Die 9 Dimensionen des Romanschreibens

Die9Dimensionendes In der letzten Zeit wurde ich häufiger darauf angesprochen, ob ich nicht essenzielle Artikel meines Blog auch in Buchform systematisieren und publizieren möchte. Ja, eigentlich möchte ich das, nur ist das aus verschiedenen Gründen zur Zeit leider nicht möglich. Deswegen habe ich mich dazu entschieden, heute einmal ein paar Basics zu verlinken – sozusagen als kleines Trostpflaster. Ein weiterer Gedanke hat mich zu diesem Beitrag inspiriert. Gerade als Schreibanfänger hätte ich mir gewünscht, die einzelnen Elemente, aus denen ein Roman besteht, und die die Arbeitsschritte beim Romanschreiben diktieren, einmal irgendwo genau aufgelistet und erklärt zu bekommen. Das hätte mir viele lange Recherchearbeit erspart und dabei geholfen, so einige Schreibblockaden viel früher zu überwinden. Somit hoffe ich, hier vielleicht dem einen oder anderen das Leben – nun, wenigstens das Schreiben – ein kleines bisschen leichter zu machen.

1. Motivation

Wird häufig in Schreibratgebern und Kursen vergessen. Autoren sind Weltmeister im Prokrastrinieren. Mir geht es da nicht anders. Hier ein paar Dinge, die mir dabei helfen, Aufschieberitis zu bekämpfen:

2. Ideen Ideen werden im Allgemeinen überschätzt. Zumindest wird das Thema in meinen Augen häufig falsch angegangen, z.B. wenn Autoren gefragt werden: „Woher bekommen Sie nur Ihre Ideen für Ihre Romane?“ Ideen zu bekommen dürfte eigentlich für die meisten Menschen, die gerne schreiben, nicht problematisch sein (denn wenn ich keine Idee habe, was ich schreiben will – warum will ich dann schreiben?). Wesentlich ernster ist das Problem, dass ich zu viele Ideen habe und mich nicht entscheiden kann oder Schwierigkeiten habe, bei einer bestimmten Idee auch am Ball zu bleiben.

3. Figuren Der grundlegende Baustein eines jeden Romans. Ohne Figuren, keine Geschichte. Mit diesen Tipps gelingt es, fesselnde Figuren zu schreiben:

4. Plot Plotten ist hart, denn es erfordert hochkonzentriertes und strukturiertes Denken. Kleine Fehler oder Lücken im Plot können lawinenartige Folgen beim Schreiben haben. Und ob ich nun Discovery Writer oder Outliner bin – früher oder später muss ich mich mit Plotstrukturen auseinandersetzen.

5. Setting Wo ein Roman spielt ist keine Nebensache. Wie ich zu einem Setting komme und wie ich es anschließend geschickt in meinen Roman einfließen lasse, kann über Top oder Flop entscheiden. Und das gilt nicht nur für SF- und Fantasy-Autoren.

6. Sprache Ich komme als Autor nicht drum herum, mich auch mit Sprache zu beschäftigen, denn sie ist schließlich das Medium, das meine Geschichten transportiert. Aber keine Sorge, das Thema ist eigentlich weit weniger unangenehm, als oft gedacht.

7. Dialoge Für mich das Herzstück eines tollen Romans: knackige, spritzige, ergreifende und pointierte Dialoge.

8. Beschreibungen Die Prosa des Romans sind die Sinne des Lesers. Deswegen finde ich es gut, wenn Beschreibungen nicht nur Informationen bieten, sondern den Leser auch sinnlich ansprechen und spannend sind.

9. Spannung Last but not least – wer gelesen werden will, sollte sich darum bemühen, auch spannend zu schreiben, finde ich. Dabei ist Spannung keine Hexerei, sondern auch nur eine Frage der Technik.

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12 Gedanken zu “Die 9 Dimensionen des Romanschreibens

