6 unterschätzte Eigenschaften, die Autoren brauchen

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Wer Autor werden will, muss gut schreiben können. Nur zu häufig ist damit gemeint, vor allem die Sprache zu beherrschen, ein guter Stilist zu sein usw. Obwohl diese Fähigkeiten ganz sicher nicht unwichtig sind, gibt es doch noch andere, deren Entwicklung und Training man nicht vernachlässigen darf, wenn man professionell Romane schreiben möchte.

1. Geduld

Meiner Ansicht nach die wichtigste Eigenschaft, die man sich als Autor zulegen sollte, wenn man sie noch nicht besitzt.

Dazu gehört vor allem die Geduld mit sich selbst, sich Zeit für die eigen Entwicklung zu lassen. Aber auch die Geduld mit anderen – vor allem mit den Antwortschreiben von Agenturen und/oder Verlagen, mit dem Feedback von Testleserinnen und Testlesern usw.

2. Organisationstalent

Es gibt eine Menge zu organisieren, sobald man ernsthaft schreiben will. Das fängt damit an, sich Schreibzeit freizuschaufeln, die gegen die Ansprüche des Alltags verteidigt werden muss, betrifft die Organisation des Schreibprozesses selbst und endet mit Übersichten von Literaturagenturen und Verlagen, an die man das Manuskript versenden will.

Zum Glück ist Organisations“talent“ wiedermal nichts, womit man geboren worden sein muss. Strukturen zu finden und zu pflegen ist reine Übungssache und eine Frage der Motivation.

3. Charisma

Freundlichkeit, Einfühlungsvermögen, Höflichkeit … Ein Autor ist keine Insel. Er ist auf die Hilfe und Mitarbeit anderer Menschen angewiesen. Sei es, dass die Familie vertröstet werden muss, weil man nicht den Müll rausbringen kann, wenn das Schreibpensum des Tages noch nicht erfüllt wurde – sei es, weil man Testleser gewinnen will.

4. IT-Kenntnisse

Wer heutzutage schreibt, schreibt fast immer auf dem Computer. Längere Texte lassen sich kaum anders effizient bearbeiten.

Aber auch sonst spielen Computer im Leben eines Autors eine wichtige Rolle: Agenturen und Verlage wollen Dateien in der Regel als Word-Dokumente und auf Normseiten. Die gilt es zu erstellen. Mit Lesern bleibt man auf diversen Plattformen im Internet in Kontakt, z.B. Facebook, Twitter oder Lovelybooks.

5. Englischkenntnisse

Fremdsprachen sind ja nie verkehrt. Als Autor sollte man wenigstens Englisch gut lesen und verstehen können. Viele gute Bücher über das Schreiben gibt es nur auf Englisch, weil auf dem deutschen Markt das Interesse an den Techniken des Kreativen Schreibens nicht so groß ist (und das potenzielle Publikum auch schlichtweg kleiner).

Online-Seminare, Podcast, Blogger … Viele Perlen in diesem Bereich existieren meiner Meinung nach vor allem auf Englisch.

Wer sogar auf muttersprachlichem Niveau Englisch schreiben kann, sollte auch darüber ernsthaft nachdenken, denn das erweitert den potenziellen Kreis an Lesern ungemein und öffnet viele Türen.

6. Tippen

Eine häufig vollkommen unterschätzte Fähigkeit. Viele Leute, die mit dem Schreiben anfangen wollen, meinen, mit dem Adlerstoßsystem könne man schon klarkommen. Oder mit dem Stift.

Wenn ich ein Haus bauen will, werde ich das auch nicht in Angriff nehmen, wenn ich nicht einmal weiß, in welche Richtung ich die Schraube in den Dübel drehe.

Bestimmte Tätigkeiten erfordern einfach ein bestimmtes Handwerk. Schnell und möglichst fehlerfrei tippen zu können, erhöht das Schreibtempo und damit die Produktivität.

Wer zu langsam tipp, kann das Gefühl entwickeln, nicht voranzukommen und läuft Gefahr, auf die Dauer beim Schreiben Frust zu entwickeln. Und das an einer Stelle, an der es nicht nötig wäre.

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41 Gedanken zu “6 unterschätzte Eigenschaften, die Autoren brauchen

  1. Hat dies auf Sandra-Maria Erdmann rebloggt und kommentierte:
    Jaja, das leidige Thema mit der Geduld. Mein Kleinstadtgeflüster# will unbedingt geschrieben werden, aber bevor es soweit ist, muss ich mich wirklich erst einmal um die Biografien meiner Protagonisten kümmern, muss Handlungsstränge erarbeiten und den Plot in brauchbare, interessante Abschnitte teilen … hätte ich jetzt einen Wunsch frei, ich würde mir Geduld wünschen!!!

