Kein Autor ist eine Insel – entscheidend über Erfolg und Misserfolg ist sein Umfeld

KeinAutoristeineWährend ich das Nachwort für Tödliche Gedanken schrieb, wurde mir erst einmal klar, wie viel Anteil andere Menschen daran hatten, dass mein Roman überhaupt entstehen und am Ende auch publiziert werden konnte. Letztlich wurde mir etwas bewusst, was ich unterschwellig schon lange ahnte:

Autoren können nur so gut und so erfolgreich sein, wie ihr Umfeld es zulässt.

Zunächst einmal ist es wichtig, einen Partner zu haben, der auch an einen glaubt und unterstützt. James N. Frey meint in seinen Schreibratgebern sogar, man sollte seinen Partner verlassen, falls er einem beim Schreiben im Weg steht. Ich habe keine Ahnung, ob ich je so weit gehen würde, aber darüber muss ich mir zum Glück auch keine Gedanken machen.

Meine Frau steht mir beim Schreiben nicht nur nicht im Weg – sie unterstützt mich sogar ganz. Dazu gehört, dass sie mich bei Misserfolgen tröstet, mit mir neue Ideen diskutiert und auch nicht zu selten schonungslos unter die Nase reibt, wenn ich auf dem Holzweg bin. Ich wüsste nicht, ob und wie ich schreiben könnte, wenn es sie nicht gäbe. Sie ist Malerin – und ich stelle immer wieder fest, dass wir – natürlich nicht nur deswegen – einfach hervorragend zusammenpassen. Jeder hat Verständnis für die Werke des anderen und weiß, wie wichtig es ist, seinem schöpferischen Drang auch nachzugeben.

An zweiter Stelle steht natürlich die restliche Familie im Support-Team eines jeden Autors. Auch hier habe ich riesiges Glück. Meine Eltern haben von Kindesbeinen an jedes Anzeichen kreativer Tätigkeit gefördert – ob das nun das Bereitstellen von Stiften und Papier beim Zeichnen waren, Instrumente beim Musizieren oder eben die Schreibmaschine, um mich schreiben zu lassen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass mein Vater heimlich die ein oder andere Träne vergossen hat, als ich als Pimpf ohne Rücksicht auf Verluste auf seiner schon damals antiken Olympa herumhackte. Sie hat es jedenfalls nicht überlebt. Doch das Opfer war er bereit zu bringen. Solche Eltern hat nicht jeder.

Meine älteren Brüder sind zwar keine Autoren, dafür aber Musiker. Und auch wenn ich es nicht geschafft habe, musikalisch in ihre Fußstapfen zu treten – wovon sie ein wenig enttäuscht sind, fürchte ich – so haben sie doch mit ihrem Enthusiasmus und ihrer Liebe zur Musik mir als großes Vorbild gedient, ebenfalls etwas Kreatives mit meiner Lebenszeit anzufangen.

Ganz wichtig ist es in meinen Augen für jeden Autor, einen Mentor zu haben, sozusagen seinen Meister Yoda. Für mich ist das natürlich mein Writing Buddy und bester Freund Axel Hollmann.

Obwohl wir einerseits mehr oder weniger zufällig stets an ähnlichen Punkten in unserer Entwicklung als Autor stehen, weiß ich, dass er mir immer eine Nasenlänge voraus ist (und das ist durchaus nicht nur metaphorische gemeint). Ich weiß genau, dass ich ohne Axels pausenlose Motivation, aber auch ohne seine Fähigkeit, seinen Finger punktgenau in jede Wunde legen zu können, es nie im Leben schaffen würde, Bücher zu schreiben.

Und last but not least muss auch der Freundeskreis zur Autorentätigkeit passen. Naserümpfende Zeitgenossen, die meinen, dass „solche Spinnereien kein Geld bringen und deswegen Zeitverschwendung sind“, sollte man meiner Erfahrung nach lieber meiden. Zum Glück bin ich auch hier in der Position, dass ich in diese Verlegenheit erst gar nicht komme.

Mir fällt eigentlich niemand in meinem Umfeld ein, der nicht gerne mit mir über meine Projekte spricht, echtes Interesse daran hat – was teilweise sogar so weit geht, dass meine Leute sich freiwillig als Testleser anbieten und dabei dann auch noch kompetent sind.

Selbst in sozialen Medien, also auf Facebook und Twitter, achte ich darauf, anderen Menschen zu folgen, die eine positive Einstellung zum Schreiben besitzen und am besten auch noch klüger sind als ich, so dass ich von ihnen lernen kann. Die Welle von Unterstützung, die ich dort erhalte, ist grandios und trägt mich durch so manches Motivationstief, das jeder Autor früher oder später, häufiger oder seltener verspürt.

Nicht zuletzt ist natürlich auch noch der Verlag entscheidend, der einen schließlich unter seine Fittiche nimmt. Hier kommt es darauf an, dass das Produkt den notwendigen Feinschliff bekommt, um auch wirklich marktfähig zu sein. Ich bin maßlos begeistert, was die Mitarbeiter vom Midnight-Ullstein alles aus meinen Ideen noch herausholen konnten.

