Wie Catchphrases deinen Roman verbessern können

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„Mein Name ist Bond. James Bond.“ Wer kennt diesen Satz nicht? Er ist fast berühmter als die Figur selbst. Sogar Menschen, die nie einen James-Bond-Film bis zum Ende durchgehalten haben, kennen das Zitat. Es demonstriert eindrucksvoll, wie wirksam Catchphrases sind.

Was genau sind Catchphrases?

Eine Catchphrase ist ein (meist kurzer) Satz, der eindeutig einer Figur im Roman (oder einem anderen erzählenden Medium) zugeordnet werden kann und sie charakterisiert.

Im Falle des James-Bond-Beispiels ist zugegebener Maßen die Catchphrase selbst nicht besonders charakteristisch – wohl aber der Tonfall, in dem sie charmant-überheblich von jedem Darsteller rezitiert wird.

Der Moment, in dem sie fällt, gehört gleich nach spektakulären Verfolgungsjagden wohl zu den Höhepunkten eines jeden Bond-Films.

Andere populäre Catchphrases sind Kojaks „Entzückend!“ (ein hervorragendes Beispiel dafür, wie kurz und trotzdem Charakteristisch eine Catchphrase sein kann), Murtaughs „Ich bin zu alt für diese Scheiße.“ oder McLanes „Jipijajeh, Schweinebacke!“ und nicht zuletzt Mr. Spocks „Faszinierend.“

Wozu genau dienen Catchphrases?

Wie bereits oben erwähnt, charakterisieren Cachtphrases die Figur, die sie spricht auf sehr, sehr kleinem Raum. Das ist auch der Grund, wieso man sie besonders häufig im Film oder im Comic findet, denn in beiden Medien kommt es darauf an, Figuren in sehr kurzer Zeit und mit nur wenigen Mitteln zu charakterisieren.

Richtig eingesetzt haben sie aber noch weitere Effekte:

  1. Catchphrases erhöhen die Bindung des Lesers an die Figur. Sie sind wie ein kleiner Werbeslogan. Und wer kennt nicht aus dem Stegreif eine Handvoll Sprüche aus der Werbung auswendig?
  2. Catchphrases bergen einen Wiedererkennungseffekt. Wer einmal Kinder dabei beobachtet hat, wie sie begeistert den Jingle ihrer Lieblingsüßigkeit singend den Supermarkt betreten, kann sehr eindrucksvoll sehen, wie positiv sich ein Wiedererkennungseffekt auswirken kann.
  3. Catchphrases sind witzig. In den allermeisten Fällen werden von den Autoren Catchphrases in Momenten eingesetzt, in denen sie die Pointe für ein Geschehen liefern. Somit erhöhen sie den Unterhaltungswert.

Wann solltest du Catchphrases lieber nicht benutzen?

Nicht in jedem Genre wirken Catchphrases. Schreibst du einen literarischen Thriller, haben Catchphrases in ihm nichts zu suchen. Hier würde der Leser über die Wiederholung die Nase rümpfen und sie als sprachlich ungelenk empfinden.

Wie auch aus den Beispielen deutlich wird, eignen sich Catchphrases für Unterhaltungsromane mit einer ordentlichen Prise Selbstironie. Vor allem aber eignen sich Catchphrases für Serien. Sie dienen hier als Bindeglied zwischen den einzelnen Folgen.

Wie kommst du zu einer Catchphrase?

So kurz und locker eine Catchphrase wirkt – um so schwieriger ist es meistens, eine zu finden. Wie so häufig sind es die kleinen Dinge, die die größte Arbeit machen.

Die Catchphrase stellt die Essenz einer Figur dar. Und dazu muss sie auch noch eingängig und griffig sein. „Ich hasse meinen vorläufigen Rentenbescheid.“ wäre demnach keine gute Catchphrase. „Nimm dies, Punk.“ schon eher.

Catchphrases sind meistens das Produkt intensiven Brainstormings und sollten geschrieben werden, wenn die Figur hundertprozentig entwickelt ist. Sie entsteht aus den Charakteristika der Figur, aber auch aus wiederkehrenden Situationen, in die eine Figur gerät – mit anderen Worten: aus dem Plot.

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9 Antworten auf “Wie Catchphrases deinen Roman verbessern können”

  1. Hat dies auf Wortwelten rebloggt und kommentierte:
    Um ehrlich zu sein, hat man Spocks „faszinierend“ oder Kojaks „entzückend“ damals so hingenommen. Das es im Grunde eine „Marke mit Wiedererkenungswert“ ist, hat man damals wohl nicht wirklich wahrgenommen. Das zeigt, solche Catchphrases sind in manchen Bereichen sehr nützlich und vielleicht auch nötig.

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  2. Sehr gut finde ich ja „Da muss man realistisch sein“ von Logan Neunfinger (Kriegsklingen). Ein Charakter der ständig versucht sich zu verbessern aber in gewissen Situationen kann er es einfach nicht und fällt in sein altes Muster.

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  3. Mein absolutes Lieblingsbeispiel stammt aus House of Cards:

    „Sie mögen das so sehen, aber ich kann es unmöglich kommentieren.“ Die ganze Figur in nur einem Satz. Der britische Charme mit süffisantem Unterton kommt im englischen Original natürlich noch viel besser raus. „You may very well think that, but I couldn´t possibly comment.“ (Mit besonderer Betonung auf „possibly“ und einem genüsslichen Lächeln im Abgang.)

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