E-Books als Werkzeug zum Überarbeiten

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Um eigene Texte effizient überarbeiten zu können, ist es wichtig, eine neue Perspektive einzunehmen. Alles, was dazu dient, Distanz zum selbstgeschriebenen Romanprojekt, aufzubauen, kann dabei helfen, mit den Augen eines Lektors und nicht mit denen eines Autors einen Text zu verbessern.

Es gibt viele Methoden, um diesen Effekt zu erreichen. Eine der wichtigsten dürfte darin bestehen, den Text eine Weile liegen zu lassen, um eine Distanz aufzubauen. Manche schwören auch darauf, das Manuskript auszudrucken, um ihm dann mit dem Rotstift zu Leibe zu rücken. Andere lesen sich den Text laut vor oder lassen ihn lesen. Auch Kombinationen dieser Methoden sind natürlich möglich.

Tut man dies alles allerdings nicht, besteht die Gefahr, dass man eher liest, was man schreiben wollte und nicht das, was man tatsächlich geschrieben hat. Ich bin immer wieder erstaunt darüber, was ich alles für offensichtliche Fehler übersehe, wenn ich mir meine alten Texte vornehme. Einfache Rechtschreib- und Grammatikpatzer sind da noch das Harmloseste.

Ein Werkzeug, das sich bei mir besonders bewährt hat, ist das Umwandeln des Romanmanuskripts in ein E-Book, das ich dann mit einem entsprechenden Reader lesen kann.

Konkret arbeite ich mit der Zusammenstellen-Funktion von Scrivener. Klickt man auf den Reiter „Datei“ in der Menüleiste und dann auf „Zusammenstellen“ (letzter Punkt ganz unten im Kontextmenü), öffnet sich ein Fenster, das es möglich macht, Dateien aus Scrivener heraus zu drucken oder eben in ein anderes Format zu exportieren.

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Zunächst einmal kann man im Hauptfenster auswählen, welche Datei genau man mit welchen Unterordnen auswählen will. Dann kann man im unteren Teil des Fensters bestimmen, in welches Format das Manuskript (oder auch nur Teile davon), exportiert werden sollen.

Ich wähle hier .epub. Prinzipiell ist es auch möglich, den Roman im .mobi-Format zu speichern, was allerdings ein bisschen komplizierter ist. ePub hat für mich auch den Vorteil, dass ich den Roman in iBooks lesen kann. Prinzipiell ist jedoch die Kindle-Leseapp oder auch das Kindle-Lesegerät oder jede andere App zum Lesen von E-Books geeignet.

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Ich entscheide mich aus verschiedenen Gründen für iBooks. Bequemlichkeit ist einer. Ich hab die App halt ohnehin auf dem iPad und kenne sie gut.

Ein weiterer Grund ist, dass meiner Meinung nach die App nicht nur zum Lesen etwas komfortabler ist als die Konkurrenz, sondern auch gute Werkzeuge zum Überarbeiten hat, die sich leicht bedienen lassen.

Lässt man den Finger für eine Weile auf einem Wort, erscheint ein kleines Kontextmenü, mit dessen Hilfe man einzelne Wörter oder auch Abschnitte markieren kann. Auch ausführliche Kommentare lassen sich einfügen, so dass ich später, wenn ich wieder zu Schieren zurückkehre, auch weiß, was und wie ich den Text ändern wollte.

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Für iBooks (oder eine andere App) bereitstellen lässt sich die Datei dann einfach per E-Mail oder (im Falle von iBooks) via AirDrop. Auch Dropbox ist eine Möglichkeit.

In der Leseapp ist dann das eigene Manuskript von einem kommerziellen E-Book kaum noch zu unterscheiden.

