Was Konflikte wirklich spannend macht

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Die oberste Regel in James N. Freys Schreibratgebern „Wie man einen verdammt guten Roman/Krimi/Thriller“ schreibt, lautet: Konflikt! Konflikt! Konflikt! Und tatsächlich ist schon eine Menge gewonnen, wenn diese Regel beherzigt wird. Allerdings gibt es Konflikte und wirklich spannende Konflikte.

Was genau ist eigentlich ein Konflikt?

Ein Konflikt entsteht dann, wenn unterschiedliche Interessen aufeinanderprallen. Ein Konflikt ist also nicht einfach nur Krawall. Er ist sozusagen ein sehr zielgerichteter und sorgfältig motivierter Streit, eine Auseinandersetzung um einer Sache willen, die von Bedeutung ist.

Grundlegend muss es für einen Konflikt eine wichtige Voraussetzung geben: Mindestens zwei Motive müssen aufeinandertreffen (und für einen Roman macht es sich häufig gut, wenn es genau zwei sind). Je gegensätzlicher diese Motive sind, desto spannender kann der Konflikt sein.

Hinzu kommt, dass ein Konflikt im Roman spannend ist, wenn viel auf dem Spiel steht. Streiten zwei Brüder einer Mittelklassefamilie am Frühstückstisch um das letzte Brötchen, ist das zwar ein waschechter Konflikt. Trotzdem wird dieser den Leser nicht vom Hocker hauen, wenn der Verlierer am Ende zum Kühlschrank gehen kann, um seinen Hunger mit einem Becher Joghurt zu stillen.

Und was ist dann ein wirklich spannender Konflikt?

Wirklich spannend wird ein Konflikt, wenn nicht nur entgegen gesetzte Interessen aufeinanderprallen und viel auf dem Spiel steht, sondern die Motive aller Beteiligten für den Leser vollkommen nachvollziehbar sind. Mehr noch: Wenn es so aussieht, als wenn beide Recht haben.

Ist einer der Konfliktpartner eindeutig im Unrecht, ist es vielleicht noch spannend zu sehen, ob sich die „gute“ Seite durchsetzt. Und es kann auch recht interessant sein, die Handlung weiter zu verfolgen, wenn sich die „schlechte“ Seite durchgesetzt hat.

Wirklich spannend wird es, wenn der Leser schon zu Beginn des Konflikts nicht eindeutig entscheiden kann, für welche Seite er sich entscheiden würde.

Wie kommt man zu einem wirklich spannenden Konflikt?

Die Situation, die einem wirklich spannenden Konflikt zugrunde liegt, ist ein Dilemma. Dilemmata sind Situationen, die jemanden zu einer Entscheidung zwingen, ohne dass es eine richtige Entscheidung gibt. Sozusagen eine Loose-Loose-Sitatuation.

Gibt es zum Beispiel nur eine Ampulle eines lebensrettenden Medikaments in Reichweite und zwei Menschen sind aber gleichermaßen darauf angewiesen, weil sie sonst sterben würden, dann ist das eine gute Ausgangsbasis für einen wirklich spannenden Konflikt. Verzichtet eine der beiden auf das Medikament, stirbt er. Nimmt er es, stirbt jemand anders. Wenn beide nun auch noch einen wirklich guten Grund haben, um am Leben bleiben zu müssen, der über puren Egoismus hinausgeht, kann das eine echte spannende Grundidee sein.

Haupt- und Nebenkonflikte

Nicht jede Szene eines Romans braucht einen wirklich spannenden Konflikt. Die Handlung muss sich also nicht pausenlos um ein Dilemma oder den Hauptkonflikt drehen. Auch hier lässt sich der Bogen überspannen.

Ohnehin sollte es in einem wirklich spannenden Thriller einen Haupt- und viele Nebenkonflikte geben. Nebenkonflikte können auch manchmal einfach nur aus einem Streit oder ein wenig Krawall bestehen. Das verzeiht der Leser nicht nur, es dient ihm auch zur Entspannung.

Der Hauptkonflikt sollte schon sorgfältiger ausgearbeitet sein und wirklich spannend sein. Ein interessantes und echtes Dilemma ist dafür eine gute Ausgangsbasis.

 

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4 Antworten auf “Was Konflikte wirklich spannend macht”

  1. James N. Frey ist einfach super. Aber ich finde, dass du die Frage nach dem Konflikt eigentlich noch besser auf den Punkt bringst, Marcus.
    Besonders das Beispiel mit dem Medikament fand ich sehr inspirierend und anschaulich.

    Liebe Grüße und noch ein erholsames Wochenende
    Martin

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  2. Beim Brüderstreitbeispiel kann das Brötchen nur den Anlass sein, das Streitthema kann tiefer liegen. Vielleicht geht es um das Prestige. Wer ist der Mächtigere unter den Brüdern?

    Ansonsten stimme ich dem Artikel zu. Gilt das auch für Thriller?
    Bei den Dilemma muss man aufpassen, dass es realistisch ist. Was die Planer haben nicht daran gedacht, dass manchmal mehr Leute eine Ampulle brauchen könnten? Und dann haben sie noch nicht rechtzeitig neue bestellt, was sind das für Schlampen?

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  3. Was ist mit den inneren Konflikten? Ich hänge bei meinem Projekt genau an diesem Problem. Kann ein innerer Konflikt so stark sein, dass er den Leser bis zur letzten Minute fesselt?

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    1. Es spielt meiner Ansicht nach bei einem Dilemma gar keine Rolle, ob es sich um einen inneren oder äußeren Konflikt handelt. Beides kann extrem spannenden sein. Idealerweise hat man vielleicht auch beides im Roman.

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