Die Moral von der Geschichte? Ich bin vielen Leuten zu großem Dank verpflichtet, die – ob sie es nun wollten oder nicht und es wissen oder nicht – an meinen Büchern mitwirken. Genau genommen ist Schreiben eine Teamleistung von vielen stillen Arbeitern, die später auf einem Buchcover nicht in Erscheinung treten.

Ein großer Teil der Autorentätigkeit sollte deswegen daraus bestehen, sich Menschen zu suchen, die einen unterstützen können und wollen. Denn am Ende hat meiner festen Überzeugung nach das Umfeld eines Autors den entscheidenden Anteil daran, ob ein Buch entsteht oder halt eben nicht.

Advertisements

12 Gedanken zu “Kein Autor ist eine Insel – entscheidend über Erfolg und Misserfolg ist sein Umfeld

  1. Kann ich zu hundert Prozent unterschreiben. Ich bin auch immer froh darüber, wenn ich Unterstützung bekomme.

    Mein Schatz hat den besseren Schreibstil, dafür bin ich der bessere Plotter. Ich hab‘ ihm letztens seinen Roman durchgeplottet, dafür überarbeitet er meinen und streicht immer alles rot an, was nach Blödsinn klingt. *ggg*

    Deine Frau hat als Malerin sicher einen guten Blick für Details, sowas ist super.^^

    Hab‘ mir die kostenlosen Kapitel von deinem Roman durchgelesen und find‘ ihn echt spannend. Ich liebe deine Heldin mit ihrer Klugsch***erei und ihr Sidekick erinnert mich so sehr an meine ganzen nerdigen Kumpels. Ich glaub‘, das Buch ist was für mich.

    Yama

    Gefällt mir

  2. Hallo Marcus,
    das wäre ein tolles Nachwort oder eine tolle Danksagung im Roman gewesen …
    Danke für all die guten Beiträge in Deinem Blog. Allein deshalb werde ich ich das Buch kaufen und lesen.
    Beste Grüße,
    Heinz

    Gefällt mir

    • Nun ja, Heinz, um ehrlich zu sein, ist das Nachwort in Tödliche Gedanken recht ähnlich. Hier bin ich nur noch einmal ein bisschen genauer auf manche Dinge eingegangen und habe mich halt um die Autorenperspektive bemüht.

      Es würde mich sehr freuen, wenn ich die als Leser meines Romans gewinnen könnte.

      Gefällt mir

  3. […] Wie ich gleich an einem praktischen Beispiel meiner eigenen Arbeit zeigen kann, hat der Rat von Kooperationspartnern oder fremden Bestsellern sehr ähnliche Tücken, wie die Kritik von Freunden und Verwandten sie haben kann. Und so wundert es mich nicht, dass man inzwischen auch ganz andere Töne hören und lesen kann. So las ich am Mittwoch, wie wichtig der Zuspruch von Freunden und Verwandten zum Anschub des Ebookverkaufs nach wie vor ist, auch wenn es sich bei den Ebooks um Verlagsverkäufe handelt. Und auch im folgenden Artikel geht es um die Hilfe, die das Umfeld bei der Arbeit an einem Buchprojekt bis zur Veröffentlichung ist: https://marcusjohanus.wordpress.com/2015/09/12/kein-autor-ist-eine-insel-entscheidend-ueber-erfolg-u…/. […]

    Gefällt mir

  4. Hallo Marcus,
    mich hat Patricia fasziniert. Dieses Mädchen finde ich einfach toll. Und das ist natürlich die beste Voraussetzung dafür, dass man mit ihr durch alles hindurchgehen will.
    Meine Enkelin heißt zufällig auch Patricia, ist aber erst 7 Jahre alt. Aber manchmal denke, ich, wenn sie 18 Jahre alt ist, könnte sie der Roman-Patty sehr ähnlich sein.
    Ich habe heute weitergelesen und kann meinen Laptop kaum weglegen.
    Eine sehr schöne Danksagung. Ja das Umfeld ist sehr wichtig. Wenn einem die Unterstützung fehlt, fehlt einem auch der Schreibschwung.
    Ich lese jetzt weiter. Liebe Grüße und weiter so
    Rosa

    Gefällt mir

  5. Schöne wahre Worte die Du da schreibst … kann deine Erfahrungen nur teilen … würde mein Mann meine Schreibleidenschaft nicht verstehen – keine Ahnung ob ich da noch schreiben würde … Umso schöner und wertvoller ist es, es ist …

    Mit sonnigen Grüßen
    Jana

    Gefällt mir

  6. Lieber Marcus,
    dein Artikel hat mich sehr berührt und zudem zum Nachdenken angeregt. Ich möchte dir dafür danken.
    Zudem glaube ich einige Zustimmung zu finden, wenn ich sage, dass auch du mu deinem Blog und zusammen mit Axel als Schreibdilettanten wichtige Partner für viele Leser des Blogs seid. Dafür nochmal Danke.
    Mit den besten Grüßen
    Martin

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s