Wie man das richtige Genre für seinen Roman findet

Wiemandasrichtige

Viele beginnende Autoren kennen nicht das Genre ihres Romanes. Fragt man sie danach, bekommt man meistens eine Antwort wie: „Er lässt sich nicht so richtig einordnen. Es gibt eine Liebesgeschichte, aber er ist kein typischer Liebesroman. Und es kommt auch eine Leiche darin vor, nur so ein normales Ermittlungsding finde ich langweilig, deswegen ist er auch kein Krimi.“

Wer für die Schublade, für sich oder die nächsten angehörigen schreibt, muss sich keine Gedanken über das Genre machen. Sobald ein Manuskript einem Verlag oder einem Agenten vorgestellt werden soll, ist dies das jedoch erste, was man über seinen Roman wissen sollte. Denn schon die Wahl einer Agentur, hängt vom Genre ab – von der späteren Platzierung in einer Buchhandlung ganz zu schweigen.

Diese vier Schritte können dabei helfen, das richtige Genre für den Roman zu finden:

1. Genres kennenlernen

Gerade interessierte Vielleser – und dazu gehören Autoren häufig – machen sich oft keine Gedanken über das Genre. Sie lesen einfach gerne kreuz und quer und oft auch Bücher, die sich den Konventionen entziehen. Ob ein Buch nun SF, Krimi, Fantasy, Liebesroman etc. ist, spielt für sie kaum eine Rolle.

Demgegenüber stehen aber viele Leser, die gerne nur ein oder zwei Genres lesen und dieses dann auch in und auswendig kennen. Von Gelegenheitslesern, die, wenn sie zu einem Krimi greifen, „so was wie ‚Tatort'“ erwarten, einmal abgesehen.

Hier kann es eine gute Übung sein, zunächst mal ins eigene Buchregal zu gucken. Oft steht auf den Rückseiten der Buchumschläge schon ein Genre, manchmal auch etwas kleiner auf der Vorderseite. Häuft sich hier z.B. der Eintrag „Krimi“ ist man wohl – mehr oder weniger – eine Krimileserin. Die Chancen stehen gut, dass dann der eigene Roman auch etwas von einem Krimi hat. Doch dazu gleich mehr.

In einem zweiten Schritt führt der Weg in die Buchhandlung oder zu einem Onlinehändler wie Amazon. Wie werden hier Bücher eingeteilt? Was sind die Gemeinsamkeiten der Bücher in einer Kategorie. Worum geht es in den Bestsellern der jeweiligen Sparten?

Auch hier gilt: Gibt es einige Übereinstimmungen zum eignen Werk, ist auf jeden Fall schon einmal eine Nähe zu dem jeweiligen Genre vorhanden.

2. Das Genre des eigenen Romans identifizieren

Wenn das eigene Skript noch Kraut und Rüben ist, können folgende Fragen dabei helfen, immerhin Tendenzen zu einem bestimmten Genre hin zu identifizieren:

Gibt es ein Verbrechen?

Kommt eine Liebesgeschichte darin vor?

Beinhaltet der Roman Übernatürliches? Magie?

Spielt die Handlung in der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft?

In welchem Alter sind die wichtigen Figuren?

Wodurch wird der Plot in Gang gesetzt?

Welche Elemente gefallen dir als Autorin am besten? Worauf bist du am meisten stolz?

Schreibe die Antworten als Liste auf. Spiele mit diesen Elementen eine Weile herum, indem du sie nach Wichtigkeit zu ordnen versuchst. Die Chancen stehen gut, dass am Ende das Element, das an erster Stelle steht, über das Genre entscheidet.

3. Bestimme deinen idealen Leser

Versuch dir ganz konkret eine Person vorzustellen, die dein Buch kauft und verschlingt.

Ist es die Seniorin, die gemütlich in ihrem Sessel sitzt und schmökert?

