit der Familie einen Ausflug zu einem Ort machen, der im Roman eine Rolle spielt? So lassen sich Recherche und Freizeit miteinander kombinieren.

Ich achte auch so weit wie möglich darauf, Filme und Serien zu gucken und Bücher zu lesen, die etwas mit meinen Projekten zu tun haben. Oder ich frage mich wenigstens bei einem Film, wie er erzählt wurde, welche Strukturen und Strategien ich erkennen und wie ich aus ihnen lernen kann.

4. Kontakt zu anderen Autoren suchen, Schreibratgeber und Fachmagazine lesen

Auf Facebook und Twitter stehe ich mit vielen anderen Autoren in Kontakt. Ich folge gezielt Bestseller-Autoren, die ich ebenfalls gerne lese. Ich habe praktisch immer ein paar Kapitel eines Schreibratgebers zur Hand, in denen ich nahezu täglich ein wenig stöbere. Und regelmäßig flattern Newsletter und Fachzeitschriften zum Schreiben in mein Haus.

Nicht zuletzt: Unterwegs oder bei der Hausarbeit höre ich Podcasts zum Thema Schreiben.

Je mehr Erfahrung und Fachwissen ich als Autor ansammle, desto weniger Neues lerne ich aus all diesen Quellen (obwohl ich immer wieder auf Dinge stoße, die lohnenswert sind). Aber das alles hilft mir, den Fokus für das Schreiben nicht aus den Augen zu verlieren.

Fazit

Täglich schreiben. Auf kleine Pausen achten. So häufig wie möglich Freizeitaktivitäten mit dem Schreiben verbinden. Fachmagazine und -literatur lesen, wann immer es geht. So kommt man aus dem Schreiben am besten erst gar nicht heraus und ist am Ende wesentlich produktiver.

Advertisements

20 Gedanken zu “Der Trick ist, aus dem Schreiben erst gar nicht rauszukommen

  1. Punkt 2 möchte ich sehr unterstützen. Ich habe den Eindruck, viele angehenden Autoren schreiben, wenn sie schreiben, sehr viel und versuchen es auch sehr ausdauernd. Die meisten, die mitlesen, werden ihre Brötchen wahrscheinlich in anderen Bereichen verdienen, und somit nur ihre Freizeit zum Schreiben nutzen können. Dementsprechend hoch wird der Druck sein, diese Freizeit (die unter Umständen vielleicht sehr knapp bemessen ist) effektiv kreativ zu nutzen. 8 Stunden frei = 8 Stunden schreiben – welch ein Vergnügen. Wenn es dann noch zu solchen NaNoWriMo-Aktion kommt, dann möchte man bitten: Schreibt langsam, schreibt bedächtig, setzt kleine Ziele, überschreitet sie nur dann, wenn ihr mit dem was ihr einfach erreicht, schon zufrieden seid. Lest es zweimal/dreimal durch, vermeidet Fehler, nochmal: werdet zufrieden.

    Denn oftmals gewinne ich das Gefühl, dass es wie bei einem Läufer ist. Wer sich zu viel ohne Training zumutet, der wird so ausgepowert sein, dass ihm die Lust und der Spaß verloren geht. Wer sich in kleinen Schritten dem Ziel nähert und seine Leistung immer ein klein wenig, nicht sprunghaft, steigert, der erreicht es eher.

    Früher dachte ich, wenn ich schnell die ersten 100 Seiten erreiche, dann bin ich gut, dann komme ich dem Ziel schnell näher. Aber nach 100 Seiten hatte ich mich meist so verwirrt, das ich die Story noch mal so oft verbog und änderte. Kurz: Durch die hohe Geschwindigkeit wurde die Geschichte nicht die Meinige, sondern ein Projekt an dessen Anfang/Mitte und Ende ich ständig am Basteln war.