Mir fällt somit die Überarbeitung leichter. Soll heißen: Ich sehe Dinge, die ich auf dem Computer oder auf dem Papier schlichtweg überlese. Warum das genau so ist, weiß ich nicht, aber ich habe ein paar Vermutungen:

  1. Das E-Book wirkt wie „ein“ Buch, nicht wie „mein“ Buch. Die Distanz wird größer und ich kann mich dem Text kritischer in der Leserperspektive annähern.
  2. Ein „echtes“ E-Book erzeugt nicht nur die Distanz, es weckt auch einen anderen Anspruch. Ich bin als Leser einfach ungnädiger gegenüber Fehlern oder stilistischen Ungenauigkeiten etc.
  3. Für mich ist das Bearbeiten eines Textes als E-Book besser als ein einfacher Ausdruck. Auch ausgedruckte Seiten, seien sie noch so schick layoutet, haben für mich immer noch einen Werkstattcharakter, den ich aber an dieser Stelle gar nicht mehr haben will.
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19 Gedanken zu “E-Books als Werkzeug zum Überarbeiten

  1. Mir fällt das Verbessern am leichtesten, wenn ich das gedruckte Wort vor mir habe. Damit es mehr wie ein richtiges Buch aussieht, drucke ich 2 Seiten auf ein Blatt. Das Format ist dann quer und ich spare Papier

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    • Da ich ja kaum noch gedruckte Bücher lese, ist für mich das E-Book ja das „richtige“ Buch. 🙂 Ich mag einfach den Papierkram nicht. Und ein ausgedrucktes Manuskript ist ein echt großer Haufen Papier, der ziemlich schwer zu handhaben ist.

      Außerdem schreibe ich nicht gerne mit der Hand. Ich finde es viel angenehmer, mit der Tastatur der iPads zu arbeiten. Aber das ist natürlich eine Geschmacksache.

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    • Genau, Agga, so mache ich das auch. Vom Normmanuskript ausgehend wirkt die Schrift dann oft etwas klein, aber jetzt kann mein roter Fillstift ran, so wie Marcus das beschrieben hat. Bin halt viele Jahre Werbetexter und Korrektor gewesen, das war noch in der „Gebt mir einen Stift“-Zeit 🙂

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  2. Lieber Marcus,

    ich glaube, dass die Umwandlung in ein E_Book denselben Zweck wie das Drucken hat. (Wahrscheinlich günstiger!) Ob man lieber druckt oder in ein E-Book umwandelt, hängt wahrscheinlich auch davon ab, ob man ansonsten Print oder E-Book liest.

    Auch bei einem gedruckten Text habe ich einen ganz anderen Anspruch. Und die Sache mit dem Rotstift stimmt. (Gerade als Lehrer weißt du doch, was es für einen Spaß macht, auf Fehlersuche zu gehen. Nur hofft man als Lehrer natürlich darauf so wenig wie möglich zu finden. Im eigenen Text freue ich mich über jede Sache die ich ändere. Nicht sist schlimmer, als wenn man zufrieden ist mit einem längeren Stück aus der Rohfassung. Trotzdem darf man natürlich nicht dazu übergehen, aufeinmal auch gute Stellen im Wahn zu streichen. Dafür sind Testleser wertvoll.)

    Grüße und ein schönes Wochenende wünscht

    Martin

    P.S. Die Klammer wurde zu lang 😉

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  3. Hallo Marcus,

    ich arbeite ganz ähnlich. Bei mir kommt beim iPad zusätzlich ein kleiner Stylus zum Einsatz, da kommt bei mir das richtige „überarbeiten Gefühl“ auf.
    Deinen Artikel habe ich auf meinem Blog kurzerhand rebloggt.

    Gruß
    Sascha

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  4. Die Idee ist super. Bis jetzt wandle ich meinen Text einfach in PDF um und les dann auf dem e-book – allerdings ist das ein bisserl nervig als Format. Auf die Umwandel-Idee in epub/mobi bin ich noch nicht gekommen. Früher hab ich bei den Ausdrucken meiner Sachen immer einen Namen wie Goethe oder King unter meinen Titel geschrieben – half auch zur Distanz 🙂

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  5. Richtig genialer Tipp. Ich wusste nicht, dass man per Scrivener gleich in epub umwandeln kann. Nur mit den Kommentaren auf dem Reader tu ich mir schwer. Ich finde einfach zuviele Fehler. 😉

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  6. Eine tolle Idee, danke für’s Teilen! Sobald ich meine Hausarbeit beendet habe und nicht mehr nur an das Alte Testament denken muss, werde ich das mal ausprobieren!

    Bislang habe ich alles immer ausgedruckt, seit ein paar Monaten nutze ich als „Korrektur-Vorstufe“ die Vorlese-Funktion in Scrivener. Da wird dir dann natürlich etwas steif vorgelesen, aber es funktioniert erstaunlich gut und hilft mir, meinen Text anders wahrzunehmen.

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