  1. Hallo Herr Johanus,
    zufällig bin ich auf Ihren Blog gestoßen. Ich bin schon seit 16 Jahren Drehbuchautorin und veröffentliche auch Krimi-Romane, unterrichte auch (und liebe alles drei) und habe Ihren Beitrag aber trotzdem neugierig gelesen. An sich kann ich bei allem, was Sie auflisten, ganz gut mitgehen. Handwerkszeug klar auf den Punkt gebracht, kann eine gute Orientierung sein. Ich selbst bin ein großer Fan von dramaturgischer Struktur, besonders bei den Thriller-Stoffen.
    Das ist allerdings nicht alles. Eine tolle Geschichte entsteht nicht (nur) durch Handwerkszeug. Sonst läuft der Autor Gefahr, schon oft Dagewesenes und Stereotypen zu kreieren.
    Was ich in dem Beitrag ein bisschen vermisst habe, war, dass das Schreiben ja hauptsächlich von Freude und einem Gespür für die (ganz) eigene Kreativität getrieben sein darf. Die Erfüllung, genau das Genre und den Stil zu Papier zu bringen, die einem wirklich liegen, das gibt die Kraft und die Motivation – auch wenn es mal schwierig ist, und es hilft gegen Schreibblockaden.
    Vielleicht habe ich auch einfach nur einen Unterlink übersehen …
    Freudvolles Schaffen und herzliche Grüße!
    Dinah Marte Golch

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    • Vielen Dank für den Kommentar. Und: Kein Widerspruch. Deswegen auch vielen Dank für diese Ergänzung. Vielleicht sollte ich hier und da wieder mal öfter betonen, dass die Freude am Schreiben natürlich im Vordergrund steht.

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      • Hallo Herr Johanus,
        Sie schrieben mir doch vor ein paar Tagen eine Email? Ich kann sie nicht mehr finden! Sowas! Dabei würde ich Ihnen gerne zurückschreiben. Vielleicht mögen Sie mich einfach nochmal anschreiben.
        Herzliche Grüße aus der Schreibwerkstatt!
        Dinah Marte Golch, die Auftragsmörderin

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  2. Halllo Marcus,

    eine sehr schöne Zusammenstellung! Gerade bei der großen Anzahl an Blogartikeln ist so eine strukturierte Zusammenstellung sehr hilfreich; ich habe mir beim Lesen Deines Blogs schon öfter sowas gewünscht.

    Allerdings teile ich Deine Aussage zu den Ideen und deren allgemeiner Überschätzung nicht so ganz. Für jemanden der mit dem Schreiben beginnt, ist es oft schwer, fesselnde Ideen für Geschichten zu finden. Und gerade dieses Thema wird in Schreibratgebern praktisch überhaupt nicht behandelt. Es geht immer vielmehr um die Frage: Wie mache ich aus einer Idee eine Geschichte und nicht darum, wie man aus dem Saatkorn für eine Idee eine komplexere Ideenstruktur entwickelt, die dann eine Geschichte tragen kann.

    Mir selbst ist es schon oft so gegangen, dass ich eine Idee hatte, z.B. durch Anregung eines Zeitungsartikels. Trotzdem ist es mir dann oft nicht gelungen, aus diesem Bild etwas zu machen, was eine Geschichte tragen könnte. Es war eher so, als würde ein Blitz kurz eine Szene beleuchten, die dann sofort wieder im Dunkeln verschwindet.

    Natürlich gibt es Techniken wie die Ideen-Matrix, allerdings habe ich zumindest bei mir festgestellt, dass dabei nicht unbedingt wirklich gute und verwertbare Ideen herauskommen.

    Von daher sollte man die Bedeutung von Ideen und der Ideenfindung nicht unterschätzen.

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    • Oft liegt aber bei den von dir beschriebenen Schwierigkeiten das eigentliche Problem nicht bei den Ideen, sondern beim Perfektionismus, also beim eigenen Anspruch an die Ideen.

      Ich bin immer wieder fasziniert, mit wie wenig Ideen und teilweise auch sehr dünnen Ideen manche Bestsellerautoren z.T. ganze Romanserien füllen. Richard Laymon ist für mich da immer das Paradebeispiel, aber auch Stephen King hat häufig nur sehr einfache, wenige Ideen, die seinen Romanen zugrunde liegen.

      Auch J.K. Rowling Harry Potter baut beispielsweise auf vielen Ideen auf, die sie von u.a. Pratchett und Gaiman recht schamlos adaptiert und dann ein wenig weiterspinnt.

      Oder überlege dir mal die Grundideen hinter den wirklich großen Kinoblockbustern der letzten Jahrzehnte. Alien – Monster tötet Besatzung eines Raumschiffs. Terminator – Killermaschine aus der Zukunft will Mutter eines potenziellen Widerständlers töten. Und wo wir schon bei James Cameron sind: Avatar ist ziemlich schamlos Pocahontas in 3D. Und einer der größten Blockbuster aller Zeiten ist Titanic – also nur die Nacherzählung eines realen Ereignisses.

      Das ist alles nicht verwerflich. Im Gegenteil. Es zeigt nur meiner Meinung nach, dass man sich auch einfach nicht zu viele kritische Gedanken zu den Ideen machen muss, auf denen man seinen Roman aufbaut.

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