Der Rettungsring eines jeden Autors: Intuition

DerRettungsringeinesjedenEigentlich plane ich ja meine Romane bis in den letzten Winkel, drehe und Wende jede Idee und Entscheidung, bis sie passt. Doch manchmal hilft alles Grübeln und Studieren nicht weiter. Dann beginnt die Aufschieberitis. Am Ende gibt’s nur eine Sache, die die Schreibblockade noch verhindern kann: Intuition.

Was genau ist Intuition eigentlich?

So ganz genau weiß das wohl keiner. Die Wissenschaft ist sich da nicht einig, ob sie überhaupt existiert und falls doch, was genau ich mir darunter vorstellen soll. Oft wird Intuition auch als Bauchgefühl bezeichnet, was einen aber auch nicht weiterbringt.

Ich kann mit der Definition am meisten anfangen, dass meine Intuition die Summe aller Erfahrungen ist, die ich in meinem Leben gemacht habe, die mir aber nicht unbedingt alle im Einzelnen bewusst sind. Dazu gehören z.B. emotionale Eindrücke, die sich schwer oder gar nicht in Worte fassen lassen oder halt eben Verdrängtes, auf das ich – aus welchen Gründen auch immer – nicht bewusst zugreifen kann.

Und wozu genau dient Intuition nun beim Schreiben eines Romans?

Manche sind davon überzeugt, dass Intuition sogar mächtiger ist als der Verstand. Oft wird dann behauptet, dass der Verstand nur das rechtfertigt, was intuitiv eigentlich schon entschieden wurde. So weit gehe ich nicht.

Jeder kennt aber wahrscheinlich die Situationen, in denen man eine schnelle Entscheidung fällt, dann überdenkt, grübelt, Argumente wälzt – und am Ende dann doch zu dem Entschluss gelangt, den man zuerst gefasst hat. Offenbar gibt es also irgendeine Instanz in meinem Kopf, die schlauer ist als ich. Zumindest bei manchen Dingen, die es zu entscheiden gibt.

Beim Schreiben kann es viele Probleme geben, für die es keine rationalen Entscheidungshilfen gibt.

Sollte meine Hauptfigur männlich oder weiblich sein? Braucht meine Story ein Happy End oder doch lieber ein offenes Ende? Solche und ähnliche Fragen haben – meistens keine Antwort, die rational entschieden werden kann.

Sicherlich, schreibe ich einen Roman mit dem Titel „Die Päpstin“ ist die Wahl des Geschlechts der Hauptfigur recht naheliegnd. Aber sonst? Tut meinem Krimi eher eine Ermittlern oder ein Ermittler gut? Die meisten Leser sind weiblich – lesen sie auch lieber von Frauen oder finden sie es auch interessant die männliche Perspektive zu erleben? Fahre ich besser damit, als Mann auch aus einer männlichen Sicht zu schreiben oder kann es gerade spannend sein, sich ins andere Geschlecht hineinzuversetzen?

Zu langes Wälzen der Argumente kann hier nur dazu führen, dass ich das Projekt aufschiebe oder am Ende gar nicht mehr angehe. Hier kann es sinnvoll sein, einfach intuitiv zu entscheiden, bevor es mixgar nicht gelingt, zu Potte zu kommen.

Wann ist es eher schlecht, intuitiv zu entscheiden?

Sobald ich mein Baugefühl vorschiebe, um nicht recherchieren/gründlich nachdenken/andere Meinungen einholen usw. zu müssen, ich mir also das Leben eher leicht mache, ist meiner Ansicht nach die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich mit einer intuitiven Entscheidung eher falsch liege. Bestenfalls ergibt sich in den meisten Fällen eine 50:50-Chance.

Sollten Gefühl und Verstand mal im Konflikt stehen, hilft es mir immer, die Entscheidung einfach ein wenig reifen zu lassen, soll heißen: Probekapitel schreiben, laufen gehen, mit meinem Writing Buddy Axel über das Problem reden usw. Dann gelingt es oft, diesen Konflikt aufzulösen oder zu erklären. Manchmal hat man mit einer rational getroffenen Entscheidung nicht ohne Grund ein schlechtes Bauchgefühl.

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2 Antworten auf “Der Rettungsring eines jeden Autors: Intuition”

  1. Ein interessantes Thema. Ich glaube das gerade beim Romanschreiben die Intuition dann helfen kann, wenn es um Entscheidungen der eigenen Figuren geht. Man darf dabei nur nicht in die Alter-Ego Falle tappen, denn schlöießlich muss es die Intutition der Figur sein und nicht die des Autors. Deswegen ist das Hineinfühlen in seine eigenen Romanfiguren so wichtig.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende wünscht
    Martin

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  2. Intuition ist Erfahrungswissen, da zieht man auch das Langzeitgedächtnis in die Überlegung ein. Für erfahrene Schreiber ist Intuition wichtig, aber man kann dadurch leicht in die Klischeefalle tappen.

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