Top 10 Schreibtipps von Stephen King

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Stephen King ist nicht nur als unermüdlicher Schriftsteller bekannt – er hat mit Das Leben und das Schreiben eines der bekanntesten und beliebtesten Bücher über das Schreiben vorgelegt, das in keinem Haushalt eines Autors fehlen sollte. Hier seine meiner Meinung nach zehn wichtigsten Tipps:

1. Schreibe für dich selbst, überarbeite für den Leser

Wer ausschließlich auf den Publikumsgeschmack zielt, läuft unter Umständen Trends hinterher, die wieder vorbei sind, bevor man selbst seine Manuskripte losgeworden ist. Andererseits – wer nur für sich selbst schreibt, schreibt in der Regel für die Schublade.

Im ersten Entwurf ist es gut, sich auszutoben und einen Roman zu schreiben, wie man ihn selbst schon immer gerne lesen wollte. Bei der Überarbeitung ist der Zeitpunkt gekommen, um sich zu fragen, wer das denn eigentlich lesen soll und dafür zu sorgen, dass das Manuskript auf allen Ebenen so lesbar wie möglich wird.

Ich denke, dass das stimmt – aber ich würde diesen Tipp nicht zu wörtlich nehmen. Es lohnt sich, auch im Vorfeld zu überlegen, ob eine Idee überhaupt lesertauglich ist oder nicht. Hier darf man nicht vergessen, dass King von seiner Warte als etablierter Bestsellerautor spricht. Es dürfte nicht viele andere Autoren geben, die mit Wildwest-Fantasy erfolgreich sein können.

2. Lies viel

Lesen trainiert die für das Schreiben wesentlichen Muskeln. Dabei ist es wichtig, sowohl in seinem Genre die Klassiker, als auch aktuelle Trends zu kennen. Auch außerhalb seines Genres sollte man sich auskennen und Kenntnisse über die Weltliteratur besitzen.

Prinzipiell sehe ich das auch so. Es schadet nicht, die Klassiker zu lesen. Allerdings ist unser aller Zeit begrenzt. Wer vor der Wahl steht, sollte meiner Meinung nach vor allem sein Genre kennen. Wenn dann noch Zeit ist, sollte man seine Nase auch mal in Hamlet & Co. stecken.

3. Brich die Regeln – wenn du sie kennst

Ob es sich um Grammatik, Rechtschreibung, Zeichensetzung oder die vielen „Gesetze“ des Kreativen Schreibens handelt – Ausnahmen bestätigen auch hier stets die Regeln. Ein wirklich guter Autor zeigt sich darin, dass er Regelkonformität an entscheidenden Stellen brechen kann, um die maximale Wirkung zu erzielen.

King demonstriert selbst oft genug, wie er sich wirkungsvoll über die eine oder andere Regel hinwegsetzt. Das Brechen einer Regel darf meiner Meinung nach keine Ausrede dafür sein, sie nicht zu kennen.

4. Schreibe den ersten Entwurf in maximal drei Monaten

King stell fest, dass es wichtig ist, seinen ersten Entwurf schnell zu beenden. Da bei ihm kein Buch unter 500 Seiten hat (na gut, fast keins), sieht er drei Monate dafür vor – was schon rasend schnell ist.

Ich persönlich denke, dass für unerfahrenere Autoren eher zwei Monate besser sind. 50.000 Wörter pro Monat sind gut zu schaffen. Ein durchschnittlicher Roman hat 80.000 bis 120.000 Wörter, sollte also in zwei Monaten zu bewältigen sein – wenn man nicht gerade epische Fantasy schreibt, wo 250 000 Wörter für einen Roman keine Seltenheit sind.

So oder so – es ist wichtig mit dem ersten Entwurf schnell fertig zu werden, damit man nicht den Fokus verliert.

5. Beseitige alle Ablenkungen

Es ist wichtig, seinen Workflow zu finden. Und den erreicht man nicht, wenn man die ganze Zeit vom Telefon, Internet oder Fernsehen abgelenkt wird.

Stephen King meint, in einem fensterlosen Raum, in dem man möglichst die kahle Wand anstarrt, schreibt es sich am besten. Ich persönlich finde, dass Tageslicht rockt. Ein Fenster, hinter dem natürlich nicht allzu Interessantes passieren darf, ist meiner Meinung nach nicht verkehrt. Sonst gebe ich ihm allerdings recht und denke, dass hier jeder ein wenig experimentieren muss.