    Heute sage ich mir, ich passe mich dem Format an und schmeisse mein Projekt langsam in mein Blog: 500-1000 Wörter Maximum, wenn es geht dann pro Tag, wenn es nicht geht, dann pro Woche. Mehr will der Leser auch nicht von mir in diesem Medium. Dafür diese Anzahl so gut wie möglich fehlerfrei, dreimal gelesen, davon mindestens zweimal laut. Und nach der Veröffentlichung noch mal. Im Zweifelsfall ist das „Slow writing“, aber ich würde die Flagge dafür hoch halten 🙂

    Gefällt 2 Personen

  2. Ich würde dir zustimmen. Bei mir geht es leider nicht täglich. Zumindest schreibe ich nicht täglich an meinem Roman. Je regelmäßiger die Zeitfenster sind, desto leichter fällt es mir. Tipp 3 habe ich diesen Sommer tatsächlich mal befolgen können und mit meinem Sohn eine Mutter-Tochter-Reise nach London gemacht. Es war der Hammer. Obwohl ich London so gut kenne, sieht man es mit einem kleinen Kind dann noch mal ganz neu. 🙂

    Gefällt 1 Person

  3. Zu Punkt 2: Da spricht der Lehrer.

    zu Punkt 3: Kann man immer einschätzen, was einem für die Geschichte weiterhilft? Manchmal nutzt ein Buch oder eine Dokumentation für seine Geschichten, bei der man es anfangs nicht gedacht hat.

    zu Punkt 4: Der Autor sollte sich nicht nur mit dem Schreibregeln beschäftigen, sondern einen breiten Horizont haben.

    Gefällt 1 Person

  4. Hat dies auf Mein Traum vom eigenen Buch rebloggt und kommentierte:
    Was für ein Zufall! Marcus Johanus (dessen Roman „Tödliche Gedanken“ ich ganz nebenbei einmal positiv erwähnen möchte!) hat heute einen Blogbeitrag online gestellt, der praktisch ein thematischer Zwilling zu meinem eigenen Beitrag ist :-).

    Reinlesen lohnt sich!

    Gefällt 1 Person

  5. 100% Zustimmung.

    Habe nach einer Pause zwischen zwei Projekten gemerkt, dass ich pro Woche an mindestens drei Abenden meine Stunde schreiben muß, um nicht rauszukommen (mehr als drei bis vier Stunden pro Woche werden es dann aber auch nicht :-)).

    Gefällt 1 Person

    • Ja, Siegmar, so kenne ich das auch. Wenn ich ganz ehrlich bin, schaffe ich das tägliche Schreiben ja auch nicht ganz. Ich würde mal sagen, dass es so zwei, drei Tage im Monat gibt, an denen ich auch nicht zum Schreiben komme. Und an anderen schaffe ich es vielleicht nur ein paar Absätze oder sogar nur Sätze zu schreiben oder zu überarbeiten.

      Aber das reicht halt schon, um nicht gedanklich den Faden für das Projekt zu verlieren.

