Wenn Autoren wie Stephen King die National Medal of Arts verliehen bekommen, besteht Hoffnung …

WennAutorenwieStephenAm 10. September 2015 bekam Stephen King vom US-Präsidenten persönlich die höchste staatliche Anerkennung, die einem Künstler in den USA zuteil werden kann. Mich hat diese Nachricht gefreut und gerührt – und das nicht nur, weil ich ein Stephen-King-Fanboy bin. Meiner Ansicht nach ist es wichtig, dass gerade Autoren wie Stephen King solche Anerkennungen erfahren.

Stephen King begleitet mich schon mein ganzes bewusstes Leben. Als ich selbst noch Teenager und Schüler war, hat damals so ziemlich jeder in meinem Umfeld Stephen King gelesen. Nur ich nicht. Mit dreizehn, vierzehn Jahren war ich ein ziemlicher Snob. Und da alle meine Lehrer und andere Kulturträger über King die Nase rümpften, las ich ihn natürlich auch nicht.

Die Wirkung von King blieb mir nicht verborgen. Es gab eine regelrechte King-Mania in den 1980ern und 1990ern. Eine Lesewelle, die heute nur mit 50 Shades of Grey oder Harry Potter verglichen werden kann. Und irgendwie kam es mir damals noch überwältigender vor. Kann aber auch daran gelegen haben, dass ich noch so jung war.

Jedenfalls fasste ich damals so einen populären Schmuddelautor wie King einfach nicht an. Als der Hype um ihn abebbte, verschwand er auch von meinem Radar. Das blieb so, bis ich 2007 ein Interview mit Martin Walser im Fernsehen sah, in dem dieser Stephen King in den grünen Klee lobte.

Gottlob war ich zu diesem Zeitpunkt schon lange von meinem Snobismus geheilt. Auf Stephen King hatte ich trotzdem bis dahin kein weiteres Auge riskiert.

Nun bin ich wirklich kein Martin Walser-Fan. Aber dass ein Autor wie er sich als King-Fan outete – das fand ich sensationell. Insofern muss ich Martin Walser danken, denn seit diesem Interview habe ich viele Romane von King gelesen. Wie viel ärmer wäre mein Leben verlaufen, wenn ich das nicht getan hätte. Ohne zu übertreiben, kann ich festhalten, dass Stephen King mich letztlich zum Schreiben brachte, denn sein Schreibbuch „Das Leben und das Schreiben“ war sozusagen der erste King, zu dem ich griff. Und dieses Buch veränderte meine ganze Einstellung zum Schreiben nachhaltig.

Aber auch seine Romane beeindrucken mich immer wieder. Auch – und gerade – weil ich immer wieder manche lese, die ich etwas weniger gelungen finde als andere.

Dass ein Autor wie Stephen King nun die National Medal of Arts verliehen bekommen hat, einer der im Schmuddelhorrorgenre gestartet ist und immer wieder spinnerte Fantasy-Romane schreibt, einer, den die meisten Oberstudienräte und andere Kulturwächter (nach wie vor) nicht mit spitzen Fingern anfassen würden, verleiht mir Hoffnung.

Stephen King ist ein Autor, der sich um den Kulturbetrieb nie geschert hat. Ich vermute, dass er es nie darauf abgesehen hat, irgendwelche Preise zu gewinnen, geschweige denn staatliche Anerkennung zu erringen. Er ist ein Autor, der für seine Leser schreibt und tief in der Popkultur, ich würde sagen, Unterhaltungskunst verwurzelt ist.

Wenn Stephen King die National Medal of Arts gewinnt, dann bedeutet das, dass öffentlich anerkannt wird, dass Unterhaltungsliteratur ein wichtiger Teil der Kultur ist. Ich kann gar nicht sagen, wie beschämt ich bin und wie lächerlich ich mein Teenager-Ich finde, das um alles, was irgendwie „Mainstream“ oder „kommerziell“ war, einen großen Bogen gemacht hat. Nun ja, wenn man Teenager ist, macht man so manche Dummheiten.

Entertainment ist meiner Überzeugung nach ein wichtiger Teil der Kultur. Natürlich muss es auch die „Hochkultur“ geben – oder wie auch immer man die Dinge nennen will, die im Literaturunterricht gelesen und auf staatlich geförderten Bühnen aufgeführt werden, nennen möchte. Aber allzu oft wird in den in Deutschland sehr einflussreichen Feuilletons vergessen – soll heißen: absichtlich übersehen -, dass Popkultur vielen Menschen am Herzen liegt, ihre Leben bereichert, ja, sogar in andere Bahnen lenken kann.

Nach der Ehrung für Stephen King wird sich daran nicht grundlegend etwas ändern. Aber mir zumindest verleiht diese Ehrung Hoffnung.

