Bessere Absätze für mehr Spannung

BessereAbstzefrmehr-2Autoren mögen Absätze erst einmal nicht.  Sie unterbrechen den Gedankenfluss beim Schreiben. Leser lieben Absätze. Texte erhalten durch sie Struktur. Und sie gewähren ihnen Orientierung und kleine Pausen. Mit den folgenden Tipps gelingen Absätze, so dass sie das Lesevergnügen steigern.

1. Sprecherwechsel

Wann immer eine Figur in der wörtlichen Rede zu sprechen beginnt, sollte ein neuer Absatz beginnen. Dies hilft dem Leser, den Sprecherwechsel mitzubekommen.

2. Zeitsprünge und Ortswechsel

Manchmal gibt es kleine Zeitsprünge in einer Erzählung. „Fünf Minuten später stand ich an der Bushaltestelle .“ Hier sollte unbedingt ein Absatz beginnen, damit der Leser mitbekommt, dass hier etwas ausgelassen wurde – nämlich die langweiligen fünf Minuten, in denen die Figur sich ihre Jacke schnappte, die Wohnung abschloss, die Treppe hinunterging …

Aber Vorsicht: In den allermeisten Fällen ist es besser, eine neue Szene oder ein neues Kapitel beginnen zu lassen, wenn es einen Zeitsprung gibt. Je nach dem, wie groß die Zeit ist, die verstreicht, sollte auch die Pause für den Leser ausfallen.

Für Ortswechsel gilt genau das Gleiche.

3. Themenwechsel

Die alte, baufällige Hütte stemmte sich gegen den Wind. Ziegel flogen auf die Straße und irgendwo klirrte eine Fensterscheibe.

Nur knapp verfehlte ein Ast das Auto, das vor dem Haus parkte und mindestens genauso heruntergekommen war.

Gerade wurde das Haus beschrieben, nun ist das Auto, das davor parkt dran. Bei diesem Wechsel sollte unbedingt ein Absatz erfolgen.

4. Ein-Satz-Absätze

Es kann sehr effektiv sein, einen Satz – womöglich einen sehr kurzen, wenn nicht sogar nur  Wort – allein in einem Absatz stehen zu lassen.

Die Tür schlug zu und ließ sie allein in dem leeren Zimmer zurück. Sie hörte die Schritte auf dem Flur, wie sie leiser und leiser wurden.

Bis sie ganz verhallten.

Stille.

Wie gesagt: Dies kann effektiv sein. Allerdings ist dies ein Effekt, der mit dem Holzhammer bewirkt wird. Ein Wort, das alleine in einem Absatz steht, signalisiert dem Leser, dass es sehr, sehr wichtig ist. Das sollte es dann auch unbedingt sein. Sonst verpufft der Effekt und der Absatz wirkt unfreiwillig komisch ?

Mit Ein-Satz- oder Ein-Wort-Absätzen sollte man also sparsam umgehen und man muss sie sich gut überlegen . Dann können sie viel bewirken.

Bonus-Frage: Kann man zu viele Absätze machen?

Wenn man mich fragt, sind mir als Leser ein paar Absätze zu viel lieber als viel zu wenige. Allerdings gibt es auch den Punkt, an dem zu viele Absätze den Lesefluss so hemmen, dass der Leser nicht in die Geschichte hineinfindet.

Tendenziell geht der Trend hin zu mehr Absätzen. Wer einmal Romane durch die Jahrhunderte vergleicht, wird feststellen, dass die Unterbrechungsfreie  Textblöcke immer kürzer werden.

Auch das Genre kann über die Länge der Absätze entscheiden. Thriller brauchen kurze Absätze, die meisten Jugendbücher haben mehr Absätze als Bücher für Erwachsene usw.

 

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15 Antworten auf “Bessere Absätze für mehr Spannung”

  1. Hallo Marcus, was ist mit dem vorigen passiert? Oder war da was schief gelaufen?

    Emotionen in Körpersprache übersetzen – eine praktische Tabelle zum Nachschlagen

    Grüße Jan

    >

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  2. Da ich sehr viel lese – manchmal drei Romane auf einmal – weiss ich Absätze zu schätzen, genauso wie kurze Kapitel. Als Leser findet man sich einfach besser zurecht. Fast wie ein Takt in der Musik. Szenen bekommen mit Absätzen einfach mehr Tiefgang. Auch Kapitel dürfen bei mir kurz sein – wenn’s dann passt.

