5 Fragen, die Autoren zum Hals raushängen und was man auf sie antworten kann

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Wer schreibt, stößt oft auf Unverständnis. Die wenigsten Zeitgenossen reagieren begeistert, wenn man bekannt gibt, dass man Autor ist (oder werden möchte) – vorausgesetzt, man steht nicht auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. Das kann die Motivation killen und bewirken, dass man seinem Traum nicht folgt, was wiederum sehr, sehr ungesund ist.

Hier ein paar der üblichen ätzenden Fragen und mögliche Antworten, die Mut machen.

1. Mit Schreiben verdient man doch kein Geld? Wozu die Mühe?

Die allermeisten Autoren verdienen kaum Geld mit dem Romanschreiben: Jedenfalls nicht genug, um davon zu leben. Richtig.

Die allermeisten Menschen, die Fußball spielen, verdienen aber auch kein Geld damit. Es ist ganz genau das Gleiche: Es gibt ein paar Tausend Fußballer auf der Welt, die mit ihrer Tätigkeit reich werden, bzw. davon leben können. Aber Millionen von begeisterten Fußballspielern, denen das einfach Spaß macht. Wenn nicht Milliarden. So ist das nun einmal, wenn man seinem Herzen folgt.

2. Wieso wirst du denn nicht veröffentlicht?

Nicht jeder, der Hausmusik macht, steht auch auf der Bühne der Philharmonie. Viele, viele Leute sind damit zufrieden, für sich und vielleicht die Familie ein wenig in die Tasten oder Seiten zu hauen. Und diese sind nicht immer die schlechtesten Musiker. Warum sollte man auch immer im Rampenlicht stehen oder sein Hobby zum Beruf machen?

Hinzu kommt: Veröffentlicht zu werden ist ein langer, schwieriger und komplizierter Prozess, der vom Autor selbst nur zu einem gewissen Teil beeinflusst werden kann. Klar, man kann sich Mühe geben, tolle Romane schreiben und viele Manuskripte versenden. Aber ob man dann schließlich genommen wird, hängt von vielen Faktoren ab, die nichts mit der Qualität der eigenen Texte zutun haben und auch kaum von einem selbst beeinflusst werden können.

J.K. Rowlings „Harry Potter“ wurden der Legende nach von allen großen britischen Verlegern abgelehnt, bis es veröffentlicht wurde. Sehr, sehr vielen heute bekannten Bestseller-Autoren und Klassikern der Literatur ging das so. Gerade die heute von der Kritik geschätzten Autoren, die teilweise Schullektüre sind, hatten ihr Leben lang gar kein Veröffentlichungen oder nur sehr geringe Auflagen. Franz Kafka oder Gottfried Benn. Selbst Goethe hatte massiv damit zu kämpfen, dass seine Leiden des Jungen Werther einen Verleger finden. Könnte sein, dass dir das auch so ergeht.

Es gibt auch Autoren, die viel und lange schreiben, Manuskript auf Manuskript einsenden und erst nach Jahrzehnten den Durchbruch erlangen. Hakan Nesser ging das so. Er wurde erst jenseits der 50 veröffentlicht. Und sein Kollege Henning Mankell wurde vor seinem Durchbruch auf dem deutschen Markt auch veröffentlicht, ohne dass ein Hahn nach ihm gekräht hätte.

Erfolgreich veröffentlicht zu werden hat sehr viel damit zu tun, das richtige Manuskript zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Leuten zu schicken. Und das ist zu einem großen Teil einfach Glückssache.

3. Du veröffentlichst deine Bücher selbst als E-Book? Liest das denn jemand, es gibt doch so viele davon?

Ja, der E-Book-Markt für Selfpublisher ist vielleicht sogar noch härter als der für Verlagsautoren, weil er noch unübersichtlicher und zersplitterter ist.