6. Geschichten werden freigelegt wie ein Fossil

Stephen King ist ja ein Discovery Writer. Deswegen ist es nicht erstaunlich, dass er der Ansicht ist, dass Autoren Geschichten entdecken, wie Archäologen Relikte aus der Vergangenheit vom Sand befreien.

Das gilt aber auch für Outliner. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie in der Planungsphase ausgehend von einer kleinen Idee, Arbeitsschritt um Arbeitsschritt eine große und komplexe Story entsteht.

Das Wichtige und Ermutigende an dem Gedanken: Am Anfang sind auch die größten Werke und dicksten Wälzer nicht mehr als ein kleiner Ideenfunken. Aus allem lässt sich etwas entwickeln.

7. Mach mal Pause

King empfiehlt, rund sechs Wochen nach dem ersten Entwurf vergehen zu lassen, bis man sich an die Überarbeitung macht. Das ermöglicht es, den eigenen Text mit fremden Augen zu lesen, was es wiederum einfacher macht, radikal zu kürzen und zu überarbeiten.

Ich persönlich finde sechs Wochen zu kurz. Bei mir hat sich ein Rhythmus etabliert, bei dem ich einen Entwurf fertigstelle, mich an die Arbeit des nächsten mache und dann erst zurückkehre, wenn ich diesen fertig habe.

Da ich ungefähr vier Wochen brauche, um einen Entwurf zu planen und nochmals rund acht Wochen, um ihn dann zu schreiben, sind es ungefähr zwölf Wochen, die ich vergehen lasse, bis ich überarbeite. Aber hier muss bestimmt jeder seinen Rhythmus finden.

8. Lass die langweiligen Teile weg und töte deine Lieblinge

Ein Tipp, der keinerlei Ergänzung braucht. Meistens sind es genau die Dinge, die einem persönlich am meisten am Herzen hängen, die gestrichen werden müssen. Hier erweist sich der Unterschied zwischen Profi und Amateur.

9. Die Recherche darf nicht wichtiger sein als die Story

Der wichtigste Unterschied zwischen Sachbuch und Roman ist der, dass es im Roman in erster Linie darum geht, eine Geschichte zu erzählen. King meint deswegen, dass es besser sei, im Zweifelsfall auf das Recherchieren zu verzichten.

Für mich als Autor war es eine Befreiung das zu lesen, da Recherche nichts ist, was mir am Schreiben Spaß macht. Zu lange hat mich meine mangelnde Begeisterung am Recherchieren vom Schreiben abgehalten.

Inzwischen denke ich zwar, dass ein gewisses Maß an Recherche durchaus guttut. Aber ich stimme mit King überein, dass es wichtig ist, die Recherche so weit wie möglich im Hintergrund zu lassen.

10. Es geht beim Schreiben darum, glücklich zu werden

Wer Ruhm und Reichtum sucht, sollte sich noch einmal gut überlegen, ob Schreiben dafür der richtige Weg ist. Nur weil es einigen Kollegen gelungen ist, mit ihren Romanen sehr, sehr viel Geld zu verdienen, wie halt King selbst, ist Schreiben nicht unbedingt das klügste Geschäftsmodell für eine sichere Altersvorsorge.

Und trotzdem geht es beim Schreiben darum, sich und andere zu bereichern. Das Schreiben sollte – trotz aller harter Arbeit, die dahintersteckt – glücklich machen. Es steckt ein wenig Zen hinter dem Schreiben. Wenn dir der Prozess selbst keine Freude bereitet und dein Leben bereichert, wird dir das Schreiben auf die Dauer nichts geben können.

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19 Gedanken zu “Top 10 Schreibtipps von Stephen King

  1. Recherche ist schon wichtig für die, welche historische Romane schreiben. Es gibt nichts schlimmeres als fehlerhafte Historie.
    So ein Rahmen von 2 – 3 Monaten bis zur Fertigstellung ist wohl ausreichend. Schlimm nur, wenn man irgendwie immer abgelenkt wird 😉 Deswegen sind schon 2 Projekte mehr oder weniger im Sand verlaufen…

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    • Deine Bemerkung zur Recherche erscheint mir sehr wichtig. Man soll natürlich so wenig Recherche wie nötig betreiben. Das bedeutet, das der Leser keinen Fehler findet. (Es gibt natürlich immer Leser, die findiger sind, als man selbst.)
      Aber wenn ich schon im Klappentext eines historischen Romans Fehler entdecke, kaufe ich ihn nicht, egal wie positiv das Buch sonst erscheint.

