5 Scrivener-Tipps für Romanautoren

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Scrivener ist ein wunderbares Schreibprogramm für Autoren. Wer einmal ein größeres Projekt allein mit Word und Co. zu schreiben versucht hat, der weiß, wie schwierig es ist, den Überblick zu behalten, Informationen über Figuren stets zur Hand zu haben, zwischen Kapiteln hin und her zu springen usw. Nicht so mit Scrivener. In Sachen Organisation ist die App unschlagbar. Aber sie kann noch viel mehr, um einem das Autorenleben ein gutes Stück leichter zu machen.

1. Textabschnitte spezifisch benennen

Links in der „Mappe“-Seitenleiste können alle Textdateien und Ordner eines Projektes gesammelt werden. Jedem Element kann ich hier mühelos eigene Namen geben und sie auch jederzeit folgenlos verändern.

Für die Dateinamen sollten möglichst spezifische Bezeichnungen gewählt werden. Zwar liefert Scrivener mit der Pinnwand und den beschreibbaren Karteikarten eine gute Übersicht einzelner Szenen oder Kapitel. Aber für das störungsfreie Arbeiten sollten auch die Namen der Dateien in der Mappe bereits eine eindeutige Zuordnung ermöglichen. Nicht immer kann oder will man auf die Pinnwand zugreifen.

Auf keinen Fall sollte man die Dateien durchnummerieren. Die Erfahrung zeigt, dass die Reihenfolge von Kapiteln sich schnell ändern kann. Oder es fliegen welche raus, andere kommen dazu. Am Ende verbringt man mehr Zeit damit, Kapitelnummern zu ändern, als zu schreiben.

Die Namen der im Text auftretenden Figuren und der Handlungsort bieten sich an, wie z.B. „Patricia und Lias am Grimmesee“ oder auch ein Satz, der die Handlung zusammenfasst „Unfall auf der Landstraße“.

2. Projektnotizen nutzen

Klickt man auf das weiße „i“ im blauen Kreis oben rechts, klappt die „Prüfer“-Seitenleiste auf. Hier gibt es viele nützliche Funktionen, wie z.B. die Möglichkeit, die Karteikarte zu bearbeiten, die auch auf der Pinnwand angezeigt wird. Eine der wichtigsten Funktionen ist für mich der Notizzettel. Er wird eingeblendet, wenn man ganz unten auf den Block klickt.

Macht man das, wenn man gerade einen Ordner oder Text im Hauptfenster bearbeitet, dann gilt die Notiz nur dafür. Macht man das Ganze in der Pinnwand-Ansicht, wird die Notiz für das gesamte Projekt angelegt. Nie wieder muss man Zettelstapel auf dem Schreibtisch sammeln oder Post-Its auf den Monitor kleben.

3. Automatische Zusammenfassung generieren

Wenn man – aus welchen Gründen auch immer – den Text auf einer Karteikarte nicht selbst schreiben möchte, kann man eine automatische Synopse generieren lassen. Klickt man auf das kleine Viereck mit dem Pfeil ganz oben rechts in der Karteikarte, werden automatisch die ersten Sätze aus der Datei, zu der die Karteikarte gehört, angezeigt. Sehr praktisch, wenn man schnell einen Überblick benötigt.

4. Recherche-Ordner ausreizen

Den Recherche-Ordner sollte man nicht unterschätzen. Hier kann wirklich alles angelegt werden, was elektronisch vorliegt. Und man sollte es auch tun. Was gibt es besseres, als sämtliche Rechrechematerialien auf einen Blick immer zur Verfügung zu haben?

Sogar Webseiten und Videos kann ich hier ablegen und mir jederzeit ansehen – wenn dann eine Verbindung zum Internet besteht. Speichere ich die Seiten und Videos vorher auf dem Rechner, dann kann ich sie natürlich auch offline aufrufen.

Um Inhalte in den Rechercheordner zu tun, reicht drag-and-drop. Es geht aber auch über die Zwischenablage. Dann muss bei einer Website oder einem Video einfach nur die URL aus der Adresszeile des Browsers kopiert und per Rechtsklick eingefügt werden.

5. Vollbildredaktionsmodus

Hinter diesem Wortungetüm verbirgt sich eine Full-Screen-Ansicht der aktuellen Datei. Scrivener kann einen mit den vielen Funktionen, Optionen und Icons schon einmal erschlagen – vor allem aber auch beim Schreiben ablenken. Der Vollbildmodus blendet alles andere aus. Auch die Menüleisten des Betriebssystems etc., so dass man beim  konzentrierten Schreiben wirklich gar nicht mehr gestört werden kann.

Bewegt man die Maus im Vollbildmodus zum untern Bildschirmrand, erscheint eine kleine Leiste, mit der man das Erscheinungsbild des Textes beeinflussen kann. Schriftgröße, Papierbreite etc. kann man hier verändern.

Ich ziehe das Papier immer so breit, dass es den gesamten Bildschirm einnimmt. So wird selbst der schwarze Rand des Hintergrunds ausgeblendet.