Trotzdem – auch hier gibt es immer wieder Autoren, die aus der Masse von nur mäßig verkauften Büchern hervorstechen und zu Bestsellerautoren werden oder auf diesem Weg einen Verlag gefunden haben. Wieso sollte das nicht auch dir früher oder später passieren? Es gibt keine Garantie. Aber es klappt garantiert nie, wenn man es nicht versucht.

4. Bücher lesen ist doch prinzipiell langweilig. Wozu also welche schreiben?

Du gehst gerne ins Kino oder schaust dir Spielfilme im Fernsehen an? Doofe Frage, jeder geht gerne ins Kino und jeder sieht fern. Aber: Kein Film ohne Geschichte.

Viele Filme basieren in irgendeiner Form auf Büchern. Selbst jene, von denen man das vielleicht nicht glaubt. Oder hättest du gedacht, dass z.B. Die Hard mit Bruce Willis eine Romanverfilmung ist? Eben.

Also, irgendwer muss sich diese Geschichten ja vorher ausdenken, bevor sie auf die Leinwand kommen. Mag sein, dass Lesen für den einen oder anderen Doof ist. Aber Romane, gute Geschichten, werden immer gebraucht und geschätzt, selbst von denen, die sie nicht lesen.

5. Ist Romanschreiben nicht ganz schön einsam? Wirst du dadurch nicht zum Stubenhocker?

Vielleicht. Aber was ist daran schlimm? Manche Menschen verbringen halt gerne Zeit allein und drinnen (abgesehen davon kann man ja auch im Garten oder im Park oder so schreiben). Jeder Mensch ist anders. Die Kaktee geht ein, wenn sie in den Sumpf verpflanzt wird und die schönste Rose hat in der Wüste nichts zu suchen.

Andererseits muss das ja auch nicht so sein. Es gibt viele andere Autoren, mit denen man in Kontakt treten kann, um mit ihnen zu chatten, sich auf Facebook oder Twitter auszutauschen oder auch mal (oh mein Gott!) zu treffen. Es gibt z.B. vor jedem NaNoWriMo in vielen Städten Write-Ins. Und andere lieben es, sich mit ihren Autorenkollegen zu treffen und übers Schreiben zu plaudern, sich über Projekte auszutauschen und gegenseitig zu kritisieren, um Manuskripte besser zu machen.

Ja, viele Autoren sind nicht unbedingt als Rampensäue bekannt und wirken auf Partys nicht gesellig oder verbringen nur wenig Zeit im Fitnessstudio. Aber da war die Sache mit der Kaktee und dem Sumpf …

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41 Gedanken zu “5 Fragen, die Autoren zum Hals raushängen und was man auf sie antworten kann

  1. Marcus, dein heutiger Artikel war wirklich außerordentlich zutreffend. Ich glaube da erkennt sich jeder Autor wieder und das macht Mut.

    Danke.

    Martin

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  2. Hallo Marcus, danke für den tollen Artikel.
    Ich höre immer als erstes die Frage: Du hast Jura studiert und schmeißt das alles hin, um zu schreiben?
    Ja.
    So ist das, wenn man seinem Herzen folgt. Ich unterschreibe deinen Artikel.

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  3. Typische Fragen, gute Antworten 🙂
    Ich habe schon vor 10 Jahren gesagt, dass Ebook- oder Selfpublisher – Autoren teilweise bessere Sacxhen schreiben als die „Großen“. Sie sind nur eben schwerer zu entdecken, weil alleine der Ebookmarkt riesig ist.

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  4. Das erinnert mich daran, dass ich endlich mal den „Fünf Sprüche, die mich als Autorin nerven“-Blogpost schreiben sollte.
    Bei mir sind es zum Glück völlig andere Fragen und Sprüche, als bei dir. Und wenn ich bedenke, dass ich seit ZWEI MONATEN diesen Blogpost schreiben will… Danke für den amüsant zu lesenden Post – und den Tritt.