      Mein Tipp: Recherche in der Überarbeitung. Man muss nicht alles wissen, bevor man es schreibt, sonst fängt man nie an.

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  2. King schreibt ja in dem Buch so ungefähr: „Schildere was ist, und dann lass die Figuren die Geschichte vorantreiben.“
    In seinen Romanen ist kein komplizierter Plot verborgen. Das braucht es auch nicht. Es sind Geschichten aus dem Leben. Ich glaube das ist es, was seinen Figuren und wie sie handeln soviel Odem einhaucht. Man spürt, dass die Geschichten nicht Szene an Szene zusammengesetzt sind. Sie sind fliessend, so dass jeder mithalten kann – auch der Leser. Mir geistern noch heute viele seiner Figuren im Kopf rum und wenn ich sie zufällig in einem Film sehe, erkenne ich sie sofort wieder.
    Es gab eine Zeit, da hätte ich ein Telefonbuch gelesen, sofern er eins geschrieben hätte.

    Wenn ich einenThriller schreibe, brauche ich ein Konstrukt. Und dann überlege ich mir, wie ich die Ereignisse aneinanderreihe, damit grösstmögliche Spannung entsteht. Ich kann nicht einfach drauflos schreiben wie King. Ich hab das mal probiert. Hat aber nicht geklappt. (Meine Sprache ist leider nicht so ausgefeilt.) Trotzdem haben ein paar Einfälle, die mir beim „Drauflosschreiben“ gekommen sind, überlebt und in einem späteren Buch Platz gefunden.

    Und diese drei Monate für den ersten Entwurf … Meine Güte, wie ich Euch beneide. Ich bin schon froh, wenn ich mein derzeitiges Buch in einem Jahr zu Ende bringe. Ich gehöre zu den Typen, die fortwährend überarbeiten, nie zufrieden sind und deshalb kaum vorankommen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

    In diesem Sinne, wünsche ich ein schönes Wochenende.

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  3. Ein guter Artikel, wenngleich ich mit Nummer 4, 5 und 7 nicht konform gehe.

    Erstens MUSS ein Roman nicht zwingend 80.000 Wörter haben, kürzere lesen sich sogar schneller und als Leser kann man so mehrere Bücher lesen, wo andere nur eins schaffen.
    Ich selber bevorzuge definitiv die kurzen Sachen und so schreibe ich auch.

    Auch sind 50.000 Worte pro Monat nicht unbedingt zu schaffen, wenn man nebenbei seinem Brotjob nachgehen muss oder eventuell sogar Kinder hat, die bespaßt werden wollen. Ich für meinen Teil kann nicht mit zehn Fingern tippen, da dauern 1600 Worte schon mal zwei Stunden. Dazu muss man aber als Autor auch anderweitig präsent sein (Facebook, Twitter, Blog, Messen usw.). Drei Monate sind selbst für kurze Romane sicher ein- oder zweimal zu schaffen, aber nicht kontinuierlich.
    Das wiederum hat Auswirkungen auf Nummer 7. Ich würde einen Entwurf niemals so lange liegen lassen, denn dann wird er nie veröffentlicht. Ich überarbeite jedes Teilstück sofort nach dem Schreiben, ich hasse Fließtext. Nach Fertigstellung wird alles noch einmal gründlich überarbeitet und korrigiert und geht dann weiter an Betaleser, Korrektor und Lektor.

    Zu Punkt 5 … wer kann sich schon ständig irgendwohin zurückziehen? Viele haben den Platz in der Wohnung gar nicht oder aber riskieren Streit, weil sie nie anwesend sind.

    Das alles gilt natürlich nur für Hobbyautoren, die davon nicht leben können, wollen oder müssen. Wer davon leben kann oder muss, der kann natürlich acht Stunden am Tag am PC sitzen und schafft dann auch Werke, die gute 500 Seiten umfassen.