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32 Antworten auf “Wenn Autoren wie Stephen King die National Medal of Arts verliehen bekommen, besteht Hoffnung …”

  1. Hallo Marcus,

    das erste Buch, das ich von King gelesen habe, war sein/e Biografie/Schreibratgeber „Das Leben und das Schreiben“. Das Buch hat mich zum Fan werden lassen, obwohl ich keinen einzigen Roman von ihm gelesen hatte. Seine Schreibe war so ehrlich, authentisch und sympathisch.
    Mit den meisten Romanen konnte ich mich bisher nicht so recht anfreunden, da sie mir zu langatmig sind, aber das ist Geschmackssache. Dafür liebe ich seine Kurzgeschichten!
    Toll, dass er ausgezeichnet wurde. Sowas von verdient!

    Liebe Grüße
    Nina

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    1. Versuche vielleicht mal Mr. Mercedes und/oder Das Mädchen. Meiner Ansicht nach super Bücher.

      Ja, manche seiner Romane habe ich auch nicht durchgehalten. Aber vielleicht ist das auch sein Geheimnis. Zwischen solchen Büchern wie Misery und The Stand liegen Welten. Da bedient King ein ganzes Spektrum an Lesern.

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  2. Gibt es King Buch das ich nicht gelesen habe? Ich glaube nicht. Der Revolvermann und seine Suche hat es mir am meisten angetan. Vielleicht weil er so anders ist und daher so besonders. Als der letzte Band erschien, habe ich ihn mir natürlich in aller Frühe geholt, ihn in den Schrank gestellt und immer noch nicht gelesen. Albern, aber ich will nicht das die Geschichte endet, denn nach meiner bescheidenen Meinung, tut er sich mit dem Ende oft ein bisschen schwer. Gerade bei dieser Geschichte, wäre ich sehr enttäuscht. Möge Roland ewig leben!

    Einen tollen Tag
    Julusch

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    1. Ich glaube, dass heutzutage kaum einer um King herum kam und erstaunlich ist es auch, dass man sich noch erinnern kann, wie man mit ihm in Verbindung kam. Bei mir war es „The Stand“, welches ich Mitte der 90er als vollständige Taschenbuchausgabe zulegte und dann erstmal nichts damit anfangen konnte. Nachdem ich auch bei „Es“ nicht reinkam, dachte ich schon, ich werde mit diesem Autor nicht mehr warm. Dann probierte ich es nochmals mit dem letzten Gefecht und war innerhalb weniger Tage durch. Seitdem fasziniert mich das Werk von King mehr als von jedem anderen Autor. Gerade sein Werk seit seinem Unfall hat an Tiefe und Wirkung gewonnen, dass ich ihn nicht mal mehr als reinen Horrorautor sehen würde. Vor allem die Charakterisierung seiner Figuren sind detailliert und lassen einen richtig in die Geschichten abtauchen.
      Durch die Ehrung und hoffentlich noch weiteren, die folgen, wird er sicher über sein Schaffen hinaus im Gedächtnis bleiben. Das hätten manchen dem „Schmuddelautor“ vor 20 Jahren sicher nicht zugetraut. Ich hoffe, er hinterlässt uns noch ein paar Romane.
      @Julita: Lese den letzten Band, du wirst es nicht bereuen.

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  3. Lieber Marcus,
    da sagst du was, das hat mich auch sehr gefreut. Dein Blog-Artikel hat mich auch daran erinnert, wie Stephen King in „Leben und Schreiben“ darüber Auskunft gibt, wie er als „Schmierfink“ betitelt wurde. Je länger ich also darüber nachdenke, desto besser finde ich es, dass er die Ehrenauszeichnung bekommen hat.

    Auch interessant, dein eigener Werdegang vom Literatenleser mit hoher Nase zum King-Fan. Man hat besonders im deutschen Schulsystem ja wirklich mit dieser Unterscheidung zwischen Genre und Literatur, zwischen E und U zu kämpfen. Ob sich das einmal ändern wird?

    Viele Grüße,
    André

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    1. Ja, ich denke, diese Unterschiede weichen langsam auf. Aber auch nur sehr, sehr langsam. Deutschland hinkt da den USA, glaube ich, noch hinterher. Man stelle sich vor, Sebastian Fitzek würde das Bundesverdienstkreuz erhalten …

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  4. Ich habe nur zwei Stephen-King-Romane gelesen – „Feuerkind“ und „Es“ – und dann ein für alle Male festgestellt, dass seine Art zu schreiben mir nichts gibt. Ich bin absolut kein Fan seines Genres. 😉 Aber vielleicht sollte ich mir jetzt doch mal „Das Leben und das Schreiben“ zu Gemüte führen. Da man sagt, dass ich ein sogenannter Discovery-Autor sei wie er, könnte dieses Buch wahrscheinlich sehr lehrreich für mich sein.
    Liebe Grüße!

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    1. Das Leben und das Schreiben hat mich tief beeindruckt. Es ist, wie ich weiter unten geschrieben habe: King hat eine unglaubliche Bandbreite an Büchern. Versuche vielleicht mal Das Mädchen. War für mich der Durchbruch zum King-Fan.