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  2. Ich gebe dir in allen Punkten recht.
    Vielleicht ergänzend dazu ist die Fähigkeit zu erwähnen, alleine sein zu können. Schreiben als Tun ist einsam: Du hast kein Gegenüber, dass dir 1:1 reflektiert, was du falsch oder richtig machst. Ob du auf dem richtigen Weg bist, oder dich im Wortchaos verirrst.

    Und eine Weinflasche gilt nicht als Gegenüber. Zu schweigsam 😉

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    • Wahrscheinlich hast du recht. Allein zu sein ist für mich allerdings gar keine Sache, dich aushalten muss und eine bestimmte Fähigkeit erfordert, sondern eher ein Zustand, den ich ganz gerne habe und suche. Zumindest für eine gewisse Weile. Aber ja, das muss man als Autor mögen. Wobei, so viel alleine ist man als Autor auch nicht. Und sollte man auch nicht sein.

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  3. Hat dies auf Nekos Geschichtenkörbchen rebloggt und kommentierte:
    Wider sehr schöne Tipps!
    Und für alle die jetzt beim Punkt „Tippen“ geschluckt oder die Augen verdreht oder gar geflucht haben: Ich als gelernte IT – Mietze habe das Zehn Finger System auch nicht gemeistert. Es ist nur wichtig zu wissen wo welcher Buchstabe ist, mit welchem Finger man sie andrückt ist Nebensache.
    Oh, und ihr solltet eurer Tastatur gewöhnt sein *zwinkert*

    🐾🐱

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  4. Geduld ist wohl die wichtigste aller Fähigkeiten, besonders wenn man sie mit Durchhaltevermögen koppelt.

    Zum Thema Tippen triffst du einen wunden Punkt. Muss man das Zehn-Finger System beherrschen? (Ich schreibe so mit 5-6 Fingern, geht eigentlich ganz schnell und fehlerfrei.)
    Wenn ja, hast du einen guten Tipp es schnell zu erlernen. („Schnell“ Das zum Thema Geduld 😉 )

    scribite

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  5. Als Nichtautorin kann ich zum Tippen noch empfehlen: während des Schreibens die Rechtschreibkontrolle auszuschalten. Mich lenkt es immer ab, wenn Tippfehler vom System kenntlich gemacht werden. Wenn der Text fertig ist, kann ich ihn anschließend korrigieren…

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  6. Zu Punkt 5 würde ich anmerken, dass der Markt an Schreibratgebern in deutscher Sprache schon einiges anbietet. Aber ich gebe Dir recht, dass einem vieles entgeht, wenn man der englischen Sprache nicht mächtig ist. Schon alleine der Podcast Writing Excuses ist Gold wert.

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  7. Danke. Ich stehe noch am Anfang und besitze wahrscheinlich nichts von dem, aber das Schreiben macht Spaß. Ich habe viele Ideen und bin gespannt, was daraus wird. Schönes Wochenende.

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  8. Charisma ist wirklich wichtig. Finde ich gut, dass das mal jemand sagt 🙂 Einige Autoren sind teilweise so überheblich, dass ich deren eBooks wieder von meiner Wunschliste gekickt habe. Das ist bisher erst selten passiert, aber die waren dann auch so unfassbar überheblich, denen habe ich nicht mal die 2,99€ für das eBook gegönnt 😀

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  9. Hallo. Also wenn jemand Interesse am 10-Fingersystem hat der sollte Tipp10 ausprobieren. Es ist kostenlos, hat beste Bewertungen und war auch mein Lehrer. Mit etwas Geduld hat man in absehbarer Zeit die Fähigkeit, Ideen und Improvisationen in Echtzeit mitzuschreiben. Absolut nicht zu unterschätzen.

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  10. ….alle sechs Punkte erkenne ich an. Nur: Es fehlen mir ausreichend Englischkenntnisse. Geduld muss ich mir anerziehen. IT Kenntnisse habe ich nur bedingt, kann mir aber helfen lassen. Organisationstalent hatte ich schon immer, ist sehr ausgeprägt. Tippen kann ich auch. Charisma? Ich denke dass ich das habe. Ob es immer auf alle wirkt? Aber ich kann mich freundlich und überzeugend durchsetzen. Ich traue mich nicht an Verlage heranzutreten, weil ich ziemlich enttäuscht wurde. Was tun?