Wem es lieber ist, noch ein wenig Deko hinter dem virtuellen Blatt zu haben, auf dem er gerade schreibt, der kann noch rechts und links den Rand stehen lassen und sogar ein eigenes Hintergrundbild festlegen.

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12 Antworten auf “5 Scrivener-Tipps für Romanautoren”

  1. Lieber Marcus
    Dieser Beitrag ist die richtige Plattform um Dir für den Typ mit Scrivener und für die Thriller-Vorlage zu danken. Ich arbeite nur noch mit Scrivener. Seither weiss ich wirklich nicht mehr, wie ich zwei, mehrere hundert Seiten dicke Thriller, mit Word schreiben konnte. Aber ich weiss jetzt, wieso ich so lange dafür gebraucht habe. Ich war ja praktisch nur noch am nachlesen und kam kaum noch vorwärts. Mit Scrivener habe ich jederzeit – wenn ich will – den „totalen Überblick.“
    Zurzeit bin ich allerdings etwas schreibfaul. Aber dank Scrivener gelingt mir nun auch nach einer längeren Pause ein müheloser Einstieg in die Handlung. Und schon nach wenigen Minuten Durchsicht sehe ich mich in der Lage weiter zu schreiben, – na ja, wenn mir nicht gerade einfällt, dass ich noch den Müll raustragen sollte.

    Ein schönes Wochenende

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  2. Sorry, Marcus, ich bin ein eingefleischter Fan von Papyrus. Er scheint die gleichen Funktionen zu haben wie Scrivener, die man auch ähnlich nutzen kann. Aber der Hauptausschlag, Papyrus zu kaufen (Jaaa, schweineteuer, aber ich kaufe auch keine Acrylpinsel für 95 Cent im Billigladen, wenn ich gescheit malen will) waren die Korrekturfunktionen, die ich am Ende des Manuskripts ganz dringend brauche. Wortwiederholungen, über so viele Zeilen wie gewünscht einstellbar. Mehrfach benutzte Wörter, Thesaurus mit mindestens 15 Vorschlägen zu praktisch jedem Wort, Stilanalyse für gleichmässigen Schreibfluss, Verbverbesserungen, Satzstellung. Ach ja, und Hyperlinkfunktion, mit der man Personen und/oder Aktionen oder Plätze von der Auflistung(z.B. Charakterbeschreibungstool) mit einem Klick im Haupttext wiederfindet. Ich bedanke mich noch einmal bei meinen Testleserinnen Aimée und Mira, dass sie, bevor ich Papyrus hatte, so geduldig alles selbst korrigiert haben. Bitte nicht böse sein, lieber Marcus!

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    1. Ich bin zwar nicht Marcus, aber so für sich stehen lassen sollte man den Beitrag auch nicht. Jeder schreibt eben mit den Werkzeugen, die er mag. Das sollte man jedem zugestehen ohne sauer zu werden.

      Ich selbst mag Scrivener. Egal was ich damit mache und plane, es ist nahezu ideal dafür. Aber wegen der Korrekturfunktion, muss ich dir neidvoll zustimmen. Vor allem bei der Windows und Linux Variante. Das bei Papyrus aber auch das komplette Duden Korrektor Paket mitgeliefert wird sollte fairerweise noch dazu erwähnt werden. Da sehen auch andere Programme dann ziemlich blasser aus – und ist auch die Erklärung zu dem enorm hohen Preis. Als Geschenk bekommt man das bei Papyrus sicher nicht dazu 🙂

      Ohne Werbung für Scrivener bei dir machen zu wollen, es interessiert ggf. andere Nutzer:
      Bei den Hyperlinks zu Personen und Plätzen – Scrivener arbeitet hier ein wenig anders. Man erstellt sich sein Projekt mit all den wichtigen Daten selbst, hat also keine vorgegebene Datenbank. Das macht es für die Art Funktion etwas schwieriger. Ich nutze dafür den Inspektor im Abschnitt Referenzen in jedem Kapitel, Ort und Charakterblatt dafür und verlinke dort entsprechend quer zu allem. Auf die weise behält man den Überblick darüber, wer/was in welcher Szene/Kapitel vorkommt (je nachdem ob Buch oder Drehbuch) und kann auf den Umweg auch gleich an die Beschreibungen vom Kapitel aus zugreifen. Zugegeben, nicht ganz dasselbe wie in Papyrus, etwas ungelenker vielleicht – aber Scrivener Links zu setzen ist auch nicht so schwierig. Nur für das auffinden in der Textstelle selbst bleibt es bei der Suchfunktion nach Stichwort – aber das komplette Dokument muss man dafür dann nicht mehr durchforsten. Man hat alles im blick und dank der beiden Editorfenster braucht man nicht einmal deswegen hin und her wechseln. – Insofern: behalte immer den Inspektor im Auge und benutze ihn. Er ist ein sehr mächtiges Instrument in Scrivener.