Das kleine Mädchen, das mit der Taschenlampe unter der Bettdecke bis in die Morgenstunden liest?

Der Professor, der mit einem Glas Wein und einer Zigarre vor dem Kamin andächtig die Seiten betrachtet?

Stelle dir vor, diese Person schreibt eine Rezension deines Buches. Was könnte sie schreiben? Was hat ihr am meisten gefallen? Was hingegen eher weniger?

4. Orientiere dich an ähnlichen Büchern

So originell wie wir gerne wären, sind wir meistens nicht. Ob bewusst oder unbewusst haben wir unsere Idole: Autoren, deren Romanen wir nacheifern – und sei es auch nur zum Teil.

Nimm einfach deinen Lieblingsautor und suche ihn in einer Online-Buchhandlung. Darunter findest du in der Regel Empfehlungen ähnlicher Autoren. Suche auch, was Kunden deiner Lieblingsautorin noch gekauft haben. Du musst nicht alle Bücher kaufen und lesen. Klappentexte reichen.

Was sind hier die Gemeinsamkeiten? Was suchen die Leser bei diesem Autor? Welchem Genre werden sie zugeordnet?

Wenn du die Elemente gefunden hast, die dein Roman mit denen deines Lieblingsautors und dessen Genre auszeichnen, suche sie in deinem eigenen Roman. Wie kannst du sie stärker betonen und andere Dinge, die nicht so sehr im Zentrum stehen sollen, vielleicht auch in den Hintergrund drängen oder (am besten) streichen?

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18 Gedanken zu “Wie man das richtige Genre für seinen Roman findet

  1. Die Sache mit dem Genre ist mein persönlicher Dealbreaker! Mein Schreibstil entspricht nicht einmal ansatzweise dem für Thriller notwendigen. Da kann ich noch so viel gute Vorarbeit leisten, einen schlüssigen Plott konstruieren und lebendige Figuren schaffen – am Ende, bzw. schon am Anfang versage ich jämmerlich, da meine viel zu blumige Ausdrucksweise mir selbst im Wege steht. Irgendwann werde ich mir eingestehen müssen, dass der Thriller zwar mein bevorzugtes Lese/Hörgenre ist, aber ich nie selbst dieses Genre in einem eigenen Manuskript werde umsetzen können. Einsicht ist ja bekanntlich…

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  2. Sich einen idealen Leser vorzustellen, halte ich für eine wunderbare Idee. Es kann nämlich äußerst problematisch sein, wenn der Fantasy-Autor davon ausgeht, dass sein Buch sowieso von Jugendlichen gelesen wird, aber nur ein Pfeifenkrautkapitel hinter das andere setzt und darunter den Titel Intertextualität setzt. (Das ist dann eher was für den Professor mit Weinglas, schätze ich.)

    Grüße
    Martin

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  3. Bei der Vorstellung des idealen Lesers kann man sich auch stark irren. Ich möchte nicht wissen, wie viele Omis sich bei Schweigen der Lämmer gruseln. Die Kunst ist es ja, möglichst viele Zielgruppen zu befriedigen.

    Zur Originalität. Ja, man wird beeinflusst, aber deswegen sollte man viele unterschiedliche Sachen lesen. Noch wichtiger ist der Wille, etwas anders zu machen, denn Originalität ist eben auch Arbeit, die gute Ideen fallen einen nicht plötzlich ein. Sie muss man sich erarbeiten.

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  4. Eine kleine Frage off topic, aber ich frage mich ob Sie vielleicht Swains Motivation-Reaction-Units anhand von Beispielen erläutern könnten?

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    • So aus dem Handgelenk ist das etwas schwierig. Aber im Prinzip besagen die MRU, dass eine Reaktion erst nach einer entsprechenden Stimulation erfolgen darf. Das klingt etwas banal, wenn man seine eigenen Texte kritisch betrachtet, wird man aber feststellen, dass man da häufig Fehler macht.

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