Was ist eigentlich ein High Concept?

WasisteigentlicheinHigh Concept – damit beschreiben viele eine Story, die sie schlichtweg umhaut. Der genaue Ursprung oder die genaue Bedeutung des Begriffs sind umstritten. Im Endeffekt ist damit eine Geschichte gemeint, die so verständlich und mitreißend ist, dass sie bei einem möglichst großen Publikum ankommt. Aber was genau trägt dazu bei, dass eine Story diese Wirkung erzielt?

1. Unterhaltungswert

Ein schwer zu bestimmendes Kriterium. Denn was unterhaltsam ist, liegt im Auge des Betrachters. Schaut man sich jedoch einmal die großen Blockbuster der Filmgeschichte an – in deren Umfeld der Begriff entstanden ist -, dann wird einem schon bewusst, was damit gemeint sein könnte. Meistens werden die Klassiker von Steven Spielberg oder George Lucas als High-Concept-Movies bezeichnet, also Filme wie Star Wars, Der weiße Hai, Jurassic Park, Indiana Jones usw.

2. Originalität

Betrachtet man die oben genannten Beispiele, wird klar, dass mit Originalität hier nicht die Erzählweise oder der Stoff gemeint ist, der in einer High-Concept-Story behandelt wird, sondern die Art und Weise, wie man sich diesem Stoff nähert. Star Wars hat die Space Opera nicht neu erfunden, aber sie technisch und ästhetisch vollkommen neu präsentiert. Der weiße Hai ist ein relativ gewöhnlicher Monsterfilm – aber mit einer psychologischen Komponente, die den meisten anderen Monsterfilmen fehlen.

3. Unverwechselbarkeit

Nahe dran an der Originalität ist auch die Unverwechselbarkeit. Es muss etwas an einer High-Concept-Story dran sein, das einen hohen Wiedererkennungswert mit sich bringt, etwas, das man sofort mit der Geschichte verbindet. Das kann der Titel sein, aber auch die Hauptfigur, eine besondere Kombination von bestimmten Elementen usw. Ganz so wie ein Werbejingle oder -slogan.

4. Eine Was-wäre-wenn-Grundidee

Viele Geschichten, die das Siegel High Concept verpasst bekommen, entstammen aus einer Was-wäre-wenn-Stituation. Was wäre, wenn man Dinosaurier klonen könnte? Die Grundidee hinter Jurassic Park. Sebastian Fitzek betont, dass seine Romane häufig aus Was-wäre-wenn-Gedankenspielen entstehen, wie biespielsweise sein Debütroman Therapie. Was wäre, wenn ein Vater mit seiner Tochter zum Arzt geht und sie verschwindet, während er im Wartezimmer sitzt?

Man sieht also, eine Was-wäre-Wenn-Grundidee muss nicht immer welterschütternd sein, sondern kann sich auch auf einem persönlichen Niveau abspielen.

5. Ein starker emotionaler Fokus

In einer High-Concept-Story ist der emotionale Fokus klar erkennbar. Soll heißen: Die Motivation des Helden ist nicht nur die ganze Handlung über nachvollziehbar, sondern überträgt sich möglichst früh in der Geschichte auch auf den Leser. Deswegen geht es in den großen Blockbuster- oder Bestseller-Geschichten meistens um ganz basale Gefühle, die die Hauptfiguren antreiben: Liebe, Hass, Angst, Überlebensinstinkt usw.

6. Eine große Zugänglichkeit

Wie schon oben erwähnt, wendet sich eine High-Concept-Story nicht an ein spezielles, kleines Publikum. Sie macht vielen potenziellen Lesern ein Angebot. James Camerons Avatar zum Beispiel ist eigentlich ein sehr spezieller SF-Film, der gerade visuell eher fremdartig ist. Trotzdem ist er bei einem sehr breiten Publikum erfolgreich, weil er einen Fokus auf die Liebesgeschichte legt und keine besonderen Vorkenntnisse erfordert und es dem Zuschauer leicht macht, ihm zu folgen (anders als andere SF-Filme, wie Solaris oder 2001).

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12 Antworten auf “Was ist eigentlich ein High Concept?”

  1. Lieber Marcus,

    eine sehr wahre Auflistung. Ich glaube es ist besonders wichtig zu betonen, dass es immer um das Arrangement und die Präsentation von Material geht und nicht um die Neuerfindung, die gar nicht mehr möglich ist. Auch die großen Schriftsteller voriger Jahrhunderte haben ihr Material von bereits Existentem. Man denke nur an Shakespeare.

    Mit den besten Wünschen
    Martin

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    1. Was ist eine Neuerfindung? Ich halte es für falsch, wenn man sagt, es gibt nichts mehr Neues zu entdecken, weil man sich dann auch nicht mehr auf die Suche nach etwas Neuem begibt. Natürlich beginnt die Reise bei etwas Bekanntem, aber sie muss dabei nicht enden. Wenn man statt Könige Bürgerliche handeln lässt, ist es in der Tat eine Neuerfindung gewesen.
      Alles läuft sich tot, heute ist ein Ehebruchroman nicht mehr so spannend wie im 19. Jahrhundert.

      Und ja heute erscheint der weiße Hai wie ein normaler Tierhorrorfilm, aber damals war es etwas Neues und Innovatives gewesen, vorher gab es nur Vögel.
      Star Wars war eine Neuerfindung der Space Opera für das Kino. Davor gab es nur Serials mit Flash Gordons und Buck Rodgers, das lag 20-30 Jahre zurück, ihre Form war ein Stück weit anders. Bei Star Wars hatten die Raumschiffe zum ersten Mal Verbrauchsspuren.

      High Concept ist ein Film, den man innerhalb von 25 Wörter erklären kann,

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  2. Zur Zeit treibt mich oft die Angst um, dass ich das High Concept meiner „Atombomben-Geschichte“ versau. Manchmal habe ich auch leise Bedenken, dass ich dieser Idee vielleicht nicht gewachsen bin. Aber ich werde auf alle Fälle dran bleiben…

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