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  3. Was mich an Scrivener echt stört, ist die Korrekturfunktion. Mal geht sie, mal nicht, und wenn, dann unzureichend. Macht uns Feinmotorikgestörten Probleme. Word ersetzt es für mich nicht ganz, weil man den Duden nicht implementieren kann. Ansonsten bin ich echt zufrieden. Einen Roman ohne schreiben: sinnlos. Das Geld ist es wert, aber leider nicht der Weisheit letzter Schluss.
    P.S.: Danke für den Artikel. Toll, wie so viele.
    LG

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    1. Das Problem kann ich nicht nachvollziehen. Benutzt du die Windows-Version? Damit kenne ich mich nicht aus. Auf dem Mac gibt es mit der Korrekturfunktion keine Probleme. Die App nutzt die von OSX. Die ist zwar auch nicht besonders toll, aber sie funktioniert zumindest immer.

      Nein, natürlich ersetzt Scrivener Word nicht. Schon allein deswegen nicht, weil am Ende jede Agentur und jeder Verlag ein Word-Dokument haben wollen. Und spätestens dann brauche ich Word – leider – auf jeden Fall. Für mich der einzige Grund, wieso ich überhaupt noch einen Rechner habe, auf dem Word läuft.

      Scrivener ist halt ein Tool, das hauptsächlich der Organisation dient. Ein Programm das alles macht, wäre toll, aber auch ein wenig viel verlangt. Als Handwerker gibt es ja auch Situationen, wo ich den Zimmermannshammer oder den Gummihammer brauche. Beide sind irgendwie ähnlich und machen mehr oder weniger das Gleiche. Aber halt eben nur mehr oder weniger.

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      1. Ich zähle mich ebenfalls zu den bekennenden Scrivener Usern.

        Das Problem mit dem fehlerhaften Spellcheck kenne ich leider nur zu gut von der Windows und Linux Version. Da gibts leider so einige Unterschiede, die man auch an der Umsetzung falsch gemacht hat.

        Unter Windows gibts keinen Systemspellcheck, unter Linux ist je nach Distro einer vorhanden, den Programme nutzen können (meist aspell). Aber nö – sie installieren trotzdem aspell extra mit, da man (warum in drei Teufels Namen auch immer) auf Linux eine nahezu 1:1 Kopie von der Windows Version gemacht hat. Blöderweise sind sich der Mac und Linux viel näher, als Windows zu einem der beiden. Und ja, die Linux Variante ist dazu noch eine Beta, hat also noch ganz andere Sachen die (noch) nicht (richtig) funktionieren.

        Gut, aspell ist leider auch nicht das gelbe vom Ei, werkelt halbwegs zufrieden stellend in englischer Sprache – aber mit deutsch hadert er oft doch herum. Hier wäre es angenehm, wenn man Schnittstellen zu anderen Spellchekcsystemen geschaffen hätte, mit denen man Scrivener verbinden kann. Language Tool wäre da neben dem Duden Korrektor eine Bereicherung, auch wenn sowas extra installiert werden muß.
        Da ist man auf dem Mac mit dem Systemeigenen Spellcheck tatsächlich besser dran.
        Papyrus mit seinen mitgelieferten Duden Korrektor ist damit ebenfalls um ein vielfaches besser ausgestattet (was auch den enormen Preis erklärt, der Korrektor kostet allein ja auch schon einiges, und Papyrus wird das sicher nicht als Umsonst Beigabe dazu legen)

        Aber trotz allem: es hält mich nicht davon ab weiter mit Scrivener zu arbeiten. Allein die Planungs- und Gestaltungsvielfalt in den Projekten ist sagenhaft.

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  4. Es stimmt: Beide Programme haben ihre Schwächen. Aber ich bin ein Mensch, der sich lieber auf die Stärken konzentriert und wenn man sich beide Programme zulegt – was man ja nicht jede Woche tut – dann kann man die Stärken zu einem ultimativen Werkzeug kombinieren:

    Die Stärken von Scrivener liegen eindeutig im Binder. Für mich ist es gerade beim Entwickeln des Plots, bei der Recherche und dem Planen enorm wichtig, dass ich unterschiedlichste Dokumente, Bilder und Dateien in einer sauberen Struktur ablegen kann – und zwar nicht nur in typischen Ordnern/Mappen, sondern auch in Dokumentgruppen. Beispiel: Ich lege ein Dokument für eine Location an und ziehe Bilder auf dieses Dokument im Binder. Es wird automatisch eine Gruppe erstellt.
    Die Teilungsmöglichkeiten des Bildschirms, die mir gleichzeitigen Überblick über Dateistruktur, Text, Infokarten, Notizen, Labels, Status, etc. ermöglichen, unterstützen die Arbeit bis zum fertigen Rohentwurf ungemein.

    Die Stärke von Papyrus Autor liegen unter anderem in der Duden-Korrektor-Einbindung und an den unzähligen Möglichkeiten, die das Überarbeiten der Texte erleichtern und unterstützen.

    Seit ich beide Programme kombiniert verwende, habe ich alles, was ich brauche und ick kann micht wirklich auf das konzentrieren, was wichtig ist – schreiben!

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