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  4. Das mit den Klassikern sehe ich nicht so, wie Stephen King. Natürlich ist es schön, wenn man die Klassiker kennt. Allerdings sind sie nicht unbedingt immer hilfreich. So sind zum Beispiel die Sherlock Holmes-Geschichten Klassiker der Detektivgeschichten. Sie waren zu ihrer Zeit äußerst erfolgreich und haben auch heute noch einen gewissen Reiz. Allerdings bin ich mir sicher, dass ein Autor, der heute so schreiben würde wie Conan Doyle damals, damit keinen Erfolg mehr hätte. Sowohl die Sprache als auch die Erzählform haben sich eben weiterentwickelt.

    Oder Joseph Conrad, der mit „Herz der Finsternis“ einen echten Klassiker geschaffen hat, der sogar als Vorlage für „Apocalypse now“ gedient hat. Trotzdem würde ich sagen, dass diese Geschichte heute keinen mehr vom Hocker reißt und die meisten Leser eher langweilen dürfte. Es schadet nicht, sie zu kennen, aber sie hilft einem bei den eigenen Schreibaktivitäten nur sehr begrenzt weiter. Ich habe sogar bei mir festgestellt, dass ich nach dem Genuss von Klassikern dazu neige, die Sprache des Autors ansatzweise zu übernehmen. Meistens ist das dann eher kontraproduktiv.

    Hinzu kommt, dass das Lesen von Klassikern zumindest für mich immer sehr anstrengend und ermüdend ist. Die Zeit und Energie verwende ich doch lieber darauf, einen aktuellen Krimi oder Thriller zu lesen. Diese Bücher sind dann in einem Stil gehalten, der auf dem heutigen Markt erfolgreich ist und so kann ich aus jedem Buch etwas für meine eigene Schreibtätigkeit mitnehmen.

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    • Nun, das ist relativ einfach. Eine Regel lautet, Wiederholungen zu vermeiden. Doch unter gewissen Umständen ist gerade das Brechen dieser Regel ein wirksames Stilmittel, um den Leser in einer Situation gefangen zu halten. Es nervt den Leser – genau wie den Protagonisten. Aber auch hier gilt: Ein ständiges Brechen von Regeln lässt den Leser hilflos zurück und er legt das Buch zur Seite.

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    • Als Beispiel für einen Roman außerhalb des üblichen Dreiakter-Musters fällt mir ¨Catch 22¨ ein. Dort gibt es keine kontinuierliche Zeitlinie, keinen typischen Handlungsverlauf oder sonst irgendwas, an dem man sich orientieren könnte. Und zum Schluss liegt Yossarians Geschichte völlig konventionell im eigenen Kopf und man weiß nicht, wies Joseph Heller gemacht hat.
      Oder das Drehbuch von Pulp Fiction. Von Sid Fields unumstößlichen Wahrheiten hat sich Tarantino hier keine Inspiration geholt. Was nicht heißt, dass er nicht weiß, wie man einen konventionellen Film schreibt.

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  5. Ich glaube King meint damit, dass dass man eigene Wörter kreieren und verwenden kann, wenn sie helfen einen Text oder den Charakter einer Person dem Leser näher zu bringen. In seinem Buch findest du auch einige Beispiele, von Wortverstümmelungen.

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  6. Dieses Buch von King fand ich großartig, sowohl als unterhaltsame Autobiografie, und auch als handfestes Hilfswerk. Es macht riesig Lust aufs Schreiben. Ich habe es gelesen, bevor mein erster Roman veröffentlicht wurde. Obwohl ich da schon 15 Jahre Drehbücher geschrieben hatte, hat es mir viel Freude gemacht, ein Handwerksbuch zu lesen. Und es hat mich daran erinnert (was man ja auch manchmal vergisst): die Lust und Freude am Geschichten erzählen und der ganz eigenen Stimme zu folgen, ist die größte Motivation!
    In diesem Sinne: Die Auftragsmörderin

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  7. Der beste Horror- Autor der Welt gibt hier seinen Kommentar ab,und das ist nicht Stephen King.Wie kann man King nur“den Meister des Horrors“nennen.Wenn er die bösen Kreaturen,die er in seinen Geschichten agieren lässt,mehr in Aktion treten lassen würde,ja,dann wäre er vielleicht auf Platz Zwei.Ich lese ihn selber auch gerne,das muss ich zugeben.Aber nur die spannenden Seiten.

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