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  5. Hat dies auf Frau Doktor MG's Blog rebloggt und kommentierte:
    Vielen Dank an Marcus für diesen treffenden Blogeintrag. Aus Wahrheitsgründen gerne geteilt.
    Demnächst folgt dann ein Eintrag zur Königin der Nacht – ein wüstenlokalisiertes Kakteengewächs, deren Blüten die schönste Rose in den Schatten stellen … 😉

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  6. Lieber Marcus, da hast du mal wieder voll ins Schwarze getroffen. Ich habe mich lange Zeit mit solchen und ähnlich entmutigenden Komentaren herumgeschlagen, die ich vor allem dann schlimm fand, wenn sie aus dem nächsten Umfeld kamen. Mittlerweile grinse ich mir eins und notiere mir innerlich einen weiteren Namen, den ich in meiner Dankesrede nicht erwähnen werde, falls ich sie eines Tages halten muss. Dir aber danke ich jetzt schon für diesen und viele weitere gute Artikel.

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  7. Hat dies auf Mein Traum vom eigenen Buch rebloggt und kommentierte:
    Ich hatte ja schon einmal einen Beitrag verlinkt, den Marcus Johanus auf seinem Blog veröffentlicht hat. Heute ist es wieder soweit, dass ich euch einen seiner Beiträge ans Herz legen möchte. Auch wenn ich bis jetzt von vielen der beschriebenen Fragen verschont geblieben bin, sind es doch Fragen, vor denen ich in Angst lebe. Was vielleicht nicht wirklich angenehmer ist.

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  8. Das Autoren durchaus den Kontakt zu anderen Autoren suchen, sich gemeinsam Gedanken machen und sich über ihre Probleme verständigen, zeigen die vielen Kommentare, die hier abgegeben werden. Ganz offenbar trifft der Artikel den Nerv von vielen von uns.

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  9. ich bin auch eine die gerne allein ist, eine Stubenhockerin wenn es die zeit erlaubt, aber ich kann kein Buch schreiben, weil es mir nicht gegeben ist.

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  10. Hallo Marcus,

    du hast damit einen Nerv getroffen.
    Und zum Nachdenken angeregt.

    Und wie ich sehe, ist hier gar nicht offiziell bekannt, dass deine 5 Fragen und 5 Antworten genau aus dem Grunde sogar der Zünder für eine Blogparade ist.

    Hier hat Annika, das Thema aufgegriffen http://www.vomschreibenleben.de/5-nervige-fragen-und-die-passenden-antworten/#comment-1771 und Doro hat von dort aus die Parade als solche gestartet: http://www.vomschreibenleben.de/5-nervige-fragen-und-die-passenden-antworten/#comment-1771
    Inzwischen ist sie bereits zwei weitere Stationenfortgeführt – ich bin eine davon 🙂
    Man kann die Blogparade auch zurückverfolgen aber ich denke, man sollte auch die Chance haben, hier den eigentlichen „Startpunkt“ zu erkennen 🙂

    LG
    Rosemarie

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  11. Genial.Solche Fragen stelle ich noch nicht mal ansatzweise den Autoren, da sind meine Fragen nicht wirklich schlimm. Puuuuh. Glück gehabt. Danke ❤

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  12. Erster Punkt, erster Absatz und ich möchte gleich wiedersprechen…

    Genau das dachte ich nämlich auch immer, vor allem, weil ich die Worte von Herrn Eschbach (ich glaube, er war es) im Ohr habe, wonach nur fünf Prozent aller Autoren in Deutschland vom Schreiben leben können.

    Vor zwei Jahren begann ich neben meinem Brotberuf mit dem Schreiben und habe in dieser Zeit unzählige Kollegen kennengelernt, die allesamt von ihrer Arbeit leben können. Merke: Es geht, vor allem ist es nur eine Frage, welchen Lebensstandard ich haben möchte. Das berühmte Kleinvieh und so…;-)
    Schriftsteller zu sein (und davon leben zu können) ist also kein Hexenwerk. Das finde ich als Motivation immer ganz wichtig zu betonen.

    Ansonsten aber sehr guter Beitrag.

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