      Gefällt mir

  6. Rauskommen kann bei mir schon durch Pausen von wenigen Minuten passieren (oder eine perfekt platzierte Zwischenfrage im genau falschen Moment). Auch wenn Schlaf nötig ist, kann auch er dafür sorgen, dass ich „rauskomme“. Wobei ich unter Rauskommen verstehe, aus einem aktuellen Projekt rauszukommen, nicht aus dem Schreiben im Allgemeinen. Ich schreibe auch während Schreibblockaden täglich, allerdings dann Essays, die ich nie veröffentliche, oder Kommentare (unter Blogs), oder schlichtweg nur, um meine Gedanken zu sortieren. Während Schreibblockaden schreibe ich schlecht, verliere schnell den Faden und die Lust, die Texte sind flach und uninspiriert, fast jeder Text landet in der Mülltonne. (Mal sehen, ob es dieser Text schafft, der Löschtaste zu entkommen.) Schreibblockade nenne ich also eine Zeit, in der ich nicht KREATIV schreiben oder arbeiten kann und mich auch thematisch nicht mit einem Projekt auseinandersetzen kann. Also eine Art inneres Totsein …
    … was wohl daran liegt, dass ich in den hochaktiven Phasen zu selten an Pausen denke. Aber eben weil ich so schnell rauskommen kann, neige ich dazu, dann Pausen so weit wie möglich zu vermeiden und auf Durchzug zu schalten. Wenn man das dann einige Wochen lang rund zwölf bis zwanzig Stunden am Tag schreibt, ist auch irgendwo klar, dass irgendwann nichts mehr geht.
    Sanftere Herangehensweisen versuche ich ständig, aber so funktioniere ich nicht. Tägliches Schreiben von auch nur 2.000 Wörtern führt ins Nichts. Sobald ich „drin“ wäre, müsste ich unterbrechen. Damit hätte ich nur eine Menge streichenswerter Aufwärmtexte, nie aber etwas zum Arbeiten. Es bringt daher nichts, mich zu der täglichen Routine zu zwingen, oder ein Projekt ans nächste zu schließen, wobei ich hemmungslos jeden beneide, der das kann. Ich versuche und versuche es, und scheitere kollossal. Dieser Wahnsinn setzt sich dann durch Pausen fort. Die fallen dann fast zwangsläufig üppig aus. Und da spreche ich nicht von einer Stunde oder einen Tag, sondern von Wochen bis hin zu Monaten. Allerdings gegen meinen Willen. (In diesen Brachzeiten kann man vom Glauben an sich abfallen, den man mit dem letzten Projekt gerade so hochgestampft hat.)
    Zu Punkt drei: Geht das anders? Der Nebeneffekt ist, dass ich so gut wie keinen Film mehr sehen und kein Buch mehr lesen kann, ohne darin nach Elementen zu suchen, wie eine Geschichte aufgebaut ist, wie etwas erzählt wird, und so weiter. Lesen zur Entspannung oder Unterhaltung geht nicht mehr, weil Text = Arbeit, bei Filmen berechne ich schon den Plot voraus, und korrigiere permanent grammatikalische Katastrophenformulierungen. (Vor allem herrscht flächendeckend ein schmerzhaftes Konjunktiv-Dilemma.)
    Das alles könnte freilich auch die Konsequenz des Schreibratgeberkonsums sein. Vor allem der Druck, wie man optimal funktionieren könnte. Auch ich lese gerne, wie andere Autoren das machen und bekomme immer (Neid-)Zustände, wenn ich lese, wie diese sich konsequent jeden Tag hinsetzen und schreiben können, getaktet wie im Büro, Buch um Buch in idealer Abwechslung mit Marketing und Co. Da kann man sich schon irgendwie krank fühlen, weil man zum Schreiben und vor allem auch zur Textüberarbeitung eine Stimmung braucht, sich darauf emotional und kognitiv einschwingen muss, und das nicht auf Knopfdruck geht. Wenn man also mehr geschrieben wird, als kontrolliert schreibt. Dann denke ich, ich sollte die Leidenschaft und die Euphorie herausnehmen, oder sie nicht erwarten, mehr Pragmatismus an den Tag legen, aber die Texte, die so entstehen, sind so leer und nichtssagend, dass sie auch ein Bot hätte erzeugen können. Die Stimmung entscheidet, WIE etwas geschrieben wird, und das lässt sich nicht kognitiv austüfteln.
    Was ich sagen will, ist: man kann es auch zu exzessiv tun, das Schreiben, und sich in einen neurotischen Teufelskreis begeben, der mit jedem How-to mit mehr Zement gefestigt wird. Meine Therapie ist jetzt, forciert mit Absicht aus dem Schreiben rauszukommen, um einen Neustart zu ermöglichen.

    Gefällt mir

    • Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentsr.

      Wer sagt dir denn eigentlich, dass deine Texte flach sind? Dein eigener Anspruch oder Testlerser. Für mich klingt dein Kommentar nach einem ganz massivem Fall des inneren Kritikers, der außer Rand und Band ist.

      Gefällt mir

  7. Das ist einer der ersten Artikel denen ich komplett zustimme bezüglich Schreibmotivation, ich handhabe es nämlich genauso: ich schreibe täglich und das ohne Gnade. Was ich diesem Artikel noch hinzufügen würde ist, dass man sich eine feste Zeit ausmachen muss in der geschrieben wird (beispielsweise morgens vor der Arbeit, oder 30 Minuten vor dem Abendbrot). Ich empfehle hierzu auch mit der Pomodoro-Technik vorzugehen, so ist man nämlich extrem effizient und holt richtig viel Text raus 😀
    (Der wird dann am nächsten Tag mit frischen Augen noch einmal gelesen^^)

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s