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    • Da bin ich mir nicht so sicher. Es gibt ja sehr, sehr viele Autoren, die stets an sich zweifeln. Und umgekehrt sind mir die Autoren, die mit einem ausgeprägten Ego ausgestattet sind, häufig unsympathisch und ihre Bücher ebenfalls.

      Hm. Andererseits … Wenn ich gerade darüber nachdenke. Die Autoren, an die ich da gerade denke, haben es trotzdem ja geschafft.

      Wahrscheinlich hast du doch recht.

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  11. Hat dies auf Eva M. Höreth rebloggt und kommentierte:
    Geduld ist auf jedenfall Punkt 1. Bei den IT-Fähigkeiten würde ich noch ergänzen, dass es hier nicht nur um simple Office-Produkte geht, die man beherrschen sollte, man sollte auch wissen, wie man Grafiken formatiert, Blogs hostet, seine Social Media Kanäle befüllt, auch vom Smartphone aus und so vieles mehr.
    Als 7. Punkt würde ich noch die Budgetplanung ergänzen. Wieviel an Geld kommt rein,? Kann ich mir dieses Werbemittel leisten? Hier den Überblick zu behlaten finde ich genauso wichtig wie die anderen sechs unterschätzten Talente, die ein Autor haben sollte. Besser gesagt ein Self-Publisher. Das höre ich auch immer wieder. Erst letztens sagte eine befreundete Verlagsautorin zu mir, dass sie nur Schreiben möchte und nicht das Ganze andere noch machen möchte, dass ein Self-Publisher tun muss. Im Gegensatz dazu gefällt mir die Vielfältigkeit dessen, was ein Self-Publisher tun muss, sehr gut!

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  12. Oh, oh, oh. Am meisten habe ich mit Punkt 1 und 2 zu kämpfen, deswegen verwundert es mich auch gar nicht, dass es hier Punkt 1 und 2 sind. 🙂

    Charisma scheint wirklich immer mehr zu einem Fremdwort zu werden. Ich musste die Erfahrung schon einige Male machen. Der Verkauf von 100 Büchern macht einen nicht automatisch zu Karl Lagerfeld. Doch einige sind tatsächlich der Ansicht.

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  13. Oh, ja. Oh ja. Äußerst treffend formuliert. Geduld wurde mir zum Glück im Übermaß geschenkt. Und für die Englischkenntnisse kann ich nur empfehlen auf verschiedenen Seiten sich englischsprachige Briefreunde (Penpals) zu suchen. Ich schreibe seit einigen Jahren auf verschiedenen englischsprachigen Seiten. Chatte viel mit Freunden in Amerika, Neuseeland und Kanada. Das schult ungemein und man bekommt so interessante Merkmale bestimmter „Dialekte“. Auch versuche ich wenigstens einen englischen Roman pro Monat zu lesen. (oft gefällt mir dieser auch besser als die deutsche Übersetzung).
    Das Charisma ist wirklich mehr als wichtig. Es ist erschreckend wie viele „frisch-verlegte“ danach einen Höhenflug bekommen und schließlich mit uns „noch-unverlegten“ von oben herab reden. Ich hatte da auch mal eine Autorin, die beständig Rezensionen, die mit deutlicher Kritik gespickt waren beantwortete, und zwar wenig freundlich. Ein absolutes no-go.
    Tja und das 10-Finger-System… Ich benutze 8 beständig und zwei, wenn es passt. Während meiner Ausbildung sollten wir das 10-Finger-System lernen (Textbearbeitung) und ich wurde beständig ermahnt, dass ich ja nicht die richtigen Finger für die entsprechenden Tasten verwenden würde. Davon habe ich mich aber nicht abschrecken lassen und hatte nachher einen Wert von 305 Anschläge die Minute – fehlerfrei. Und alles fing mit der „Geier-sucht-Beute-Taktik “ mit zwei Fingern. Alles geht. 🙂

    Vielen Dank auf jeden Fall mal wieder für diesen super Blogeintrag!

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    • Vielen Dank für diesen ausführlichen und aufschlussreichen Kommentar, Lynn. Wow, 305 Anschläge die Minute und fehlerfrei? Das klingt beeindruckend. Ich bin zwar auch relativ fix (Anschläge habe ich nie gezählt), mache aber doch ziemlich viele Fehler.

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