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  3. Besten Dank für diesen Beitrag, Marcus.
    Wie steht es denn generell mit Zeilenumbrüchen innerhalb von Dialogen? Wenn beispielsweise die Aussage eines Charakters eine körperliche Reaktion des Gesprächspartners evoziert, bevor dieser antwortet.

    Als Beispiel ein Ausschnitt aus einem v_o_l_l_k_o_m_m_en frei erfundenen Dialog, der nicht einmal ansatzweise an die Realität angelehnt ist:

    „Denn es gibt zwei Dinge, die ich überhaupt nicht leiden kann“, sagte Marius, „Zombies und Vampire.“
    Alex musste lachen.
    „Okay, dann weiß ich ja schon, was für einen Roman wir als nächstes plotten“, sagte er.

    Verdient Alex Lachen eine eigene Zeile, oder sollte so eine Reaktion Teil des Redebegleitsatzes sein (sagte er und lachte)? Oder sollte das gar ein vorangestellter Redebegleitsatz sein, dem es nach einem Doppelpunkt verlangt (Alex musste lachen: „Okay, …“)? Oder könnte ich sogar den Redebegleitsatz weglassen?

    Fragen über Fragen.
    Viele Grüße
    Jens

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    1. Ich würde zu Letzterem tendieren. Also so:

      Alex musste lachen. „Okay, dann …“ usw.

      Hier ist klar, dass Alex den kommenden Satz sagt. Eine weiterer Redebegleitsatz ist nicht notwendig.

      Komisch. Obwohl das Beispiel frei erfunden ist, könnte ich schwören, dass ich es irgendwo schon einmal gehört habe …

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  4. Ich liebe Absätze. 😀 Beim Lesen können sie richtig Spannung erzeugen und die Story vorantreiben, ohne dass man sich im Geschriebenem verirrt.

    Beim Schreiben mag ich sie genauso. Ich fühle mich unwohl, wenn ich keine Absätze mache. Ich achte penibel genau, ob der Absatz passt, mache wenn ich mir nicht ganz sicher bin, lieber doch einen, bevor er fehlt xD

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  5. Zum Thema Absätz vielleicht noch zwei Buchtipps:

    1) Stephen King – Das Leben und das Schreiben
    Er zeigt in dem Kapitel „Werkzeugkasten“ einige schöne Kniffe, unter anderem auch zum Thema Absätze.

    2) Stephan Waldscheidt – Spannender und besser schreiben mit Absätzen
    Er hat dem Thema gleich ein ganzes (kleines) Ebook gewidmet.

    Auf jeden Fall Lesenswert, wer sich mehr mit Absätzen befassen möchte.

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  6. Gerade an Absätzen haben meine Geschichten immer stark gekrankt. Irgendwann bin ich mal auf die Idee gekommen diese Thematik etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.
    Vielen Dank für den Artikel und auch an Sascha für die Buchtipps. Ich denke, dass es nicht nur mir so ergeht, dass dieser Punkt bisher zuwenig Aufmerksamkeit erlangt hat.

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  7. Hallo Marcus,

    vielen Dank für den schön geschriebenen Artikel und für die Beispiele.

    Auch schon vor dem Lesen sagt uns der Text etwas. Ohne Absätze denken wir: „Oh, Gott, das soll ich lesen?“
    Und mit Absätzen spricht der Text zu uns: „Komm lies mich. Ich bin einfach und man kann mich genießen.“

    Ein Text kämpft ja immer um die Gunst des Lesers. Unsere Lust das zu lesen ist dann wesentlich größer.

    Das sieht man ja auch bei anderen Textgattungen, z.B. Blogposts. Deine Absätze und Zwischnüberschriften lockern den Text auf. Stell sich einer vor, der Text wäre ein zusammengepresser Heuhaufen aus Buchstaben.

    Viele Grüße
    Marcus

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