Schlankere Dialoge machen Romane spannender

SchlankereDialogemachenRomaKürzen ist ohnehin eines der wichtigsten Instrumente beim Überarbeiten von Romanmanuskripten. Nirgends sonst ist es aber so wichtig, den Rotstift anzusetzen, wie in den Dialogen. Denn sie treiben das Geschehen voran und machen es lebendig. Ein Wort zu viel kann schnell die Wirkung ruinieren.

Hier ein paar Dinge, die meistens beim Überarbeiten von Dialogen radikal entfernt werden können:

1. Info-Dump

Die Versuchung ist groß, Informationen für den Leser im Dialog unterzubringen. Prinzipiell keine schlechte Idee. Aber wie so viele Mittel ist auch dies eines, das sparsam und und geschickt genutzt werden sollte.

Die Faustregel: Wenn der Dialog mehr als nur die Funktion besitzt, Informationen an den Leser zu bringen, dann kann die Sache funktionieren – eingebettet in ein Streitgespräch zum Beispiel, dessen Schwerpunkt ein anderer ist.

Ziemlich sicher funktionieren Dialoge, die mit „Wie du weißt …“ beginnen, eher nicht. Ein guter Indikator dafür, dass hier reiner Info-Dump vorliegt.

Leute geben in der Regel eher weniger als mehr Informationen in einem Gespräch preis.

2. Monologe

Wörtliche Rede, die mehr als einen Absatz einnimmt, ist eher kein Dialog, sondern ein Monolog. Monologisieren ist schon im realen Leben meist ein Killer für ein spannendes Gespräch. Im Roman ist es in der Regel tödlich.

Sollte eine Figur tatsächlich so viel zu erzählen haben, dass ihre Rede länger als einen Absatz einnimmt, kann vielleicht ihre lange Rede durchbrochen und in kleinere Portionen verteilt werden. Eingebettet in spannende Handlung oder in ein Gespräch, wirken solche Monologe meistens besser.

Der Sinn eines Dialogs ist ja gerade, das Tempo eines Romans zu erhöhen, indem es ein Ping-Pong-Spiel zwischen den Rednern gibt. Ein Monolog ist sozusagen das Äquivalent zum Fahren mit angezogenen Handbremse.

3. Ähs, Öhs und Ähems …

Einerseits sollen sich Dialoge ja so anhören, als würden Menschen miteinander sprechen. Andererseits darf ein Dialog im Roman kein Transkript echter Unterhaltungen sein.

Im realen Leben benutzen wir selten korrekte grammatikalische Strukturen, brechen Sätze mittendrin ab, verwenden haufenweise Ähs und Öhms usw.

Dialoge im Roman, die versuchen, so etwas abzubilden, werden schnell unlesbar und nehmen das Tempo aus der Handlung. Zu viele Auslassungszeichen (…) sind auch nicht gut. Im Zweifelsfall ist es besser, auf solche Dinge zu verzichten.

4. Redebegleitsatz

Redebegleitsätze braucht man meistens weniger, als man denkt. Häufig wird durch den Rhythmus eines Gesprächs deutlich, wer gerade spricht. Oder auch durch sprachliche Eigenheiten der Figur.

Auch Redebegleitsätze sollten besser mehr als die Funktion besitzen, deutlich zu machen, wer gerade spricht. Sie können zum Ausdruck bringen, wie jemand etwas ausspricht, welche Handlung er außer Sprechen gerade noch vollführt usw. Das komprimiert den Text und macht ihn lesbarer und spannender.

Hier ist es wiederum wichtig, keine Adverbien zu verwenden, denn auch diese nehmen Tempo aus dem Text. “ …, sagte er leise“ sollte also lieber „…, flüsterte er.“ heißen. Aussagekräftige Verben sind immer besser als Adverbien.