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  5. Hat dies auf Mein Traum vom eigenen Buch rebloggt und kommentierte:
    Es ist schon eine Weile her, dass ich einen Anlass hatte, zum Blog von Marcus Johanus zu verlinken. Aber diese Woche ist es mal wieder soweit und ich empfehle jedem Leser hier, sich den Artikel einmal durchzulesen.

    Mir selber ging der von Marcus beschriebene Snobismus in Sachen Stephen King vollkommen ab. Meine Eltern lasen King, jedenfalls bis ca. Mitte der 80er Jahre, und so war es für mich nur natürlich, mit dessen Werk in Verbindung zu kommen. Ich kann nicht mehr sagen, welches mein erster King-Roman war. Aber ich habe so eine schwache Ahnung, dass es sich dabei entweder um „Christine“ oder um „Dead Zone“ gehandelt haben muss. An die wirklich großen Schinken wie „Es“ wagte ich mich erst danach heran, als ich schon hoffnungslos angefixt war. Und während meine Eltern angesichts von Romanen wie „Schwarz“ oder „Drei“, den ersten Bänden der Serie um den Dunklen Turm, überfordert aufgaben, sammelte ich mir das Gesamtwerk des Autors zusammen.

    Die Meldung, dass er in dieser Woche vom amerikanischen Präsidenten ausgezeichnet wurde, habe ich mit Verwunderung, aber auch mit derselben Genugtuung wie Marcus Johanus zur Kenntnis genommen. Es zeigt, dass auch Unterhaltungsliteratur, und bei aller Reife, die sein Spätwerk auszeichnet, schreibt King immer noch genau das, einen kulturellen Wert besitzt. Und es macht mir große Freude, dass Romane, wie „Der Anschlag“, „Die Arena“ oder nun die Trilogie um den Detektiv Hodges, die einen ziemlich scharfsinnigen Blick auf die amerikanische Gesellschaft werfen, auf diese Weise ihren Ritterschlag erhalten.

    Wer von euch mit Stephen King früher nichts anfangen konnte, dem empfehle ich, es mit seinem Spätwerk noch einmal zu versuchen (dabei würde ich das nicht sonderlich gute „Revival“ allerdings auslassen). Und wer Ambitionen hat zu schreiben, der kommt um „Das Leben und das Schreiben“ ohnehin nicht herum.

    Danke, Marcus, für den schönen Beitrag! 🙂

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      1. Revival ist jetzt nicht wirklich „so“ schlecht, aber im Vergleich zu den letzten Kings fällt er schon deutlich ab. Was mich gestört hat war, dass die Geschichte zum einen sehr schwer in die Gänge kam und zum anderen sehr leicht durchschaubar war. Im Endeffekt ist es eine Charakterstudie, was nicht das Schlechteste sein muss, aber ein Charakter ergibt eben noch keine fesselnde Handlung.

        Hach, es ist wie immer schwer, so etwas zu begründen, ohne zu viel zu verraten …

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  6. Auch ich bin ein Stephen King Fan, weil ich seine Connections zwischen Action and Soul so grossartig finde.
    Am Allerbesten, finde ich, konnte er dies bei „IT“ demonstrieren.

    liebe Grüsse aus Wien
    Michelle

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  7. Sehr schoener Artikel, Marcus, danke dir dafuer, auch wenn SK nicht mein Genre bedient. Ich freue mich ueber seine Auszeichnung und die damit einhergehende Hoffnung auf ein breiteres Umdenken.

    Das mit dem Jugendsnobismus kenne ich aus der Musik. Erst viele Jahre spaeter habe ich Zugang zu Kuenstlern gefunden, die damals populaer waren und von mir allein aus diesem Grunde ablehnt wurden. Heute kann ich ueber meine Dummheit zum Glueck lachen.
    VG Uwe

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  8. Stephen King hatte mich mit Es und auch Roland faszinierte mich über die ganze Zeit. Es gibt Sachen von ihm, die ich nicht so mag (und ja: Schwarz gehört dazu), aber sein Gesamtwerk ist für mich einfach einzigartig. Dass er ausgezeichnet wurde, ist berechtigt. Auf jeden Fall mehr, als es bei so machen Literatur-Nobelpreisträger ist und auch das gibt mir Hoffnung.

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  9. Stephen King hat mich durch meine Jugend begleitet. Ich habe seine Bücher verschlungen! Vor ein paar Jahren hat mir eine Teilnehmerin meiner Seminare sein Buch „Das Leben und das Schreiben“ empfohlen. (Tolles Buch!) Vor ein paar Tagen habe ich aus meiner King-Sammlung einige Bücher an meinen Sohn weiter gegeben. Und nun Dein Beitrag. Der „King“ lebt würde ich mal sagen! 😉

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  10. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich auch noch keinen King gelesen habe. Dein Artikel hat mich nochmal motiviert zu „das leben und das Schreiben“ zu greifen. Welche Romane kannst du denn von King empfehlen. Beste Grüße
    Martin

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