Hier ein paar Vorschläge für aussagekräftige Verben:

Aussagekräftige Verben

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20 Gedanken zu “Schlankere Dialoge machen Romane spannender

  1. Hallo Marcus,

    der Satz mit dem Ping-Pong erinnert mich an einen Rat, den ich in einem Schreibratgeber gelesen habe (weiß leider nicht mehr wo, bei Dwight Swain vielleicht?): Bei der Überarbeitung zunächst alle Redebegleitsätze (sagte etc) streichen und jeden Paragraphen mit der direkten Rede auf ein einziges Wort eindampfen. Den nun entstandenen Ping-Pong-Sätzen nur noch notwendigsten Worte hinzufügen. Fertig ist der Dialog.

    Gut ist es auch, mit Subtext im Dialog zu arbeiten, denn da kommunizieren die Protagonisten gleichzeitig auf mehreren Ebenen, was die Dialog verkürzen und spannender machen kann.

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    • In letzter Zeit habe ich mehrere Sachbücher mit Dialogen angefangen.die ich nicht zu ende gelesen habe, weil die Autoren es das nicht beherrscht haben, den Figuren einen individuellen Charakter zu geben. Wenn man ein Stoff fiktionalisieren will, sollte man es beherrschen und sich Zeit lassen mit der Ausarbeitung. Gute Dialoge sind die hohe Schule.

      Auch für gute Dialoge gilt: Achte auf deine Figuren!

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  2. Lieber Marcus,

    ich lese dein Blog schon eine ganze Weile und freue mich jedes Wochenende auf deinen Beitrag. Auch dieser ist wieder informativ und enthält gute Ratschläge.Danke!

    Ich habe nur drei kleine Einschränkungen, Formulierungen, mit denen ich sehr häufig zu kämpfen habe (ich redigiere Romanübersetzungen für einen deutschen Verlag).
    1. Unter freudig sprechen: lachte
    2.. Unter traurig sprechen: seufzte und schluchzte

    Bitte nicht:
    „Dieser Scherz ist dir total gut gelungen“, lachte er. Denn: Wörter und Sätze kann man nicht lachen. Wer das nicht glaubt, sollte es mal versuchen.
    Meine Korrektur lautet immer: … gut gelungen.“ Er lachte.
    Ebenso ist es mit „seufzen“ und „schluchzen“. Funktioniert einfach nicht. Man kann nicht gleichzeitig schluchzen und sprechen oder seufzen und sprechen.

    Ich weiß, dass solche Formulierungen sehr häufig in Romanen auftauchen, und es gruselt mich bei jedem Mal, wenn ich das lese.

    Liebe Grüße
    Siegrid Hoppe

    Gefällt 2 Personen

    • Ich erinnere mich noch als meine Deutschlehrerin in der fünften Klasse mir das „lachte er“ durchgestrichen hat. Seitdem fällt es mir immer negativ auf, letztens in einem Sebastian Fitzek Buch.

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    • Oh ja. Grundsätzlich lese ich lieber fünf mal „sagte“ als immer noch reingewürgt zu bekommen, wie jemand etwas sagt. Ehrlich, wenn ich noch ein „jammerte/bettelte/scherzte“ o. ä. hintendran stellen muss, damit’s jede*r kapiert, dann sollte ich vielleicht zuerst an dem Text zwischen den Gänsefüßchen arbeiten.

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  3. „raunen“ fehlt da noch in der Liste. Ich weiß, keine Liste ist vollständig, aber ich liebe raunen 🙂
    Für Dialoge lohnt sich meiner Meinung nach auch immer ein Blick auf das von Thunsche Vier-Seiten-Modell der Kommunikation (Sachinhalt, Apell, Beziehung, Selbstoffenbarung). So lässt sich schön Subtext (Beziehung und Konflikt) in Dialoge einbauen, ohne mit dem Holzhammer drauflos zu gehen.

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  4. Ich benutze solche Verben gar nicht.
    Hab allerdings auch noch nichts veröffentlicht.
    Bin gespannt, wie später mal ein Lektor darauf reagieren wird.

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